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Ökumenisches Heiligenlexikon

Maria Bernhardine Soubirous

französischer Name: Marie Bernarde
Taufname: Bernadette

Gedenktag katholisch: 16. April
nicht gebotener Gedenktag" in Frankreich: 18. Februar

Name bedeutet: kleine, starke Bärin (althochdt.-französ.)

Seherin, Nonne
* 7. Januar 1844 in Lourdes in Frankreich
† 16. April 1879 in Nevers-sur-Loire in Frankreich


Bernadette, ältestes von sechs Kindern, war Tochter von François Soubirous und seiner Frau Louise geb. Castérot, der Tochter des Müllers der Mühle Boly, die François geheiratet und damit die Mühle übernommen hatte. Zehn Jahre nach Bernadettes Geburt konnte die Familie die Pacht nicht mehr bezahlen, weil die Konkurrenz der neuen dampfgetriebenen Mühlen zu stark war und wohl auch wegen der Alkoholabhängigkeit des Vaters; die Familie musste in eine kleinere Mühle umziehen. Im Jahr darauf gab es in Lourdes eine Cholera-Epidemie mit 38 Toten; auch Bernadette wurde angesteckt und litt von da an zeitlebens unter Asthma, die Familie musste zudem in eine noch armseligere Mühle wechseln nach Arcizac. Als in der Hungersnot von 1856 die Regierung kostenlos Mehl verteilte, musste auch diese Mühle ihre Arbeit einstellen und der Vater sich nun als Tagelöhner verdingen, wobei er oft arbeitslos war. 1857 war die Familie mittellos und bekam einen Raum im ehemaligen Gefängnis des Ortes zugewiesen, dem Cachot, wo die ganze Familie in einem Raum wohnte. Unter der - falschen - Anklage des Diebstahles von Mehl saß der Vater auch acht Tage im richtigen Gefängnis. Bernadette blieb bei alledem ohne Schulbildung und Religionsunterricht, musste als Schweinehirtin und als Bedienung in einer Schänke arbeiten. Im November 1858 wurde sie als Magd auf den Bauernhof ihrer Patentante im Nachbardorf Bartrès gegeben, wo sie vom Ortpfarrer Katechismusunterricht erhielt; dieser war begeistert von den Marienerscheinungen, die es 1846 in La Salette gegeben hatte.

Glasfenster: die erste Erscheinung, in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Lourdes

Glasfenster: die erste Erscheinung, in der Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Lourdes

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Mitte Januar 1858 kehrte Bernadette kurz nach ihrem 14. Geburtstag zu ihrer Familie nach Lourdes zurück. Am 11. Februar 1858 hatte sie beim Holzsammeln im Wald zum erstenmal die Vision, die sich im folgenden halben Jahr noch 17 Mal wiederholen sollte: Ihr erschien in der Grotte Massabielle eine weibliche Gestalt von großer Schönheit in einer goldschimmernden Wolke. Die Dame, wie Bernadette sie bewundernd-ehrfurchtsvoll nannte und die sich erst später als Maria erwies. Drei Tage später wiederholte sich die Erscheinung; Bernadette besprengte sie mit Weihwasser, das sie dafür aus der Kirche mitgebracht hatte und forderte sie auf: Wenn Sie von Gott kommen, bleiben Sie. Wenn nicht, gehen Sie!

Eine Woche nach der ersten Erscheinung wurde Bernadette von der Marienerscheinung aufgefordert, 15 Tage lang an diesen Ort zu kommen, was die immer mehr in Ekstase geratende Bernadette gerne tat, wobei immer mehr Menschen aus der Stadt sie begleiteten, die aber die Erscheinung nicht wahrnehmen konnten. Der örtliche Polzeikommissar lud daraufhin Bernadette und andere Augenzeugen zum Verhör - das Protokoll ist erhalten. Am 24. Februar wurde Bernadette aufgefordert, als Zeichen der Buße die Erde zu küssen. Am Tag darauf folgte die Aufforderung, aus der Quelle zu trinken, von der aber noch nichts zu sehen war; Bernadette scharrte am Boden, ein Rinnsal tat sich auf, schließlich die Quelle mit einer Schüttung von 120.000 Litern am Tag. Am 2. März wurde Bernadette aufgefordert, zum Priester zu gehen; er solle für den Bau einer Kapelle an dieser Stelle sowie die Anhaltung von Prozessionen sorgen.

