Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
Lesen Sie vorher bitte unsere Erläuterungen auf der Seite Warum Werbung und wie sie funktioniert.


 


Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Chrysostomus

Gedenktag katholisch: 13. September
gebotener Gedenktag
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Feldkirch, Graz-Seckau und München-Freising
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
27. Januar (Übertragung der Gebeine), Todestag: 14. September
gebotener Gedenktag im Bistum Passau, Salzburg und Innsbruck: 11. September
Tag seiner Verbannung: 13. November

Gedenktag evangelisch: 13. September, 27. Januar (LCMS)

Gedenktag anglikanisch: 13. September

Gedenktag orthodox: 30. Januar, 13. November
Übertragung der Gebeine im Jahr 438: 27. Januar
Erhebung auf den Patriarchenstuhl von Konstantinopel: 15. Dezember
Todestag: 14. September
bedacht in der Proskomidie

Gedenktag armenisch: 27. Oktober
Tag seiner Verbannung: 13. November
Todestag: 14. September
Rückführung der Gebeine: 27. Januar
liturgische Feier am 6. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag und am 7. Samstag (oft vorverlegt auf Donnerstag) nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Gedenktag koptisch: 13. November
(Tag seiner Verbannung)
Übertragung der Gebeine vom Todesort Kaumana (Koma) nach Konstantinopel: 13. September
Übertragung der Gebeine im Jahr 347: 7. Mai 1
bedacht in der Basilius-Anaphora

Gedenktag syrisch-orthodox: 25. Januar, 12. September, 13. September, 24. November
Übertragung der Gebeine: 27. Januar
Todestag: 14. September
Tag seiner Krönung: 13. November
bedacht in der Jakobus-Anaphora

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Patriarch von Konstantinopel, Kirchenvater
* um 345 in Antiochia, heute Antakya / Hatay in der Türkei
† 14. September 407 in Comana Pontica, heute Ruinen in Gümenek bei Tokat in der Türkei


Johannes wurde in einer wohlhabenden Familie geboren. Sein Vater war früh gestorben, dennoch sorgte seine Mutter Anthusa für eine gediegene Ausbildung, auch im christlichen Glaubensleben. Er studierte Redekunst bei dem griechischen Rhetoriker Libanius und begann eine Laufbahn als Anwalt. 367 wurde er getauft, anschließend studierte er an der berühmten theologischen Schule von Antiochia vor allem Bibelauslegung. Seine Vorbilder wurden Flavian und == Diodorus, dessen Asketenschule sich Johannes anschloss. Ab 372 lebte er dann für sechs Jahre als Mönch und Einsiedler ein asketisches Leben in der Einsamkeit; während dieser Zeit lernte er die Testamente Christi ganz auswendig. Als er durch seine strenge Askese erkrankte, kehrte er 378 nach Antiochia zurück, wo er 381 von Meletios zum Diakon und 386 von Meletios' Nachfolger, Bischof Flavian I., zum Priester geweiht wurde.

