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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Chrysostomus

Gedenktag katholisch: 13. September
gebotener Gedenktag
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Feldkirch, Graz-Seckau und München-Freising
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
27. Januar (Übertragung der Gebeine), Todestag: 14. September
gebotener Gedenktag im Bistum Passau, Salzburg und Innsbruck: 11. September
Tag seiner Verbannung: 13. November

Gedenktag evangelisch: 13. September, 27. Januar (LCMS)

Gedenktag anglikanisch: 13. September

Gedenktag orthodox: 30. Januar, 13. November
Übertragung der Gebeine im Jahr 438: 27. Januar
Erhebung auf den Patriarchenstuhl von Konstantinopel: 15. Dezember
Todestag: 14. September
bedacht in der Proskomedie

Gedenktag armenisch: 27. Oktober
Tag seiner Verbannung: 13. November
Todestag: 14. September
Rückführung der Gebeine: 27. Januar
liturgische Feier am 6. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag und am 7. Samstag (oft vorverlegt auf Donnerstag) nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Gedenktag koptisch: 13. November
(Tag seiner Verbannung)
Übertragung der Gebeine vom Todesort Kaumana (Koma) nach Konstantinopel: 13. September
Übertragung der Gebeine im Jahr 347: 7. Mai *
bedacht in der Basilius-Anaphora

Gedenktag syrisch-orthodox: 25. Januar, 12. September, 13. September, 24. November
Übertragung der Gebeine: 27. Januar
Todestag: 14. September
Tag seiner Krönung: 13. November
bedacht in der Jakobus-Anaphora

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Patriarch von Konstantinopel, Kirchenvater
* 354 (der 344 ?) in Antiochia, heute Antakya in der Türkei
† 14. September 407 in Pityus in Kolchis, heute Sochumi in Georgien


Johannes wurde in einer wohlhabenden Familie geboren. Sein Vater war früh gestorben, dennoch sorgte seine Mutter Anthusa für eine gediegene Ausbildung, auch im christlichen Glaubensleben. Er studierte Redekunst bei dem griechischen Rhetoriker Libanius und begann eine Laufbahn als Anwalt. 367 wurde er getauft, anschließend studierte er an der berühmten theologischen Schule von Antiochia vor allem Bibelauslegung. Seine Vorbilder wurden Flavian und == Diodorus, dessen Asketenschule sich Johannes anschloss. Ab 372 lebte er dann für sechs Jahre als Mönch und Einsiedler ein asketisches Leben in der Einsamkeit; während dieser Zeit lernte er die Testamente Christi ganz auswendig. Als er durch seine strenge Askese erkrankte, kehrte er 378 nach Antiochia zurück, wo er 381 von Meletios zum Diakon und 386 von Meletios' Nachfolger, Bischof Flavian I., zum Priester geweiht wurde.

Berühmt wurde Johannes durch sein Redetalent. Er wirkte als begnadeter Prediger an der Patriarchalkirche von Antiochia. Sein Ernst und die lebensnahe Art zu predigen brachten ihm den Ruf ein, einer der größten Redner der frühen Kirchengeschichte zu sein; daher sein Beiname Chrysostomus, Goldmund. Predigen macht mich gesund, schrieb er selbst. Seine Predigten sind v. a. exegetische Homilien über alt- und neutestamentliche Texte mit Auslegung auf die Lebenspraxis der Menschen - darunter 90 Homilien zum Matthäusevangelium, die Burgundio von Pisa Ende des 12. Jahrhunderts für Papst Eugen III. übersetzte, 88 zum Johannesevangelium, 55 über die Apostelgeschichte, dazu viele zu den Briefen des Paulus, allein 32 über den Römerbrief. Überliefert sind auch 21 Säulenreden, die Johannes 387 zur Beruhigung nach einem Aufstand wegen einer Steuererhöhung in Antiochia hielt, und acht Predigten aus dem Jahr 386 gegen jene Christen, die sich von jüdischen Festen und Bräuchen beeindruckt zeigten; diese wurden später auch für antisemitische Polemik missbraucht. Insgesamt sind über 700 sicher von ihm stammende Predigten überliefert. Johannes verstand seine Predigten als Lebenshilfe, ganz an der Bibel orientiert. Seine Ethik ist nicht moralisierend, sondern diakonisch motiviert; Diakonie war ihm das glaubwürdigste Zeichen der Christengemeinde. ** Die Fülle an Beispielen, Bildern und Anspielungen zu aktuellen Fragen begeisterte die Leute, die oft spontan applaudierten.

