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Giuseppe Sarto kam als Sohn eines kleinen Fabrikbesitzers zur Welt. Als Kind war er ein lieber Junge und begeisterter Messdiener. Der Ortspfarrer sah die Begabung und den Fleiß des Jungen und verschaffte ihm einen Freiplatz im Seminar in Padua, wo er Gymnasium und Theologiestudium absolvierte und 1858 zum Priester geweiht wurde. Schon auf seiner ersten Stelle als Kaplan in Tombolo war er sehr gefordert, musste den kränklichen Pfarrer oft vertreten und war bald äußerst populär. 1867 wurde er Pfarrer von Salzano, wo er die Menschen durch sein offenes Wesen beeindruckte. Er bemühte sich um gesicherte Einkommen für die einfachen Menschen und half - oft wider alle Vernunft, denn er hatte ein Herz für Menschen in Not. Seine pfarrlichen und später bischöflichen Einkünfte gab er an die Armen weiter.
Giuseppe Sartos Geburtshaus
in Riese Pio X, heute als Museum mit der Originaleinrichtung zu besichtigen ![]()
1875 wurde er gegen sein Wollen nach Treviso
als Domherr, Kanzler und Spiritual des Priesterseminars berufen. 1884 erfolgte
die Ernennung zum Bischof von Mantua.
Die Last ist zu schwer, sie übersteigt meine Kräfte und Fähigkeiten
, meinte er
und schrieb vergeblich nach Rom,
von der Ernennung abzusehen. Die Erziehung des KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
als der Grundlage der Diözese
durch eine solide wissenschaftliche
Ausbildung war ihm wichtig als Antwort auf die glaubensfeindlichen
Zeitströmungen. Sie sollten wachsam gegen den katholischen Liberalismus sein,
dessen Repräsentanten er als Wölfe im Schafspelz
bezeichnete.
Kathedrale in
Treviso, erneuert um 1750, Fassade von Francesco Bomben, 1836 ![]()
1893 wurde er zum Kardinal, drei Tage später zum Patriarchen von Venedig
ernannt. Anliegen war ihm auch hier. nichts anderes, als die Wahrheit schützen
und verteidigen und Gutes tun
, deshalb kümmerte er sich weiter um die Armen,
gründete Sparkassen für Arbeiter und setzte sich für eine gerechte Entlohnung
ein. Auch in diesen hohen Ämtern blieb der Bauernsohn ein Mann einfacher Gewohnheiten
und eines bescheidenen Lebenswandels. Alle seine Wirkungsstätten lagen im Norden
Italiens, Auslandsreisen unternahm er nicht. Auch auf eine tiefere theologische
oder philosophische Bildung und das Erlernen von Fremdsprachen verzichtete der
Patriarch.
1903 wurde er schließlich als Papst gewählt. Unter Tränen soll er damals die Kardinäle gebeten haben, von seiner Wahl abzusehen, da er dem Amt nicht gewachsen sei; aber er nahm die Wahl schließlich doch an und wählte als Papstnamen Pius, um an seinen Vorvorgänger Pius IX. zu erinnern. In seiner Antrittsenzyklika forderte er zum Widerspruch gegen die moderne Wissenschaft auf und mahnte zum Gehorsam der Gläubigen. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt gab er die Überarbeitung und Zusammenfassung des Kirchenrechts in Auftrag - eine längst überfällige Reform, die Pius X. nutzte, um das Unfehlbarkeitsdogma und die päpstlichen Befugnisse in anwendbares Kirchenrecht zu überführen.
Pius gilt als Reformer und wurde vor allem bekannt als Seelsorger, ein
innerlicher und frommer Mann, einfach und verständlich in seiner Rede, der die
Nähe einfacher Menschen suchte. Sein eigenes Bistum Rom
sollte Vorbild sein für andere. Alles in Christus
erneuern
lautete sein Leitmotiv. Die Erneuerung des Gottesdienstes war ihm
ein Anliegen, er setzte die gregorianischen Gesänge in der Liturgie wieder ein,
stellte ein neues Brevier als Standard für die ganze Kirche auf, befürwortete
eine frühe Erstkommunion schon im Alter von sieben Jahren und die regelmäßigen
EucharistieEucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.feiern,
förderte die Bildung seiner Priester, führte regelmäßig
Visitationen durch und nutzte wo immer möglich die Gelegenheit, als Beichtvater
den Menschen im Beichtstuhl nahe zu sein. Er rief auch die Laien zur
Durchführung sozialer Aktionsprogramme unter Aufsicht der Kirche auf, womit er
die römisch-katholische Aktionsbewegung vorwegnahm. 1905 forderte er von allen
Gläubigen per Dekret, häufiger die Heilige Kommunion zu empfangen. Bis dahin
war es für das gemeine Kirchenvolk üblich, nur einmal jährlich während der
Osterfeiertage das Abendmahl zu empfangen,
die tägliche Kommunion war das Privileg von Ordensleuten und Priestern. Pius
knüpfte den Sakramentenempfang nur an zwei Bedingungen: im Stand der Gnade
zu sein und die rechte Absicht zu haben
. 1910 setzte er das Mindestalter
für die Erstkommunion von zwölf auf sieben Jahre herab und wurde so zum populären Papst
der Kinderkommunion
.
