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Ökumenisches Heiligenlexikon

Thomas von Aquin

italienischer Name: Tommaso d'Aquino

Gedenktag katholisch: 28. Januar
gebotener Gedenktag
Fest im Dominikanerorden
gebotener Gedenktag im Trinitarierorden, im Bistum Cuenca und in Aachen: 29. Januar
Ordenskalender der Marianer von der Unbefleckten Empfängnis
im Bistum Cuenca, im Trinitarierorden und in der Stadt Aachen: 29. Januar
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
: 7. März
Überführung der Gebeine nach Neapel: 19. Januar
Tag der Heiligsprechung: 17. Juli, 18. Juli

Gedenktag evangelisch: 8. März (EKD)
                                            28. Januar (ELCA)

Gedenktag anglikanisch: 28. Januar

Name bedeutet: der Zwilling (hebr.)

Ordensmann, Kirchenlehrer
* um 1225 in Roccasecca nahe Aquino bei Frosinone in Italien
† 7. März 1274 im Kloster Fossanova bei Terracina in Italien


Stefano di Giovanni Sassetta: Thomas, vom Heiligen Geist inspiriert (Detail), 1423, Museum der schönen Künste, Budapest
Stefano di Giovanni Sassetta: Thomas, vom Heiligen Geist inspiriert (Detail), 1423, Museum der schönen Künste in Budapest

Thomas, geboren als Spross des italienischen Grafengeschlechts derer von Aquino, kam mit fünf Jahren als Oblate - als gottgeweihtes Kind - zu den Benediktinern ins Kloster auf dem benachbarten Montecassino, wo sein Onkel Abt war, der ihn für eine große Karriere präparieren sollte. Mit 13 Jahren studierte Thomas in Neapel Grammatik, Logik und Naturwissenschaften und lernte dort den noch jungen Dominikanerorden kennen. Gegen den Willen der Eltern trat er 1244 in diesen Orden ein. Um ihn von dieser Entscheidung abzubringen, ließ seine Mutter ihn durch seine Brüder gefangen nehmen und hielt ihn über ein Jahr lang im eigenen Schlossturm in Arrest.

Thomas blieb unbeugsam. Die Familie beauftragte einer Überlieferung zufolge deshalb eine Frau von betörender Schönheit, um den hauseigenen Häftling endgültig von seinen Überzeugungen abzubringen und zu Sinnenfreuden zurückzuführen, doch selbst diese Methode schlug bei dem glaubensfesten Thomas nicht an: er jagte die Dame mit einer brennenden Fackel in die Flucht. Mit Hilfe einiger verkleideter Ordensbrüder soll ihm schließlich die Flucht aus dem Familiengefängnis gelungen sein.

Nach seiner Befreiung im Herbst 1245 folgten weitere Studien in Bologna, von wo ihn der Ordensmagister der Dominikaner nach Paris zum Studium bei Albertus Magnus sandte; mit diesem ging er 1248 nach Köln, wurde dort dessen Assistent beim Aufbau des Studium generale am Dom und hielt erste Vorlesungen zu biblischen Themen. Mit philosophisch-theologischen Vorlesungen begann Thomas 1252 in Paris seine eigenverantwortliche Lehrtätigkeit. 1256 wurde er zum Magister der Theologie ernannt und 1257 - zugleich mit Johannes Bonaventura in den Magisterkreis aufgenommen.

Katheder, von dem aus Thomas in Orvieto unterrichtete, in der Dominikanerkirche in Orvieto
Katheder, von dem aus Thomas in Orvieto unterrichtete, in der Dominikanerkirche in Orvieto

Im Herbst 1259 kehrte Thomas nach Italien zurück, wohl erst nach Neapel, nun begann er an seiner Summa contra gentiles zu arbeiten, dem Lehrbuch gegen die (ungläubigen) Völker, in dem er sich tiefschürfend mit der arabischen Philosophie auseinandersetzte. 1261 als Lektor im Dominikanerkloster in Orvieto, wo er einfache Mönche unterrichtete, beendete er diese Arbeit. Im Auftrag von Papst Urban IV. stellte er hier auch die Catena aurea, die goldene Kette zusammen, eine Sammlung von Kommentaren der Kirchenväter zu den Evangelium, die dann weite Verbreitung fand. 1265 wurde er nach Rom gerufen, um dort ein Studium für die Begabtesten der Studenten aufzubauen. Hier begann er nun sein bekanntestes Werk, die bis heute wegweisende Summa theologiae, das Lehrbuch der Theologie.

Die Arbeit daran setzte er ab 1268 wieder in Paris fort, wo er einen Lehrstuhl der Dominikaner übernahm. Hier hatte er Auseinandersetzungen mit konservativen Theologen, die ihm zu große Nähe zum griechischen Denken von Aristoteles vorhielten; er verteidigte sich auch mit seinen Kommentaren zu Aristoteles' Physik, Ethik und Metaphysik. 1272 wurde Thomas wieder nach Neapel gerufen, um dort ein Studium generale nach Kölner Vorbild einzurichten. Hier verfasste er den dritten, unvollendet gebliebenen Teil der Summa theologiae.

