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Franz Huber, wie er zunächst hieß, war der Sohn lediger Eltern, da beide zu
arm waren, um einen eigenen Hausstand zu gründen. Erzogen wurde er von seiner
Großmutter Elisabeth Huber; die Mutter heiratete dann den Bauern Heinrich
Jägerstätter, dieser adoptierte Franz; da die Ehe kinderlos blieb, wurde Franz
der Erbe. Der Adoptivgroßvater hatte eine Zeitung abonniert und besaß wohl
zahlreiche Bücher; lesen wurde Franz wichtig: Wer nicht liest, wird sich nie so
richtig auf die eigenen Füße stellen können, wird nur zu leicht zum Spielball
der Meinungen anderer.
1927 verdingte er sich für drei Monate auf einem
Bauernhof in Bayern, anschließend ging er für weitere drei Jahre als
Bergarbeiter in die Steiermark,
wo er im sozialdemokratischen Arbeitermilieu vorübergehend seine Glaubenspraxis
aufgab. Nach der Heimkehr auf den Hof und dem Tod des Adoptivvaters 1933 wollte
Franz in ein Kloster eintreten, sein Ortspfarrer riet ihm jedoch davon ab. So
führte er weiterhin ein weltliches Leben. 1936 heiratete er Franziska Schwaninger,
die Hochzeitsreise führte nach Rom
zu den heiligen Stätten und einer Papstaudienz.
Jägerstätters Frömmigkeit wurde immer tiefer mit täglichem Besuch der
heiligen Messe, häufigem Empfang der EucharistieEucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.
und täglicher religiöser Lektüre. Im Januar 1938 wurde ihm in einem Traum die Unvereinbarkeit
der katholischen mit der nationalsozialistischen Weltanschauung deutlich. Nach dem
Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 wurde ihm die
Bürgermeisterstelle seines Heimatortes St.
Radegund angeboten, was er ablehnte. Bei der Abstimmung über den Anschluss
Österreichs an Deutschland im April stimmte er als einziger seines Orts mit
Nein
. Als 1940 Ortspfarrer Karobath wegen einer zersetzenden
Predigt
verhaftetet wurde, stand die Gemeinde hinter ihrem Pfarrer; als aber eine Frau
zehn Regimegegner bei der Gestapo denunzierte, gehörte Franz Jägerstätter zu den
Verratenen; da der Brief vom Briefträger abgefangen wurde, geschah nichts
Weiteres.
1940 wurde Franz zum Militär einberufen; im Dezember 1940 wurde er zusammen
mit einem Mitsoldaten in den Dritten
Orden der Franziskaner eingekleidet. 1941 erfuhr er in Ybbs
von der Praxis der Euthanasie
an psychisch Kranken. 1941 wurde er auf
Betreiben seiner Heimatgemeinde unabkömmlich
gestellt und konnte zu seiner
Familie zurückkehren. Ihm war inzwischen klar geworden, dass er einer weiteren
Einberufung nicht mehr Folge leisten werde: mitzukämpfen, dass Hitler die ganze
Welt beherrschen könne, sah er als persönliche Schuld und schwere Sünde an.
Franz besprach sich mit befreundeten Priestern, auch den Linzer
Bischof Fließer fragte er um Rat: Welcher Katholik getraut sich, diese Raubzüge,
die Deutschland schon in mehreren Ländern unternommen hat und noch immer
weiterführt, für einen gerechten und heiligen Krieg zu erklären?
Im Februar
1943 wurde Jägerstätter erneut zur Wehrmacht einberufen; in der Kaserne in Enns
sprach er seine Verweigerung aus. Sofort begannen Verhöre, noch am selben Tag
wurde er von Enns nach Linz ins Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis gebracht; dort
traf er zum ersten Mal Gesinnungsgenossen und er hörte von den
Widerstandshandlungen. Anfang Mai wurde er ins Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis
nach Berlin-Tegel
gebracht, Anfang Juli vom Reichskriegsgericht in Berlin-Charlottenburg
wegen Zersetzung der Wehrkraft
zum Tode und zum Verlust der Wehrwürdigkeit und
der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt, schließlich in Brandenburg
an der Havel als erstes von 16 Opfern dieses Tages enthauptet. Die ihm bis
zuletzt eingeräumte Möglichkeit zur bedingungslosen Rücknahme der Verweigerung
lehnte er standhaft ab.
Nach Kriegsende wurde im August 1946 Franz' Urne an der Kirchenmauer von St.
Radegund beigesetzt. Pfarrer Karobath setzte nach heftigen Kontroversen im
Dorf sogar durch, dass der Name Franz Jägerstätter unter den Toten des 2.
Weltkrieges auf dem Kriegerdenkmal aufgeführt wurde. 1997 hob das Berliner
Landgericht das Todesurteil auf. Die Diözese Linz
gab ein Heft mit Gebeten von Franz heraus. Der tschechische Komponist Pavel
Smutný komponierte 1998/99 die Missa Heroica
zur Förderung der
Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Das österreichische Parlament
rehabilitierte die NS-Gegner aus Gewissensgründen erst 2005. Das ehemalige
Wohnhaus der Familie Jägerstätter in St. Radegund ist als Begegnungs- und
Gedenkstätte erhalten und kann nach Terminvereinbarung besucht werden. Bei der
Seligsprechung übergab die 94-jährige Witwe von Jägerstätte dem Bistum Linz eine
Reliquie aus der Urne ihres Mannes. Der Gedenktag ist der Tauftag von Franz
Jägerstätter.
Kanonisation:
Die Seligsprechung wurde seit 1997 betrieben und erfolgte am 26. Oktober, dem
österreichischen Nationalfeiertag, 2007 in Linz.
Dabei waren unter den rund 5000 Gläubigen auch die Witwe Franziska Jägerstätter
und die drei Töchter.
Herbert
Huber bietet auf seiner Homepage einen Überblick
über das Leben von Franz Jagerstätter und seine Wirkungsgeschichte, dazu
links und Literaturhinweise. Auch die Diözese Linz hat eine Website mit vielen
Informationen
über Jägerstätter - auch in Englisch und Italienisch - eingerichtet.
Zum
Thema der christlichen Wehrdienstverweigerung und einer Theologie
des Martyriums bei Franz Jägerstätter und Dietrich Bonhoeffer gibt es einen
interessanten Vortrag von Paul Gerhard Schoenborn.
Radio
Vatikan stellte Franz
Jägerstätter anlässlich der Seligsprechung vor.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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