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Meister Thomas von Coloswar: Ägidius' Verletzung, 1427, Christliches Museum in
Esztergom
in Ungarn 
In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts soll Ägidius, ein vornehmer Athener, in die heutige Camargue gekommen sein, wo er zunächst als Einsiedler lebte; der Legende zufolge nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Ägidius wurde bei einer Jagd vom Pfeil des Westgotenkönigs Wamba getroffen als dieser versuchte, das Tier zu erlegen. Um seine Schuld zu tilgen, gestattete der Monarch dem Verletzten, nach seiner Genesung ein Kloster zu gründen. So gründete Ägidius um 680 das Kloster St-Gilles, die spätere Benediktinerabtei, gründete, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand.
Die von Papst Benedikt II. ausgestellte Urkunde für das Kloster St-Gilles aus dem Jahr 685 ist unecht, deshalb gibt es keine sichere Nachricht über Ägidius. Die Legende von der nährenden Hirschkuh ist möglicherweise aus seinem Namensbestandteil - griechisch αίξ = Ziege, Bock - abgeleitet.
Die Legende ließ ihn den Sohn des Fürsten von Nîmes zum Leben erwecken. In Rom warf er demnach unter Gebeten die ihm vom Papst für sein Kloster geschenkten Türen aus geschnitztem Zypressenholz in den Tiber, er fand sie dann nach seiner Rückkehr im Hafen seines Klosters wieder. Als ein Klosterbruder an der Jungfräulichkeit von Maria zweifelte und drei Fragen in den Sand schrieb, erblühten als Antwort des Ägidius drei weiße Lilien aus dem dürren Boden.
Nach anderen Legenden bemühte sich Karl der Große - er lebte tatsächlich fast 100 Jahre später - um die Fürbitten Ägidius': ein Engel brachte danach einen Zettel mit der bestätigten Sündenvergebung auf den Altar, an dem Ägidius sein Amt versah. Seitdem gilt Ägidius als Beistand einer guten Beichte und Vergebung und zählt als solcher zu den 14 Nothelfern. Sein Tod wurde ihm im voraus verkündet, bei der Bestattung des Entschlafenen hörten Anwesende die Chöre der Engel, die seine Seele gen Himmel trugen.
Seit dem 9. Jahrhundert wird er als Heiliger verehrt. Im 11. Jahrhundert waren Wallfahrten zu seinem Grabe berühmt wie die nach Rom oder Santiago de Compostela. Das Kloster St-Gilles wurde in den Hugenottenkriegen des 16. Jahrhunderts zerstört, die Mönche wurden getötet. Die Gebeine von Ägidius liegen heute in Toulouse. Der Ägidiustag ist noch heute vielerorts ein Tag der Volksfeste, an manchen Orten wird dem Vieh geweihter Fenchel ins Futter gemischt. Im deutschen Sprachraum ist Ägidius auch unter dem verballhornten Namen Gilg bekannt, viele Orte sind nach ihm benannt, so Gillenberg bei Aachen, Gillersdorf in Thüringen, Ilgesheim bei Trier - heute der Truppenübungsplatz nordwestlich von Baumholder -, St. Ilgen bei Heidelberg, St. Aegyd am Neuwalde in Niederösterreich oder St. Gilgen am Wolfgangsee.
Meister von Saint Gilles: Ägidius und die Hirschkuh mit König Wamba, um 1500, in
der National Gallery in London

Attribute:
vom Pfeil durchbohrt und mit Hirschkuh
Patron
von Nürnberg,
Osnabrück,
Braunschweig
und Wollaberg
im Bayerischen Wald, Graz
und bis 1675 der Steiermark;
der stillenden Mütter, Hirten, Jäger, Schiffbrüchigen, Bogenschützen, Bettler
und Aussätzigen; des Holzes, des Waldes und des Viehs; bei Feuer, Dürre, Sturm
und Unglück; bei der Beichte; in geistiger Not und Verlassenheit; gegen
Fallsucht (Epilepsie), Lähmungen, Lepra, Pest, Ohrenleiden, Geisteskrankheiten,
Unfruchtbarkeit von Mensch und Tier; Nothelfer
Bauernregeln:
Ist Ägidius ein heller Tag, so folgt ein guter Herbst.
Ist's an St. Ägidi rein, / wird's so bis Michaelis
sein.
Gib auf Ägidius Acht, / er sagt dir, was September macht.
Ist Ägidi ein heller Tag / ich dir einen schönen Herbst ansag.
Wie der Hirsch an Ägidi in die Brunft tritt, / so tritt er an Michaelis
wieder heraus.
Wenn St. Ägidius bläst ins Horn, / heißt es: Bauer sä' Dein Korn.
Ägidius Regen / kommt ungelegen.
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