Als nun Catherine Latapie Chourat, eine Frau aus dem Nachbarort Loubajac, ihren gelähmten Arm ins Wasser der Quelle tauchte und ihn geheilt wieder entnahm - das erste von bislang 68 von der katholischen Kirche offiziell anerkannten Heilungswundern -, kam eine große Zahl von Menschen zur Quelle; bis zu 10.000 Menschen haben zugesehen, als sie mit der unsichtbaren Frau redete. Die örtliche Zeitung veröffentlichte nun einen großen Artikel gegen den Aberglauben von Lourdes. Am 4. März gab es die zunächst letzte in der Reihe der 15 aufeinanderfolgenden Erscheinungen. In einer weiteren, am 25. März, dem Fest der Verkündigung des Herrn an Maria, offenbarte sich Maria endlich Bernadette und stellte sich ihr - im Dialekt der Gegend - vor: Que soy era Immaculada Conceptiou, Ich bin die Unbefleckte Empfängnis. Bernadettes Beichtvater war zunächst der Ansicht, dass sie einfach nur eine zu lebhafte Fantasie habe, aber als ein erblindeter Mann sein Augenlicht wiederfand, verbreitete sich die Nachricht von der Heilkraft des Wassers - vom örtlichen Arzt Dr. Douzous, der Bernadettes Erlebnisse tatkräftig unterstützt - rasch in ganz Frankreich.

Bei der vorletzten Erscheinung am 7. April geschah an Bernadette das sogenannte Kerzenwunder: Dr. Douzous beobachtete, wie sie die Hände über die mitgebrachte Kerze hielt, ohne dass diese irgendwelche Verbrennungen erlitten; ich glaube, dass Du etwas siehst, attestierte er. Nachdem die Ortsgemeinde die Grotte am 11. Juli angeriegelt hatte, um weiterem Menschenauflauf vorzubeugen, erlebte Bernadette am 16. Juli 1858 die letzte der 18 Erscheinungen von der gegenüberliegenden Seite des Flusses; sie war so schön wie nie zuvor, meinte Bernadette.

Vier Jahre nach der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens durch Papst Pius IX. hatte sich Maria erstmals Bernadette Soubirous in der Grotte zu Massabielle gezeigt. Weitere vier Jahre später, im Januar 1862, bestätigte Bischof Bertrand-Sévère Laurence von nach einer Untersuchung im Krankenhaus der Stadt die Echtheit der Visionen. 1864 wurde an der Grotte die berühmte die Marienstatue des Künstlers Fabisch aufgestellt, 1866 daneben die von der Erscheinung erbetene Kapelle gebaut. Lourdes entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte, schon 1867 kamen knapp 5 Millionen Pilger. Bernadette hatte Misstrauen, Unverständnis und Anfeindungen, zudem ihre schwere Krankheit zu ertragen. Die Presse nannte sie eine hysterische Person, zweifelte an ihrer Glaubwürdigkeit, auch der berühmte Schriftsteller Emile Zola bekundete sein Misstrauen.

Bernadette sprach nach der Letzten Erscheinung nicht mehr über ihre Erlebnisse, besuchte die Schule und arbeitete als Hilfsschwester im Krankenhaus von Lourdes. Um sich der Neugier, Belästigungen und Aufdringlichkeiten zu erwehren, musste sie 1866 ihre Heimat verlassen und sich den Barmherzigen Schwestern im Kloster St. Gildard im fernen Nevers-sur-Loire anschließen; 1867 legte sie ihre Gelübde ab und erhielt den Ordensnamen Marie Bernarde und die Auflage, nicht mehr über ihre Visionen zu reden. Zwar wurde sie im Kloster immer wieder gedemütigt und erniedrigt; doch alle Enttäuschungen konnten sie nicht von der Liebe zu jener Dame abbringen. Eine ihrer Mitschwestern stellte Bernadette die Frage: Was tut man mit einem Besen? Man kehrt mit ihm. Und anschließend? Man stellt ihn hinter die Tür in die Ecke. Eben! Das ist meine Geschichte. Maria hat mich benutzt und nun in die Ecke gestellt. Das ist mein Platz. Im Kloster durfte über ihre Vergangenheit nicht gesprochen werden.

Schrein mit dem unverwesten Leichnam, von einer Wachsmaske überzogen, in der Kirche St. Gildard in Nevers

Schrein mit dem unverwesten Leichnam, von einer Wachsmaske überzogen, in der Kirche St. Gildard in Nevers

1879 starb Bernadette, erschöpft und von ihren Krankheiten ausgezehrt, an Knochentuberkulose. Ihr Leib, aufgebahrt im Glasschrein des Klosters in Nevers, blieb unverwest.