Katholische Kirche in Antakya/Hatay innen
Katholische Kirche in Antakya / Hatay innen

Johannes verfasste in dieser Zeit auch verschiedene Abhandlungen, v. a. über das Mönchtum, so An den gefallenen Theodor und Gegen die Feinde des Mönchtums. Die Reformschrift Über das Priestertum wurde schon 392 von Hieronymus gerühmt; in ihr zeichnete Johannes ein Idealbild des Priesters, das jahrhundertelang fortwirkte. Über die Jungfräulichkeit und An eine junge Witwe zeigen sein seelsorgerliches Wirken, Über Hoffahrt und Kindererziehung sein pädagogisches. Weniger bedeutsam sind - zeitbedingt - die theologischen Lehrschriften; nachdem die Kontroversen über die Dreieinigkeit auf dem 1. Konzil von Konstantinopel 381 beigelegt und die Differenzen in der Lehre über die Natur Christi erst später stärker wurden - bis zum Konzil von Chalkedon 451 -, beschäftigte sich Johannes weniger mit Dogmatik als mit Seelsorge und Gemeindeaufbau.

Wandmalerei in der rum-orthodoxen Kirche von Smyrna, heute Museum. Das Gesicht wurde - wegen des Bilderverbots - von strengen Muslimen zerstört.
Wandmalerei in der Rum-Orthodoxen Kirchen Kirche von Smyrna, heute Museum. Das Gesicht wurde - wegen des Bilderverbots - von strengen Muslimen zerstört.

Im Jahr 397 wurde Johannes ob seiner Berühmheit vom Kaiser des Oströmischen Reiches, Flavius Arcadius nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - entführt und als Patriarch eingesetzt, 398 wurde er durch Patriarch Theophilos von Alexandria - seinen ärgsten Rivalen - , zum Patriarchen von Konstantinopel geweiht. Er rief KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien., Mönche, Jungfrauen und Witwen zu untadeliger Lebensführung und alle Christen zu maßvollem Lebensstil auf. Er gründete Hospize für Arme, Fremde und Kranke, unterstützte die verarmte Bevölkerung, sorgte für Seelsorge unter den Soldaten und betätigte sich mit seinem Redetalent in der Mission. 400 erwirkte er die Ablösung von acht Bischöfen, die sich der Simonie schuldig gemacht hatten.

Johannes' Kritik am Luxusleben der Reichen und am kaiserlichen Hof brachten ihn in Konflikt mit Kaiserin Eudoxia. Als er im Jahr 402 Mönche, die als Anhänger von Origenes aus Ägypten vertrieben worden waren, in Konstantinopel aufnahm, sah Patriarch Theophilos von Alexandria einen Vorwand, der ihm den Sturz Johannes' ermöglichte: auf der Eichensynode in Chalkedon - heute der Stadtteil Kadiköy in Ístanbul - im Jahr 403 wurde Johannes in Abwesenheit verurteilt, abgesetzt und schließlich 404 vom Kaiser in die Verbannung nach Kukusus im damaligen Armenien - dem heutigen Göksun in der Türkei - geschickt.

Nachdem die Kaiserin eine Fehlgeburt erlitten hatte, wurde Johannes zurückgerufen, weil sie sich ihr Handeln als Grund des Schicksalsschlages erklärte; nach ihrer Genesung schickte sie Johannes aber bald schon wieder in die Verbannung, diesmal weit weg in die Einsamkeit des Taurusgebirges, nach Pityus in Kolchis - dem heutigen Sochumi in Georgien, um die Verbindung mit seinen Anhängern in Konstantinopel endgültig zu unterbinden. Hier versuchte er die benachbarten Perser zum Christentum zu bekehren, bis er den Strapazen der Reise erlag.

Die letzten Worte des geplagten und verfolgten Mannes lauteten der Überlieferung nach: Verherrlicht sei Gott für alles. Amen.

