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Ökumenisches Heiligenlexikon

Kaiser Nero


Die einseitig negative Darstellung des römischen Kaisers Nero hat mit Sueton und den christlichen Apologeten in der Antike begonnen.
Vorgeworfen wird dem rätselhaften, dämonischen und von inneren Widersprüchen zerrissenen Herrscher, der grausame Urheber der ersten Christenverfolgung zu sein, die Tausende Opfer gefordert haben soll, dazu ein Muttermord, der Mord an seiner zweiten Ehefrau, an seinem Adoptivbruder und an vielen seiner Freunde.
Vergessen wird dabei, dass er auch ein Potentat war, der die Kunst, sich beliebt zu machen, vollendet beherrschte. Er war ein Vorläufer der Renaissancefürsten, ein sonderbares Gemisch aus Grausamkeit, Größe und Dilettantismus.
Nero war daneben ein leidenschaftlicher Künstler, ein hochbegabter Schauspieler, Politiker, Städteplaner und Reformer.

Die Nero-Legende

Der spätantike Rhetor und christliche Gelehrte Marius Victorinus (* zwischen 281 und 291, † nach 363), der frühchristliche Dichter Commodianus, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind, und der aquitanische Aristokrat Sulpicius Severus (* um 363, † zwischen 420 und 425) hielten Kaiser Nero für den Antichristen, dessen Wiederkunft sie erwarteten.
Zu dieser Erkenntnis waren sie durch die Offenbarung des Johannes (13, 18) gelangt: Hier ist die Weisheit gefordert: Wer Verstand hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.

Etwa 300 v. Chr. begannen die Juden, sich mit Gematrie zu beschäftigen, um geheime Worte durch Zahlen ausdrücken zu können. Die Gematrie beruht auf der Tatsache, dass im griechischen und im hebräischen Alphabet wie auch in der Vorgängerschrift des modernen Arabischen keine speziellen Zahlzeichen existierten, sondern statt dessen die Buchstaben selbst verwendet wurden. Daher konnte und kann jedes Wort auch als eine Gruppe von Zahlzeichen gelesen werden. Ihre proportionale Struktur, die Summe ihrer Einzelwerte oder ein durch andere Rechenoperationen gewonnener Wert steht dann für das Wort und kann zu anderen Zahlen, Worten und Wortproportionen in Beziehung gesetzt werden. Mit dieser Wissenschaft war Johannes vertraut.

Die Zahl 666 wird auch als Zahl des Tieres oder Zahl des Antichristen bezeichnet.
Durch Addition der Zahlenwerte der hebräischen Schreibweise für Kaiser Nero, נרונ קסר (Neron Kesar), erhält man die Summe 666.
Die hebräischen Buchstaben und ihre Werte:
nun         n          50
resch       r         200
waw        o           6
nun         n          50
koph        k (q)   100
samech    s          60
resch       r         200

Während des gesamten Mittelalters, sogar noch Ende des 19. Jahrhunderts., wurde der Legende vom Antichristen Nero weithin Glauben geschenkt. Daraus erwuchsen zahlreiche Abstrusitäten.

An der Nordseite der Piazza del Popolo in Rom steht die Kirche Santa Maria del Popolo. An dieser Stelle soll sich Neros Grab befunden haben, auf dem ein Nussbaum stand, in dem Neros verfluchte Seele hauste. Papst Paschalis II. hielt die in diesem Baum nistenden Vögel für Dämonen und ließ ihn fällen und an seiner Stelle ein Kapelle errichten.

Viele Christen hegen noch heute eine starke Abneigung gegen Nero, weil sie ihn für den ersten Christenverfolger halten.

Der römischen Schriftsteller und Verwaltungsbeamte Sueton (Gaius Suetonius Tranquillus, * um 70, † nach 120) und der römische Historiker Tacitus (Publius Cornelius Tacitus, * um 58, † nach 120) lieferten ihnen da auch die passenden Belege. Allerdings haben die christlichen Historiker dabei den Hintergrund dieser beiden Autoren nicht beachtet.

Neben der Kritik an der literarischen Qualität von Suetons Schriften ist auch ein gehöriges Maß an inhaltlicher Skepsis bei der Lektüre seiner Biografien geboten. Sueton übernahm die Behauptungen seiner Quellen oft kritiklos. Viele Anekdoten basieren auf teils wilden Gerüchten und entbehren jeglicher Neutralität. Gerade was die vielen Schauergeschichten über zahlreiche Kaiser angeht, muss man Sueton wohl eher als eine Art antiken Klatschreporter und nicht so sehr als historisch immer zuverlässige Quelle verstehen, der in seinen Schriften vielfach eher die Sensationslust seiner Leser befriedigen wollte, statt Fakten wiederzugeben.

