Ökumenisches Heiligenlexikon

Helena

Gedenktag katholisch: 18. August
     in Reims, Rouen, Sens, Langres, Angers: 7. Februar
     in Bamberg, Bremen, Magdeburg, Mainz, Minden,
     Basel, Utrecht, Gnesen u.a.: 8. Februar
Gedenktag evangelisch: 21. Mai (ELCA, LCMS)
Gedenktag anglikanisch: 21. Mai
Gedenktag orthodox: 21. Mai
                                            6. März
Gedenktag armenisch: 21. Mai
     liturgische Feier am 4. Dienstag nach Pfingsten
     Kreuzerhöhung: 15. September
Gedenktag koptisch: 4. Mai
Name bedeutet: die Leuchtende (griech.)
römische Kaisermutter
* um 249 in Drepanon, dem heutigen Karamürsel in der Türkei (?)
† 18. August (?) 329 (?) in Nikomedien, dem heutigen Ízmit in der Türkei


Kartenskizze

Kartenskizze

Kartenskizze

Marmorbüste aus dem 4. Jahrhundert

Marmorbüste aus dem 4. Jahrhundert   

Helenas Geburtsort war wahrscheinlich Drepanum, das dann 327 zu ihren Ehren in Helenopolis umbenannt wurde - das heutige Karamürsel; ihr Vater war wohl ein heidnischer Gastwirt. Legenden bezeichnen sie teilweise auch als Stallmagd aus Aquitanien, als englische Königstochter oder als in Trier geboren. Sie lebte dann als Herbergswirtin in Naissus - dem heutigen Niš in Serbien *. Sie wurde in nicht legitimer Ehe Gattin des späteren römischen Kaisers Konstantius I., der Mitkaiser des Christenverfolgers Diokletian war, und Mutter von Konstantin dem Großen.

Bevor Constan­tius I. mit Ein­führung der Tetrarchie im Jahr 293 zum Kaiser des Römi­schen Reiches ernannt wurde, verstieß er 289 Helena wegen ihres niederen Standes, um Flavia Maximi­ana Theodora, die Stief­toch­ter des Kaisers Maximianus, zu heiraten. Er machte Augusta Treverorum - das heutige Trier - zu seiner Residenz; auch Helena behielt weiterhin Einfluss. Die führenden heidnischen Familien verachteten Helena wegen ihrer Herkunft, aber sie, intrigant, autoritär und völlig bedenkenlos **, tat nun, unterstützt durch die Christen, alles, um Theodora von Constantius zu trennen, sie samt Familie in einen Seitentrakt des Palastes zu verdrängen und ihrem Sohn den Thron zu sichern; als Konstantin 306 Kaiser wurde, ließ sie Konstantins Halbbrüder, die Söhne der Theodora, verbannen.

Der neue Kaiser verlieh seiner Mutter den Ehrentitel nobilissima femina, edelste Dame. Nach Konstantins Sieg über Maxentius 312 erhielt sie einen eigenen Palast in Rom und als Konstantin 324 die Alleinherrschaft errungen hatte den Titel einer Augusta mit dem Vorrecht des Diadems und der Abbildung auf Goldmünzen.

312 Christin gewor­den, förderte sie in jeder Weise das sich ausbreitende und durch Konstantin im Edikt von Mailand 313 bestätigte Chris­tentum. Zahlreiche Kirchen­bauten werden ihr zugeschrieben, so die Kreuzeskirche in Jerusalem, im Zu­sam­menwirken mit Bischof Makarios I. von Jerusalem die Geburtskirche in Bethlehem, dazu die Apostelkirche in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - und die Marcellinus und Petrus geweihte Märtyrerbasilika an der Via Merulana in Rom.