Thomas war der wohl größte katholische Theologe aller Zeiten. Er bemühte sich in seinen Werken Glaube und Vernunft, Philosophie und Theologie zusammen zu bringen. Bis zu Thomas stand die Theologie unter dem Einfluss der von Plato beeinflussten Tradition des Augustinus; Thomas ließ sich vom wiederentdeckten Philosophen Aristoteles beeindrucken und versuchte, die christliche Lehre in seinen Denkkategorien auszudrücken. Thomas wurde so zum Meister der Scholastik, dem schulmäßigen und systematischen Ordnen der Lehre der Kirche in einem strengen System. Er war ein glasklarer Denker von höchster analytischer Intelligenz, zugleich aber auch ein frommer Beter und demütig Glaubender. Sonne, Stern und Edelstein, mit denen er dargestellt wird, symbolisieren sein Geisteslicht, mit der er die Kirche erleuchtete; die Taube aus seinem Mund oder ihm ins Ohr flüsternd symbolisiert seine Weisheit. Die Legende schreibt ihm einen kurzen Dialog unter einem Kreuz zu: Er habe die Stimme Jesu Christi gehört: Du hast gut von mir geschrieben; welchen Lohn verlangst Du? Darauf Thomas: Nur Dich allein, Herr. Alles, was ich geschrieben habe, kommt mir wie Spreu vor!

Andrea di Bonaiuto: Tod des Thomas Aquinas, um 1365 - 67 in der 'Spanischen Kapelle' Santa Maria Novella in Florenz
Andrea di Bonaiuto: Tod des Thomas Aquinas, um 1365 - 67 in der Spanischen Kapelle Santa Maria Novella in Florenz. Thomas wird rechts und links von Tugenden begleitet; darunter 14 weibliche Gestalten, die die Fächer der Theologie und der freien Künste repräsentieren, zu ihren Füßen jeweils ein Vertreter dieser Kunst, so sitzt Pythagoras zu Füßen der Arithmetik, Euclid vor der Geometrie und Cicero vor der Rhetorik.

Für Thomas gibt es zwei Arten des Wissens: Das Wissen um die Grundlagen des Lebens, das von Gott kommt, und das Wissen über die weltlichen Dinge, das wir durch Anwendung unserer Vernunft erlangen. Glaube und Vernunft seien zwei unterschiedliche Zugänge, beide aber dienten dem Finden der einen Wahrheit. Mit Anselm von Canterbury teilte er die Auffassung, die Existenz Gottes lasse sich auch mit den Mitteln der Vernunft aufweisen. Aber: Das Heil des Menschen erfordert, dass Gott ihm Wahrheiten eröffnet, die den Verstand übersteigen. Denn Anselms größte aller Vorstellungen sei so groß, dass sie meine Vorstellungskraft übersteigt, oder angesichts der Größe Gottes noch immer viel zu klein; mit menschlicher Vorstellungskraft sei Gott nicht zu fassen. Thomas bewies die Existenz Gottes vielmehr aus seiner Schöpfungskraft, er sei der unbewegte Beweger, der am Anfang aller Wirklichkeit und allen Seins stand. Auch dass Menschen ein Wissen über Gut und Böse haben, wurzelt in Gott. Seine berühmte Formel vom Magddienst der Philosophie sollte nicht Unterordnung der Philosophie, aber ihren Ertrag für die Theologie deutlich machen. Aufgabe des Menschen ist, mit Hilfe seiner Vernunft Gottes Willen zu erkennen und dann zu tun.

Mit seinem epochalen Werk legte Thomas die bis heute gültige Ausprägung katholischer Theologie; Seine Ehrentitel Doctor angelicus, engelgleicher Lehrer, Doctor sanctus, heiliger Lehrer, Doctor communis, Lehrer der Gemeinschaft und Doctor humanitatis, Lehrer der Menschlichkeit bezeugen die große Wertschätzung; 1879 wurden seine Lehren zur offiziellen Philosophie der katholischen Kirche erklärt. Thomas ließ sich aber auch ganz unbefangen ein auf weltliche Fragestellungen, Impulse anderer Kulturen und Religionen, Anfragen von Nicht-Glaubenden. Seine Kirche galt ihm als unfehlbare Führerin, dennoch blieb er auch ihr gegenüber vernunftgeleitet-kritisch: Die Autorität einer Kirchenführung allein genüge nicht, wichtig seien Argumente, Gründe, die Ergebnisse eines strengen und systematischen Denkens. Thomas hört zu, prüft, nimmt an und verwirft. Er ist ein neuer Denker, ein selbständiger Denker, urteilte Walter Dirks.

Drei der von Thomas getexteten Lieder finden sich im katholischen Gesangbuch Gotteslob: Pange lingua (GL 494), Lauda Sion salvatorem in der deutschen Übersetzung Lobe Zion, deinen Hirten (GL 545) und Adoro te devote in der deutschen Übersetzung Gottheit tief verborgen (GL 546).

Vittore Carpaccio: Thomas im Himmel zwischen Markus und Ludwig von Toulouse, 1507, Staatsgalerie in Stuttgart
Vittore Carpaccio: Thomas im Himmel zwischen Markus und Ludwig von Toulouse, 1507, in der Staatsgalerie in Stuttgart

Ab dem Nikolaustag 1273 - der Überlieferung nach auf Grund eines mystischen Erlebnisses - weigerte er sich, weiter zu schreiben: Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Spreu, verglichen mit dem, was ich geschaut habe.

Auf dem Weg zum 2. Konzil von Lyon, wohin ihn der Papst als Berater geladen hatte, starb Thomas in der Zisterzienserabtei Fossanova; legendäre Gerüchte sprechen von Vergiftung. Er selbst hatte alle Würden immer abgelehnt, nach seinem Tod wurde er aber zum Bischof von Umbrien erklärt. Thomas' Gebeine wurden am 28. Januar 1369 nach Toulouse überführt.

