Ökumenisches Heiligenlexikon

Albertus Magnus

deutscher Beiname: der Große
auch: von Regensburg, de Lauing (von Lauingen), Theutonicus (der Deutsche), Coloniensis (von Köln)

Gedenktag katholisch: 15. November
nicht gebotener Gedenktag
Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet
Fest im Erzbistum Köln, im Bistum Regensburg und im Dominikanerorden
gebotener Gedenktag im Bistum Augsburg
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

nicht gebotener Gedenktag in Österreich (Diözesen Eisenstadt, Feldkirch, Graz-Seckau, Gurk-Klagenfurt, Innsbruck, Linz, Salzburg, St. Pölten, Wien): 16. November

Gedenktag evangelisch: 15. November

Name bedeutet: durch Adel glänzend (althochdt.)

Bischof von Regensburg, Ordensmann, Kirchenlehrer
* 1193 oder um 1206 in Lauingen an der Donau in Bayern
15. November 1280 in Köln in Nordrhein-Westfalen


Albertus stammte aus einer Ministerialenfamilie, sein Vater übte wohl die Herrschaftsrechte der Staufer in Lauingen 1 aus. 1223 trat Albertus in Padua in den erst zehn Jahre zuvor gegründeten Dominikanerorden ein, studierte nach 1223 in der am Kölner Dom angesiedelten Schule, lehrte 1243 bis 1244 an der theologischen Fakultät in Paris, wo auch Thomas von Aquin sein Schüler war, und wurde 1245 in Paris zum Magister der Theologie promoviert. 1248 wurde Albertus als erster Leiter des Studium generale nach Köln geschickt, wo er eine Ordensuniversität gründete, aus der sich später die Kölner Universität entwickelte. Er förderte den Plan zum Bau des Kölner Domes und richtete Ausbildungsstätten am Dominikanerkloster in Straßburg - an der Stelle des heutigen Temple Neuf - sowie am Kloster in Freiburg im Breisgau und in Hildesheim ein.

Ferdinand von Miller: Bronzedenkmal vor dem Rathaus in Lauingen, 1881
Ferdinand von Miller: Bronzedenkmal vor dem Rathaus in Lauingen, 1881

Albertus wurde 1254 im damaligen Kloster - an der Stelle der heutigen Hauptpost - in Worms zum Provinzial der Dominikanerprovinz Teutonia gewählt. Er bereiste in diesem Amt den Westen Europas, oft zu Fuß, wanderte von Kloster zu Kloster und sorgte für die Einhaltung der strengen Regeln. 1256 verteidigte er gegenüber der KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan. des Papstes in Anagni das Konzept der Bettelorden gegen die Angriffe v. a. aus der Pariser Universität; dort griff er in einer öffentlichen Disputation auch den Averroismus 2 an, woraus seine Schrift De unitate intellectus contra Averroistas, Über die Einheit des Verstandes, gegen die Averroisten wuchs, die dann Thomas von Aquin rezipierte.

Im Gehorsam gegenüber dem Willen von Papst Alexander IV. und gegen den des Ordensgenerals übernahm Albertus 1260 das herunter gewirtschaftete Bistum Regensburg. Er war zwei Jahre Bischof von Regensburg und warb dann im Auftrag von Papst Urban IV. 1263/64 in Böhmen und Deutschland mit Predigten für den 7. Kreuzzug. 1264 bis 1266 lehrte er in Würzburg, danach in Straßburg, bevor ihm der Papst um 1269 die Rückkehr in die Ruhe des Klosters bei St. Andreas in Köln erlaubte. 1271 vermittelt er hier wieder zwischen dem Erzbischof und der Stadt; insgesamt sind über zwanzig Schiedsverfahren und Friedensschlüsse durch Alberts Vermittlungen bezeugt. Unsicher ist die Überlieferung, nach der er 1277 die Lehren des Thomas von Aquin an der Pariser Universität verteidigte.

Gemälde, um 1700, wohl aus dem Betsaal für Albertus Magnus, heute in der Lauinger Martinskirche
Gemälde, um 1700, wohl aus dem Betsaal für Albertus Magnus, heute in der Lauinger Martinskirche

Albertus war einer der ganz großen theologischen Lehrer des Mittelalters, deshalb auch Doctor expertus, erfahrener Lehrer und Doctor venerabilis, verehrungswürdiger Lehrer genannt. Und er war einer der ersten großen mittelalterlichen Naturwissenschaftler in den Fächern Medizin, Biologie, Chemie, Physik, Astronomie und Geografie, daher sein Ehrenname Doctor universalis. Aber auch der Verdacht der Zauberei wurde deshalb gegen ihn erhoben. Seine Wiederentdeckung der Naturwissenschaften ergab sich aus der Einführung der aristotelischen Philosophie in die mittelalterliche Scholastik, bei der Albertus zur Schlüsselfigur wurde. In den scholastischen Kreisen des frühen 13. Jahrhunderts waren die Werke von Aristoteles weithin abgelehnt worden, die Kenntnisse der kirchlich geschulten Scholastiker beschränkten sich auf Aristoteles' Logik, wie sie in der Tradition von Augustinus und den Neuplatonikern ausgelegt wurde.