Die Geschichtswerke des Tacitus – die zweifellos stilistisch beeindruckend sind und die annalistischAls annalistisch (von latein. „annum”) bezeichnet man die Ordnung der Ereignisse nach Jahren.-historiographische Tradition Roms auf ihren Höhepunkt führten – müssen kritisch betrachtet werden. So baute Tacitus oft auch Gerüchte und Hofklatsch mit ein, was wohl auch auf das Quellenmaterial zurückzuführen ist, das er zur Fertigstellung seiner Werke gesichtet hatte. Geschickt legt er dem Leser damit eine bestimmte Interpretation der geschilderten Vorgänge nahe, ohne selbst Farbe zu bekennen. Auch das Denken in Schwarz-Weiß-Kategorien sollte zur Vorsicht mahnen. Manche Ereignisse lässt er wegfallen, andere interpretiert er so, dass sie seine Thesen zu untermauern scheinen. Gerne werden den Akteuren heimliche Motive unterstellt, von denen Tacitus, objektiv betrachtet, gar keine Kenntnis besessen haben konnte.
In Fällen, in denen eine Parallelüberlieferung existiert, die eine Überprüfung seiner Angaben ermöglicht, zeigt sich, dass Tacitus das ihm vorliegende Material mitunter manipulierte.
Man darf auch nicht vergessen, dass Tacitus zu der Klasse von Senatoren und Großgrundbesitzern gehörte, die Nero politisch bekämpften.
Man kann Tacitus' Ausführungen also – was Nero betrifft - auch als Propaganda ansehen.

Aber im Zusammenhang mit Nero nahm es die christliche Geschichtsschreibung nie so genau. Alles, was Sueton und Tacitus über seine Schandtaten schrieben, wurde und wird unweigerlich für bare Münze genommen. Wenn sie jedoch auch den Christen jede Art von Schändlichkeit zuschreiben (wegen ihrer Schandtaten verhasst, so Tacitus), dann allerdings wird ihre Glaubwürdigkeit als Quelle in Frage gestellt.

Die moderne Geschichtsschreibung zeichnet dagegen ein ausgewogeneres Bild Neros. Neben dem italienischen Historiker und Archäologen Mario Attilio Levi (1902 – 1988), waren es vor allem englische, französische und rumänische Historiker (das bedeutendste Nero-Forschungszentrum befindet sich in Bukarest), die Neros Leistungen und seine Person einer kritischen Überprüfung unterzogen. Durch Quellenkritik und Betrachtung der tatsächlichen Auswirkungen von Neros Politik kamen sie zu einem den gängigen Einschätzungen vollkommen entgegengesetzten Bild des Kaisers. Das einfache Volk verstand und liebte ihn heiß und innig. Seine Beliebtheit war so groß, dass im Gegensatz zur negativen Nero-Legende bei seinem Tod im Volk eine positive Legende entstand.

Kindheit und Jugend

Im Herbst des Jahres 37 war Agrippina die Jüngere im sechsten Monat schwanger. Sie ließ sich zu dieser Zeit von einem persischen Magier, der in Rom hohes Ansehen genoss, ein Horoskop erstellen. Der Sterndeuter sagte ihr: Du wirst einem Sohn das Leben schenken, der wird Kaiser sein, aber seine Mutter ermorden. Nach dem römischen Geschichtsschreiben Cassius Dio lautete Agrippinas Antwort: Soll er seine Mutter töten, wenn er nur Kaiser wird.
Am Sonntag, dem 15. Dezember 37, kurz vor Beginn der Saturnalien, kam Agrippinas Sohn in Antium - dem heutigen Anzio -, 58 km südlich von Rom, zur Welt.

Der Vater des Knaben, Gnaeus Domitius Ahenobarbus, war ein römischer Politiker der frühen Kaiserzeit. Der Großneffe des Kaisers Augustus hatte einen widerwärtigen Charakter und seine Grausamkeiten waren stadtbekannt.
Kaiser Tiberius verheiratete ihn im Jahr 28 mit der damals etwa 12-jährigen Agrippina, der Tochter des Germanicus, die am 6. November 16 in Oppidum Ubiorum - dem heutigen Köln -, das Licht der Welt erblickt hatte. Ihr Geburtsort wurde im Jahr 50 durch Kaiser Claudius I. zur Colonia Claudia Ara Agrippinesium, Kolonie des (Kaisers) Claudius (und) Opferstätte der Agrippinenser, erhoben.

Kaiser war seit dem März des Jahres 37 der Bruder Agrippinas, Gaius, dem das Volk den Kosenamen Caligula, Militärstiefelchen, gegeben hatte.

Als Gnaeus Domitius’ Sohn geboren wurde, war er, weil er sich den Launen Caligulas nicht aussetzen wollte, in seiner toskanischen Villa in Pyrges.
Der neue Erdenbürger wurde nach altem Brauch als Lucius Domitius Ahenobarbus ins Geburtsregister eingetragen.

Als Lucius drei Jahre alt war, verbannte ihn sein kaiserlicher Onkel mit seiner Mutter auf die Insel Pontia - die heutige Insel Ponza -, da Agrippina an einer Verschwörung gegen ihren Bruder beteiligt gewesen war. Caligula war wegen des Komplotts derart erzürnt, dass der seine Schwester zwang, mit der Asche ihres hingerichteten Liebhabers Lepidus auf den Knien zum Ort ihrer Verbannung zu reisen.
Während Agrippina im Exil war, starb Gnaeus Domitius in Pyrges an Wassersucht. Caligula trachtete danach, seinen umfangreichen Besitz einzuziehen, und befahl, den Knaben von seiner Mutter zu trennen und Domitia Lepida, seiner Tante väterlicherseits, zu übergeben.
Da sich Domitia Lepida nichts aus ihrem Neffen machte, wurde er in die Obhut zweier ziemlich ungewöhnlicher Erzieher übergeben: einem Tänzer und einem Friseur (Sueton).

