Ökumenisches Heiligenlexikon

Maximilian Maria (Rajmund) Kolbe

Gedenktag katholisch: 14. August
     geb. Gedenktag
     Regionalkalender deutsches Sprachgebiet
     Ordenskalender der Franziskaner und der Kapuziner
     Fest bei den Franziskaner-Minoriten
     geb. Gedenktag im Bistum Fulda: 17. August
Gedenktag evangelisch: 14. August (ELCA)
Gedenktag anglikanisch: 14. August
Name bedeutet: Max: der Größte
und: aus dem Geschlecht der Ämilier (latein.)
Mar: die Beleibte / die Schöne
/ die Bittere/ die von Gott Geliebte (aramäisch)
R: Rat und Schutz (althochdt.)
Priester, Ordensmann, Märtyrer
* 7. Januar 1894 in Zduńska Wola bei Lódz in Polen
† 14. August 1941 in Auschwitz, heute Oświęcim in Polen
Kartenskizze

Kartenskizze

Kartenskizze

Kolbe kurz vor seiner Verhaftung

Kolbe kurz vor seiner Verhaftung   

Rajmund Kolbe war Sohn eines einfachen Arbeiters, besuchte eine Schule der Franziskaner in Lemberg - dem heutigen L'viv - und trat im Alter von 17 Jahren unter dem Namen Maximilian Maria dem Minoritenorden der Franziskaner bei. Er konnte in Rom studieren und schon nach vier Jahren promovieren. Weil er die Wichtigkeit der missionarischen Arbeit erkannte, gründete er zusammen mit Freunden in Rom die Militia Immaculatae, die Miliz der Unbefleckten (Jungfrau Maria), als Gebetsgemeinschaft zur Bekehrung von Sündern. 1918 wurde er zum Priester geweiht, 1919 kehrte er nach Polen zurück als Lehrer für Philosophie und Kirchengeschichte am Priesterseminar der Franziskaner in Krakau; daneben widmete er sich der publizistischen Arbeit und gab christliche Zeitungen und Zeitschriften heraus. Nach einer Ruhepause auf Grund einer schweren Erkrankung an Tuberkulose gründete er 1927 in Teresin westlich Warschau das Kloster Niepokalanów, der Unbefleckten (Jungfrau Maria) Stadt, dessen Vorsteher er wurde. 1930 begab er sich zur Missionsarbeit nach Nagasaki in Japan, wieder war die Publizistik seine wichtigste Aufgabe. Im fernen Osten gründete er zahlreiche neue Missionsstationen; der Amateurfunk als Verständigungsmittel gutwilliger Menschen in aller Welt war ihm dabei hilfreich - auch später im Kloster hatte er seine Funkbude.

1936 kehrte Kolbe in seine Heimat zurück und leitete wieder sein Kloster. Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen im September 1939 fiel der engagierte Mann den Besatzern schnell unangenehm auf, im September 1940 wurde er verhaftet und ins Lager Oranienburg verbracht, aber im Dezember wieder freigelassen. Im Februar 1941 wurde er erneut verhaftet und ins Vernichtungslager in Auschwitz - dem heutigen Oświęcim - eingewiesen. Im Juli 1941 wurden bei einem Appell vor dem KZ-Kommandanten Fritsch zehn Männer ausgesondert, die als Strafaktion wegen der Flucht eines Gefangenen in den Hungerbunker eingeschlossen werden sollten. Einer der Ausgesonderten, Franz Gajowniczek, schrie laut auf und erinnerte unter Tränen an seine beiden Söhne; der am Appell teilnehmende Kolbe trat hervor und bot sein Leben für das des Familienvaters, was Fritsch akzeptierte.

Kolbe wurde also in den Hungerbunker gesteckt, tagelang habe man ihn singen und beten gehört. Nachdem die anderen neun Leidensgenossen schon verhungert waren, Kolbe aber noch wenige Lebenszeichen von sich gab, verabreichte der Lagerhenker ihm schließlich eine Giftspritze, was den endgültigen Tod bedeutete.

Die Wahrheit gebietet den Hinweis, dass auch Kolbe nicht frei war vom Antisemitismus, der damals nicht nur in Nazi-Kreisen zuhause war. In von ihm herausgegebenen katholischen Massenblättern konnte man lesen, dass Polen das biologische Hauptreservoir des Weltjudentums sei, das sich wie ein Krebsgeschwür in den Volkskörper fresse, deshalb gebe es nur eine Lösung: Die Juden müssen emigrieren. Auch nach der Befreiung des KZs und dem Kriegsende wurde in Polen weder von der kommunistischen Regierung noch von der katholischen Kirche der Holocoust wahrgenommen; für die Regierung war Oświęcim - nur - Ort des Mordens an Polen, für die katholische Kirche Stätte des Martyriums von Katholiken. Noch 1946 wurden in Kielce 42 überlebende Juden von empörten Polen ermordet, die der Mär von jüdischen Kindermördern glaubten; Antisemitismus wurde in Polen auch nach dem Krieg nicht problematisiert. Die Errichtung eines Kreuzes auf dem KZ-Gelände anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. erregete 1998 nicht nur jüdische Kritiker, weil damit diese Geschichtsklitterung dokumentiert und fortgesetzt werde.