Kanonisation: Thomas wurde am 18. Juli 1323 von Papst Johannes XXII. heiliggesprochen, 1567 zum Kirchenlehrer, 1880 zum Patron aller katholischen Hochschulen ernannt. Sein Werk und seine Ideen, der Thomismus, wurde 1879 durch Papst Leo XIII. in dessen Enzyklika Aeterni Patris offiziell zur Grundlage der katholischen akademischen Ausbildung erhoben; das 2. Vatikanische Konzil bestätigte diese Auffasung.
Attribute: Sonne, Stern, Edelstein, Taube, MonstranzEine Monstranz ist ein in der katholischen Kirche benütztes, meist kostbar mit Gold und Edelsteinen gestaltetes Schaustück, in dem eine geweihte Hostie gezeigt wird. Monstranzen gibt es seit dem 13. Jahrhundert, die Hostie in ihr wird verehrt und oft bei Prozessionen vorangetragen.
Patron der katholischen Wissenschaft und der katholischen Schulen und Hochschulen, der Theologen, Philosophen, Studenten, Buchhändler, Bleistiftfabrikanten, Bierbrauer; gegen Blitz, Unwetter und Sturm, für Keuschheit und Reinheit

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Die Summa Theologica gibt es in englischer Übersetzung im Web bei New Advent, unser Link führt zur von Google erstellten Übersetzung ins Deutsche.

  Online zu lesen gibt es Das Seiende und das Wesen (De ente et essentia) bei der Bibliothek Zeno.org.

  Die Summa contra Gentiles gibt es im Web in englischer Übersetzung. Unser Link führt zur von Google erstellten Übersetzung ins Deutsche.

  Die Catena aurea ist in Auszügen auf Deutsch zugänglich in der Reihung der Leseordnung der katholischen Kirche, wobei zu den Evangelien der Sonn- und Festtage des Kirchenjahres jeweils eine Auswahl der in der Catena gebotenen Kommentierungen zusammengestellt wurde.

  weitere Schriften von Thomas gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Web 3.0 - Leserkommentare:

Da es bei dem oft gerühmten großen Theologen der Scholastik auch meist weniger bekannte Negativa gibt, erlaube ich mir, Ihnen eine kurze Beschreibung der Schattenseiten des Thomas von Aquin zum allfälligen Gebrauch zu übermitteln.

Thomas von Aquin hatte ein großes Ziel: Erkenntnis und Anschauung Gottes.

Seine Werk bestehen vor allem aus:
1. Aristoteles-Kommentaren
    Erkenntnis des monotheistischen Charakters des aristotelischen Denkens.
2. Philosophische Schriften,
    vor allem gegen Averroës, der die Unsterblichkeit der Seele leugnete, in der Philosophie die höhere Wahrheit als in der Theologie fand und statt von der Schöpfung von der Ewigkeit der Welt sprach.
3. Hauptwerk Summa theologica (unvollendet),
    hier findet sich die Formulierung der Merkmale der Gesellschaft, die sowohl mit der Bibel als auch mit der Vernunft vereinbar sein soll. Thomas nahm dabei die christlichen Grundlehren über Gott, Welt und Mensch zum Ausgangspunkt und nannte die Philosophie als Mittel, diese zu beweisen. Die Vernunft sah er als notwendige Vorstufe des Glaubens an, der Glaube ist der Vernunft bei Thomas stets überlegen.
4. Das staatspolitische Werk De regimine principum,
    hier schloss er sich eng an Aristoteles an: Der Mensch ist ein zoon politikon, ein soziales Lebewesen. Das macht staatliche Ordnung notwendig. Letzter Zweck des menschlichen Lebens ist nach Thomas von Aquin die Erlangung der himmlischen Seligkeit. Aufgabe der Kirche ist es, dorthin zu führen, d. h., in Fragen des Seelenheils der Gläubigen hat die Kirche Gewalt über den Staat. Im weltlichen Leben dagegen muss man dem Herrscher mehr gehorchen als dem Papst.

Mit seinem epochalen Werk legte Thomas die bis heute gültige Ausprägung katholischer Theologie; seine Ehrentitel Doctor angelicus, engelgleicher Lehrer, Doctor sanctus, heiliger Lehrer, Doctor communis, Lehrer der Gemeinschaft, und Doctor humanitatis, Lehrer der Menschlichkeit, bezeugen die große Wertschätzung.
1879 wurden seine Lehren zur offiziellen Philosophie der katholischen Kirche erklärt. Thomas ließ sich aber auch ganz unbefangen ein auf weltliche Fragestellungen, Impulse anderer Kulturen und Religionen, Anfragen von Nicht-Glaubenden. Seine Kirche galt ihm als unfehlbare Führerin, dennoch blieb er auch ihr gegenüber vernunftgeleitet-kritisch: Die Autorität einer Kirchenführung allein genüge nicht, wichtig seien Argumente, Gründe, die Ergebnisse eines strengen und systematischen Denkens.
Der katholische Schriftstelle und Journalist Walter Dirks (1901 – 1991) urteilte über Thomas: Thomas hört zu, prüft, nimmt an und verwirft. Er ist ein neuer Denker, ein selbständiger Denker.

Interessant ist, was Thomas von Aquin über Ketzer, Juden, Krieg, Betrug, Frauen, Sexualität und Geisterglaube dachte, lehrte und schrieb.