Nach der Ermordung des Kaisers Caligula am 24. Januar 41 wurde Agrippinas Onkel Claudius zum Herrscher des Reiches, der seine Nichte aus dem Exil heimkehren ließ.
Sie nahm ihren Sohn gleich wieder zu sich und verheiratete sich mit dem prominenten römischen Senator Gaius Sallustius Crispus Passienus. Ihr Sohn bekam nun einen neuen Lehrer, den Freigelassenen Anicetus.

Agrippina brachte ihren zweiten Ehemann dazu, ihren Sohn als Universalerben einzusetzen und als Passienus 47 oder 48 – möglicherweise von Agrippina vergiftet – starb, erbte der kleine Lucius ein riesiges Vermögen.
Agrippina hatte nun hochfliegende Pläne und machte dem Freigelassenen Narcissus, einem der Sekretäre des Kaisers Claudius I., Avancen. Durch ihn wusste sie sich dann beim Kaiser beliebt zu machen, der äußerst empfänglich für die Ränke berechnender Frauen war. Claudius brauchte nicht allzu lange, um sich in Agrippina zu verlieben, schon deshalb nicht, weil er seine fürchterliche dritte Ehefrau Valeria Messalina mehr als satt hatte.
Claudius wollte zwar nicht mehr heiraten, doch erlag er schon bald den Überredungskünsten seines Finanzverwalters Pallas.
Bald war der ganze Hof auf Agrippinas Seite und es wurde eine Volksdemonstration zu ihren Gunsten inszeniert. Der Senat verabschiedete ein Dekret, das den Kaiser von jenem Gesetz ausnahm, das eine Heirat zwischen Onkel und Nichte verbot. Der römische Pöbel marschierte zum Palatin und verlangte, Claudius solle seine Nichte heiraten.

Im Jahr 49 erfolgte die Hochzeit und im gleichen Jahr erhielt der Sohn der neuen Kaiserin den stoischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca (Seneca der Jüngere) als Erzieher.
Zum allgemeinen Entsetzen entpuppte sich Agrippina als genauso machtbesessen, wie ihre Vorgängerin Valeria Messalina. Ihr erklärtes Ziel war es, ihren eigenen Sohn, Lucius Domitius Ahenobarbus, gegen Britannicus, den Sohn des Kaisers aus der Ehe mit Messalina, als Nachfolger am Kaiserthron zu installieren.
Gerüchteweise hatten Agrippina und Pallas ein Verhältnis miteinander und arbeiteten beide zusammen, u. a. stürzten sie Narcissus.

Am 25. Februar 50 adoptierte Claudius seinen Stiefsohn Domitius Ahenobarbus. Dieser erhielt den Namen Tiberius Claudius Nero Drusus Germanicus und stand durch die Einflussnahme seiner Mutter kurz darauf an erster Stelle in der Thronfolge.
Als nächstes brachte Agrippina ihren Mann dazu, seine kaum zehnjährigen Tochter Claudia Octavia mit ihrem Sohn zu verloben. Die Hochzeit fand im Jahr 53 statt.

Geschmack und Neigungen des jungen Nero entwickelten sich nun sehr schnell. Leidenschaftlich liebte er mimische Tänze, Malerei und Musik, doch noch mehr dichterische Kompositionen. Er war hingerissen von Poesie und Schönheit des Dramas und gepackt vom Wesen des Theatralischen, im Leben wie auf der Bühne. Nachdem seine Mutter Kaiserin geworden war, sonnte er sich im feierlichen Pomp, den sie an den Hof gebracht hatte.

Nero war kaum 14, als er die toga virilis empfing, die Tracht des erwachsenen Mannes, drei Jahre vor der üblichen Zeit; fast wollte es scheinen, als verleihe ihm die kaiserliche Adoption tatsächlich solch frühe Reife. Er erhielt auch den Titel Princeps Iuventutis, Führer der Jugend, der ihn bereits zum Thronerben designierte.
Der um zwei Jahre jüngere Sohn des Kaisers, Britannicus, wurde de jure nicht von der Thronfolge ausgeschlossen, de facto jedoch mit der Adoption und den Ämtern, die Nero erhielt, in den Schatten gestellt.

Da die Prätorianergarde aber lieber Britannicus auf dem Thron gesehen hätte, ließ Agrippina die Befehlshaber Lusius Geta und Rufrius Crispinu ausschalten und durch den ihr hörigen Afranius Burrus ersetzen.
Die einzige Person, die jetzt noch im Weg stand, war Claudius selbst. Nach Äußerungen des Kaisers über die Bestrafung der Untreue seiner Gattinnen und einer Ende 52 oder Anfang 53 einsetzenden Krankheit soll Agrippina beschlossen haben, ihren Coup zu vollenden.

Thronbesteigung und Führung des Reiches

Kaiser Claudius I. war in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 54 verstorben und hatte das Imperium seinem Adoptivsohn Nero vermacht.
Es gibt sehr unterschiedliche Darstellungen seines Todes. Am verbreitetsten ist die Ansicht, Agrippina habe ihn mit vergifteten Pilzen umgebracht.
Dabei bediente sie sich – so wird berichtet - einer berühmten am Hof beschäftigten Giftmischerin namens Locusta. Der kaiserliche Vorkoster Halotus streute das Gift über einen besonders appetitlichen zubereiteten Pilz, den Claudius als Feinschmecker natürlich sofort zu sich nahm (Sueton).
Doch zeigte sich keine Wirkung, nur ein schrecklicher Durchfall war die Folge. Agrippina geriet in Panik und veranlasste den Leibarzt Xenophon dem Kaiser mittels einer Feder, die nach altrömischer Sitte zum Hervorrufen eines Brechreizes benutzt wurde, ihm nochmals Gift einzuflössen.
Ob der Pilz tatsächlich von Locusta vergiftet worden war, oder es einfach nur ein natürlicher Giftpilz war, ist aus heutiger Sicht nicht mehr festzustellen. In Italien gäbe es genug giftige Pilzarten, die Claudius ein Ende hätten bereiten können. Es ist nicht ganz klar, warum Agrippina zu diesem Mittel gegriffen haben soll, da ihr Sohn Nero ja offiziell zum Thronerben bestimmt worden war. Andererseits war er schon 17 Jahr alt, und vielleicht wollte seine Mutter nicht warten, bis er alt genug war, um ohne sie als Regentin auszukommen.