Berühmt wurde Johannes durch sein Redetalent. Er wirkte als begnadeter Prediger an der Patriarchalkirche von Antiochia. Sein Ernst und die lebensnahe Art zu predigen brachten ihm den Ruf ein, einer der größten Redner der frühen Kirchengeschichte zu sein; daher sein Beiname Chrysostomus, Goldmund. Predigen macht mich gesund, schrieb er selbst. Seine Predigten sind v. a. exegetische HomilienEine Homilie (von griech.„ὁμιλεῖν”, „vertraut miteinander reden”) ist eine Art von Predigt. Während eine Predigt die Großtaten Gottes preist (lat. „praedicare”, „preisen”) und Menschen für den Glauben begeistern will, hat die Homilie lehrhaften Charakter. über alt- und neutestamentliche Texte mit Auslegung auf die Lebenspraxis der Menschen - darunter 90 HomilienEine Homilie (von griech.„ὁμιλεῖν”, „vertraut miteinander reden”) ist eine Art von Predigt. Während eine Predigt die Großtaten Gottes preist (lat. „praedicare”, „preisen”) und Menschen für den Glauben begeistern will, hat die Homilie lehrhaften Charakter. zum Matthäusevangelium, die Burgundio von Pisa Ende des 12. Jahrhunderts für Papst Eugen III. übersetzte, 88 zum Johannesevangelium, 55 über die Apostelgeschichte, dazu viele zu den Briefen des Paulus, allein 32 über den Römerbrief. Überliefert sind auch 21 Säulenreden, die Johannes 387 zur Beruhigung nach einem Aufstand wegen einer Steuererhöhung in Antiochia hielt, und acht Predigten aus dem Jahr 386 gegen jene Christen, die sich von jüdischen Festen und Bräuchen beeindruckt zeigten; diese wurden später auch für antisemitische Polemik missbraucht. Insgesamt sind über 700 sicher von ihm stammende Predigten überliefert. Johannes verstand seine Predigten als Lebenshilfe, ganz an der Bibel orientiert. Seine Ethik ist nicht moralisierend, sondern diakonisch motiviert; Diakonie war ihm das glaubwürdigste Zeichen der Christengemeinde. 2 Die Fülle an Beispielen, Bildern und Anspielungen zu aktuellen Fragen begeisterte die Leute, die oft spontan applaudierten.

Katholische Kirche in Antakya/Hatay innen
Katholische Kirche in Antakya / Hatay innen

Johannes verfasste in dieser Zeit auch verschiedene Abhandlungen, v. a. über das Mönchtum, so An den gefallenen Theodor und Gegen die Feinde des Mönchtums. Die Reformschrift Über das Priestertum wurde schon 392 von Hieronymus gerühmt; in ihr zeichnete Johannes ein Idealbild des Priesters, das jahrhundertelang fortwirkte. Über die Jungfräulichkeit und An eine junge Witwe zeigen sein seelsorgerliches Wirken, Über Hoffahrt und Kindererziehung sein pädagogisches. Weniger bedeutsam sind - zeitbedingt - die theologischen Lehrschriften; nachdem die Kontroversen über die Dreieinigkeit auf dem 1. Konzil von Konstantinopel 381 beigelegt und die Differenzen in der Lehre über die Natur Christi erst später stärker wurden - bis zum Konzil von Chalkedon 451 -, beschäftigte sich Johannes weniger mit Dogmatik als mit Seelsorge und Gemeindeaufbau.

Wandmalerei in der rum-orthodoxen Kirche von Smyrna, heute Museum. Das Gesicht wurde - wegen des Bilderverbots - von strengen Muslimen zerstört.
Wandmalerei in der Rum-Orthodoxen Kirchen Kirche von Smyrna, heute Museum. Das Gesicht wurde - wegen des Bilderverbots - von strengen Muslimen zerstört.

Im Jahr 397 wurde Johannes ob seiner Berühmheit vom Kaiser des Oströmischen Reiches, Flavius Arcadius nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - entführt und als Patriarch eingesetzt, 398 wurde er durch Patriarch Theophilos von Alexandria - seinen ärgsten Rivalen - , zum Patriarchen von Konstantinopel geweiht. Er rief KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien., Mönche, Jungfrauen und Witwen zu untadeliger Lebensführung und alle Christen zu maßvollem Lebensstil auf. Er gründete Hospize für Arme, Fremde und Kranke, unterstützte die verarmte Bevölkerung, sorgte für Seelsorge unter den Soldaten und betätigte sich mit seinem Redetalent in der Mission. 400 erwirkte er die Ablösung von acht Bischöfen, die sich der Simonie schuldig gemacht hatten.

Johannes' Kritik am Luxusleben der Reichen und am kaiserlichen Hof brachten ihn in Konflikt mit Kaiserin Eudoxia. Als er im Jahr 402 Mönche, die als Anhänger von Origenes aus Ägypten vertrieben worden waren, in Konstantinopel aufnahm, sah Patriarch Theophilos von Alexandria einen Vorwand, der ihm den Sturz Johannes' ermöglichte: auf der Eichensynode in Chalkedon - heute der Stadtteil Kadiköy in Ístanbul - im Jahr 403 wurde Johannes in Abwesenheit verurteilt, abgesetzt und schließlich 404 von Kaiser Arcadius in die Verbannung nach Kukusus im damaligen Armenien - dem heutigen Göksun in der Türkei - geschickt.