Ketzer

Was die Ketzer anlangt, so haben sie sich einer Sünde schuldig gemacht, die es rechtfertigt, dass sie nicht nur von der Kirche vermittels Kirchenbannes ausgeschieden, sondern auch durch die Todesstrafe aus dieser Welt entfernt werden. Ist es doch ein viel schwereres Verbrechen, den Glauben zu verfälschen, der das Leben der Seele ist, als Geld zu fälschen, das dem weltlichen Leben dient. Wenn also Falschmünzer oder andere Übeltäter rechtmäßigerweise von weltlichen Fürsten sogleich vom Leben zum Tode befördert werden, mit wieviel größerem Recht können Ketzer unmittelbar nach ihrer Überführung wegen Ketzerei nicht nur aus der Kirchengemeinschaft ausgestoßen, sondern auch billigerweise hingerichtet werden. (Summa theologica; IIa IIae q XI, a. 3)

Das Christentum bekämpfte Ketzer von allem Anfang an mit heiligem Zorn. Das Wort bzw. der Begriff Ketzer entstand um die Mitte des 11. Jahrhunderts, als die ersten Radikalchristen einer neuen Glaubensbewegung von sich reden machten.
Die Ketzerchronik zwischen 1050 und 1650 hat eine klare Tendenz. In diesem Zeitraum betrat der Dritte Stand, wie er später genannt wurde, die weltgeschichtliche Bühne und führte seinen langen Kampf gegen Adel und KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.. Zerstört wurde dabei eine Ordnung der Dinge, die 5000 Jahre lang in den landwirtschaftlich nutzbaren Klimazonen der Erde, unter der Herrschaft der Könige und Priester, schlecht und recht funktioniert hatte.

Judenfeindlichkeit

Der christliche Kampf gegen die Juden begann mit dem so genannten Neuen Testament und wurde von den Kirchenvätern des 2. bis. 4. Jahrhunderts fortgesetzt. Seit dem 3. Jahrhundert waren die Juden über das ganze Römische Reich verstreut. Die Germanen der Völkerwanderungszeit - Goten, Burgunder, Franken – gewährten ihnen völlige rechtliche Gleichstellung mit den provinzial-römischen Völkern. Auch die arianischen Germanenstämme, die in Italien, Spanien und Nordafrika saßen, begünstigten das Judentum und förderten seine Entwicklung. Mit der Katholisierung der Germanen aber setzte die Judenfeindlichkeit ein.

Im beginnenden Spätmittelalter, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wuchs die Judenfeindschaft beträchtlich an, wozu die Heiligen Väter Innozenz III., Honorius III. und Gregor IX. wesentlich beitrugen. Der Name jedes dieser Päpste, schrieb der jüdische Jurist und Rechtshistoriker Guido Kisch, verrät ein ganzes antijüdisches Programm.
Fast alle Hierarchen des Mittelalters dachten im Grunde wie Nikolaus IV., der erste Franziskanerpapst, dessen antijüdische Bulle von 1288 die Inquisitoren, die geistlichen und weltlichen Potentaten aufforderte, vorzugehen gegen die Juden und gegen alle, die Juden verteidigen oder begünstigen. Bestraft sie, wie sie es verdienen.

Ähnlich judenfeindlich waren auch die meisten Kaiser, Könige und Fürsten orientiert, die ja ebenso wie die ganze Christenheit dauernden judenfeindlichen Parolen ausgesetzt und davon geprägt waren.
Und gerade aus der kirchlichen Lehre und Gesetzgebung, der theologischen Servitus Judaeorum, ging dann jenes Rechtsinstitut hervor, das die Bezeichnung Kammerknechtschaft bekam.

Insbesondere deutsche Monarchen hatten damit die Verpflichtung übernommen, die Juden zu schützen, gewiss nicht in uneigennütziger Weise. Sie dachten kein Jota besser über jene als die Päpste und der ganze christliche KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.. Selbst der aufgeklärteste Kopf seines Jahrhunderts, Kaiser Friedrich II., verfügte 1237 in seinem Privilegium für die Stadt Wien: Getreu den Pflichten eines katholischen Fürsten schließen wir die Juden von öffentlichen Ämtern aus, damit sie nicht die Amtsgewalt zur Bedrückung der Christen missbrauchen; denn die kaiserliche Machtfülle hat von alters her zur Bestrafung des jüdischen Verbrechens den Juden immerwährende Knechtschaft auferlegt.

Allerdings war es nicht die kaiserliche Machtfülle, sondern die kirchliche. Von der ewigen Knechtschaft der Juden, der Servitus Judaeorum, hatte schon Augustinus gesprochen, vielleicht mehr im theologisch-spirituellen Sinn, wenn auch der Satz Der Jude ist der Sklave des Christen nicht gerade dafür spricht.

Und Thomas von Aquin, für den, wie seine Summa theologica (die als Eingebung des Heiligen Geistes galt und die 1879 Leo XIII. zur stets maßgebenden Philosophie, philosophia perennis, der Kirche erklärte) lehrt, die Juden Sklaven der Kirche sind, verstand ihre Knechtschaft eindeutig materiell. Da die Juden ewiger Knechtschaft überliefert sind, können die Fürsten über deren irdische Güter wie über ihr Eigentum verfügen.

Von dieser generösen Erlaubnis des Aquinaten machten die Fürsten auch ausgiebig Gebrauch, obwohl sie sich natürlich schon früher allerlei gestatteten, nachdem allmählich mit den Schutzbriefen der spätkarolingischen Kaiser und Könige ein Abhängigkeitsverhältnis der Juden entstanden war, das sich bis zur Kammerknechtschaft steigerte.