Lourdes wurde zum berühmtesten Marienwallfahrtsort der Welt, Hunderttausende suchen hier Heilung. Dokumentiert sind bislang über 7000 medizinisch auffällige Heilungen, 2000 davon von Ärzten als unerklärlich eingestuft, bislang 68 hat die katholische Kirche nach eingehender Prüfung als Wunderheilungen anerkannt, als bislang letzte die an dem an Multipler Sklerose erkrankten Jean-Pierre Bély aus dem Jahr 1987. Andachtsbilder von Bernadette waren die ersten, die fotografisch erstellt wurden.

Die Grotte in Lourdes ist eigentlich nur ein Felsüberhang, geschwärzt von Kerzen und von Millionen Händen. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass dieser Ort videoüberwacht wird. In einer Ecke ist die bei der zweiten Vision entsprungene Quelle, hinter einer Abschrankung und bedeckt von einer Plexiglasplatte; daneben Blumen und ein Schrein, in den die Gläubigen Zettel mit ihren Bitten an die Jungfrau einwerfen. Außerdem steht eine Marmorstatue der Jungfrau in der Grotte, die Bernadette noch selber gesehen hat, in der sie allerdings die ihr erschienene Maria nicht wiedererkannte. Neben der Grotte wurde gemäß den Anweisungen aus den Erscheinungen eine Kapelle gebaut, die heutige Krypta mit Reliquien von Bernadette und unzähligen Ex votoMit Ex voto (lateinisch: „aufgrund eines Gelübdes”) oder Votivtafel bezeichnet man Tafeln, die nach erfolgreicher Hilfe zur Erfüllung eines Gelübdes an den Ort der Gnade gebracht und dort ausgestellt werden, oft mit Darstellung der abgewendeten Notsituation.-Tafeln; inzwischen stehen dort zwei weitere Kirchen übereinander, die 1876 errichtete Basilika der Unbefleckten Empfängnis und die Rosenkranz-Basilika, ergänzt durch das größte Gotteshaus, die unterirdische Basilika Pius X., die über 20.000 Gläubige aufnehmen kann und die neueste Kirche, die Bernadette geweiht ist.

Im 20. Jahrhundert soll sich Maria insgesamt 427 Mal gezeigt haben, oft vor Mädchen im Stadium der Pubertät oder Vorpubertät, wie etwa bei der elfjährigen Mariette Beco aus Banneux in Belgien, der 1933 acht Erscheinungen zuteil geworden seien; vgl. => Orte von Marienerscheinungen. Die offizielle kirchliche Website von Lourdes warnt ausdrücklich vor gefährlichem Gefühlsglauben und macht darauf aufmerksam, dass es darauf ankomme, den Glauben auf den Offenbarungen aufzubauen.

Kanonisation: Seliggesprochen wurde Bernadette am 14. Juni 1925 durch Papst Pius XI., heiliggesprochen wurde sie am 8. Dezember 1933, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, durch denselben Papst.

Der Wallfahrtsort Lourdes


My Name is Bernadette. Die Autobiographie in englischer Sprache

Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)

Catholic Encyclopedia

Im Kunstverlag Josef Fink erschien von Erich Legler: Geh zur Quelle, Wallfahrt nach Lourdes.

Franz Werfel war als Jude ständig auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, schließlich konnte er gerade noch aus Frankreich in die USA entkommen. Er schrieb 1940/41 zum Dank für diese Rettung sein umfangreiches Buch Das Lied von Bernadette, das auch Grundlage der Verfilmung war. Am Beispiel des einfachen Mädchens wird gezeigt, wie mitten in unserem rohen und skeptischen Zeitalter die göttlichen Kräfte wirken und durch sie auch ein unwissendes, aber geniales Geschöpf über das gewöhnliche Maß hinausgehoben wird.

Es gibt eine sehr schöne Website über Bernadette und Lourdes. Sie enthält in französischer Sprache Informationen und Abbildungen zum Leben von Bernadette, Aussagen von Zeitzeugen, Darstellungen ihres Wirkens und ausführliche Informationen zu Wallfahrten nach Lourdes, dazu eine Webcam über das Geschehen an der Grotte; die Website gibt es auch auf Deutsch und in englischer sowie weiteren Sprachen.

Kritisch beschäftigt sich mit den Erscheinungen in Lourdes der Artikel der Schweizerischen Weltwoche: Wunderheilungen: Die Schwindelgrotte von Lourdes

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 24.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001

• http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite-Lourdes;art705,2473736
• http://www.rp-online.de/auto/news/Navi-Panne-fuehrt-zur-falschen-Jungfrau_aid_893380.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994