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Ökumenisches Heiligenlexikon

Joachim von Fiore

Gedenktag katholisch: 29. Mai

Name bedeutet: Gott wird aufrichten (hebr.)

Abt in Corazzo und Fiore, Ordensgründer
* um 1130 in Celico in Italien
† 30. März 1202 im Ortsteil Canale in Pietrafitta in Kalabrien in Italien


Joachims Elternhaus, direkt neben der Kirche dell'Assunta in Celico, in deren Sakristei er der Überlieferung nach geboren wurde
Joachims Elternhaus, direkt neben der Kirche dell'Assunta in Celico, in deren Sakristei er der Überlieferung nach geboren wurde

Joachim, Sohn eines Notars, unternahm eine Wallfahrt nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - sowie nach Jerusalem. Um 1153 trat er ins Zisterzienserkloster Santa Maria della Sambucina nahe Luzzi ein, dann wechselte er ins Kloster nach Corazzo bei Carlopoli, wo er seine Gelübde ablegte und 1177 Abt wurde. 1183 ging er nach Casamari, wo er bis 1185 seine drei Hauptwerke verfasste: die Concordia novi ac veteris testamenti, Übereinstimmungen im Neuen und Alten Testament, die Expositio in Apocalypsim, Einführung in die Offenbarung sowie Psalterium decem chordarum, Psalter mit zehn Saiten. Seine Konkordie legte er auch Papst Lucius III. vor, der zu jener Zeit im nahen Veroli weilte und beeindruckt war; deshalb gewährte er ihm Befreiung von den Regeln der Zisterzienser, wodurch Joachim seine Arbeit intensivieren konnte.

In Folge von Meinungsverschiedenheiten verließ Joachim den Zisterzienserorden später ganz und zog sich mit Zustimmung von Papst Clemens III. zur Meditation zurück. 1191 ging er zusammen mit einem Gefährten als Einsiedler nach Fiore - dem heutigen San Giovanni in Fiore. Dort entstanden die Floriazenser mit einer die Regeln der Zisterzienser noch verschärfenden Ordenszucht. Diese Regeln wurden 1196 von Papst Coelestin III. bestätigt. Joachims Ruf als Seher, Asket und mit dem Geist der Weissagung begabter Prophet war weit verbreitet. 1201 bekam er vom Ortsherrn von Fiumefreddo Bruzio das zuvor von Basilianermönchen bewirtschaftete Kloster Fonte Laurato übergeben. 1202 ging er trotz des Winters und seines hohen Alters nach Canale, um den Bau des neuen Klosters San Martino zu besichtigen; dort starb Joachim. Der Orden nahm weiter raschen Aufschwung, bald gab es 35 Männer- und Frauenklöster in Süditalien.

Joachim war ein Theologe, dessen Lehren umstritten waren; Stauferkaiser Heinrich VI. lud ihn zu Gesprächen über seine persönliche und die politische Zukunft; Päpste förderten ihn, aber seine Schriften wurden auch teilweise vom 4. Laterankonzil 1215 und der Synode von Arles 1263 verurteilt. Dem englischen König Richard Löwenherz sagte er einen Sieg beim 3. Kreuzzug voraus.

Ruinen des Klosters Corazzo
Ruinen des Klosters Corazzo

Joachim vertrat die Idee einer sich immer weiter zum Guten entwickelnden Geschichte. Zwischen den im Alten TestamentWir verwenden den Begriff Altes Testament, wissend um seine Problematik, weil er gebräuchlich ist. Die hebräische Bibel, der „Tanach” - Akronym für „Torah” (Gesetz, die fünf Bücher Mose), „Nevi'im” (Propheten) und „Kethuvim” (Schriften) - hat aber natürlich ihre unwiderrufbare Bedeutung und Würde. und den im Neuen Testament geschilderten geschichtlichen Gegebenheiten gebe es derartige Entsprechungen, dass man daraus Linien in die nachapostolische Zeit und bis in die Zukunft hinein ziehen könne. So entsprächen den sieben Verfolgungen, die das Volk Israel erfuhr, sieben der Christenheit: die im Neuen Testament bezeugten beiden durch Juden und Heiden, in nachapostolischer Zeit die durch den Arianismus und die Sarazenen, dazu drei weitere, die in der Zukunft folgen werden. Seine Deutung der Offenbarung des Johannes kam zur Überzeugung, dass zwischen dem Tod des Antichristen und dem Ende der Zeiten ein Sabbat des Friedens und der Vollendung auf Erden ausbrechen werde.

