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Albrecht Dürer: Portrait von
Philip Melanchthon, 1526 ![]()
Philipp Schwarzerdt (griechisch: Melanchthon) wurde als erstes von fünf Kindern geboren und zu Ehren des Landesherren Philipp genannt. Der Vater war Meister der Geschützgießerei sowie des Plattnerhandwerks - der Kunst, möglichst leichte, aber dennoch feste Rüstungen zu schmieden; er wurde ins Amt des kurfürstlichen Rüstmeisters erhoben. Melanchthons Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, ihr Vater sorgte für eine gründliche Ausbildung von Melanchthon. Als Melanchthons Vater sowie sein Großvater starben, war für den Elfjährigen die Kindheit beendet.
Philipp besuchte die Lateinschule in Pforzheim;
als Klassenbester bekam er die Möglichkeit, auch die griechische Sprache zu
erlernen. 1509 verlieh ihm Johannes Reuchlin den Humanistennamen Melanchthon; er
soll gesagt haben: Schwarzerdt heißt du, ein Grieche bist du, griechisch soll
auch dein Name lauten.
Schon mit zwölfeinhalb Jahren konnte Philipp die
Universität Heidelberg
besuchen, er beendete sein Studium 1511, zum frühest möglichen Zeitpunkt. Als er
1512 zum Magister promovieren wollte, verweigerten die Professoren dem
schmächtigen Fünfzehnjährigen die Zulassung, 1514 legte er, nach Fortsetzung
seines Studiums in Tübingen,
an der philosophischen Fakultät seine Magisterprüfung ab. Dem folgte eine
intensive Lehrtätigkeit an der Universität und die Abfassung erster bedeutender,
humanistisch geprägter Schriften.
Kurfürst Friedrich der
Weise von Sachsen suchte für den neu errichteten Lehrstuhl für griechische
Literatur an seiner Wittenberger
Universität einen Professor, Melanchthon wurde von Reuchlin empfohlen. 1518
hielt Melanchthon seine begeisternde Antrittsrede Über die Umgestaltung des
Jugendunterrichts
. Neben seiner Lehrtätigkeit studierte er bei Martin
Luther Theologie, 1519 erlangte er den ersten theologischen Grad eines
Baccalaureus biblicus. Seine eigenen Vorlesungen wurden von den Studenten
begeistert aufgenommen, auch von Luther, der Melanchthons griechische
Vorlesungen besuchte. Die Freundschaft des 14 Jahre jüngeren Melanchthons mit
Luther blieb bis zu dessen Tod erhalten.
Schon bei der ersten großen Auseinandersetzung zwischen Luther
und der katholischen Kirche, der Leipziger
Disputation im Jahre 1519, war Melanchthon zugegen. Er schrieb Luther während
dieses Streitgespräches mit Dr. Johannes Eck, einem scharfsinnigen päpstlichen
Theologen, kleine Zettel mit Bibelstellen, die die Vorrangstellung des Papstes -
der Streitpunkt des Gespräches - widerlegen. Zornig soll Eck ausgerufen haben:
Schweige Philipp, kümmere dich um deine Studien und störe mich nicht
. Luther
bekannte: Dieser kleine Grieche übertrifft mich auch in der Theologie.
Eck
wurde so in die Enge getrieben, dass das Gespräch ohne Entscheidung endete.
Luther lobte Melanchthon: In meinem ganzen Lehramt achte ich nichts höher als
den Rat Philipps
. Luther wollte ihm sogar die Leitung der Reformation
übertragen, sollte er von dem Reichstag in Worms,
der ja mit seiner Ächtung endete, nicht lebend zurückkehren.
Portrait von Lukas Cranach dem
Älteren, 1543, in der Galleria degli Uffizi in Florenz
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Weil man Melanchthon in Wittenberg
festhalten wollte, riet man ihm, sich zu vermählen. Er lehnte zunächst ab, aber
schon im November 1520 heiratete er Katharina, die Tochter des Wittenberger
Bürgermeisters Hieronymus Krapp. Luther
hatte Melanchthon von der Sache der Reformation schnell überzeugen können, schon
früh war aus der gemeinsamen Arbeit an der Universität eine innige Freundschaft
geworden. Ich würde lieber sterben als von diesem Manne getrennt zu sein
,
sagte Melanchton. Luther arbeitete unermüdlich an der neuen Theologie - nur
fehlte ihm dabei oft die Systematik. Diese Aufgabe übernahm Melanchthon: er
schrieb 1521 die erste gültige Zusammenfassung der reformatorischen Lehre, die
Loci Communes
. Luther war so begeistert von diesem Buch, dass er es gar in die
Bibel aufnehmen mochte.
Melanchton motivierte Luther, die Bibel in ein für das Volk verständliches Deutsch zu übersetzen. Luther begann damit 1521/22 auf der Wartburg und hat an dieser Übersetzung nach seiner Rückkehr nach Wittenberg im Frühjahr 1522 mit Melanchthon in vielen Stunden mühsamer Arbeit gefeilt. Während Luther aus Sicherheitsgründen auf der Wartburg versteckt wurde, übernahm Melanchthon an der Universität Luthers Vorlesungen über biblische Schriften.