Der Beginn von Neros Regierung schien alle Hoffnungen auf ein aufgeklärtes Regime im Geiste des Augustus zu erfüllen. Er stiftete den Prätorianern eine große Geldsumme und hielt im Senat eine Rede, die ebendiese Rückkehr zur Augusteischen Tradition versprach und ließ seinen Adoptivvater Claudius vergöttlichen. Auch wurde den Senatoren in Zukunft mehr Freiheit bei ihren Handlungen und in ihrer Meinungsäußerung versprochen
Nero war bei der Machtübernahme noch sehr jung und es war nur natürlich dass er sich weniger für Politik als für Literatur, Gesang sowie Pferde und Wagenrennen interessierte.
Unter der Führung von Seneca und Burrus brach eine Periode maßvollen Regierens an.
Ein großer Teil der Regierungsgeschäfte lag aber auch in der Hand der Agrippina, die als Schwester, Witwe und Mutter je eines Kaisers gewissermaßen sakrosankt war. Wenn der consilium principis, der kaiserliche Rat, tagte, nahm sie verdeckt durch einen Vorhang daran teil. So wunderte es auch niemanden, wenn sie ihre Macht dazu benutzte, potentielle Rivalen aus dem Weg zu räumen. Ein solcher Rivale war u. a. Marcus Iunius Silanus, ein Urgroßenkel des Augustus.

Die ersten Jahre entwickelten sich für das Reich positiv. Es wurden strenge Vorschriften zur Verhinderung von Betrügereien erlassen, die Finanzverwaltung neu geregelt - einige verarmte Senatoren kamen im Zuge dessen wieder zu ihrem Mindestvermögen - und an die Statthalter in den Provinzen ging der Befehl, auf Kosten der Bevölkerung keine Spiele mehr zu veranstalten. Je älter Nero wurde, desto mehr nahmen ihn die Regierungsgeschäfte in Beschlag. Er machte sich um Verfahrensänderungen bei Gerichtsprozessen verdient. Manche Reformen scheiterten jedoch an der Größe und Komplexität des Imperiums. Der Versuch, die verhassten indirekten Steuern abzuschaffen, musste aufgegeben werden, da die direkten Steuern nicht in dem Maß erhöht werden konnten, dass der Einkommensausfall wettgemacht hätte werden können. Indes übernahm der Senat die ihm wieder übertragene Kompetenz und arbeitete mit der kaiserlichen Verwaltung beinahe schon harmonisch zusammen.
Auch eine komplette Reform der Gladiatorenkämpfe scheiterte. Nero wollte die Verwendung von verurteilten Verbrechern in der Arena abschaffen, doch verlangte das Volk genau diese Essenz in den Spielen. So blieb auch der Einfluss der Prätorianer aufrecht, um deren Beschränkung er sich ebenfalls Gedanken gemacht hatte.
Wirklich interessant ist Neros Ablehnung der Todesstrafe in jenen Tagen. Wie sein Lehrer Seneca äußerte er immer Bedenken bei der Unterzeichnung eines Todesurteil, das von Gesetz wegen zu vollstrecken war. Als der Stadtpräfekt Lucius Pedanius Secundus von einem seiner Sklaven ermordet wurde, musste Nero gemäß dem römischen Recht alle 400 Sklaven des Haushalts zum Tode verurteilen. Der Kaiser beugte sich widerwillig dem Druck der Gesetze und vermutlich auch der Strasse.
Eine Reihe derartiger Rückschlägen dämpften Neros Begeisterung am aktiven Regieren. Er zog sich immer mehr davon zurück und widmete sich seinen Vergnügungen. Er interessierte sich nun verstärkt für Pferderennen, Gesang, Theater und Tanz sowie für Dichtkunst und ein ausschweifendes Liebesleben.
Mit seinen Freunden zog er nächtens durch die Stadt und sorgte für manchen Wirbel. Doch nicht nur die reinen Lustbarkeiten des Nachtlebens hatten es ihm angetan. Verse gingen ihm sehr leicht von der Hand und da er seine Stimme unvollkommen sah, nahm er Gesangsunterricht. Zu diesem Zeitpunkt wurde Terpnus, der berühmteste Lyraspieler dieser Zeit, in den Palast - den Domus Aurea - gerufen. Nero beschäftigte sich sehr ernsthaft mit den musischen Dingen des Lebens und befolgte die Ratschläge seiner Lehrer sehr genau.
Wichtig erschien ihm nun vor allem die Aufrechterhaltung seines Ansehen bei Volk und Senat durch das Hervorheben seiner Großzügigkeit.
Glaubt man den Skandalberichten seiner Zeit, dann war Nero, was sein Liebesleben anbelangte, offenbar unersättlich. Seneca und Burrus versuchten, diese Neigung in einigermaßen vertretbare Bahnen zu lenken, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu vermeiden. So förderten sie zum Beispiel die häusliche Beziehung zu einer Freigelassenen namens Claudia Acte. Agrippina freilich dürfte kaum davon erbaut gewesen sein, dass eine Fremde ihren Platz im Palast einnahm. Außerdem bedauerte sie Neros unrömische Begeisterung für die Künste, ganz zu schweigen von der weichlichen griechischen Kleidung, die er gerne trug.
Bei Nero trat nun auch ein weiterer Sinneswandel ein, der zu zwei Verbrechen führte, die gesondert behandelt werden.

