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Martin Schongauer: Michael und der Drache, Radierung, 1470, im Museum of Art in
Cleveland,
Ohio / USA ![]()
Michael war nach der Überlieferung der Engel mit dem Schwert, der Adam und Eva aus dem Paradies trieb und den Lebensbaum bewachte (1. Mose 3, 23 - 24) und der Seth einen Zweig vom Baum der Erkenntnis reichte. Er zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres und ihres Sohnes Leben (1. Mose 16, 7 - 12). Michael gilt als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18, 1 - 16), er hinderte Abraham, den == Isaak zu töten (1. Mose 22, 11 - 18), und er rang mit == Jakob (1. Mose 32, 24 - 29). Michael teilte demnach das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19 - 22), führte das Volk Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von == Mose.
Michael erschien den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel
und rettete sie (Daniel 3, 25 - 26), er stand Daniel in dessen Kampf gegen das
Perserreich bei (Daniel 10) und für die Endzeit gilt die Verheißung: Zu jener
Zeit wird sich Michael erheben, der große Engelfürst, der die Söhne deines
Volkes beschützt ... Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden ... Und
viele von denen, die schlafen im Erdenstaube, werden erwachen.
(Daniel 12, 1 -
2). Der starke Michael hielt auch Habakuk
an den Haaren über der Löwengrube.
Peter Anton von Verschaffelt: Bronzefigur, 1753, auf der Engelsburg
in Rom
In den Darstellungen der Johannes-Offenbarung erfüllt Michael seine besondere
Aufgabe beim jüngsten Gericht: seine Posaune erweckt die Toten aus den Gräbern,
er befreit die Frau mit dem Kinde
und tötet im endzeitlichen Kampf - gerüstet
und mit großen Flügeln - den Drachen zu seinen Füßen (Offenbarung 12, 4 - 7).
Michael wird auch als der Engel
identifiziert, der den Drachen in den Abgrund stürzt (Offenbarung 20, 2 - 3); der
Drache ist das Symbol der gottfeindlichen Mächte - Michael ist also der Engel,
der gegen alles kämpft, was Gott seinen Rang streitig macht. Er wird nach
Kommentaren zur Offenbarung beim Erscheinen des Antichrist auch diesen töten. So
verhindert Michael die uneingeschränkte Herrschaft des Satans in der Zeit bis
zum jüngsten Gericht und besiegt diesen dann endgültig.
Hans Memling: Michael beim Jüngsten Gericht. Altarbild (Ausschnitt), 1467-71, im
Muzeum Narodowe in Danzig / Gdansk
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Im Judasbrief (9) wird eine jüdische Legende zitiert, in der Michael mit dem
Teufel um den Leichnam von == Mose stritt. Der Teufel beanspruchte Mose für sich,
weil er doch zum Mörder an dem Ägyptischen Aufseher geworden war (2. Mose 2, 12).
Doch Michael widerspricht, entreißt dem Taufel den Leichnam und geleitet ihn gen
Himmel. Cyrill von Jerusalem
wagte in einer Predigt zu sagen: Als Christus
auf die Erde zu den Menschen kommen wollte, erwählte der Vatergott eine
gewaltige Kraft, die Michael hieß, und vertraute Christus ihrer Fürsorge an.
Michael wird oft als der Kämpfer dargestellt, der gleich zu Beginn der
Schöpfung, noch vor der Erschaffung der Welt, Luzifer aus dem Himmel stürzte.
Alter Tradition half er Josua beim
Sieg Israels gegen die Amalekiter (2. Mose 17, 13).
Michael gilt als der Seelengeleiter - darin ältesten Vorstellung vom ägyptischen
Thot und von Hermes in der griechischen Mythologie entsprechend - und hält die
Seelenwaage; noch heute wird er deshalb im Totenoffizium der katholischen Kirche
angerufen mit der Bitte, dass der Bannerträger Sankt Michael die Seelen ins
heilige Licht führe
. Michael empfängt demnach die Seligen im Paradies, so
wie Petrus an der Himmelspforte.
Skupltur: Michael, der Drachentöter, an der Kirche in Monte
Sant'Angelo auf dem Gargano
Michael war der Fürst der Synagoge
und gilt als der Fürst der Kirche
, er
wird barmherzig
und langmütig
genannt, obwohl - oder gerade weil - er als
der ranghöchste Engel gilt. Mit Raphael,
Gabriel und Uriel
ist Michael einer der vier Erzengel.
Schon Mitte des 5. Jahrhunderts weihte Papst Leo
I. die Kirche S. Michele in Rom.
Europas Ältestes Michaelsheiligtum ist Monte
Sant'Angelo auf dem Gargano in Süditalien; im Jahr 490 soll der Erzengel
den dort lebenden Menschen erschienen sein und verkündet haben: Diese Grotte
ist mir heilig, ich habe sie mir erwählt, ich selbst will ihr Beschützer sein.
Dort, wo sich der Fels öffnet, werden die Sünden der Menschen vergeben.