Nachdem die Kaiserin eine Fehlgeburt erlitten hatte, wurde Johannes zurückgerufen, weil sie sich ihr Handeln als Grund des Schicksalsschlages erklärte; nach ihrer Genesung schickte sie Johannes aber bald schon wieder in die Verbannung, diesmal weit weg in die Einsamkeit des Taurusgebirges, nach Pityus in Kolchis - dem heutigen Pizunda in Georgien -, um die Verbindung mit seinen Anhängern in Konstantinopel endgültig zu unterbinden. An den Strapazen der Reise starb er unterwegs in Comana Pontica.

Die letzten Worte des geplagten und verfolgten Mannes lauteten der Überlieferung nach: Verherrlicht sei Gott für alles. Amen.

Um 408 verfasste Bischof Palladius zur Verteidigung seines verstorbenen Freundes den Dialog zur Lebensgeschichte des Heiligen Johannes Chrysostomos. Johannes' Anhänger, die Johanniten, weigerten sich, seine Nachfolger anzuerkennen. Sie lenkten erst ein, als der oströmische Kaiser Theodosius II. im Jahr 438 den Leichnam des Heiligen nach Konstantinopel zurückholen und ihn am 13. September - daher der Gedenktag - feierlich beisetzen ließ. Während des 4. Kreuzzuges wurden nach der Eroberung Konstantinopels 1204 Reliquien nach Rom gebracht, sie ruhten dann in der Chorkapelle des Petersdoms, bis Papst Johannes Paul II. einen Teil davon im Jahr 2004 dem Orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel zurückgab.

Sarkophag mit den Reliquien von Johannes in der Capella del Coro im Petersdom in Rom
Sarkophag mit den Reliquien von Johannes in der Capella del Coro im Petersdom in Rom

Johannes verstand es, die Theologie seiner Zeit verständlich auszudrücken, als Seelsorger wollte er damit zur christlichen Vollkommenheit führen. Sie ist für ihn bestimmt von Glaube und Liebe nach dem Vorbild Christi, der Glaubende zeigt seine Liebe zu ihm, indem er sich in Fürsorge für seine Mitmenschen müht; die Gesellschaft müsse nach der Botschaft Christi geordnet sein. Sein Dialog Über das Priestertum zeigt die Größe und Verantwortung des priesterlichen Dienstes auf, die Unterweisung Über Hoffart und Kindererziehung gibt pädagogische Ratschläge; andere Schriften wie Gegen die Widersacher des Mönchslebens verteidigen und fördern die Askese und empfehlen das ehelose und jungfräuliche Leben, so die Werke Von der Jungfräulichkeit und An die jungen Witwen. Aus der Verbannungszeit sind mehr als 200 Briefe erhalten, die die Strapazen, die inneren Kämpfe und die Einsamkeit Johannes' aufzeigen, aber auch seinen ungebrochenen missionarischen Eifer belegen. Darunter sind auch 17 tröstende Briefe an die vornehme Witwe und Diakonissin Olympia, sie sind Beispiel der klugen Seelsorge.

Im Mittelalter haben sich zahlreiche Legenden um den von der Madonna geküssten Goldmund gebildet: die Madonna forderte ihn zum Kuss auf, ein goldener Schein umspielte danach seinen bislang zum Reden ungeschickten Mund und ließ ihn zum berühmten Prediger werden. Der früh für hohe Ämter Vorgesehene floh in die Einsamkeit und wurde ein seiner Sünden bewusster Büßer, an dem sich schließlich nach zahlreichen Wundern alle Voraussagen erfüllten.