Im Jahr 62 änderte sich der Regierungsstil von Grund auf, als Burrus und Seneca die politische Bühne verließen. Burrus starb an einem Kehlkopfabszess oder –tumor. Seine Nachfolge als Prätorianerpräfekt teilten sich Faenius Rufus und der weitaus unsympathischere Gaius Ofonius Tigellinus, ein Sizilianer, der sich als Neros böser Geist erweisen sollte. Seneca zog sich ins Privatleben zurück und genoss den enormen Reichtum, den er, ungeachtet der Kritik, die er stets geübt hatte, anhäufen konnte.

Tacitus lieferte einen sehr farbigen und mit giftigen Bemerkungen gespickten Bericht über die kaiserlichen Aktivitäten. Für Roms Senatoren waren sie Irrwege des Herrschers. Aber sie beeinträchtigten den Frieden und Wohlstand und auch die innere Sicherheit des Reiches nicht. Nur an einigen entlegenen Grenzen gab es Kriegshandlungen.
Nach der Lösung des Problems mit den Parthern ließ Nero als Zeichen dafür, dass an allen Grenzen des Reiches Frieden herrschte, die Doppeltüren des Janustempels schließen. In der gesamten römischen Geschichte gelang es nur drei Kaisern, diese Türen eine Zeitlang geschlossen zu halten. Ein friedliebender Kaiser kam beim Adel allerdings schlecht an. Nur im Krieg gab es viel zu verdienen.

Allmählich verschlechterten sich aber die Verhältnisse in Rom. Ein entscheidendes Ereignis im Lauf dieser Entwicklung war der Brand der Stadt im Jahr 64.
Mit der Zeit verschlechterten sich auch die Beziehungen zu den Mitgliedern des Senats erheblich. Nach einer groß angelegten Verschwörung und Neros Aufenthalt in Griechenland war es zu Erhebungen gegen ihn gekommen, mit denen er hätte fertig werden können, wenn er entschlossen gehandelt hätte. Er begnügte sich aber, von Vergeltung zu träumen und ging damit seinem Ende entgegen.

Nero als Künstler und Rennfahrer

Nichts hat mehr bitteren Spott und Hohn hervorgerufen als Neros öffentliche Auftritte als Künstler und Rennfahrer. Neben seiner unbestreitbaren Selbstverliebtheit verfolgte Nero damit aber auch ein politisches und pädagogisches Programm: der Versuch einer Kulturrevolution. Einige Autoren sehen darin seine originellste Leistung, mit der er allerdings seiner Zeit voraus war und daher scheiterte. Durch die hellenistische Kultur versuchte Nero die Sitten der römischen Gesellschaft zu zivilisieren und zu verfeinern. Künstlerische Veranstaltungen galten bei den Römern nicht viel, im Gegensatz zu Kriegs- und Militärdienst. Neros persönliche Auftritte sollten vermitteln, dass die Kunst einer kollektiven Teilnahme würdig ist und deshalb auch keine Klassengrenzen kennt.
Neros erster öffentlicher Auftritt erfolgte erst zehn Jahre nach seiner Thronbesteigung. Diese Zeit hatte Nero darauf verwandt, die Voraussetzungen für diese neue Kultur zu schaffen. Es war also nicht reiner Narzissmus, der ihn trieb. Seine Motive waren weitreichender, sonst hätte er sich nicht so lange zurückgehalten. Obwohl Nero seine geplante Kulturrevolution ganz allmählich voranbrachte, stießen die Neuerungen bei der Aristokratie und der Intelligenz auf heftige Ablehnung. Tacitus bezeichnet die neuen Sitten als verachtenswert und  entwürdigend.
Nero führte einen Hof, wie er aus der Renaissance bekannt ist. Man pflegte einen raffinierten, ästhetisierenden, eleganten, ironischen, libertären, skeptischen, sinnlichen, eher amoralischen als unmoralischen Stil. Nichts galt als selbstverständlich, alles wurde in Frage gestellt und diskutiert.

Neros Verbrechen

Von den vielen Verbrechen, die man Nero anlastet, können im Grunde nur zwei als echte Straftaten betrachtet werden: die Ermordung seiner Mutter und die seiner Gemahlin Claudia Octavia.

Dass Nero seinen Stiefbruder Britannicus kurz vor seinem 14. Geburtstag im Februar 55 bei einem Festmahl vergiften ließ, ist eine Behauptung von Tacitus. Alle nichtrömischen Quellen sprechen dagegen. Wahrscheinlicher ist, dass der Jüngling an Epilepsie litt und daran starb. Diesen Schluss lässt u. a. auch der von Tacitus geschilderte Anfall zu.
Außerdem war für Nero kein Grund gegeben, sich zu einem derartigen Schritt hinreißen zu lassen, noch dazu in einer Zeit, in der er sich scheute, Todesurteile zu unterfertigen.

