Ökumenisches Heiligenlexikon

Origenes

auch: Adamantios
koptischer Name: Ⲱⲣⲓⲅⲉⲛⲏⲥ ⲡⲓⲣⲉⲙⲢⲁⲕⲟϯ - Ōrigenēs pi-rem-Rakoti - Origenes der von Alexandria

1 Gedenktag evangelisch: 27. April

Name bedeutet: ?

Lehrer, Theologe
* um 187 in Alexandria in Ägypten
um 254 in Tyros (?), heute Sur im Libanon


Origenes wurde in christlichem Glauben erzogen, er war Schüler des Clemens von Alexandria. Nachdem sein Vater Leonides um 204 in einer Christenverfolgung unter Kaiser Septimius Severus getötet wurde, musste Origenes zurückgehalten werden, um nicht selbst den Märtyrertod zu erleiden. Nach dem Tod des Vaters geriet die Familie in wirtschaftliche Not und eine reiche Matrone nahm Origenes bei sich auf und sorgte für seine weitere Ausbildung. Origenes unterrichtete dann etwa 28 Jahre lang an der Katechetenschule in Alexandria und unterwies Christen wie Heiden. Laut Eusebios von Cäsarea waren sein Asketentum und seine Frömmigkeit so ausgeprägt, dass er sich sogar selbst kastrierte, um der Versuchung zu entgehen. In Alexandria verfasste Origenes seine wichtigsten Abhandlungen.

Auf einer Palästinareise wurde Origenes, der eigentlich Laie war, 216 vom Bischof von Jerusalem und vom Bischof von Cäsarea aufgefordert, Vorlesungen über die Heilige Schrift zu halten. Neben vielen Auslegungen und Predigten verfasste er die Hexapla eine sechsspaltige Ausgabe des Alten TestamentsWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde., die neben dem hebräischen Text und seiner Wiedergabe in griechischen Buchstaben vier griechische Übersetzungen enthielt. Um 230 wurde Origenes von denselben Bischöfen zum Presbyter geweiht, ohne jedoch die Zustimmung seines eigenen Bischofs, Demetrios I. von Alexandria, einzuholen. Nachdem sich Demetrios dieser Handlung widersetzte, wurden zwei SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Alexandria einberufen. Auf der ersten wurde ein Lehrverbot gegen Origenes erlassen, auf der zweiten wurde ihm seine Priesterwürde aberkannt.

Daraufhin ließ sich Origenes in Cäsarea nieder und gründete eine Schule für Literatur, Philosophie und Theologie. Während der Christenverfolgungen wurde er 250 unter Kaiser Decius gefangen genommen und gefoltert, 251 wieder freigelassen, starb jedoch um 254 an den Folgen seiner Verletzungen.

Origenes war der einflussreichste Theologe der griechischen Kirche und wohl der bedeutendste der Gesamtkirche vor Augustinus. Er war Platoniker und versuchte, die griechische Philosophie mit der christlichen Religion zu verbinden. Sein Werk umfasst Abhandlungen zur Dogmenlehre und praktischen Theologie, apologetische Schriften und Auslegungen zur Bibel. Contra Celsum, gegen Celsus, ist eine umfassende Schrift, worin er das Christentum gegen die Angriffe des Philosophen Celsus verteidigte; Celsus war ein einflussreicher alexandrinischer Platoniker des 2. Jahrhunderts und der erste ernsthafte gelehrte Kritiker des Christentums. Origenes' berühmtestes Werk sind die vier Bücher Über die Anfänge, die erste und über Jahrhunderte einzige Darstellung der christlichen Lehre.

Origenes gilt als Begründer der allegorischen Auslegungsmethode der Heiligen Schrift; er stellte die Lehre vom dreifachen Schriftsinn auf, die der zu jener Zeit verbreiteten Auffassung von der Dreiteilung des Menschen in Körper, Seele und Geist entspricht; demnach gibt es einen buchstäblichen, einen moralischen und einen mystisch-allegorischen Sinn der Schrift. Er entwickelte die Theorie von Christus als Logos, dem fleischgewordenen Wort, der in Ewigkeit mit dem Vater existiert. Gleichzeitig lehrte er auch, dass der Sohn dem Vater in Macht und Rang unterlegen sei. Dies, wie auch seine Lehre von der Präexistenz der Seele, wurde von vielen Zeitgenossen scharf kritisiert, einige der von seinen Lehren abgeleiteten Theorien wurden auch während des Mittelalters zum Ausgangspunkt für theologische Kontroversen.

