Ökumenisches Heiligenlexikon

Bartholomäus

Gedenktag katholisch: 24. August
     Fest
     bedacht im Eucharistischen Hochgebet I
     und im Ambrosianischen Hochgebet I
Gedenktag evangelisch: 24. August
Gedenktag anglikanisch: 24. August
Gedenktag orthodox: 11. Juni
     Überführung der Reliquien: 24. August
     von Anastasiopolis nach Lipari: 25. August
Gedenktag armenisch: 9. April, 12. Dezember
     liturgische Feier am Samstag nach dem 1. Adventssonntag
     Rückführung der Reliquien: 24. August
Gedenktag koptisch: 29. August
     als Glaubensbote in der Osase Khargah: 15. November
Gedenktag malabrisch: 24. August
Name bedeutet: Sohn des Furchenziehers (hebr.)
Apostel, Märtyrer
* Anfang des 1. Jahrhunderts in Kana, möglicherweise heute Kafr Kanna in Israel
† um 51 (?) in Armenien (?)
Kartenskizze

Kartenskizze


Bartholomäus war einer der zwölf Jünger Jesu (Markus­evangelium 3, 14 - 19). Viele Bibelinterpreten identifizieren ihn mit Nathanael, einem gebürtigen Galiläer. Er wurde aus dem Kreise der Jünger Johannes' des Täufers am Jordan von Philippus unter seinem israelitischen Namen Nathanael von Kana zu Jesus geführt; dieser erkannte ihn als Mann in dem kein Trug ist, denn er hatte gesehen, wie du unter dem Feigenbaum warst (Johannes­evangelium 1, 45 - 48), d.h. als einen, der schon einen hohen Grad geistlicher Weisheit erreicht hat. Legenden sehen in ihm auch den Bräutigam der Hochzeit zu Kana - möglicherweise das heutige Kafr Kanna (Johannes­evangelium 2, 1 - 11). Als Nathanael wird er noch bei der Erscheinung des Auferstandenen am See Genezareth bezeichnet (Johannes­evangelium 21, 2), in der Berufung der Apostel aber als Bartholomäus (Matthäus­evangelium 10, 3).

Nach Pfingsten verkündete Bartholomäus der Überlieferung nach den Glauben in Persien, möglicherweise auch in Indien, wo er demnach eine hebräische Abschrift des Matthäus-Evangeliums hinterließ. Legenden weisen ihm auch die Verbreitung des Evangeliums in Ägypten und Armenien zu, er heilte Kranke und Besessene. In Armenien sei er durch Enthauptung hingerichtet worden.

Demnach wurde Bartholomäus eines Tages zum König Polymios von Armenien gerufen. Als er dessen besessene Tochter geheilt und den König besucht hatte, wobei er durch verschlossene Türen kam, bekehrte sich der König und mit ihm das ganze Königshaus zum Christentum. Polymios ließ ein Götzenbild niederreißen, aus dem ein böser Geist sprach; der von Bartholomäus beschworene Teufel fuhr aus, stürzte selbst diese Statue und alle anderen im Tempel. Er wurde durch Bartholomäus allen sichtbar gemacht: schwärzer als Ruß, mit scharfem Angesicht, langem schwarzem Bart und schwarzen Haaren, die bis auf seine Füße gingen, die Hände aber mit feurigen Ketten auf dem Rücken gebunden. Die überwundenen Priester des Tempels zogen daraufhin zu Astyages, dem feindlichen Bruder des Polymios. Der schickte eintausend Soldaten aus, die Bartholomäus fangen und vor ihn bringen sollten. Er erfuhr zudem, daß durch Bartholomäus auch sein Gott Baldach zerstört worden sei, ließ ihn daraufhin mit Knütteln schlagen, ihm bei lebendigem Leib die Haut abziehen und ihn dann kreuzigen. Christen begruben den Leichnam; Astyages aber und seine Priester fielen in Besessenheit und starben unmittelbar darauf.

Michelangelo: Detail aus dem Jüngsten Gericht (1536 - 1541), Sixtinische Kapelle im Vatikan

Michelangelo: Detail aus dem Jüngsten Gericht (1536 - 1541), Sixtinische Kapelle im Vatikan   

Spätere Legenden berichten von dem Bleisarg, den die Heiden ins Meer geworfen haben und der mit den Gebeinen, zusammen mit denen von vier anderen Märtyrern, an der Insel Lipari bei Sizilien gestrandet ist. Nach der Zerstörung das Grabes und der darüber gebauten Kirche durch die Sarazenen im Jahr 831 sei Bartholomäus einem Mönch erschienen, der die Gebeine sammeln und sie nach Benevent bringen sollte. Als Friedrich II. Benevent zerstörte, habe Bartholomäus ihm Strafgericht und baldigen Tod verkündet.