Agrippinas Ermordung war aus politischen Gründen unvermeidlich. Sie war durch ihre Machtbesessenheit eine Gefahr für ihren Sohn.
Nero fasste 59 den Entschluss, sie in der Nähe des Golfs von Cumae - dem heutigen Cuma - umbringen zu lassen. Tacitus schilderte dieses Ereignis äußerst dramatisch. Ihm zufolge ließ Nero einen Schiffsunfall vortäuschen. Agrippina fuhr auf einem Boot, das dazu bestimmt war, während der Fahrt auseinander zu brechen. Womit Nero allerdings nicht gerechnet hatte war, dass sie an Land schwimmen konnte, wo sie ihrem Mörder aber doch nicht entkommen konnte. Dem Senat gegenüber beteuerte der Kaiser, Agrippina habe ihn zu dieser Tat gezwungen, weil sie einen Anschlag auf sein Leben vorbereitet habe. Die Senatoren waren keineswegs unzufrieden, dass Agrippina beseitigt worden war, da sie sie wegen ihrer unrechtmäßigen Machtstellung und ihres arroganten Wesens hassten. Und zu Neros Erleichterung nahmen auch die Prätorianer und die Öffentlichkeit nicht allzu viel Notiz von dieser Angelegenheit, und das, obwohl Agrippina die Tochter des einst so beliebten Germanicus war.

Nero verliebte sich 59 in die Frau seines Freundes, des späteren Kaisers, Marcus Salvius Otho, und wollte seine ihm einst aufgezwungene Frau Claudia Octavia los werden.

Obwohl Neros Geliebte - Poppaea Sabina - wohl Einfluss auf die Ermordung seiner Mutter hatte, ließ sich Nero erst nach dem Tod des Burrus und dem Rückzug Senecas im Jahre 62 von Octavia scheiden. Die Scheidung wurde mit Octavias Unfruchtbarkeit begründet. Sie erhielt die Güter des kurz zuvor ermordeten Rubellius Plautus, eines Urenkels von Tiberius. Um den Protest des Volks, das sie als legitime Angehörige des iulisch-claudischen Kaisergeschlechts sehr verehrte, zu unterdrücken, dichtete Nero ihr Ehebruch und – entgegen seinem Scheidungsgrund Unfruchtbarkeit – eine Abtreibung an. Sueton berichtete, schließlich habe Anicetus, der Mörder Agrippinas, auf Poppaeas Betreiben erklärt, ihr Liebhaber zu sein. Das gab Nero einen Vorwand, um sie zu verbannen. Octavia, die sich gegen die unberechtigte Behandlung wehrte, wurde auf die Insel Pandataria - die heutige Insel Ventotene - geschickt und ihre Sklavinnen brutal ermordet, um ihren Widerstand zu brechen. In der Verbannung wurde sie auf Poppaeas Antreiben ermordet. Ihren Kopf soll man in ihre Villa Poppaea im heutigen Torre Anunziata gebracht haben.

Neros Ehe mit Poppaea war sehr glücklich. Poppaea protegierte die Juden, und Nero drückte ein Auge zu bei dem Durcheinander, das sie ständig in Rom und auch außerhalb provozierten. Am 21. Jänner 63 bekamen Poppaea und Nero eine Tochter, die aber bereits nach vier Monaten starb. Neros Schmerz war maßlos. Zwei Jahre später war Poppaea wieder schwanger.
Umstritten ist nun, ob Nero seine Frau in betrunkenem Zustand durch einen Fußtritt in den Unterleib tötete oder ob Pappea an einer Schwangerschaftskomplikation starb.

Der Brand von Rom und die angebliche Christenverfolgung

Es ereignete sich ein Unglück, schrieb P. C. Tacitus, man weiß nicht, ob durch Zufall oder Bosheit des Fürsten. Ein Unglück, das drückender und schrecklicher war, als alles, was diese Stadt je durch Gewalt der Flammen zu leiden hatte.

Kaiser Nero befand sich in seiner Villa in Antium - dem heutigen Anzio -, als in der Nacht vom 18. zum 19. Juni 64 in dem Teil des Circus Maximus ein Brand ausbracht, der dem Palatin und dem Monte Celio nahe lag. Er breitete sich rasch über die Läden – Holzbuden, die mit Ölen und Stoffen aller Art gefüllt waren – um den Circus aus.

Die Brandausbruchsstelle
Die Brandausbruchsstelle

Der Brand wütete zuerst in der 11. und 12. Region (Circus Maximus und Piscina Publica), breitete sich dann auf die Höhen der 13., 10. und 2. Region (Aventinus, Palatium und Monte Celio) aus und tobte danach wieder in den Tiefen der 3., 4., 8. und 12. Region (Isis et Serapis, Via Sacra, Forum Romanum und Piscina Publica).

Nachdem man Nero vom Brandausbruch und dem ungefähren Ausmaß der Katastrophe berichtet hatte, eilte er nach Rom und engagierte sich bei den Löscharbeiten.

Die sofort eingeleiteten Brandbekämpfungsmaßnahmen verliefen erfolglos. Erst am sechsten Tag verlöschte der Brand am Fuße des esquilinischen Hügels, nachdem man ganze Häuserviertel niedergerissen hatte, um seine Gewalt zu brechen.

