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Ökumenisches Heiligenlexikon

Zur Lage von Bethsaida


Im 19. Jahrhundert hat man mit intensiven Diskussionen darüber begonnen, ob es sich bei Bethsaida um einen (aufgrund von Johannesevangelium 12, 21) zu Galiläa gehörigen, also am damaligen Westufer des Jordans gelegenen Ort, handelte (verwiesen wurde auf die Ortslage El Aradsch in der Niederung der Jordanmündung) oder ob der – auch damals schon - östlich des Jordans rund zwei Kilometer weiter nördlich gelegene Siedlungshügel Et-Tell in Frage kommt. Die Frage ist zugunsten von Et-Tell entschieden worden.

Johannes und Plinius lokalisierten Bethsaida (Julia) in Galiläa, eine eher informelle Angabe, da Galiläa am Jordan endet und Bethsaida in der Region Batanäa in der Gaulanitis lag. Ohne geographische Angaben wird Bethsaida bei Markus, Matthäus und Johannes (1, 44) erwähnt.

Bei Flavius Josephus - Jüdische Altertümer - heißt es: Als Quirinus des Archelaus Vermögen sequestriert und die Einschätzung, die in das siebenunddreissigste Jahr nach dem Siege des Caesars über Antonius bei Actium fiel, zu Ende geführt hatte, setzte er den Hohepriester Joazar, der mit dem Volk in Streit geraten war, von Amt und Würden ab und übertrug die Stelle an Ananus, den Sohn des Seth. Herodes und Philippus aber nahmen jeder Besitz von seiner Tetrarchie. Herodes befestigte alsdann Sepphoris, die Zierde von Galilaea, und weihte die Stadt dem Caesar. Ebenso umgab er Betharamphtha, das bereits zu einer Stadt angewachsen war, mit Mauern und nannte die Festung der Gemahlin des Caesars zu Ehren Julias. Philippus seinerseits baute die an den Quellen des Jordan gelegene Stadt Paneas aus und gab ihr den Namen Cäsarea (Philippi), erhob dann den Flecken Bethsaida, der am See Gennessar lag, zum Rang einer Stadt, verschaffte derselben Einwohner und Hilfsquellen und nannte sie nach des Caesars Tochter ebenfalls Julias.

Demnach lag Bethsaida im Gebiet von Judäa jenseits des Jordan, das die Gaulanitis, die Batanäa, die Auranitis und die Trachonitis umfasste. Es lag östlich des oberen Jordans und nördlich des Jarmuk Flusses. Das Judäa jenseits des Jordans bildete das hauptsächliche Herrschaftsgebiet von Herodes Philippos bis zu dessen Tod im Jahre 34 n. Chr.

Dass es zwei Bethsaida gegeben haben könnte, geht aus den Erklärungen zu Flavius Josephus' Jüdische Altertümer hervor und ist z. B. in Meyers Konversationslexikon, Band 2, Seite 827 (Angaben aus dem Jahr 1888) nachzulesen:
Bethsaida (Haus des Fanges)
1) Flecken in Galiläa, an der Nordwestseite des Sees Genezareth. Geburtsort der Apostel Petrus, Andreas und Philippus.
2) Flecken in der Gaulanitis, unweit oberhalb des Jordaneinflusses in den See Genezareth, wurde vom Tetrarchen Philippos zur Stadt erhoben und zu Ehren der Tochter des Augustus Julias genannt. In seiner Nähe soll die Speisung der 5000 stattgefunden haben. Ruinen auf dem Hügel Et-Tell.

Die Begründung für ein Bethsaida, das sowohl in der Gaulanitis als auch in Galiläa gelegen sein soll, habe ich im Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon des Verlages Traugott Bautz (im Artikel   Philippus) gefunden, darin heißt es zu Bethsaida: Politisch gehörte es zum Gebiet des Tetrarchen Herodes Philippus, der es zur Stadt erhoben hat. Das Gebiet um den See wurde indes in der Zeit des jüdischen Krieges (66 - 70) und danach als Galiläa bezeichnet, worauf der Ausdruck Betsaida in Galiläa (Johannesevangelium 12, 21) fußt.

Bethsaida (Et-Tell) liegt am Nordende des Sees Genezaret, zum Teil im Naturschutzgebiet Jordanpark, ungefähr 250 m östlich des Jordan. Der Siedlungshügel liegt spätestens seit einem Erdrutsch im Jahr 363 rund zwei Kilometer vom See entfernt. Neue geomorphologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Siedlung im 1. Jahrhundert eine direkte Verbindung zum See hatte.

In byzantinischer Zeit war die Lage des biblischen Ortes noch bekannt, denn um 530 berichtete der Pilger Theodosius: Von Kafarnaum sind es 6 Meilen bis Bethsaida. Sechs byzantinische Meilen entsprechen ungefähr neun Kilometer, eine Entfernung, die auf Et-Tell passt, wenn man berücksichtigt, dass die damalige Straße über eine Brücke nördlich von Bethsaida führte.

Der Name Bethsaida, Fischhausen, weist darauf hin, dass der Ort am See lag, und tatsächlich bildete der See Genezaret vor 2000 Jahren hier eine Bucht, die bis Et-Tell reichte und erst allmählich durch die Ablagerungen des Jordan aufgefüllt wurde.

Dass sich Bethsaida zugleich am Jordan befand, weiß man von Flavius Josephus (Jüdischer Krieg III, 10, 7) und aus dem Jerusalemer Talmud (Schekalim IV, 2) - und zwar auf der Ostseite, denn es gehörte zur transjordanischen Tetrarchie des Philippos, und der Jordan bildete die Grenze zur Tetrarchie des Herodes Antipas (Jüdische Altertümer XVIII, 2, 1).

Ab der Zeit der Kreuzzüge geriet die Lage von Bethsaida in Vergessenheit. Vor dem Sechstagekrieg von 1967 hatte der Beduinenstamm der Tellauiye auf dem Hügel Et-Tell seinen Hauptsitz.

Archäologische Grabungen werden seit 1987 von Dr. Rami Arav, Professor an der Universität Nebraska, USA, und Leiter der Ausgrabungen, vorgenommen.

Prof. Helmut Bouzek, E-Mail vom 23. Mai 2011





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Autor: Prof. Helmut Bouzek - zuletzt aktualisiert am 10.09.2016
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