Worte von Origenes

In acht Büchern wendet sich Origenes gegen den platonischen Philosophen Celsus (griechisch: Kelsos), der um 178 eine Streitschrift gegen das Christentum verfasste hatte, die aus des Origenes Gegenschrift weithin rekonstruiert werden kann. Der Heide Celsus zitiert aus der Bergpredigt: Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin! [Matthäusevangelium 5, 39] und bemerkt dazu: Unrecht nicht mit Unrecht zu vergelten, sondern es lieber zu erleiden, das habe auch schon Platon so gelehrt und zwar nicht in bäuerischer, sondern feinerer Ausdrucksweise. Darauf antwortet Origenes:

Wenn die Lehre nützlich und ihr Inhalt verständig ist, und wenn sie sich von Griechen ausgesprochen findet, bei Plato oder sonst einem der griechischen Weisen, von den Juden aber bei Moses oder einem der Propheten und von den Christen in den aufgezeichneten Worten Jesu oder in Äußerungen bei einem seiner Apostel, so darf man das, was bei Juden oder bei Christen gelehrt wird, nicht deshalb tadeln, weil es auch bei Griechen gesagt worden ist, um so weniger, wenn sich nachweisen lässt, dass die Bücher der Juden älter sind als die der Griechen.
Auch darf man andererseits nicht denselben Gedanken, wenn er in das schöne Gewand der griechischen Sprache gekleidet ist, für durchaus besser halten, als wenn er, in schlichte Form und einfache Wendungen gefasst, bei Juden oder Christen erscheint. … Soll man aber zeigen, dass die übereinstimmenden Lehren, wenn die Sache auch seltsam zu sein scheint, sogar besser bei den Propheten der Juden oder in den Schriften der Christen ausgedrückt sind, so muss man den Beweis nach einem von der Nahrung und ihrer Zubereitung entnommenen Beispiel so führen: Man denke sich eine gesunde Speise, die den davon Essenden Kraft zu geben fähig ist, aber auf eine Weise zubereitet und mit solchen leckeren Zutaten gewürzt, dass sie dem Geschmack der Bauern und Landarbeiter und armen Leute, die an solche Dinge nicht gewöhnt sind, widersteht und nur den Reichen und Verweichlichten mundet. Man nehme ferner an, diese nämliche Speise sei nicht so zubereitet, wie die Feinschmecker es lieben, sondern so, wie sie die armen Leute und die Bauern und die Mehrzahl der Menschen zu essen gewohnt sind, und werde von all den Tausenden verzehrt. Wenn nun der Annahme zufolge die auf die eine Art zubereitete Speise allein der Gesundheit der Feinschmecker zuträglich ist, während niemand von der großen Menge auf solche Nahrungsmittel verfällt, die auf die andere Art zubereitete Speise aber der großen Masse der Menschen Gesundheit und Kraft verleiht: wem werden wir da wegen der heilsamen Speisen wohl mehr Beifall schenken, wenn wir auf das gemeine Wohl Rücksicht nehmen? Etwa den Männern, die für die Gebildeten die Speisen in nützlicher Weise zubereiten, oder denen, die dasselbe für die große Menge tun? Nehmen wir auch an, die Speise bewirke dieselbe Gesundheit und dasselbe Wohlbefinden, mag sie nun auf diese oder auf jene Art zubereitet sein, so legt uns doch offenbar gerade die Menschenliebe und das Gemeinschaftsgefühl nahe, dass der Arzt, welcher für die Gesundheit der großen Menge sorgt, der Gesamtheit mehr nützt als der, welcher sich nur um die Gesundheit weniger bemüht.
Wenn wir nun dieses Beispiel verstanden haben, so müssen wir es auf die Beschaffenheit der geistigen Nahrung der mit Vernunft begabten Wesen anwenden. Man beachte, ob nicht Plato und die (anderen) griechischen Weisen mit ihren schönen Aussprüchen jenen Ärzten ähnlich sind, die sich nur um Angehörige der gebildeten Stände bemühen, die große Masse der Menschen aber verachten, während dagegen die jüdischen Propheten und die Jünger Jesu, welche die kunstvolle Zusammenfügung der Worte und die Menschenweisheit, wie die Schrift [1. Korintherbrief 2, 5] es nennt, und die Weisheit nach dem Fleisch [vgl. 1 Korintherbrief 1, 26], womit sie die Sprache dunkel andeutet, weit von sich abweisen, wohl den Männern gleichen dürften, die dieselbe ganz gesunde Beschaffenheit der geistigen Speisen herzustellen und zu bereiten besorgt sind. Deshalb bedienen sie sich einer Redeweise, die der großen Masse der Menschen verständlich ist und nicht von deren Sprache abweicht und sie nicht durch ihre Fremdartigkeit davon abhält, solche Vorträge, da sie ihnen ungewohnt sind, anzuhören. Denn wenn wirklich die Aufgabe vorliegt, durch die geistige Speise - um sie so zu nennen - in dem, der sie genießt, Langmut und Sanftmut zu erzeugen: Dürfte da nicht die Rede besser zubereitet sein, welche eine ganze Menge von langmütigen und sanftmütigen Menschen oder von solchen schafft, die in diesen Tugenden Fortschritte machen, als diejenige Rede, welche nur sehr wenige und leicht zu zählende Menschen - um auch dies zuzugeben - langmütig und sanftmütig gestaltet?
Wenn aber Plato als Grieche den Leuten, die nur ägyptisch oder syrisch sprechen, mit guten Lehren hätte nützen wollen, so hätte er wohl Vorsorge getroffen, die Sprachen seiner künftigen Hörer zu lernen und - wie die Griechen sagen - lieber barbarisch zu sprechen, um die Ägypter und Syrer zu bessern, als in seiner Muttersprache zu reden und darauf verzichten zu müssen, den Ägyptern und Syrern etwas Nützliches zu verkünden. Ebenso ließ sich die göttliche Natur, die nicht nur für die in griechischer Wissenschaft als unterrichtet geltenden Menschen, sondern auch für die übrigen Sorge trägt, zu der Unbildung der großen Masse der Hörer herab, um durch Gebrauch der ihnen gewohnten Ausdrücke die Masse der Ungebildeten zum Zuhören zu veranlassen. Denn diese können nach der einmal erfolgten Einführung leicht eine Ehre darein setzen, auch die tieferen der in der Schrift verborgenen Gedanken zu erfassen. Ist es doch auch dem ersten besten Leser der Schrift klar, dass er darin einen tieferen Sinn haben kann, als der ist, der sich beim ersten Anblick zeigt. Jener tiefere Sinn wird aber nur denen offenbart, die sich der Erforschung des Wortes widmen, und zwar offenbart entsprechend der auf das Wort verwandten Muße und dem bei diesem Studium gezeigten Eifer.

