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Masolino da Panicale: Fresko aus dem Jahr 1425 in der Kapelle der Katharina in
der Kirche S. Clemente
in Rom 
Katharina ist eine legendäre Gestalt, sie wurde erst ab dem 10. Jahrhundert überliefert. In ihrer Gestalt vereinigen sich Schicksal und Wesenszüge der heidnischen Gelehrten Hypatia, die 415 durch Cyrill von Alexandria getötet worden war. Zunächst entstand die Leidensgeschichte, die starke Verbreitung erfuhr; von ihr ausgehend erfolgte dann weitere Ausschmückung und im 12. bis 15. Jahrhundert wachsende Legendenbildung.
Der Legende nach war Katharina die Tochter des Königs Costus von Zypern. Als der Sohn des Kaisers die schöne, hochgebildete und unermesslich reiche Frau heiraten wollte, sah diese in einem Spiegel, dass ihr der Bewerber nicht an Adel, Schönheit, Reichtum und Weisheit entspreche. Auch andere Männer wies sie stolz ab. Ein Einsiedler wies sie auf Jesus Christus als den richtigen Bräutigam hin. Sie ließ sich taufen und erlebte in einer Vision, wie das Jesuskind ihr den Verlobungsring an den Finger steckte.
Lukas Cranach der Ältere: Die
mystische Vermählung von Katharina (links) mit Jesus
(dem Kind), um 1516, Museum der schönen Künste in Budapest

Katharina reiste nach Alexandria. Als der römische Kaiser Maxentius während eines Militärzugs in die Stadt heidnische Opfer auch von den Christen verlangte, intervenierte sie und fragte, warum der Kaiser nicht seinem Aberglaube abschwöre und sich zu Christus bekenne. Der Kaiser verlangte auch von ihr das Götzenopfer; Katharina weigerte sich und bestand darauf, ihr Recht und ihre besseren Argumente in einer Diskussion zu beweisen. Der Kaiser lud die 50 besten Philosophen ein, die aber allesamt gegen die kluge Argumentation Katharinas die Waffen strecken mussten und sich dann selbst taufen ließen; dafür wurden sie vom wütenden Kaiser verbrannt. Nun bot der selbst Katharina die Ehe an; sie weigerte sich, worauf der Kaiser ihr die Kleider vom Leib riss; er ließ sie mit bleikugelbesetzten Geißeln auspeitschen und ins Gefängnis werfen. Im Kerker brachte ihr eine weiße Taube Nahrung, ein Engel tröstete sie, worauf die Wachmannschaft sich bekehrte.
Schließlich sollte Katharina gerädert und gevierteilt werden, doch die Räder
brachen und töteten statt dessen die Folterer. Dieses Wunder brachte das Volk,
die Garde und die Kaiserin auf ihre Seite. Als seine eigene Frau ein Bekenntnis
über die Macht des Christengottes ablegte, ließ der Kaiser Katharinas Brüste
abreißen und seine ganze von ihr bekehrte Garde umbringen. Wenig später ließ er
Katharina enthaupten, doch aus ihrer Halswunde strömte kein Blut, sondern Milch;
Engel ergriffen ihren Leib und entführten sie auf den Berg Sinai, wo das um 550
entstandene Kloster
des brennenden Dornbusches
- nach 2. Mose 3, 2 - 4 - nun nach ihr benannte
wurde.
Brüder von Limburg: Katharinas Körper wird zum Sinai
getragen. Aus der Buchmalerei der Très riches heures des Duc de Berry,
1411 - 1416, im Metropolitan Museum of Art in New York 
Der Sarkophag mit dem angeblichen Leichnam Katharinas befindet sich im
nach ihr benannten Kloster auf dem Sinai
in der von Kaiser Justinian erbauten
Basilika. Der älteste schriftliche Hinweis auf Katharina findet sich in einem
Passional von 840. Im 11. Jahrhundert erschien ihr Name in einigen griechischen
Heiligenverzeichnissen, vom 12. Jahrhundert an wurde sie von den Kreuzrittern
zur Patronin erwählt und als überweltliche Schlachtenhelferin verehrt und nun auch
im Abendland verehrt. Ab dem 13. Jahrhundert war Katharina nach Maria
die am meisten verehrte Heilige und wurde eine der Vierzehn
Nothelfer. Wohl keiner anderen Heiligen trug man so viele Patronate an wie ihr,
das ursprüngliche Ritterpatronat geriet darüber zunehmend in Vergessenheit.