Albertus beschäftigte sich eingehend mit den Schriften von Aristoteles, unterzog sie einer gründlichen Untersuchung, kommentierte sie und widersprach ihnen gelegentlich aufgrund eigener sorgfältiger Beobachtungen. Seine Gelehrsamkeit umfasste auch arabisches und jüdisches Gedankengut. Er verfasste grundlegend neue Werke und war zu seiner Zeit mit der Autorität des Aristoteles zu vergleichen. In seiner Summa Theologiae, seiner umfassenden Darstellung der Theologie, erschienen um 1270, versuchte er aristotelisches Gedankengut mit den christlichen Lehren zu vereinen. Menschliches Denken könne die Offenbarung nicht widerlegen, gleichzeitig sei aber auch das Recht des Philosophen zu verteidigen, die göttlichen Mysterien zu erforschen. Das Werk blieb unvollendet, es wurde sicher zur Inspiration für das gleichnamige Monumentalwerk von Albertus' Schüler Thomas.

Reliquienkästchen mit der Hirnschale von Albertus, in der Pfarrkirche St. Martin in Lauingen
Reliquienkästchen mit der Hirnschale von Albertus, in der Pfarrkirche St. Martin in Lauingen

Albertus blieb zeitlebens ein frommer Beter und ein demütiger und bescheidener Mensch. Auch als Bischof von Regensburg behielt er die Fußbekleidung eines Bauern bei und bekam deshalb auch den Kosenamen Bischof Bundschuh.

Albertus' Reliquien ruhen in der Kölner St.-Andreas-Kirche, seine Hirnschale in der Pfarrkirche St. Martin seiner Geburtsstadt Lauingen. Dort wurde er schon bald nach seinem Tod in einer ihm geweihten Kapelle bei seinem Geburtshaus verehrt, die 1604 abgerissen und nach dem 30-jährigen Krieg durch einen Betsaal ersetzt wurde. Seit 1631 feierte man jedes Jahr seinen Festtag, 1932 wurde ihm ein Denkmal auf dem Rathausplatz aufgestellt, das Gymnasium ist nach ihm benannt. Am 700. Todestag 1980 besuchte Papst Johannes Paul II. das Grab in Köln.

Kanonisation: Albertus wurde 1622 von Papst Gregor XV. selig- und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen, gleichzeitig wurde ihm der Titel eines Kirchenlehrers verliehen. 1941 erklärte ihn Papst Pius XII. zum Patron aller Naturwissenschaftler.
Patron von Lauingen und Bollstadt; der Theologen, Philosophen, Naturwissenschaftler, Medizintechniker, Studenten und Bergleute

Brunnendenkmal in Bollstadt
Brunnendenkmal in Bollstadt

1 Dass Albertus in Lauingen und nicht, wie verschiedentlich behauptet, in Bollstadt - heute Ortsteil von Amerdingen bei Nördlingen - geboren wurde, hat Adolf Layer aufgewiesen, auch wenn dort die Hauptstraße des Ortes nach Albertus benannt ist. (Adolf Layer: Albert von Bollstadt oder Albert von Launingen? In: Historischer Verein Dillingen a. d. Donau: Albert von Lauingen … Festschrift 1980, 2. erw. Aufl. Lauingen 1980)

2 Die dem arabischen Philosophen Averroes zugeschriebene Lehre von der Einheit und Einzigkeit des Intellekts besagt, dass der Intellekt – sowohl der tätige als auch der aufnehmende, passive – nur ein einziger und somit in allen Menschen derselbe ist, weil sein Gegenstand, die Naturgesetze und die Logik, immer und überall gleich ist. Dem tätigen Intellekt wiesen die Averroisten eine Schlüsselrolle in der Weltordnung zu; manche identifizierten ihn sogar mit Gott.

Worte des Heiligen

(Natur-) Wissenschaft und Offenbarung schließen sich nicht gegenseitig aus:
Kein Wissen, auch nicht das naturwissenschaftliche, ist, richtig verstanden, zu verwerfen. Dem, der die Naturwissenschaft von Grund aus recht versteht, sind die Worte des Herrn kein Anlass zum Zweifel. Weltliche Weisheit und Klugheit sind gut, wenn sie gut verwendet werden. Ob das Streben nach Wissen sittlich gut oder schlecht ist, hängt vom Beweggrund ab, der uns bei diesem leitet. Aus Ruhmsucht oder um reich zu werden, Wissenschaft zu treiben, ist verwerflich, gut dagegen ist es, nach Wissen zu streben, um gut zu werden und sich zu erbauen; denn das ist Klugheit, gut auch, dies zu tun, um andere zu erbauen; denn das ist Liebe. Wissen zu wollen, damit du wissest, ist eine ernste Beschäftigung und kein eitles Beginnen.

