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Giovanni Battista Tiepolo: Das Martyrium der heiligen Agatha mit den
abgeschnittenen Brüsten, 1756. Gemäldegalerie, Staatliche Museen Preussischer
Kulturbesitz in Berlin
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Die Legende ohne historischen Anhaltspunkt schildert Agatha als eine wohlhabende, adlige sizilianische Jungfrau von großer Schönheit. Sie wies die Brautwerbung des Statthalters Quintianus zurück, da sie Christin sei; der nutzte den kaiserlichen Erlass zur Christenverfolgung, ließ sie verhaften und ins Bordell der Aphrodisia bringen, damit sie zur Unzucht verführt werden sollte. Diese jedoch versuchte das erst gar nicht, der Statthalter veranlasste Verhöre, Folter und sadistische Qualen: Mit den Händen an einen Balken gehängt, wurden Agatha die Brüste mit einer Zange zerrissen, mit einer Fackel gebrannt und schließlich abgeschnitten. In der Nacht erschien ihr dann Petrus im Kerker mit heilendem Balsam, aber sie wies die Erquickung zurück. Tags darauf legte man sie auf spitze Scherben und glühende Kohlen, bis ein Erdbeben die Stadt Catania erschütterte, worauf das Volk Quintianus bedrohte, bis der von Agatha abließ und sie ins Gefängnis warf, wo sie starb.
Ein von hellem Licht strahlender Jüngling erschien und legte eine Marmortafel
in den Sarkophag mit der Aufschrift: Ein heiliger und freiwilliger Geist,
belohnt von Gott, Rettung für das Land
. Quintianus wurde alsbald von einem
Pferd getreten und starb. Am ersten Jahrestag von Agathas Todes wurde der die
Stadt Catania
bedrohende Lavastrom des Ätna abgelenkt durch die aus dem Grab sich erhebende
Marmortafel, nach anderer Überlieferung durch einen weißen Seidenschleier. Die
Überlieferung berichtet, dass der Schleier aus ihrem Grab mehrfach bei
Prozessionen vom Wind davongetragen wurde und so den Ausbruch des nahe gelegenen
Ätna ankündigte.
Die Verehrung von Agatha ging schon bald über Sizilien hinaus: Ambrosius erwähnte sie, bereits um 500 wurde ihr eine Kirche in Rom errichtet. Papst Gregor I. berichtete von der Wirkung ihrer Reliquien, und weihte ihr 592 die Kirche S. Agata dei Goti. In der Kirche San Agata al Fornace in Catania wird der Platz ihres Martyriums gezeigt, ihre Gebeine liegen - ebenso wie der Schleier, der den Lavastrom aufhielt - im Dom in Catania, wo auch eine vergoldete und mit vielen Juwelen besetzte Silberbüste mit einer Krone, die Richard Löwenherz gestiftet habe, zu bewundern ist.
Prozession mit den Cannalore in Catania
Die Bewohner von Catania verehren Agatha als ihre Schutzheilige; ab 3. Februar wird
das große dreitägige Straßenfest Santuzza
gefeiert, eröffnet mit einer Prozession
der städtischen Würdenträger und des Klerus zum Dom; den Abschluss des von Hunderttausenden
begleiteten Zuges bilden elf große Kerzen, die sogenannten Cannalore (Candelore):
bis zu 6 Meter hohe Holzgestelle, dekoriert mit barocken Schnitzereien, Blumen und
Fahnen; sie werden von Männern der elf Handwerkszünfte durch die Quartiere getragen.
Der Tag endet mit einem grandiosen Feuerwerk auf der Piazza Duomo. An den beiden
folgenden Tagen wird der Reliquienschrein auf einer Sänfte von einer Ehrengarde
in weißen Gewändern durch das historische Zentrum gezogen.
Agathabrötchen
Minni di Virgini
Agatha ist auch Schutzheilige von Malta, das sie 1551 vor der türkischen Invasion
bewahrt habe. Agathenbrot
, gebacken die Form kleiner Brüste, das am 5. Februar oder
an dessen Vorabend gesegnet wird, schütze vor Fieber und Krankheiten der Brust und helfe
gegen Heimweh, das ja oft wie Feuer brennt
; man gab dieses Brot Frauen gleich nach
der Geburt eines Kindes, um den Milchfluss zu sichern. Dem Vieh wurde es vor dem
Almauftrieb gefüttert, damit sich die Kühe vertragen, Ochsen vor dem ersten Anspannen
vor einem Pflug und Kühen vor dem Kalben; in Ecken gestreute Krumen dieses Brotes bewahren
vor Feuer. Auch Agathenkerzen
schützen vor Feuer und Blitzschlag. Aus Catania
stammt die Leckerei minni di virgini
Jungfrauenbrüste
, eine übergroße Praline
mit einem Knübbelchen obenauf.
Wandmalerei in der Agatha-Kirche im Kloster in Ris
bei Vichy in der Auvergne, 15. Jahrhundert ![]()
In Agathazell
bei Immenstadt ist Agatha die Kirchenpatronin. In der Pfarrkirche wurden früher
am Gedenktag zwei bis drei Messen gelesen, mehrere Körbe Weißbrot geweiht und an
die Stadtarmen verteilt, was sich bis heute erhalten hat. Diese Agathawecken
wurden auch bei Feuerbrünsten in die Flammen geworfen und sollten die
Löschbemühungen günstig beeinflussen.
Auf dem Kristberg
nördlich von Silbertal in Vorarlberg wurde Anfang des
16. Jahrhunderts eine Agatha geweihte Kirche errichtet, der Überlieferung nach
als Einlösung des Gelübdes zur Rettung verschütterter Bergleute aus dem
eingestürzten Stollen des Silberbergwerks an dieser Stelle; bis heute wird hier
am Gedenktag in einem festlichen Gottesdienst Agathenbrot
gesegnet.
Attribute:
Fackel oder Kerze, auf einer Platte ihre Brüste tragend
Patronin
von Catania
und Malta; in der Schweiz: der Feuerwehr; der Ammen, Hirtinnen, Weber,
Bergarbeiter, Hochofenarbeiter, Goldschmiede,
Glockengießer, Glaser und Hungerleidenden; gegen den Ausbruch des Ätna; bei
Kinderlosigkeit; gegen Krankheiten der Brüste, Fieber, Brandgefahr, Hungersnot,
Unwetter, Viehseuchen, Erdbeben und Unglück
Bauernregeln:
St. Agatha, die Gottesbraut, / macht, dass Schnee und Eis gern taut.
Am Agathentag rieselt's Wasser den Berg hinab.
An St. Agathe Sonnenschein, / bringt recht viel Korn und Wein.
Ist Agathe klar und hell / kommt der Frühling nicht so schnell.
Der Tag der heiligen Agathe, / der war oftmals reich an Schnee.
Legenda Aurea: Agatha von Catania
Alles
Wissenswerte zum Ätna und zur Vulkanologie gibt es in Englisch auf der
Ätna-Homepage.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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