Joachims drei Zeitalter
Joachims drei Zeitalter

In einer trinitarischen Geschichtsschau unterschied Joachim drei Zustände der Weltzeit, die wie die Personen des dreieinigen Gottes miteinander verknüpft sind: Der erste ist das Gotteswerk der Erschaffung der Welt und dauerte bis zur Menschwerdung Jesu Christi; der zweite begann mit Israels König Ussia um 770 v. Chr. und werde in naher Zukunft beendet; der dritte Zustand begann mit Benedikt von Nursia. Joachim war überzeugt, dass er am Vorabend des Höhepunkts der Geschichte lebt; bald werde eine schreckliche Verfolgung die Kirche heimsuchen, der Antichrist die Kirche durch Häresie vernichten wollen, aber scheitern und selbst gerichtet werden; schon bald - nach Joachims Berechnungen im Jahr 1260 - werde der dritte Zustand, der Zustand des Heiligen Geistes und des Sabbats und Friedens, anbrechen. Den drei Zuständen entsprächen drei Lebensweisen: dem ersten, als Zeit des Gesetzes und der Familien, dem zweiten als Zeit der Gnade und der Priester, dem dritten als Zeit des Geistes und der Mönche; entsprechend werde schon bald die Papstkirche durch die Geistkirche abgelöst.

Gemälde in der Kirche dell'Assunta in Celico
Gemälde in der Kirche dell'Assunta in Celico

Auf Joachims Ideen zurück ging die Entstehung des strengen Zweiges der Franziskaner; ein Teil der franziskanischen Joachimiten wurde bestraft, zahlreiche wurden auf dem Scheiterhaufen gerichtet. Um 1260 entstand die Gemeinschaft der Apostelbrüder, die mit Askese das dritte Zeitalter zu leben versuchte; die Papstkirche identifizierten sie mit der Hure Babylon aus Offenbarung 17; nach 1300 rief der Papst zum Kreuzzug gegen sie auf, nach zweijährigem Verteidigungskampf auf einem Berg bei Vercelli wurden sie vernichtet. Nachhaltigen Einfluss hatte Joachims Geschichtstheologie auch in der Reformationszeit, z. B. auf Thomas Müntzer, dann auf Gotthold Ephraim Lessing und die Philosophen des Deutschen Idealismus, darunter besonders Georg Wilhelm Friedrich Hegel, schließlich auf Karl Marx und im 20. Jahrhundert auf Ernst Blochs Prinzip Hoffnung.

Im 16. Jahrhundert schlossen sich die Klöster des Floriazenser-Ordens wieder der Mutter- und anderen Kongregationen an.

Kanonisation: 1346 scheiterte Joachims Heiligsprechung, die Acta Sanctorum nennen ihn selig.

Catholic Encyclopedia

  Eine schön gemachte italienische Website, auch auf Englisch zu lesen des Internationalen Zentrums der Studien zu Joachim stellt einige Informationen, v. a. bibliografische Angaben, zur Verfügung.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Innenraum der Kirche des Klosters in San Giovanni in Fiore
Innenraum der Kirche des Klosters in San Giovanni in Fiore




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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.09.2015

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.calabriaintour.it/corazzo.html
• entwurf 2/1997
• http://www.comunedicelico.it/gioacchino_da_fiore.htm

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.