In bewusst provokanten Formulierungen macht Albert in seiner Albert-Tafel auf das wesentlich Christliche aufmerksam:
Es gibt zwölf gute Stücke:
Das erste ist: Wer einen Pfennig in der Liebe unseres Herrn in diesem Leben gibt: Das ist Gott wohlgefälliger und dem Menschen nützlicher, als wenn seine Nachkommen nach seinem Tode so viel Gold und Silber austeilten, um Dome zu bauen, die von dieser Erde bis zum Himmel reichten.
Das andere ist: Wer ein hartes Wort geduldig erträgt, Lieb und Leid in rechter Demut von Gottes Hand empfängt und beides als Gottes Gabe erkennt: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn er auf seinem Rücken alle Tage einen Wagen voll Birkenreiser zerschlüge.
Das dritte ist, dass du dich vor Gott demütigst unter alle Geschöpfe: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du von einem Ende der Welt bis an das andere gingst und deine Fußstapfen von Blut gerötet wären.
Das vierte ist, dass du Gott mit seiner Gnade stete Reue bietest in deiner Seele: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du von einem Ende der Welt bis an das andere liefst.
Das fünfte ist, dass der Mensch einen Tropfen aus lauterer Liebe wegen des Leidens Christi weint: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn seine Nachkommen aus Schmerzen einen Bach so groß wie die Donau weinten.
Das sechste ist: Geh selber zu Gott! Das ist dir nützlicher, als wenn du alle Heiligen und alle Engel, die im Himmel sind, hinsenden würdest.
Das siebte ist: Verurteile oder verdamme niemanden! Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du sieben Stunden am Tag dein Blut vergössest.
Das achte ist, dass du mit Geduld entgegennimmst, was Gott über dich verhängt: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du wie St. Paulus bis in den dritten Himmel entrückt würdest.
Das neunte ist: Hab Mitleid mit deinen Mitmenschen! Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du so viele Kranken speisest, wie in einem ganzen Lande leben.
Das zehnte ist, dass, wenn du heilige Werke und andere reine Tugenden siehst und bei deinem Nächsten wahrnimmst, du dich freust in rechter Liebe: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du dich mit Gott im Himmel freutest.
Das elfte ist, dass du strebst, die Sünder von ihren Sünden zu bringen: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du mit Gott selber im Himmel säßest.
Das zwölfte ist, das du dich selber erkennst und dich selber zu Gott ziehst und bringst: Das ist Gott wohlgefälliger, als wenn du die ganze Welt zu den ewigen Gnaden brächtest, du selber aber ewiglich verdammt würdest.

Quelle: Rh. Liertz: Albert der Große - Gedanken über sein Leben und aus seinen Werken. Münster 1948, S. 253, 261; bearbeitet

Zitate von Albertus Magnus:

Die Liebe besiegt alles. Darum lasst die Liebe über uns Herrscherin sein.
Durch Gebet und Frömmigkeit erreicht man in den göttlichen Wissenschaften mehr als durch Studium.
Im Rahmen seiner Vollkommenheit kann jeder Mensch glücklich werden; denn er will glücklich sein.
Du hast, o Gott, es so eingerichtet, dass jeder ungeordnete Geist sich selbst zur Strafe wird.
Der Mensch steht in der Mitte der Schöpfung, zwischen Stoff und Geist, zwischen Zeit und Ewigkeit.
Die schönsten Dinge auf dieser Welt in der Natur, die alles von Menschenhand Geschaffene in den Schatten stellen, kosten gottlob überhaupt kein Geld.
Alle Wissenschaften sind nur Wege zum Übersinnlichen.
Gott ist der höchste und oberste Künstler. Er steht zur geschaffenen Welt wie jeder menschliche Künstler zu seinem Werk.
Wir müssen Könige sein: Wir müssen das Reich, das uns anvertraut ist, derart verwalten, dass Gott sich herablässt, in uns Wohnung zu nehmen. Das Reich, das Er uns anvertraut hat, ist unsere Seele. Über unsere Seele müssen wir in Gerechtigkeit, Freude und Frieden im Hl. Geiste herrschen. Dann wird auch Christus in uns herrschen.
Du darfst niemanden so lieben, dass du ihm zuliebe die Wahrheit aufgäbest.
Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bilde umgestaltet.
Der Dienst an der Wahrheit ist Heiligkeit.
Ein starkmütiger Mann ist der, der nicht fürchtet, was nicht zu fürchten ist.
Die Unterscheidung ist die Lenkerin der Tugenden; sie muss die Demut wie die Liebe in den rechten Bahnen halten.

Quelle: Rh. Liertz: Albert der Große - Gedanken über sein Leben und aus seinen Werken. Münster 1948, S. 262 - 264; bearbeitet

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Catholic Encyclopedia

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 29.07.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München, 1997
• C. S., Brief vom 22. Juni 2008
• http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Startseite/Artikel,-Eine-lila-Tafel-fuer-den-heiligen-Albertus-_arid,1638239_regid,2_puid,2_pageid,4288.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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