Schon im 5./6. Jahrhundert beanspruchten die Städte Bachkale in Armenien, Daras in Mesopotamien u.a. seine Reliquien. Um 580 kamen der Überlieferung nach Teile auf die Insel Lipari in Italien und 838 bei einem Sarazeneneinfall von dort nach Benevent. Kaiser Otto II. brachte diese Gebeine 983 nach Rom. In Frankreich erhielt die Benediktinerabtei Creuse Reliquien aus Italien und nannte sich nun Benevent-l'Abbaye. Eduard der Bekenner brachte im 11. Jahrhundert Reliquien nach Canterbury. 1238 kam die Hirnschale durch Kaiser Friedrich Barbarossa in den Dom von Frankfurt, der von da ab nach ihm benannt war. Auch das Kloster Andechs rühmte sich des Besitzes von Reliquien.

Bartolomäusreliquie und Reliquiar von 1994, im Sakramentshaus des Südquerhauses im Dom in Frankfurt am Main

Bartolomäusreliquie und Reliquiar von 1994, im Sakramentshaus des Südquerhauses im Dom in Frankfurt   

Die Verehrung von Bartholomäus verbreitete sich erst im 10. Jahrhundert und nahm dann rasch zu, vor allem in Ostdeutschland, in Böhmen und Mähren. Vom Beginn des 13. Jahrhunderts an trägt Bartholomäus in den Darstellungen das Messer, die abgezogene Haut findet sich als feststehendes Attribut erst in den zahlreichen Darstellungen der folgenden Zeit. In Michelangelos Jüngstem Gericht in der Sixtinischen Kapelle in Rom gilt das Antlitz auf der von Bartholomäus getragenen Haut als Selbstbildnis Michelangelos.

Am Bartholomäustag begannen früher die Vorbereitungen fürs Weihnachtsfest: es wurden die Gänse und Karpfen ausgewählt, die fürs Fest gemästet werden sollten. Bartholomäus-Nacht bezeichnet das Massaker an 2000 französischen Protestanten in der Nacht des 24. August 1572, als nach den drei Religionskriegen den Hugenotten in Frankreich auf Geheiß von Katharina de Medici ein endgültiger Schlag versetzt wurde.

Attribute: Messer, Buch, abgezogene Haut
Patron von Altenburg, Frankfurt/Main, Pilsen / Plzeň, Maastricht; der Bergleute, Gipser, Bauern, Winzer, Hirten, Lederarbeiter, Gerber, Sattler, Schuhmacher, Schneider, Bäcker, Metzger, Buchbinder und (in Florenz) der Öl- und Käsehändler; gegen Haut- und Nervenkrankheiten, Zuckungen, Dämonen und Geister

Bauernregeln: Zu Bartholomä liegts Grummet auf dem Heu.
Gewitter um Bartholomä, / bringen Hagel und Schnee.
Regen an St. Bartolomä / tut den Reben bitter weh.
St. Clemens uns den Winter bringt, St. Petri Stuhl den Frühling winkt, den Sommer bringt uns St. Urban, der Herbst fängt um Bartholomäi an.
Wie sich das Wetter am Bartheltag stellt ein, / so soll's den ganzen September sein.
Wie der Bartholomäustag sich hält, / ist der ganze Herbst bestellt.
Ist Lorenz und Bertl schön, / wird der Herbst gar gut ausgehn.
Ist Lorenz und auch Bartel schön, bleiben die Kräuter noch lange stehn.
Wie Lorenz und Barhel sind, / wird der Winter - rauh oder lind.
So das Wetter zu Bartholomäus ist, / daran sich der Winter misst.
Bleiben Störche (und Reiher) nach Bartholomä, / kommt ein Winter, der tut nicht weh.
St. Bartholomäus hat's Wetter parat, für den Herbst bis hin zur Saat.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Mit dem Bartholomäustag verknüpft ist die Tradition des Schäferslaufes in Markgröningen.

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.bauernregeln.net/august.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000



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