Johannes Chrysostomus wird als einer der vier großen griechischen Kirchenväter verehrt, in der katholischen Kirche zählt er seit 1568 zu den Kirchenlehrern. Die Übersetzung seiner Werke ins Lateinische begann um 415/420 durch die Arbeit des Anianus von Celeda, der damit den Pelagianismus verteidigen wollte. Der Umfang unechten Materials ist sehr hoch; das bedeutendste dieser Werke ist ein Kommentar zum Matthäus-Evangelium, vefasst von einem Anhänger des Arianismus, wohl in Italien um das Jahr 600. Die Würdigung als Chrysostomos wurde erstmals im 6. Jahrhundert gebraucht. 1908 wurde Johannes von Papst Pius X. zum Patron der Prediger ernannt. Die nach ihm benannte Liturgie, die Normalordnung des Gottesdienstes in den Orthodoxen Kirchen, stammt nicht von Johannes; wahrscheinlich gehen Gebete zur Gabenbereitung und einige der zentralen Priestergebete auf ihn zurück.

Attribute: Bienenkorb, mit Engel
Patron der Beter, Prediger und Redner; bei Epilepsie

1 Tatsächlich fand die Übertragung erst unter Kaiser Theodosius II. im Jahr 438 statt.

2 Diese Wertschätzung der Diakonie ging in den Orthodoxen Kirchen seitdem weithin verloren.

Göttliche Liturgie unseres heiligen Vaters Johannes „Chrysostomus”

Osterpredigt von Johannes Chrysostomus

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Werke von Johannes Chrysostomus auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

  weitere Schriften von Johannes und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

  Die Hintergründe der Rückgabe der Reliquien an den orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel und die Meinungsverschiedenheiten schildert Paul Kreiner in seinem Zeitungsartikel Disput um heilige Gebeine.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


 

Web 3.0 - Leserkommentare:

Kirchenlehrer und Antijudaist Johannes Chrysostomos

Die im Ökumenischen Heiligenlexikon publizierte Biografie des Johannes von Antiochia Chrysostomos enthält viel Interessantes bzw. Wissenswertes, leider aber keinen Hinweis auf seinen stark ausgeprägten Antijudaismus. Dieses Faktum stellt eine Gemeinsamkeit mit anderen, von christlichen Institutionen herausgegebenen Beschreibungen dar.

Unabhängig davon ist zunächst die Tatsache interessant, dass das Geburtsjahr dieses Heiligen nicht bekannt ist. Die Angaben dazu beginnen mit dem Jahr 344 und enden mit 354.
Kurioserweise findet man einerseits die Erklärung, dass er nach Pityus verbannt wurde, diese Stadt jedoch nie erreichte, weil er auf dem Gewaltmarsch dorthin in Comana Pontica - dem heutigen Gümenek - starb, andererseits heißt es, dass er in dieser Stadt auf dem Rückweg aus dem Exil in Armenien verschied.

Eindeutige Informationen gibt es hingegen darüber, wie Johannes Chrysostomos die elenden, nichtnutzigen Juden attackierte. In vielen Schriften und speziell in acht langen Brandreden, die der populäre Kanzeltäter in den Jahren 386/87 hielt, gibt es wenig Laster und Verbrechen, die er den Juden nicht unterstellte.
Der als Sohn des hohen, früh verstorbenen Armeeoffiziers Secundus geborene Kirchenlehrer fesselte seine Mitmenschen durch seine Wortgewalt, keineswegs jedoch durch sein äußeres Erscheinungsbild. Nach dem Menäon, dem liturgischen Buch der byzantinischen Kirche, war er auffallend klein, extrem hager, hatte große Ohren, eine große Nase und einen schütteren Bart.