Als Helena schon über 70 Jahre alt war, soll sie im Traum den göttlichen Befehl erhalten haben, nach Palästina zu reisen, die Heiligen Stätten zu finden und würdig auszugestalten. Wohl 326 unternahm sie ihre Wallfahrt nach Jerusalem ***, um die Fußspuren des Erlösers ... zu verehren, wie der Zeitgenosse Eusebius berichtete. Die Suche nach dem Grab Jesu war schlielich von Erfolg gekrönt dazu fand man auch == Melchisedeks Felsengruft und drei gut erhaltene Kreuze, die mehr als 300 Jahre alt gewesen sein könnten. Bischof Makarios I. von Jerusalem bezeugte die Kreuzauffindung Auch Cyrill von Jerusalem bezeugte das wahre Kreuz und das Heilige Grab. Die Kirche über dem Garten Gethsemane habe Helena als 79-jährige bei ihrer Wallfahrt gegründet.

Ruine des Mausoleums, dahinter die frühere Kirche Marcellino e Pietro

Ruine des Mausoleums, dahinter die frühere Kirche Marcellino e Pietro

Nachdem Helena gestorben war, wurde sie in einem Mausoleum an der Via Labicana in Rom, das vermutlich ursprünglich für Konstantinus I. gedacht war, beigesetzt. Der Leichnam Helenas soll dann von ihrem Sohn nach Konstantinopel gebracht und im 9. Jahrhundert in die Benediktinerabtei in Hautvillers überführt worden sein, wo ihr Haupt, wie auch in Trier, verehrt wird. Im 12. Jahrhundert kamen Reliquien in die Kirche Santa Maria in Aracoeli in Rom, weitere gibt es in Paris. Der prächtige Porphyrsarg gelangte - offenbar leer - in die Museen im Vatikan.

Helena wurde bald zum Gegenstand von Legenden: Ambrosius berichtete 395 erstmals von der Auffindung des wahren Kreuzes durch Helena; später wird auch von der siegreich bestandenen Auseinandersetzung mit den Juden um das Kreuz erzählt. Bereichert durch syrische Überlieferungen bei Rufinus, Paulinus von Nola und griechischen Kirchenhistorikern des 5. Jahrhunderts wie Theodoret und Sozomenos entstanden weitere Berichte.

Die Kreuzes-Reliquien in der Kirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom

Die Kreuzes-Reliquien in der Kirche S. Croce in Gerusalemme in Rom

Die Überlieferung von der Auffindung des Heiligen Kreuzes in Jerusalem, veranlasste Konstantin, die Grabes- und andere Kirchen in Jerusalem sowie die Kirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom bauen zu lassen; dort werden bis heute für echt gehaltene Gegenstände verehrt: drei Bruchstücke des Kreuzes Christi, zwei Dornen der Dornenkrone, ein Kreuznagel, ein Stück der Inschrift INRI und der Finger des Apostels Thomas, den dieser nach der Auferstehung Christi in dessen Wunde legte (Johannes­evangelium 20, 24 - 29). Der Legende nach war Helena auch beteiligt an der Überführung des Heiligen Rocks von Jesus und der Gebeine des Apostels Matthias nach Trier. Die Kirche St. Gereon in Köln habe Helena über den Gräbern von Gereon und der Märtyrer der Thebäischen Legion des Mauritius errichten lassen.

Die Legenda Aurea beginnt die Kreuzfindungslegende mit dem ster­benden Adam, der seinen Sohn Seth ins Paradies schickte, um das Öl der Barmherzigkeit zu erbitten, damit er ewig leben könne. Der Erzengel Michael konnte ihm aber nur einen Zweig vom Baum der Erkenntnis geben, und als Seth zurückkam, war Adam schon tot. Der Zweig wurde auf sein Grab gepflanzt und wuchs zu einem großen Baum auf. Den ließ König == Salomo als Bauholz für den Jerusalemer Tempel schlagen; aber das Stück war ständig zu lang oder zu kurz, so wurde das Holz als Steg über ein Gewässer gelegt. Die Königin von Saba erblickte in dem Balken das künftige Kreuzesholz, verehrte es, schritt daneben durch das Wasser und warnte Salomo, der es vergraben ließ. Darüber entstand ein Teich, in dem die Opferschafe gewaschen wurden, dann machte das auftauchende Holz das Wasser heilkräftig.