Der gerechte Krieg

Im Urchristentum ist der Kriegsdienst mit Berufung auf die Evangelien grundsätzlich verweigert worden. Augustinus von Hippo ist später für den gerechten Krieg eingetreten; es überrascht daher nicht, dass auch Thomas von Aquin für den gerechten Krieg war.
Gerecht war der Krieg für Thomas dann, wenn er von einer dazu legitimierten Regierung zur Verteidigung einer potentiell für alle gültigen Rechtsordnung mit Aussicht auf ein positives Ergebnis, auf weniger statt mehr Sünde, und ohne eigensüchtige Motive geführt werden konnte. Er wandte diese Kriterien jedoch nicht auf bestimmte Kriege seiner Zeit an und verbot Angriffs- und Missionskriege nicht ausdrücklich. So ließ er offen, ob das Heil für alle – das Christentum – notfalls auch kriegerisch verbreitet werden durfte oder nicht.

Lug und Betrug

Frommer Betrug war im Christentum schon von Anfang an erlaubt. Doch neu war dies so wenig wie vieles andere. Die Meinung, dass der Zweck die Mittel heilige, dass Fiktion und Unwahrheit im Dienst der Religion, des Heiligsten und der Glaubensverteidigung, erlaubt seien, dass es sich da eher um Notlügen und um eine Art Notwehr handle, sowie die Lehre, dass die Masse wie Kinder oder Geistesschwache zu ihrem eigenen Besten getäuscht werden müsse, war bereits in vorchristlicher Zeit geläufig, besonders unter Pythagoräern und Platonikern.

Bereits der älteste Autor des Neuen Testaments, der hl. Paulus, steht unter dem Verdacht, die christliche Wahrheit durch Lügen erhärtet zu haben, meinte er doch: Wenn aber Gottes Wahrhaftigkeit durch meine Lüge sich in ihrer ganzen Fülle gezeigt hat zu seiner Ehre, was werde ich dann noch als Sünder gerichtet? (Römerbrief 3, 7). Für Clemens von Alexandria waren Lüge und Täuschung unter bestimmten Umständen erlaubt, etwa in strategischem Zusammenhang oder des Seelenheils und der Heilsgeschichte wegen.
Der Kirchenlehrer Johannes „Chrysostomus” plädierte energisch für die Notwendigkeit der Lüge zum Zweck des Seelenheils.
Für Bischof Augustinus von Hippo war eine Lüge in der Bibel, etwa die Jakobs im Alten Testament, keine Lüge, sondern Mysterium. Ausdrücklich erlaubte Augustinus fromme Erfindungen zum Vorteil der Kirche. Denn wird eine Erdichtung (fictio) auf irgendeinen Sinn bezogen, so ist sie keine Lüge mehr, sondern Ausdruck (figura) der Wahrheit..

Thomas von Aquin stützte sich auf Augustinus. Da es nach ihm die größte Wohltat ist, jemand vom Irrtum zur Wahrheit zu führen, erlaubte er auch großzügig Fiktionen, wenn sie sich auf eine res significata, eine bedeutsame Angelegenheit, bezogen.
Also: um des Katholizismus willen darf gelogen und betrogen werden.

Bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass Thomas von Aquin selbst auf eine berühmte Fälschung eines Syrers hereinfiel, der um 500 vier große Abhandlungen und zehn meist kurze Brief verfasst hatte, denen ein durchschlagender und dauerhafter Erfolg beschieden war. Dieser Christ gab sich als der von Paulus in Athen bekehrte Dionysios „der Areopagite” (Apostelgeschichte 17, 34) aus. Das Machwerk des Pseudo-Dionysius wurde von den berühmtesten Theologen wie Maximus „der Bekenner”, Hugo von St-Victor, Albertus Magnus und natürlich auch von Thomas von Aquin wie die Bibel studiert, ausgelegt und für ein Werk des Heiligen Geistes gehalten.
Thomas von Aquin schrieb zum Werk des Syrers De divinis nominibus, von den Namen Gottes, einen Kommentar und nahm für seine eigenen Werke rund 1700 Zitate aus der Fälschung auf.

Frauenfeindlichkeit und Sexualmoral

In der Sexualmoral ist Thomas von Aquin neben Augustinus bis heute die Autorität geblieben.
In seiner Summa theologica hielt er u. a. fest: Immerwährende Enthaltsamkeit ist zur vollkommenen Frömmigkeit erforderlich … Darum ist auch Jovinian, der die Ehe auf die gleiche Stufe wie die Jungfräulichkeit stellte, verdammt worden.
Mehrfach wiederholte Thomas, was schon Hieronymus im 4./5. Jahrhundert ausgerechnet hatte, dass nämlich die jungfräulichen Menschen hundert Prozent himmlischen Lohn erhalten, die verwitweten sechzig Prozent und die verheirateten dreißig Prozent.