Pius X. mit der TiaraTiara ist die früher bei feierlichen Anlässen getragene Krone des Papstes. Ihr Ursprung liegt in der am byzantinischen Hof getragenen phrygische Mütze, die aus Persien übernommen worden war. Die ersten solchen Hauben wurden im 7. / 8. Jahrhundert vom Papst getragen; im 10. Jahrhundert kam der erste Kronreifen hinzu, Ende des 13. Jahrhunderts der zweite, wohl während des Exils in Avignon der dritte. Die drei aufeinandergetürmten Kronen symbolisieren das Weiheamt, die Rechtssprechungsgewalt und das Lehramt des Papstes oder auch die göttliche Dreieinigkeit. Der bislang letzte Träger der Tiara, Papst Paul VI. verschenkte seine Papstkrone 1964 während des 2. Vatikanischen Konzils zugunsten Armer in der Dritten Welt.,
der dreifachen Papstkrone, Foto von 1914 
Politisch und philosophisch war Pius X. sehr konservativ. In der Enzyklika Vehementer
nos
von 1906 lehnte er jeden Kompromiss mit dem Laizismus, dem französischen Modell
der Trennung von Staat und Kirche, ab; darüber kam es zum Bruch mit Frankreich, später
auch mit Spanien - das 1910 deshalb die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan
abbrach - und Portugal. Auch die Demokratie als Staatsform beurteilte er skeptisch,
denn sie gefährde die Kirchenhierarchie. 1910 kam es zu Spannungen mit dem Deutschen Reich,
weil Pius die Protestanten als falsche Propheten
bezeichnete, für die das Wort des
Apostel Paulus von den Feinden Christi
zutreffe, deren Gott
der Bauch
ist (Philipperbrief 3, 18 - 19). In Südamerika vermittelte er erfolgreich
in Grenzstreitigkeiten.
In seiner Enzyklika Pascendi dominici gregis
, Gottes Herde zu weiden
von
1907 verurteilte Pius 65 modernistische
Behauptungen und die modernistische
Bibelkritik als Häresie. Wissenschaftlicher Fortschritt könne nur im Lichte
der katholischen Lehre und unter ihrer Führung
angestrebt werden. Drei Jahre
später führte er den Antimodernisten-Eid
ein, eine jährlich zu wiederholende
Eidesformel aller katholischer Geistlichen, in der sie den in der Enzyklika benannten
Irrtümern der Moderne abschwören mussten. Modernismus ist die Synthese und
das Gift aller Häresien, er versucht, die Fundamente des Glaubens zu untergraben
und das Christentum zu vernichten.
1967 wurde dieser Eid von Papst Paul VI. wieder abgeschafft.
Denkmal
in Riese Pio X ![]()
Pius X. hatte eine Seele, die alle rührte, die mit ihm zusammen lebten
,
schrieb ein Biograf. Der Krieg von 1914, den er schon Jahre zuvor vorausgesehen
hatte, brach ihm schließlich das Herz: Ich spüre es, der Krieg ist mein Tod
,
schrieb er und starb gut drei Wochen nach dessen Beginn.
Pius wurde im Petersdom
beigesetzt, an seinem Grab sollen sich zahlreiche Wunder ereignet haben. Nach seiner
Heiligsprechung wurde er in einen Glassarg umgebettet. Bei der Feier der EucharistieEucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.
am Altar über dem Grab haben viele Priester nach ihrem Bekunden erlebt, wie ein zarter
Rosenduft zum Altar emporstieg, der Duft der Heiligkeit, der von diesem Papst der
heiligen Eucharistie ausgeht
. In Deutschland tragen über 60 katholische Kirchen
seinen Namen. Die von dem 1988 exkommunizierten Bischof Lefebvre 1970 gegründete
Piusbruderschaft
benennt sich nach Pius X.
Giuseppe Giusti: Denkmal, 1905, gegenüber dem Geburtshaus
in Riese Pio X ![]()
Kanonisation:
Pius wurde 1951 von Papst Pius XII. selig und 1954 vom selben Papst heiliggesprochen.
Patron
der Esperantisten; des Päpstlichen Werkes des Heiligen Kindheit
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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