Effizientere Angriffe der Löschkräfte waren aufgrund der engen und unregelmäßig verlaufenden Straßen, der riesigen Insulae (Häuserblöcke) und des damaligen technologischen Standes der Ausrüstung nicht möglich, darüber hinaus wurden sie durch die Menge der Flüchtenden behindert. Panik war unter der Stadtbevölkerung entstanden und viele Menschen wurden zu Tode getreten. Bei Versuchen, Brandschneisen zu schlagen und wirksame Gegenfeuer zu entfachen, wurden die Feuerwehrkräfte oft behindert, weil diese Maßnahmen auf das Unverständnis der Bevölkerung stießen. Auch wurden während der Feuersbrunst Plünderer beobachtet und Menschen, die brennendes Holz in noch nicht brennende Gebäude warfen.

Kaum hatten sich die Einwohner Roms zu beruhigen begonnen, als in Aemilianis, jenem Teil des Marsfeldes, welcher sich vom Circus Flaminius nach dem Quirinal hinzieht, erneut ein Brand ausbrach, der erst am 28. Juni 64 gelöscht werden konnte.

Dieser Brand hatte nach Tacitus zur Folge, dass von den 14 Regionen der Stadt nur vier ganz erhalten blieben, drei völlig und die restlichen sieben größtenteils zerstört wurden.
Die vier Unversehrten waren Transtiberina (14.), Esquilina (5.), Alta Semita (6.) und Porta Capena (1.). Völlig zerstört wurden die Regionen 11. (Circus Maximus), 10. (Palatium) und 3. (Isis und Serapis).

Die Brandkatastrophe ist neben der unbefriedigenden Anlage der Stadt und den vielen, leicht brennbaren Bauwerken, der Ineffizienz der Löschmannschaft zugeschrieben worden.
Was die Bauart Roms anlangt, ist dies sicher richtig, die Leistungen der Feuerwehrkräfte der Stadt waren, trotz des erschütternden Ausgangs der Ereignisse, respektabel.

Die Brandursache konnte nicht eindeutig geklärt werden.

Neros unbestreitbarer Verdienst waren seine Maßnahmen unmittelbar nach dem Erlöschen des riesigen Brandes. Er ordnete die Öffnung seiner Gärten sowie des Marsfeldes und des anschließenden Campus Agrippae an. Er erteilte Befehl zum sofortigen Bau von Notunterkünften und forderte Nahrungsmittel und Bekleidung von den Nachbarstädten an. Es wurde Brot, Weizen und Speiseöl verteilt und er sorgte sich um die Beruhigung der Bevölkerung.
Weiters zählen dazu seine nach dem Brand erlassenen Verordnungen, um den Wiederaufbau zu fördern und ähnliche Katastrophen in Zukunft vermeiden zu können.

Obwohl anzunehmen ist, dass der Großbrand durch Fahrlässigkeit entstanden war, konnte Nero nicht dem Gerücht entgehen, für die Brandstiftung verantwortlich zu sein.
Um diesem Gerücht zu entgehen, schob der Imperator – so lauten viele bekannte Berichte – die Schuld auf die verhältnismäßig kleine Gruppe der in der Stadt lebenden Christen.
Man suchte in erster Linie nach den Brandstiftern, wobei die religiöse Überzeugung der in Frage kommenden Personen zunächst kaum gefragt war.
Die Klärung der Brandursache und das Auffinden des oder der Schuldigen war die Aufgabe des Leiters der römischen Feuerwehr, des praefectus vigilum. Ihm stand die Gerichtsbarkeit über Brandstifter, Einbrecher, Räuber, Diebe und Hehler zu, wobei er, mit Ausnahme bei Sklaven, maximal körperliche Züchtigungen verhängen durfte. Im Fall von arglistigen Brandstiftungen Freier mussten diese dem praefectus urbi vorgeführt werden. Die Strafen für Brandlegung, grob fahrlässiges oder fahrlässiges Herbeiführen eines Brandes waren gesetzlich geregelt.
Als die Christen die Zerstörung Roms öffentlich feierten und es zu spontanen Geständnissen kam, begannen entsprechende Prozesse. Da jedoch auch Angeklagte gefoltert wurden - bei Sklaven war das erlaubt - wurden sicher auch viele Unschuldige hineingezogen. Auch die Juden, die in den Christen eine häretische Sekte sahen, sorgten durch Denunziationen dafür, dass die Zahl der Beschuldigten wuchs. Von den rund 3000 Mitgliedern der Christengemeinde wurden 200 bis 300 angeklagt. Es wurden nicht alle Angeklagten zum Tode verurteilt. Es gab auch Freisprüche und geringe Strafen. Die Art der Todesstrafe richtete sich nach den damals üblichen Gesetzen: Tod durch Verbrennen, den Hunden zum Fraß vorwerfen bzw. Kreuzigung für Sklaven und Nichtrömer.
Den Prozessen gegen die Brandstifter folgten mehrere Prozesse gegen jene Personen, die entgegen der Anordnungen des Staates Getreide zu Wucherpreisen verkauften oder es horteten und damit der allgemeinen Verteilung entzogen. Da für eine abgesonderte Religionsgemeinschaft die Hilfe der eigenen Mitglieder natürlich im Vordergrund steht, dürften auf diesem Wege auch Prozesse gegen Christen geführt worden sein.

Es ist unbestritten, dass auch Christen nach dem Brand zum Tod verurteilt worden waren, nur von einer Christenverfolgung, wie sie in den nachfolgenden Jahrhunderten gang und gäbe waren, kann mit Sicherheit nicht gesprochen werden.