Dass alles Menschenunglück mit der Frau, nämlich Eva, begonnen hatte, dass durch sie die Vertreibung aus dem Paradies erfolgte, hielt schon Augustinus fest.
Der alten augustinischen Frauenverachtung wurde im 13. Jahrhundert von den Theologen, vor allem von Albertus Magnus und Thomas von Aquin Aristoteles als Verstärker hinzugefügt. Aristoteles öffnete die Augen der Mönche für den tiefsten Grund der Minderwertigkeit der Frau: Die Frau dankt ihr Dasein einer Fehlsteuerung und Entgleisung in ihrem Entstehungsvorgang, sie ist nämlich ein missglückter Mann, ein defekter Mann. Obwohl diese Erkenntnis des Aristoteles in das Konzept der augustinischen Männerkirche so hervorragend passte wie der fehlende Deckel zum Topf, verlief die Annahme dieser aristotelischen biologischen Entdeckung nicht ohne Widerspruch.
Die Befürchtung der Kirchenmänner, mit dem Griechen Aristoteles zugleich die frauenfeindliche griechische Hochschätzung der Homosexualität zu übernehmen, war schwächer als der Wunsch, endlich eine einleuchtende Erklärung für die Unterordnung der Frau unter den Mann zu finden.
Nachdem die Männer (Heiden und Christen) die Frau zu den Kindern in die Küche gedrängt und alle anderen Aktivitäten, sofern sie interessant schienen, für sich beschlagnahmt hatten, fiel ihnen auf, dass der Mann aktiv und die Frau passiv ist. Diese männliche Aktivität und die frauliche Passivität beziehen sich nach Aristoteles auch auf den Zeugungsakt: Der Mann zeugt, die Frau empfängt. Der Sprachgebrauch ist bei uns bis heute von der Tatsache unberührt, dass 1827 durch K. E. Baer das weibliche Ei entdeckt und damit der hälftige Anteil der Frau an der Zeugung nachgewiesen wurde. Die Vorstellung, dass der männliche Same das allein aktive Zeugungsprinzip ist, hat sich dank Thomas von Aquin derart behauptet, dass man auch heute noch in der kirchlichen Hierarchie die Entdeckung des weiblichen Eis ignoriert, sobald sich daraus theologische Folgerungen ergäben, z. B. für die Empfängnis Jesu.
Nachdem man bis 1827, bis zur Entdeckung des weiblichen Eis, sagen konnte, Maria habe Jesus vom Hl. Geist empfangen, kann man das nun nicht mehr, ohne das weibliche Ei zu leugnen. Akzeptiert man es aber, so würde man die Alleinwirksamkeit Gottes leugnen, und die Empfängnis vom Hl. Geist wäre dann eine Empfängnis nur noch von fünfzig Prozent.

Die geringschätzige Vorstellung von der Frau als einer Art Blumentopf für den männlichen Samen wurde für eine Jahrtausende überdauernde Theorie aufbereitet. Aristoteles, Albertus und Thomas sahen die Sache so: Nach dem Grundsatz: jedes Aktive bewirkt etwas ihm Ähnliches müssten eigentlich immer Männer geboren werden. Denn an sich will die aktive Kraft im männlichen Samen etwas gleich Vollkommenes hervorbringen, nämlich wieder einen Mann. Doch durch ungünstige Umstände entstehen Frauen, das sind missglückte Männer. Aristoteles nannte die Frau arren peperomenon, einen . Thomas übersetzte das mit mas occasionatus; es bedeutete für ihn etwas, das nicht in sich beabsichtigt ist, sondern von einem Defekt herrührt.

Die widrigen Umstände, die dazu führen, dass der Mann nicht etwas gleich Vollkommenes, wie er selbst ist, zeugt, sind z. B. feuchte Südwinde mit viel Niederschlag, wodurch Menschen mit größerem Wassergehalt entstehen, schrieb Thomas. Und er wusste auch, was dieser missliche Umstand für Folgen hat: Weil in den Frauen mehr Wassergehalt ist, darum sind sie leichter durch die Geschlechtslust zu verführen. Der Geschlechtslust zu widerstehen fällt ihnen umso schwerer, als sie weniger Geisteskraft als Männer besitzen.

Die Frau entspricht nicht, meinte Thomas in seiner nicht so sehr ökologisch-anschaulichen als vielmehr philosophisch-abstrakten Ausdrucksweise, der ersten Absicht der Natur, die auf Vollkommenheit (Mann) zielt, sondern der sekundären Absicht der Natur, wie Fäulnis, Missbildung und Altersschwäche.
Göttlicherseits ist auch dieser Fehlschlag Frau irgendwie eingeplant, zwar nicht primär, aber sekundär, denn die Frau ist zur Zeugung bestimmt. Damit erschöpft sich auch der Nutzen der Frau in des Thomas mönchischen Männeraugen.

Thomas zitierte Augustinus, etwas abgewandelt, ohne ihn zu nennen: Die Hilfe, zu der Gott dem Adam die Frau schuf, beziehe sich lediglich auf eine Hilfe bei der Zeugung, da zu allen anderen Tätigkeiten ein Mann dem Mann eine bessere Hilfe wäre. (Necessarium fuit feminam fieri, sicut Scriptura dicit in adiutorium viri, non quidem in adiutorium alicuius alterius operis, ut quidam dixerunt, cum ad quodlibet aliud opus con-venientius iuvari possit vir per alium virum quam per mulierem; sed in adiutorium generationis.)

Für das Geistesleben des Mannes hat die Frau keine Bedeutung. Thomas meinte, die Seele des Mannes falle durch die Berührung der Frau – wie Augustinus lehre – von ihrer erhabenen Höhe herab, und sein Leib gerate unter die Herrschaft der Frau und damit in eine Sklaverei, die bitterer ist als jede andere.

Da die Frau eine geringere Körperkraft und auch eine geringere Geisteskraft besitzt, versagte ihr das Kirchenrecht, gestützt auf Thomas von Aquin, die Zeugenschaft in Testamentsangelegenheiten und Kriminalprozessen.

Auch die Kinder hatten die vorzüglichere Qualität ihres Vaters zu beachten: Der Vater ist mehr zu lieben als die Mutter, weil er das aktive Zeugungsprinzip ist, die Mutter jedoch das passive. (Summa theologica, II/II q. 26 a. 10)

Selbst beim ehelichen Akt gibt es Unterschiede: Der Mann hat den edleren Part beim ehelichen Akt, und darum ist es natürlich, dass er weniger zu erröten braucht, wenn er die eheliche Pflicht fordert als seine Frau. Denn der eheliche Akt besitzt immer etwas Schändliches und verursacht Erröten
Frauen neigen auch mehr zur Unenthaltsamkeit als die Männer, meinte Thomas mit Berufung auf Aristoteles. Der Hexenhammer sah später in diesem Tatbestand die Begründung dafür, dass es mehr Hexen als Hexer gab.