Das über der Grotte erbaute Sanktuarium war eine wichtige Etappe der Pilger
und Kreuzfahrer, die von Norditalien ins
Heilige Land reisten. Michael war der Schutzherr des Heiligen Römischen Reichs
Deutscher Nation. Viele Kirchen und Bergkapellen sind ihm geweiht, die
bekannteste ist vermutlich die der Überlieferung nach 709 unter Bischof Autbert
von Avranches
- angeblich auf Michaels Geheiß - auf dem Monte Tumba entstandene und dann nach
ihm benannte Kirche Mont
St-Michel in der Normandie auf einer Insel, die zuvor ein keltisches
Heiligtum krönte. Die Normannenherzöge, die Michael als Kriegspatron verehrten,
bauten die Kapelle in drei Phasen zum Kloster mit der heutigen Kirche aus und
schufen das als Wunder des Abendlandes
berühmte Bauwerk.
Michaels Grotte in Monte Sant'Angelo auf dem Gargano
Während des 100jährigen Krieges blieb die Insel normannisches Land, das von den Engländern nicht erobert werden konnte, und wurde zum nationalen Symbol für Frankreich. Im Spätmittelalter gab es eine Kinderwallfahrt zum Mont St-Michel, an der auch Kinder aus Süddeutschland und der Schweiz teilnahmen. König Ludwig XI. benützte das Kloster dann als Gefängnis für widerständische Mönche; diese Funktion bewahrte es auch vor Zerstörung in der französischen Revolution, bis 1853 blieb es Zuchthaus für politische Häftlinge. 1872 begann die Restaurierung, 1897 wurde sie abgeschlossen mit der Anbringung der goldenen Statue von Michael auf der Turmspitze. Seit 1966 gibt es wieder ein paar Mönche mit Gastrecht, seit 1984 gehört die Insel mit ihrem imposanten Bauwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Insel mit dem Kloster auf dem Mont St-Michel
Michaels Fest wurde auf dem Konzil von Mainz 813 durch Ludwig den Frommen festgelegt auf die zuvor der Verehrung des germanischen Gottes Wotan gewidmete Woche ab Herbstbeginn. In der Gegenreformation wurden Siegesdarstellungen von Michael vielfach gegen politische und religiöse Gegner verwandt. Die Gestaltung des Satans und der gefallenen Engel als hermaphroditische Monster bezichtigte dabei die protestantischen Gegner auch sexueller Ausschweifungen.
Willem Rottermondt (1701-1755): Michael, Bleiguss-Statue über dem Tor der
Universität Bonn,
wo einst der Michaelsorden seinen Sitz hatte. Bildautor Frank Luerweg / Uni Bonn
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Als Wetter- und Lostag zum Ende des Vierteljahres war der Michaelistag den Bauern wichtig, vielerorts Anlass für Feste, am bekanntesten ist wohl der Dürkheimer Michaelismarkt, auch Wurstmarkt genannt. Seit 1969 wird zum Michaelistag auch der Erzengel Gabriel und Raphael gedacht.
| Kantate zum Michaelis-Fest
Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir! Führt mich auf beiden Seiten, dass mein Fuß nicht möge gleiten. Aber lehrt mich auch allhier, euer großes Heilig singen und dem Höchsten Dank zu bringen. Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir! Johann Sebastian Bach |
Attribute:
Engel mit (flammendem) Schwert, mit Helm, als Ritter den Drachen durchbohrend
Patron
von Neudenau
an der Jagst; der katholischen Kirche und der vatikanischen Gendarmerie; der Deutschen; der Ritter, Soldaten,
Fallschirmjäger *, Kaufleute, Bäcker, Waagenhersteller,
Eicher, Apotheker, Sanitäter, Drechsler, Schneider, Glaser, Maler, Vergolder,
Blei- und Zinngießer, Bankangestellten und Radiomechaniker; der Armen Seelen,
Sterbenden und der Friedhöfe; für einen guten Tod; gegen Blitz und Unwetter
Michael mit Botenstab und kreuzbekrönter Weltkugel. Elfenbeinrelief aus dem 6. Jahrhundert, im Britischen Museum in London
Bauernregeln:
Ist die Nacht vor Michaelis hell, so soll ein strenger und langer Winter folgen;
regnet es aber an Michaelis, so soll der nächste Winter sehr gelind sein.
Regnet's an Michaelis ohne Gewitter, folgt meist ein milder Winter; ist es
aber an Michaelis und an Gallus
trocken, dann darf man auf gutes, trockenes Frühjahr hoffen.
Wenn die Zugvögel nicht ziehen vor Michael, wird es nicht Winter vor
Weihnachten.
Sind um Michael die Vögel noch hier, / haben bis Weihnachten
lind Wetter wir.
Von Michel und Hieronymus,
mach' aufs Weihnachtswetter
den Schluss.
Regnet's sanft am Michaelstag, / sanft auch der Winter werden mag.
Bringt St. Michael Regen, / kannst Du gleich den Pelz anlegen.
Kommt Michael heiter und schön, / wird es noch vier Wochen so weiter
geh'n.
Gibt Michaeli Sonnenschein, / wird's in zwei Wochen Winter sein.
Wie der Hirsch an Ägidi in die
Brunft tritt, / so tritt er an Michaeli wieder heraus.
Auf nassen Michaelitag / ein nasser Herbst folgen mag.
Vor Michel sä' mit halber Hand - dann aber streu mit ganzer Hand!
Um Michaeli in der Tat / gedeiht die beste Wintersaat.
Es holt herbei Sankt Michael / die Lampe wieder und das Öl.
* Das Patronat für Fallschirmjäger ist nicht
offiziell, es hat sich seit dem 2. Weltkrieg herausgebildet und wird vom
Europäischen Militär-Fallschirmsprungverband
gepflegt.
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