Unzählige Kirchen, Klöster und Hospitäler in Europa erhielten den Weihetitel
St. Katharinen
. Im 14. Jahrhundert kam die Legende von der mystischen Vermählung
Katharinas auf, nach der ihr in einer Traumvision der Jesusknabe
im Arm seiner Mutter den Vermählungsring an den Finger steckt und über sie die
Worte der Jungfrauenweihe spricht.
Am Kathrein-Tag
endete früher die Zeit des Viehs auf der freien Weide und
begann die Schafschur, Mägde und Knechte bekamen ihren Lohn ausbezahlt. Ab dem
Katharina-Tag durfte früher im alpenländischen Raum zur Vorbereitung auf
Weihnachten und noch
bis zur Fastnacht nicht
getanzt werden: Kathrein stellt den Tanz ein.
Die Schneiderinnen in Pariser
Modehäusern heißen bis heute nach ihr Cathérinettes
und feiern den Tag mit
Champagner; kleinere Betriebe lassen ihre Angestellten zum Gottesdienst gehen
und anschließend zur Statue ziehen, die sie mit einem grün und gelb geschmückten
Hut verzieren; früher steckten dann Jungfrauen, die schon 25 Jahre alt waren,
Nadeln in diesen Hut, was ihnen noch im Lauf des Jahres einen Mann bescheren
sollte; grün steht für die Hoffnung, gelb für das Blut der Katharina, das in
Milch verwandelt war.
Baseler Schule, um 1500, Amerbach-Kabinett im Kunstmuseum in Basel

1969 wurde der Gedenktag Tag auf Grund des wahrscheinlich rein legendären Charakters der Person von Katharina als Feiertag aus dem römischen Kalender gestrichen, 2001 wurde sie wieder in den Generalkalender aufgenommen.
Attribute:
zerbrochenes Rad, Buch, Schwert, Krone
Patronin
der Kantone Wallis
und Fribourg,
der Städte Sion
/ Sitten und Fribourg
in der Schweiz, von Eindhoven
in den Niederlanden, von Maaseik
und den Gemeinden Sint-Katherina-Lombeek
sowie Sint-Katelijne-Waver
bei Antwerpen in Belgien; der Mädchen, Jungfrauen, Nonnen, Heiratswilligen und Ehefrauen;
im Mittelalter der Ritter; der Ammen, Philosophen, Theologen und Gelehrten, Lehrer
und Studenten, Redner und Advokaten, Bibliothekare, Wagner, Müller, Bäcker, Töpfer,
Gerber, Spinner, Tuchhändler, Seiler, Schiffer, Buchdrucker, Sekretäre, Anwälte, Notare,
Waffenschmiede, Schuhmacher, Frisöre, Näherinnen, Scherenschleifer und aller Berufe,
die mit Rädern zu tun haben; der Krankenhäuser, der Hochschulen und Bibliotheken;
der Feldfrüchte; bei Migräne, Kopfschmerzen und Krankheiten der Zunge; für die
Auffindung Ertrunkener
Bauernregeln:
Wie St. Kathrein / wird's Neujahr
sein.
Wie dieser Tage an Kathrein, / solch Wetter wird im Jänner sein.
Wie's um Katharina: trüb oder rein, / wird auch der nächste Februar sein.
Wie das Wetter an Sankt Kathrein, / wird es den ganzen Winter sein.
Ist an Kathrein das Wetter matt, / kommt im Frühjahr spät das grüne Blatt.
Der Konrad und auch die Kathrein, /
die knien sich bald in den Dreck hinein.
Schafft Katharina vor Frost sich Schutz, / watet man draußen lange im
Schmutz.
Katharinas unverweste Hand, im Katharinenkloster auf dem Sinai
Die Kulturwissenschaftlerin
Dagmar Jestrzemski untersucht das in Vergessenheit geratenen Ritterpatronat von Katharina, auf
das ihre spätere Beliebtheit als große Volksheilige zurückzuführen ist, in ihrem Buch
Die
Kreuzritter und ihre Heilige
.
Martyrologium Romanum Flori-Legium
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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