Da Frauen Mängelwesen seien, sollte nach Thomas nur der Vater für die geistige Erziehung der Kinder zuständig sein. Die Unauflöslichkeit der Ehe wurde von Thomas weitgehend damit begründet, dass zur Erziehung der Nachkommenschaft die Frau keineswegs genügt. Der Vater ist nach ihm für die Erziehung wichtiger als die Mutter.
Auch noch aus einem anderen Grund war nach Thomas die Unauflöslichkeit der Ehe angesagt: Die Frau hat den Mann nämlich nicht nur zur Zeugung und Kindererziehung nötig, sondern auch als ihren eigenen Gebieter, denn der Mann ist, wie Thomas wiederholte, von vollkommender Vernunft und bzw. Tugendkraft.

Weil die Frauen im Zustand der Unterordnung sind, können sie auch nicht die Priesterweihe empfangen, meinte Thomas.
Die Tatsache der Unterordnung unter die Männer war für Thomas der eigentliche Grund der Verweigerung des kirchlichen Amtes für die Frau. Er widersprach sich allerdings selbst, wenn er andererseits von Frauen redete, die nicht im Zustand der Unterordnung unter die Männer existierten: Dadurch, dass sie das Gelübde der Jungfräulichkeit oder des Witwenstandes ablegen und so Christus anverlobt werden, werden sie zur Würde des Mannes erhoben, wodurch sie nämlich von der Unterordnung unter den Mann befreit und Christus unmittelbar verbunden sind
Auf die Frage warum nun auch diese Frauen nicht Priesterinnen werden dürfen, blieb Thomas die Antwort schuldig.

Nicht nur in puncto Frauenherabsetzung, sondern auch in puncto Lust- und Sexualfeindlichkeit fühlte sich Thomas von Aquin durch Aristoteles unterstützt. Die Bemerkung Aristoteles’, dass die geschlechtliche Lust das Denken behindert, war Wasser auf seine Mühle, bestärkte ihn in seinem Sexualpessimismus augustinischen Gepräges.

Es ist heute nicht mehr nachvollziehbar, mit welcher fanatischen Ablehnung Thomas dem Geschlechtsakt gegenüberstand, und zwar mit der Begründung, dass dieser den Geist verdunkelt, ja auflöst. Thomas behauptete, dass häufiger Geschlechtsverkehr zu Geistesschwäche führe.

Die Verbindung von Sexualität und Erbsünde und das Herabziehen des Geistes durch die Geschlechtslust waren für Augustinus die Hauptgründe gewesen, seine Lehre von den Ausgleichsgütern, derentwegen die Ehe entschuldbar wird, zu entwickeln. Thomas von Aquin übernahm diese Lehre. Er bezeichnete – wie Augustinus – die Lust des ehelichen Aktes zwar nicht als unbedingt sündhaft, aber doch als Straffolge des Sündefalls. Darum sind Eheentschuldigungsgüter erforderlich, deren hauptsächliches das Kind ist. Ganz im Sinn von Augustinus meinte er: Kein vernünftiger Mann darf irgendeinen Verlust auf sich nehmen, wenn dieser nicht durch einen gleichen oder höheren Wert wieder aufgehoben wird.

Dass die Geschlechtslust die Erbsünde überträgt, erscheint kurios, heißt aber nicht, dass jemand, der nichts empfinden, nichts überträgt, denn sonst wären die Kinder von Frigiden ohne Erbsünde. Thomas führte dazu aus: Wenn durch die Kraft Gottes jemandem geschenkt wird, dass er beim Zeugungsakt keine ungeordnete Lust empfindet, dann würde er trotzdem die Erbsünde auf das Kind übertragen. Denn es handelt sich bei der Geschlechtslust, die die Überträgerin der Erbsünde ist, nicht um die aktuelle – im Augenblick der Zeugung empfundene -, sondern um die habituelle – im Zustand des Menschen begründete - Geschlechtslust, und die ist bei allen Menschen gleich.

Aus dem Fallstrick der Theologen kommt kein Elternpaar heraus. Dass einzig Marias Eltern hier eine Ausnahme bilden, wurde erst 1854 im Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens festgestellt. Gemäß Thomas von Aquin galt die Erbsündenlosigkeit nur für Jesus, nicht für Maria.

In den frühmittelalterlichen Bußbüchern und in der mittelalterlichen Theologie wurden die natürlichen Stellungen beim Beischlaf ausführlich behandelt. Ist für Zölibatäre auch ernorm wichtig.
Dass auch Thomas den Eheverkehr mit Abweichung von der normalen Lage unter die widernatürlichen Sünden rechnete, passt nicht ganz in sein Schema, denn alle anderen widernatürlichen Laster, die er aufzählte, haben gemeinsam, dass sie die Zeugung ausschließen, was man beim Abweichen von der normalen Lage nicht sagen kann.
Eine Ausnahme gestattete Thomas, wenn nämlich Eheleute aus medizinischen Gründen, z. B. wegen ihres Leibesumfangs, nicht anders verkehren konnten.