Johannes Chrysostomus hielt die acht Reden gegen Juden in Antiochia, wenige Monate, nachdem er zum Presbyter geweiht worden war. Antiochia war damals eine multireligiöse, multi-kulturelle Stadt mit Bevölkerungsanteilen von rund 50% Christen, 15% Juden und einer nam-haften Anhängerschaft der hellenischen Religionen. Der Presbyter Johannes wandte sich mit diesen Reden, die Abgrenzungen formulierten, in erster Linie gegen judaisierende Christen, wollte die Juden aber auch vor der ganzen Öffentlichkeit schlecht machen. Dabei verwendete Johannes - den damaligen rhetorischen Gepflogenheiten entsprechend - äußerst grelle Farben und eine Sprache, die alle Grenzen des Geschmackes überschritt und nicht selten unter die Gürtellinie zielte. Chrysostomus fand kaum neue Gedanken zu dieser Thematik, sondern er übernahm seine Argumente aus einer längeren Kette von Antijudaismusschriften, welche die Tradition lieferte. So ist der von Johannes häufig verwendete Vorwurf, die Juden hätten Christus gekreuzigt und damit Gott gemordet, bei Bischof Melito von Sardes zwischen 160 und 170 zum ersten Mal belegt, und auch die übrigen Argumente finden sich bei christlichen Schriftstellern des 2. bis 4. Jahrhunderts.

Johannes Chrysostomos sah die Aufgabe des Predigers vornehmlich im Zuspruch, in der Tröstung, da ja die die ganze Schrift nur Tröstliches enthalte und geißelte den von jeher mordlustigen Sinn der Juden, ihre Mordlust und Blutgier. Wie manche Tiere schädliches Gift besitzen wusste der hochgelobte Prediger, ebenso seid ihr wie eure Väter voll von Mordlust. Besonders die Juden in der Zeit Jesu begingen die größten Sünden, waren blind, ohne Gewissen, Lehrer der Bosheit, von einer ganz besonderen Verderbtheit der Seele, Väter- und Muttermörder. Sie haben ihrer Lehrer mit eigener Hand getötet, wie sie ja auch Christus töteten.
Der Patron der Prediger, dessen Schriften (18 Bände in Patrologiae Cursus Completus, Series Graeca (PG), von Jacques Paul Migne herausgegeben) im vorigen Jahrhundert der Benediktinerorden Chrysostomos Bauer als unerschöpfliche Fundgrube lobte, ein Abbild inniger Vermählung christlichen Geistes und hellenischer Formschönheit, schimpfte die Juden in einem fort teuflisch, schlechter als die Sodomiter, grausamer als Bestien. Der Kirchenlehrer warf den Juden ihren Kult und ihre Kultur vor, die die antiochenischen Christen stark anzog; er bezichtigte sie des Betrugs, Diebstahls und Raubes, der Völlerei und der Geilheit. Johannes Chrysostomos erklärte, Juden leben nur für ihren Bauch und ihre Triebe, verstehen nichts als Fressen, Saufen und sich den Kopf blutig schlagen. In ihrer Schamlosigkeit übertreffen sie sogar die Schweine und Ziegen.
Der o.a. Benediktiner der Abtei Seckau in der Steiermark / Österreich – Chrysostomos Bauer (1876 – 1962) - stellte in seinem Hauptwerk Der heilige Chrysostomos und seine Zeit fest: Die Predigten bewegen sich meist in edlem, gehobenen Konversationston. Der heilige Chrysostomos, dessen Schriften mehr verbreitet und gelesen wurden als die eines anderen Kirchenvaters, diffamierte die Juden gemeiner als irgendjemand zuvor.

Der deutsche Theologe Johann Anton Theiner (1799 – 1860) bezeichnete Johannes Chrysostomos als der größte Mann der alten Kirche. Dieser klagte: Es gibt ja wirklich nichts Unerträglicheres als Beschimpfungen und lehrte: mit Juden darf man so wenig verkehren wie mit dem Teufel, sie sind nicht besser als Schweine und Böcke, schlimmer als alle Wölfe zusammen, ja, mordeten ihre Kinder mit eigener Hand – was er allerdings später widerrufen musste.