Die Pisonische Verschwörung

Im Jahre 65 wurde eine Verschwörung aufgedeckt, die als sehr gefährlich angesehen wurde und die als Pisonische Verschwörung ist die Geschichte eingegangen ist. Die treibende Kraft war – zumindest einer Überlieferung zufolge – Gaius Calpurnius Piso, ein gut aussehender, aber oberflächlicher Aristokrat. Eine andere Darstellung bezeichnet dagegen Faenius Rufus – einen der beiden Gardepräfekten, der voll Hass war, weil ihn Tigellinus ausgebootet hatte – und den ins Privatleben zurückgekehrten Seneca als eigentliche Anführer.
Wie sich die Dinge wirklich verhielten, wird sich kaum mehr klären lassen. Fest steht, dass die Anschuldigung, an der Verschwörung beteiligt gewesen zu sein, 19 Männern der römischen Oberschicht das Leben kostete. Sie wurden entweder hingerichtet oder zum Selbstmord gezwungen. Weitere 13 Personen wurden verbannt. Unter denen, die sterben mussten, waren Piso, Faenius und Seneca sowie Senecas Neffe, der Dichter Marcus Annaeus Lucanus, einst ein enger Freund Neros, und Claudia Antonia, die Tochter des verstorbenen Kaisers Claudius.

Die Reise nach Griechenland

Im Herbst 66 reiste Nero nach Griechenland, ein Wunsch, den er schon als Kind hegte. Ein Jahr wollte er dort bleiben. So lange war noch kein Kaiser von Rom fortgeblieben. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits eine Reise nach Ägypten geplant. Doch das Volk flehte ihn an, zu bleiben. Aber diesmal wollte er sich nicht aufhalten lassen, obwohl der Zeitpunkt nach einer Verschwörung des Konsuls Vinicianus ungünstig war.
Die Reise nach Griechenland sollte der krönende Abschluss der hellenistischen Kulturrevolution werden. Die Länge der Reise sollte die Gleichberechtigung der östlichen Länder des Reiches betonen. Nero startete seine künstlerischen Auftritte in Korfu. In Korinth, das das moderne, hellenistische Griechenland repräsentierte, blieb er über Winter. Im Frühjahr und Sommer setzte er seine Tournee bei den panhellenischen Spielen fort, wo er natürlich als Sieger gefeiert wurde.
Wieder zurück in Korinth nahm er ein großes Projekt in Angriff: den Durchstich der Landenge, um die Handelsbeziehungen zu erleichtern. Im November 67 erklärte Nero Griechenland für unabhängig, ein Novum für das Römische Reich, das noch niemals zuvor einer ganzen Provinz die Unabhängigkeit verliehen hatte. Die Freiheit Griechenlands verursachte wenig Kosten, brachte ihm aber die Treue der östlichen Völker ein: ein intelligenter politischer Schachzug.
In Rom war die Stimmung allerdings weniger gut. Der Adel nutzte Neros Abwesenheit, das Volk war unzufrieden. Im Jänner 68 reiste Nero überstürzt nach Rom zurück. Er fuhr im Triumphzug, der eigentlich nur siegreichen Heerführern vorbehalten war, am begeisterten Volk vorbei.

Neros Ende

Im März des Jahres 68 erhob sich Gaius Iulius Vindex, der Statthalter von Gallia Lugdunensis (der mittlere Teil Galliens), gegen Nero, und Galba in Spanien unterstützte die Revolte. Unabhängig davon erhob sich in Africa Lucius Claudius Macer, und sogar die am Rhein stationierten Legionen, die Vindex bei Vesontio - dem heutigen Besançon in Frankreich - geschlagen hatten, weigerten sich nun, Nero weiterhin als Kaiser anzuerkennen.
Tigellinus war ernsthaft krank geworden und deshalb machtlos, während der amtierende Prätorianerpräfekt Nymphidius Sabinus seine Soldaten dazu brachte, Nero den Gehorsam zu verweigern.
Als Nero auch noch hörte, dass auch der Senat sich gegen ihn gewandt und ihn zum Tode durch Peitschenhiebe verurteilt habe, beschloss er, mit Hilfe eines seiner Sekretäre Selbstmord zu begehen.
Nero erdolchte sich am 9. Juni 68 und voller Selbstmitleid brachte er noch den Satz Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde! hervor.

Sein Leichnam wurde in der väterlichen Familiengruft der Domitii auf dem Pincianischen Hügel in einem Porphyrsarkophag beigesetzt. Zu seinen Ehren wurde ein Marmoraltar samt steinerner Balustrade errichtet. Überraschend bleibt, dass Nero die Grabschändung, wie sie vielen anderen verhassten Personen widerfahren sollte, erspart blieb.
Nero war hauptsächlich bei Senat, konservativer Oberschicht und jenen verhasst, die seine Steuern aufbringen mussten. Der gemeine Bürger hingegen, der weniger unter seinen Schikanen zu leiden hatte, konnte sich durchaus positiv an die Regierungszeit Neros erinnern; jenem Kaiser der zur Lyra sang. Und selbst Jahre später wurde sein Grab regelmäßig im Frühling und im Sommer mit Blumen geschmückt.

Prof. Helmut Bouzek, E-Mail vom 1. Februar 2012





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Autor: Prof. Helmut Bouzek - zuletzt aktualisiert am 18.06.2017
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