Um 408 verfasste Bischof Palladius zur Verteidigung seines verstorbenen Freundes den Dialog zur Lebensgeschichte des Heiligen Johannes Chrysostomos. Johannes' Anhänger, die Johanniten, weigerten sich, seine Nachfolger anzuerkennen. Sie lenkten erst ein, als der oströmische Kaiser Theodosius II. im Jahr 438 den Leichnam des Heiligen nach Konstantinopel zurückholen und ihn am 13. September - daher der Gedenktag - feierlich beisetzen ließ. Während des 4. Kreuzzuges wurden nach der Eroberung Konstantinopels 1204 Reliquien nach Rom gebracht, sie ruhten dann in der Chorkapelle des Petersdoms, bis Papst Johannes Paul II. sie im Jahr 2004 dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel zurückgab.

Johannes verstand es, die Theologie seiner Zeit verständlich auszudrücken, als Seelsorger wollte er damit zur christlichen Vollkommenheit führen. Sie ist für ihn bestimmt von Glaube und Liebe nach dem Vorbild Christi, der Glaubende zeigt seine Liebe zu ihm, indem er sich in Fürsorge für seine Mitmenschen müht; die Gesellschaft müsse nach der Botschaft Christi geordnet sein. Sein Dialog Über das Priestertum zeigt die Größe und Verantwortung des priesterlichen Dienstes auf, die Unterweisung Über Hoffart und Kindererziehung gibt pädagogische Ratschläge; andere Schriften wie Gegen die Widersacher des Mönchslebens verteidigen und fördern die Askese und empfehlen das ehelose und jungfräuliche Leben, so die Werke Von der Jungfräulichkeit und An die jungen Witwen. Aus der Verbannungszeit sind mehr als 200 Briefe erhalten, die die Strapazen, die inneren Kämpfe und die Einsamkeit Johannes' aufzeigen, aber auch seinen ungebrochenen missionarischen Eifer belegen. Darunter sind auch 17 tröstende Briefe an die vornehme Witwe und Diakonissin Olympia, sie sind Beispiel der klugen Seelsorge.

Im Mittelalter haben sich zahlreiche Legenden um den von der Madonna geküssten Goldmund gebildet: die Madonna forderte ihn zum Kuss auf, ein goldener Schein umspielte danach seinen bislang zum Reden ungeschickten Mund und ließ ihn zum berühmten Prediger werden. Der früh für hohe Ämter Vorgesehene floh in die Einsamkeit und wurde ein seiner Sünden bewusster Büßer, an dem sich schließlich nach zahlreichen Wundern alle Voraussagen erfüllten.

Johannes Chrysostomus wird als einer der vier großen griechischen Kirchenväter verehrt, in der katholischen Kirche zählt er seit 1568 zu den Kirchenlehrern. Die Übersetzung seiner Werke ins Lateinische begann um 415/420 durch die Arbeit des Anianus von Celeda, der damit den Pelagianismus verteidigen wollte. Der Umfang unechten Materials ist sehr hoch; das bedeutendste dieser Werke ist ein Kommentar zum Matthäus-Evangelium, vefasst von einem Anhänger des Arianismus, wohl in Italien um das Jahr 600. Die Würdigung als Chrysostomos wurde erstmals im 6. Jahrhundert gebraucht. 1908 wurde Johannes von Papst Pius X. zum Patron der Prediger ernannt. Die nach ihm benannte Liturgie, die Normalordnung des Gottesdienstes in den Orthodoxen Kirchen, stammt nicht von Johannes; wahrscheinlich gehen Gebete zur Gabenbereitung und einige der zentralen Priestergebete auf ihn zurück.

Attribute: Bienenkorb, mit Engel
Patron der Beter, Prediger und Redner; bei Epilepsie

* Tatsächlich fand die Übertragung erst unter Kaiser Theodosius II. im Jahr 438 statt.

** Diese Wertschätzung der Diakonie ging in den Orthodoxen Kirchen seitdem weithin verloren.

Göttliche Liturgie unseres heiligen Vaters Johannes „Chrysostomus”

Osterpredigt von Johannes Chrysostomus

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Werke von Johannes Chrysostomus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

  weitere Schriften von Johannes und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

  Die Hintergründe der Rückgabe der Reliquien an den orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel und die Meinungsverschiedenheiten schildert Paul Kreiner in seinem Zeitungsartikel Disput um heilige Gebeine.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.09.2015
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Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996