Als nun die Zeit des Leidens Christi gekommen war, wurde das auf dem Wasser schwimmende Holz herausgenommen und das Kreuz daraus gemacht. Dann aber lag es tief in der Erde verborgen, bis Kaiser Konstantin, im Traum ein lichtes Kreuz mit den Worten: In diesem Zeichen wirst du siegen erblickte. Er zog gegen Maxentius und besiegte seinen Gegner, der ihn mit einer angesägten Brücke hatte täuschen wollen.

Nun zog Helena nach Jerusalem; der befragte Levit Judas versprach dem Hohen Rat, sein Wissen nicht kundzutun. Aber Helena ließ ihn in einen trockenen Brunnen werfen; nach sieben Tagen flehte Judas um Gnade, wurde herausgezogen und zeigte die nur ihm bekannte Stelle auf Golgatha, über der Kaiser Hadrian einen Venus-Tempel hatte erbauen lassen. Nachdem dieser abgetragen wurde, förderte Judas drei tief eingegrabene Kreuze zutage. Nacheinander wurden sie auf einen Leichnam gelegt, der gerade aus der Stadt herausgetragen wurde, und Helena erkannte das Kreuz, das den Toten zum Leben erweckte, als das richtige Kreuz. Judas ließ sich daraufhin taufen, wurde als Bischof von Jerusalem Quiriacus genannt und musste nun noch nach den Nägeln suchen, die er schließlich - golden glänzend - fand. Helena wünschte, dass man mit einem der Nägel die Zügel für das Pferd des Kaisers ausstatte, damit dieser nur noch Frieden und keinen Krieg mehr vorbereiten könne, entsprechend den Worten beim Propheten Sacharja (14, 20). Für das Kreuz wurde demnach ein Kirchenraum in Jerusalem errichtet.

Für die Reliquien des Heiligen Kreuzes, die Helena von Jerusalem nach Rom gebracht und bis zu ihrem Lebensende in ihrem Palast verwahrt hatte, ließ Konstantin in Rom die Kirche Santa Croce in Gerusalemme bauen.

Statue in der Sala degli Imperatori, dem Kaisersaal, im Museo Capitolino in Rom

Statue in der Sala degli Imperatori, dem Kaisersaal, im Kapitolinischen Museum in Rom

Patronin von Trier, Frankfurt, Pesaro und Ascoli Piceno; der Färber, Nadler, Schatzgräber; der Bergwerke; gegen Blitz- und Feuersgefahr; zur Entdeckung von Diebstählen, zur Auffindung verlo­re­ner Sachen

* Ambrosius bezeichnete sie als stabularia, Schankwirtin und schrieb, Christus habe sie von der Miste auf den Thron erhoben. Als sich aber Bischof Eustachius von Antiochien im Verlauf ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land über sie entsprechend geäußert hatte, schickte Konstantin ihn ins Exil, aus dem er nicht wieder zurück kam. Eutropius, spätantiker römischer Historiker des Kaisers Valens erwähnte in seiner Stadtgeschichte, dass sie geboren wurde ex obscuriore matrimonio, aus unklarer Ehe. Und der byzantinische Historiker Philostorgius sah in ihr eine Frau, die polois, vielen oder auch allen sätzern gehörte, von einer Dirne also nicht zu unterscheiden war.

** so Jacques Benoist-Méchin, französischer Schriftsteller und Historiker

*** Im Jahr 326 war es zu einer Tragödie in der kaiserlichen Familie gekommen: Konstantin ließ seinen mit der Konkubine Minervina vor der Hochzeit mit Fausta gezeugten Sohn, Flavius Iulius Crispus umbringen, wahrscheinlich vergiften, und Gattin Fausta, Mutter von drei Söhnen und zwei Töchtern, gerade noch auf Münzen als spes rei publicae (Hoffnung des Staates) gefeiert und nun des Ehebruchs mit Crispus verdächtigt - doch nicht überführt -, im Bad ersticken. Helena hatte zu ihrem Enkel Crispus eine besonders enge Beziehung und war, obwohl wahrscheinlich nicht unschuldig, dennoch dadurch motiviert für ihre Pilgerreise ins Heilige Land. Die Reise dauerte zwei Jahre und ist wahrscheinlich auf die Jahre 327/328 zu datieren.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Prof. Helmut Bouzek aus Wien XIII, E-Mail vom 3. April 2006



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