Ökumenisches Heiligenlexikon

Adalbert (Vojtĕch) von Prag

Gedenktag katholisch: 23. April
     n.g. Gedenktag
     geb. Gedenktag im Bistum Berlin und Görlitz
       und in der Slowakei
     n.g. Gedenktag im Bistum Innsbruck: 22. April
     n.g. Gedenktag in England: 24. April
     in Prag und Lebus: Übertragung
       der Gebeine: 25. August
     in Breslau: Übertragung der Gebeine: 26. August
     in Gnesen und Krakau: Übertragung
       der Gebeine: 20. Oktober
Gedenktag evangelisch: 23. April
Gedenktag orthodox: 23. April
Name bedeutet: durch Adel glänzend (althochdt.)
Glaubensbote in Ungarn und bei den Pruzzen, Bischof von Prag, Erzbischof von Gnesen (?), Märtyrer
* um 956 in Libice nad Cidlinou (?) in Ostböhmen in Tschechien
† 23. April 997 nahe Tentikken bei Fischhausen, dem heutigen Primorsk in Russland


Kartenskizze


Kartenskizze

Kartenskizze

Vojtĕch war Sohn eines böhmischen Fürsten aus dem Hause der Slavnik, seine Mutter war mit dem deutschen König Heinrich I. verwandt. Vojtech war ein aufgewecktes Kind, doch eine schwere Krankheit bewog seine Eltern, ihren Sohn der Gottesmutter Maria zu versprechen und ihn für den geistlichen Beruf zu bestimmen. Bei der Firmung in Magdeburg, wo er in den Jahren 972 - 981 die Domschule besuchte, erhielt er von Erzbischof Adalbert seinen Namen.

Adalbert wurde 981 in Prag von Bischof Dietmar zum Priester geweiht und bereits ein Jahre später zu dessen Nachfolger als zweiter Bischof von Prag bestimmt. Die in Böhmen herrschende Dynastie der Premys­liden wollte mit der Ernennung des Sohnes aus dem konkurrieren­den Fürstenhaus der Slavnik Ruhe im Land schaffen. 983 wurde Adalbert von Kaiser Otto II. in Verona investiert und von Erzbischof Willigis von Mainz geweiht. Er kämpfte gegen heidnische Bräuche und den Verkauf christlicher Sklaven an Heiden und Juden. Seine Amtszeit endete in einem Fiasko: er konnte sich in den politischen Zwistigkeiten und gegen die Widersacher seiner Reformen für den Klerus nicht durchsetzen, legte deshalb 988 sein Amt nieder, musste nach Rom fliehen und wurde Benediktinermönch im Kloster SS. Bonifacio e Alessio auf dem Aventin.

Die Böhmen wollten Adalbert dann doch zurückhaben, sie wurden dabei unterstützt vom Mainzer Bischof und dem Papst. Zusammen mit zwölf Mönchen kehrte er 992 nach Prag zurück, gründete dort das Kloster Břevnov, das bald zu einem religiös-kulturellen Zentrum wurde - und bis zur Unterdrückung durch den Kommunismus nach 1945 blieb -, und amtierte wieder als Bischof von Prag. Von hier aus unternahm er Missionsaktivitäten nach Ungarn, wo er wohl König Geysa und König Stephan I. taufte, und nach Polen, wo er Erzbischof von Gnesen - dem heutigen Gniezno - wurde.

Erneut führte Adalberts Sittenstrenge zu Widerständen bei Klerus und Volk; 994 musste er wieder nach Rom in ein Kloster fliehen. Dem Papst trug er Pläne für eine Mission unter Slawen vor, die Johannes XV. genehmigte. Nachdem 996 seine Familie ermordet worden war, zwang ihn der Gehorsam gegenüber Papst und Kaiser aber wieder zur Rückkehr. Seine Gegner hatten aber inzwischen in Prag die weltliche Macht übernommen und schalteten Adalbert endgültig aus, so dass er zunächst nach Mainz ging, wo er im Umfeld von Kaiser Otto III. wirkte.

Schließlich begab Adalbert sich mit tatkräftiger Unterstützung des polnischen Herzogs Bolesław I. Chrobry der Tapfere von Danzig aus zur Mission bei den Pruzzen, blieb aber ohne Erfolg. Dabei wurde er am Frischen Haff mit einem Ruder erschlagen und mit Spießen durchbohrt. Ein Adler soll seinen Leichnam bewacht haben, bis er in Gniezno in dem um 1000 erbauten Dom bestattet werden konnte; Boleslav I. habe seinen Leichnam mit Gold aufwiegen lassen und so losgekauft.

Kaiser Otto III. unternahm im Jahr 1000 eine Wallfahrt zu Adalberts Grab, wodurch die Verehrung im ganzen Reich stark zunahm. Břetislav von Böhmen ließ Adalberts Gebeine 1039 in den Veitsdom nach Prag überführen. Trotz seines Misserfolgs gilt er als Missionar Preußens. Das Adalbertkreuz in Tentikken bei Fischhausen - dem heutigen Primorsk - wurde 1831 errichtet, 1945 zerstört, zum tausendsten Todestag 1997 wieder aufgerichtet.

Reliquienschrein für Adalbert im Dom in Gnesen

Reliquienschrein für Adalbert im Dom in Gniezno

Kanonisation: Schon 999 erfolgte die Heiligsprechung durch Papst Silvester II.
Attribute: Adler, Keule, Ruder, Spieße
Patron Patron von Preußen, Böhmen und Polen

Catholic Encyclopedia

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München, 1997
• Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen, bearb. u. erg. von Josef Gelmi. Tyrolia, Innsbruck, 1988
• http://www.newadvent.org/cathen/01127c.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993



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