Melanchthon war an zahlreichen Visitationen beteiligt bei den Gemeinden, die sich jetzt der Reformation angeschlossen hatten; Ergebnis dieser Reisen war auch die Sorge um die kümmerliche Pädagogik jener Zeit. Melanchthon schrieb deshalb zahlreiche Lehrbücher und entwickelte Konzeptionen für Neugründungen von Schulen und Universitäten. Die auf ihn zurückgehende höhere Lateinschule ist der Vorläufer der heutigen Gymnasien.
Auf dem Reichstag in Augsburg
im Jahre 1530 vertrat Melanchthon die Sache der Reformation, da Luther
wegen des über ihn verhängten Banns Kursachsen nicht verlassen kann. Die
Schwierigkeiten der Verhandlungen mit der katholischen Seite bewältigte
Melanchthon meisterhaft. Er zeigte sich kompromissbereit, was ihm die Kritik
einiger seiner Zeitgenossen einbrachte; Luther war jedoch mit den Ergebnissen
zufrieden. Melanchthon verfasste anhand verschiedener vorbereiteter Schriften
und der Verhandlungen in Augsburg das erste große Bekenntnis der Reformation.
Nach dem Ort der Übergabe an den Kaiser - Augsburg - wird diese Schrift
Augsburger Bekenntnis
,
Confessio Augustana
, genannt. Noch heute werden evangelische Pfarrer u.a. auf
dieses Bekenntnis hin ordiniert.
Gestützt auf seine Vorlesungen zu ethischen und politischen Schriften des Aristoteles und Ciceros publizierte Melanchthon ab 1538 sein eigenes System der Ethik bzw. seit 1550 dessen verbesserte Fassung. 1540 veröffentlichte er den ersten Teil seiner Lehre vom Menschen (De anima, endgültige Fassung 1553), 1549 sein physikalisches Werk, in dem er sich auch zu dem gerade veröffentlichten kopernikanischen Weltbild Äußerte. Neben der Vielzahl seiner Werke kommentierte er auch neutestamentische Schriften: 1527 publizierte er seinen Kommentar zum Kolosserbrief sowie 1529 bis 1556 den zum Römerbrief. 1523/24 bzw. 1538 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität und 1535/36 bzw. 1546 - 1548 das Amt des Dekans der philosophischen Fakultät. Seit 1555 hielt Melanchthon in Wittenberg Lesungen über die Weltgeschichte; das dazu entstandene Werk veröffentlichte er aber unter dem Namen des Berliner Hofastrologen Johann Carion.
Lucas Cranch der Jüngere: Philipp Melanchthon auf dem Totenbett, am Tag nach
seinem Tod aufgenommen, 1560 ![]()
Nach dem Tode Luthers wurde
Melanchthon zum Wortführer der Reformation: Nachdem Luther aus diesem
sterblichen Leben abgerufen ist, habe ich außer dem Schmerz noch mehr Sorgen und
Arbeiten.
Zwar nicht unumstritten, war Melanchthon bis zu seinem Lebensende der
herausragende Exponent der deutschen Reformation. Mitte August 1557 reiste
Melanchthon auf Befehl des Kurfürsten August zum Wormser
Religionsgespräch. Im Oktober erfuhr er vom Tode seiner Frau, musste jedoch bis
Mitte Dezember 1557 in Worms verharren. Mittlerweile war aus Melanchthon ein
alter, kränkelnder und von vielen Seiten angefochtener Mann geworden. 1560
erkältete er sich und erkrankte am bösartigen Wechselfieber; am 11. April hielt
er im großen Hörsaal des Augustinerklosters in Wittenberg
seine letzte öffentliche Ansprache, acht Tage danach verstarb der nunmehr
63-jährige, der nie Angst vor dem Tode gehabt hatte. Sein Wahlspruch war: Ist
Gott für uns, wer mag wider uns sein.
(Römer 8, 31)
Wegen seiner großen Verdienste im Bildungswesen galt Melanchthon schon zu
Lebzeiten als Praeceptor Germaniae
Lehrer Deutschlands
. Sein
Grabmal ist in der Wittenberger
Schlosskirche.
Drei
wissenschaftliche Reden von Kurt-Victor Selge, Kirchengeschichtler, Reimer
Hansen, Neuzeithistoriker, und Christof Gestrich, Systematischer Theologe,
vorgetragen am Melanchthon-Dies der Theologischen Fakultät in der
Humboldt-Universität zu Berlin am 23. April 1997, gibt es als pdf-Datei
bei der Humboldt-Universität zu Berlin.
Zum
Melachton-Jahr 1997 erstellte die Kommunale Datenverarbeitungsgesellschaft der
Lutherstadt Wittenberg
eine nette Melanchton-Seite.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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