[Celsus VII, Nr. 59 - 60; ähnlich VI, 1 - 2]

Weiterhin weist Origenes den Vorwurf des Celsus zurück, die Christen verehrten einen anderen Gott als die Juden. Auch beinhalte der Auferstehungsglaube der Christen nicht, dass sie wieder mit Fleisch und Blut zum Leben erweckt würden, und weist hin auf Paulus (1. Korintherbrief 15, 42 - 44), der der Auferstehungswirklichkeit eine andere Seinsqualität zuweist.
(Celsus VI, 29)

Beim Vorwurf, nach christlicher Lehre habe Gott auch das Böse erschaffen, gibt Origenes zu, dass manche Schriftstellen von Ungebildeten in dieser Hinsicht missdeutet werden können, weist aber den Vorwurf zurück. Freilich gebe es einen Nebeneffekt der guten Schöpfung Gottes, ähnlich wie beim Hobeln des Zimmermanns eben auch Späne und beim Bau eines Gebäudes auch Bauschutt anfalle. Auch verhalte es sich ähnlich wie bei einem Lehrer und Erzieher, der zum Wohle der Zöglinge auch Züchtigungen vornehmen müsse, oder einem Arzt, der zur Heilung des Patienten eben auch auf Schneiden und Brennen angewiesen sei.
(Celsus VI, 55f)

Die Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen beziehe sich nicht auf den Körper des Menschen, sondern auf den inneren Menschen, die Seele, weshalb der Leib auch als Tempel Gottes bezeichnet werden könne
(Celsus VI, 63)

Gegen den Einwand, Gott könne - wie schon Platon lehre - unmöglich von allen Menschen gefunden werden, betont Origenes, dass Gott nur mit seiner Hilfe gefunden werden kann und wenn er selbst sich dem Menschen offenbare, soweit dieser es erfassen kann, aber nur wenn dieser einen entsprechenden Lebenswandel aufweise
(Celsus VII, 42)

Zum Vorwurf, die Christen entzögen sich dem Dienst am Kaiser und dem Gemeinwohl, weist Origenes hin auf die den Christen gebotenen (1. Timotheusbrief 2, 1f) Gebete für den Kaiser und alle staatlichen Obrigkeiten und in Kriegen für den Sieg der gerechten Sache sowie auf das sittliche Bemühen der Christen zum Wohl der Menschen
(Celsus VIII, 73 - 75)

Quelle: Des Origenes acht Bücher gegen Celsus, übersetzt von Paul Koetschau, Buch 5 - 8. In BKV2 53/I (1927), S 284 - 287. In: Emmeram Kränkl: Glaube und Vernunft. Christliche Philosophen aus zwei Jahrtausenden. Verlag Friedrich Pustet. Regensburg 2018, S. 30 - 34

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Sulpicius „Severus” über Origenes

Catholic Encyclopedia

Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet bietet in seinem Artikel über Origenes umfassende und fundierte Informationen.

Werke von Origenes gibt es auf Deutsch in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

weitere Schriften von Origenes gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 08.06.2026

Quellen:
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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