Die anderen schwerstsündhaften, weil widernatürlichen Laster, die schlimmer als Inzest, Vergewaltigung und Ehebruch sind, sind nach Thomas Selbstbefriedigung, Verkehr mit Tieren, Homosexualität, Anal- und Oralverkehr sowie Coitus interruptus.

Für Thomas war Eheverkehr ein zielgerichtetes Ausscheiden des Samens zum Zweck der Kinderzeugung. Dieses zielgerichtete Ausscheiden war bei ihm natürlich an eine bestimmte Form gebunden. Der Geschlechtsakt wurde und wird dann als sittlich angesehen, wenn er der rechten Ordnung entspricht.
Dass der Zeugungsverkehr in der vorgeschrieben kirchlichen Weise nicht ohne Ehe stattfinden durfte, sah Thomas von der Natur vorgeschrieben.

Verzauberungsimpotenz und Teufelsbuhlschaft

Des Thomas von Aquin Bedeutung für die Sexualethik liegt nicht darin, dass er hier der Theologie eine Wende gegeben hätte, sondern im Gegenteil darin, dass er der große Angepasste war, der die Lehre seiner Zeit – vor allem konservativer Richtung – festschrieb und gegen Liberalisierung verteidigte. Sein schwerwiegendster Irrtum, der bei seiner Autorität schließlich die verheerendsten Folgen haben sollte, war, dass er sich gegen solche wandte, die bezweifelten, dass die Teufel im Sexualbereich eine besondere Wirksamkeit entfalten, dass sie z. B. Verzauberungsimpotenz bewirken.

Am 5. Dezember 1484 erließ Papst Innozenz VIII. die Hexenbulle, in der er zu Beginn behauptete, die Hexen beiderlei Geschlechts betrieben neben der Verzauberungsimpotenz noch eine andere Ungeheuerlichkeit, nämlich Unzucht mit den Teufeln.
Die Hauptquelle für die Hexenbulle und den Hexenhammer, der sich als Kommentar der Hexenbulle verstand, war die Vorstellung des Thomas von Aquin von der Teufelsbuhlschaft mit den aufliegenden und untenliegenden Teufeln.
Auf niemand berief sich der unselige Hexenhammer von 1487 so ausgiebig wie auf Thomas von Aquin, der klipp und klar erklärt hatte, wie der Geschlechtsverkehr mit dem Teufel und das Erzeugen von Teufelskindern funktioniert, indem er eine Samenvermittlungstheorie entwickelte: Ein und derselbe Teufel kann sich männliche Samen besorgen, indem er in Frauengestalt - als succubus - mit einem Mann Verkehr hat, und kann dann anschließend in Männergestalt - als incubus - diesen Samen beim Geschlechtsverkehr an die Frau bringen. Die so erzeugten Teufelskinder – sie zeichnen sich durch besondere Größe aus – sind eigentlich Menschenkinder, weil es sich um einen menschlichen Samen handelt.
Details, auf welche Weise der Same, den der Teufel sich vom Mann besorgte, bis zum Verkehr mit der Hexe frisch und zeugungsaktiv bleibt, behandelte Thomas nicht. Solche Lücken füllte dann der Hexenhammer.

Beseelung des Embryos

Die Frage der Beseelung des Embryos war immer umstritten. Die Kirchenväter Basilius der Große und Gregor von Nyssa erklärten – im Anschluss an die Stoa -, die Beseelung des menschlichen Keims erfolge im Augenblick der Empfängnis, weil die Seele zusammen mit dem Samen in den Uterus eingegossen werde. Auch Albertus Magnus war ein Gegner der Sukzessivbeseelung, während sein Schüler Thomas von Aquin sie vertrat. Er war der Meinung, dass die Beseelung des männlichen am vierzigsten, des weiblichen Fetus am achtzigsten Tag erfolge.

Der Geisterglaube

Der Dämonenglaube spielte schon im Altbabylonischen Reich (1831 – 1100 v. Chr.) eine große Rolle.
Zur Zeit Jesu stand er in voller Blüte und er war später für die Apologeten in der Antike und die Scholastiker im Hochmittelalter von großer Bedeutung.
Für den Kirchenvater Justinus und andere frühchristliche Autoren gingen die Dämonen aus der Verbindung von gefallenen Engeln mit Jungfrauen hervor.
Nach Tertullian, der behauptete, die Existenz der Dämonen bewiesen zu haben, lagen sie gerne auf dem Wasser, um den göttlichen Geist nachzuahmen, der vor der Erschaffung der Welt über den Wassern schwebte.
Kirchenlehrer Hieronymus bewies aus der Bibel, dass die Luft voller Dämonen sei.
Kirchenlehrer Augustinus führte alle Krankheiten der Christen auf Geister zurück; auch war der Bischof von Hippo, der sich eingehend mit Dämonen beschäftigte, vom Dasein von Faunen überzeugt, die den Weibern nachstellten.

Nach Thomas von Aquin wurden auch Regen und Wind sowie andere Wettererscheinungen durch Dämonen verursacht. Im Mittelalter empfand man nämlich die ganze Natur als vom Teufel verseucht. Damit ist eine Verbindung mit dem Hexenglauben gegeben, der im Katholizismus von Thomas von Aquin besonders gestützt wurde.

Prof. Helmut Bouzek über E-Mail, 15. Dezember 2011





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 15.07.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/t/kalt054.htm
• Gregory Bergmann: Philosophie für die Badewanne. Kreuz Verlag, Stuttgart 2004
• http://www.roanoke.edu/staff/long/ReadingImages/ReadingIconB.htm
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000
• C. S., Brief vom 22. Juni 2008
• Fabian Schäfer, E-Mail vom 12. August 2012