Die Aufzählung der Beschimpfungen könnte noch weiter ausgeführt werden, würde aber den Rahmen des Kommentares sprengen. Nur eine der Empfehlungen des Johannes Chrysostomos an seine Zeitgenossen ist es noch wert, angeführt zu werden: Christen sollen keine jüdischen Ärzte konsultieren, sondern lieber sterben, von allen Juden sich abwenden wie von der Pest und von einer Seuche des Menschengeschlechts. Und weil die Juden gegen Gott selber gesündigt haben, wird ihre Knechtschaft kein Ende haben, sich im Gegenteil mit jedem Tag verschlimmern.

Diese Aussprüche wecken unweigerlich Assoziationen zur unseligen Zeit des Nationalsozialismus. Überliefert sind sie u. a. bei Johann Anton Theiner und dem evangelischen Theologen und Kirchenhistoriker Hans von Camphausen (1903 – 1989). Chrysostomos Bauer meinte: Für einige dieser Ausführungen, wofür die Christen begeisterten Beifall spendeten, käme Chrysostomos heutzutage wahrscheinlich vor den Staatsanwalt. Doch man attestierte ihm noch nach dem Zweiten Weltkrieg Größe, Menschlichkeit, einen rosenzart duftenden Humor, so Dr. Anton Anwander, und eine lebendige, zu Herzen gehende Sprache, die auch den heutigen Menschen noch unmittelbar anzureden vermag so Kirchenhistoriker Heinrich Kraft.

Sehr oft und eindringlich führte Johannes Chrysostomos die immerwährende Knechtschaft der Juden ins Treffen und drohte ihnen mit Paulus und den Propheten die schwerste Strafe für ihren Unglauben an. Ein Kommentar erübrigte sich für den Heiligen bezüglich des Prophetenfluchs: Finster werden sollen ihre Augen, damit sie nicht sehen und ihr Rücken krampfe ganz und gar zusammen Denn: Wann waren die Juden so leicht zu ergreifen wie jetzt? Wann so leicht zu fangen? Wann hat Gott ihre Rücken so zusammengekrampft? Und was noch mehr ist, es gibt auch keine Erlösung von diesen Übeln (Kommentar zum Römerbrief). Hierin ist ein Aufruf zur Judenverfolgung zu sehen.

Theodoret, der Kirchenhistoriker und Bischof von Kyrrhos - heute Ruinen bei A'zaz in Syrien -, nannte Johannes Chrysostomos das große Licht des Erdkreises und dieser die Juden unvernünftige Tiere voller Trunkenheit und Fettleibigkeitäußerster Bosheitnehmen das Joch Christi nicht an und ziehen nicht den Pflug der Lehre …. Solche Tiere aber, die zur Arbeit unnütz sind, sind reif für die Schlachtung. So geht es auch ihnen: sie haben sich für die Arbeit als unnütz erwiesen und sind deshalb reif zur Schlachtung geworden. Deshalb sagt auch Christus: Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde – bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder (Lukasevangelium 19, 27).

Mit Recht fällt es dem deutschen Byzantinisten Franz Hermann Tinnefeld schwer, hier keine konkrete Aufforderung zum Judenmord zu sehen. Der Zusammenhang zwischen derartigen Hetzreden und antijüdischen Aktionen im Osten des Römischen Reiches ist sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht beweisbar.

Wenn nicht wegen, so doch trotz der rabiaten Judenattacken wurde Johannes von Antiochia im 6. Jahrhundert mit der Bezeichnung Chrysostomos / Goldmund geehrt.

Prof. Helmut Bouzek über E-Mail, 24. April 2018





USB-Stick Heiligenlexikon als USB-Stick oder als DVD


Seite zum Ausdruck optimiert

Empfehlung an Freunde senden

Artikel kommentieren / Fehler melden

Suchen bei amazon: Bücher über Johannes „Chrysostomus”

Wikipedia: Artikel über Johannes „Chrysostomus”

Fragen? - unsere FAQs antworten!

Im Heiligenlexikon suchen

Impressum - Datenschutzerklärung

Schauen Sie sich zufällige Biografien an:
Maximus von Antiochia
Regina Hüter
Urban


        Zum Schutz Ihrer Daten: mit 2 Klicks empfehlen!

Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 27.04.2018

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.