Kanonisation: Kolbe wurde 1971 selig gesprochen. Bei der Heiligsprechung 1982 durch den polnischen Papst Johannes Paul II. war der gerettete Franz Gajowniczek auf dem Petersplatz in Rom zugegen.
Patron der Journalisten und Amateurfunker

Literatur zu Auschwitz

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon



Web 3.0 - Leserkommentare:

Sie schreiben: Die Wahrheit gebietet den Hinweis, dass auch Kolbe nicht frei war vom Antisemitismus, der damals nicht nur in Nazi-Kreisen zuhause war. In von ihm herausgegebenen katholischen Massenblättern konnte man lesen, dass Polen das biologische Hauptreservoir des Weltjudentums sei, das sich wie ein Krebsgeschwür in den Volkskörper fresse, deshalb gebe es nur eine Lösung: Die Juden müssen emigrieren.
Ich fände es mehr als angemessen, in diesem Zusammenhang aber auch zu erwähnen, dass Pater Kolbe in seinem Kloster Niepokalanóv in der Kriegszeit hunderte Juden und andere Flüchtlinge aufgenommen hat. Dazu ein Zitat aus dem Buch: Walter Nigg: Maximilian Kolbe: Der Märtyrer von Auschwitz. Herder, 2. Aufl., 1980; Seiten 44 bis 46:
(Zeitpunkt: nach Pater Kolbes Verhaftung und Verschleppung in das Lager Amtitz, dann Freilassung): Die Brüder kehrten zurück und fanden Niepokalanów in einem traurigen Zustand: Das Kloster war in der Zwischenzeit ausgeraubt worden. Pater Maximilian begann sofort mit der Wiederherstellung, und bald wurde Niepokalanów ein Zufluchtsort für ausgesiedelte Menschen, wie der euphemistische Ausdruck lautete. Zunächst beherbergte das Kloster über zweitausend Polen, und hernach kamen noch fünfzehnhundert Juden hinzu.
Das oben genannte Buch konstatiert zwar: Wie die meisten Polen, war auch Pater Kolbe nicht frei von Antisemitismus. Aber man sollte auch Folgendes beachten:
Was bei einer Begegnung zwischen den russischen Starzen und den jüdischen Chassidim geschehen wäre, könnte nur ein Dichter schildern, weil sie in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. Die Konfessionen lebten damals völlig getrennt voneinander, was sicher Christi Liebesgebot widersprach. Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich in der katholischen Kirche eine gewisse Änderung angebahnt. Bei Pater Kolbe geschah dies früher. Als die jüdischen Flüchtlinge nach Niepokalanów kamen, nahm er sie mit der gleichen Herzlichkeit auf wie seine polnischen Volksgenossen. Inmitten des bedrückenden Kriegsgeschehens überwand er jeglichen Antisemitismus, der wie ein häßliches Krebsgeschwür am Leibe der Christenheit wuchert. Das polnische Verhalten war wohl echt: in der Theorie widerlicher Antisemitismus und in der Notlage brüderliches Zusammenstehen. Das gemeinsame Kriegslos verwischte die konfessionellen Unterschiede (Mlodozeniec). Aller Antisemitismus war angesichts der bedrohlichen Situation wie ein böser Spuk verflogen. Die Juden erwähnten mit rühmenden Worten die wohltätige Gesinnung Kolbes. Die Begegnung mit dem jüdischen Menschen gehört zu den schönsten, aber auch kaum beachteten Erlebnissen im Leben Pater Kolbes. (Hervorhebungen von mir, J.M.B.)
Auch in anderen Büchern über Pater Kolbe habe ich gelesen, dass er vielen Juden während des Zweiten Weltkrieges in Niepokalanóv Zuflucht gab. Wenn ich die Stellen finde, schreibe ich Ihnen sie gern. Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon steht ebenfalls: In der Okkupationszeit bildete Niepokalanów einen Zufluchtsort für zahlreiche Flüchtlinge, auch jüdische Mitbürger, die auf Geheiß K.s dort Aufnahme fanden.

Weiterhin steht in Ihrem Heiligenlexikon-Beitrag über Pater Kolbe:
Auch nach der Befreiung des KZs und dem Kriegsende wurde in Polen weder von der kommunistischen Regierung noch von der katholischen Kirche der Holocoust wahrgenommen; für die Regierung war Oświęcim - nur - Ort des Mordens an Polen, für die katholische Kirche Stätte des Martyriums von Katholiken. Noch 1946 wurden in Kielce 42 überlebende Juden von empörten Polen ermordet, die der Mär von jüdischen Kindermördern glaubten; Antisemitismus wurde in Polen auch nach dem Krieg nicht problematisiert. Die Errichtung eines Kreuzes auf dem KZ-Gelände anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. erregete 1998 nicht nur jüdische Kritiker, weil damit diese Geschichtsklitterung dokumentiert und fortgesetzt werde.
Muss das in einen Artikel über Pater Kolbe? Ist das nicht vielmehr die Geschichte des Antisemitismus im Allgemeinen und Auschwitz-Geschichte im Speziellen? Was kann Pater Kolbe dafür?
Ich wäre dafür, den Platz lieber für den oben von mir belegten Hinweis auf die Beherbergung Hunderter Juden in Pater Kolbes Kloster Niepokalanów zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Jana Maria Bretschneider aus 82131 Gauting/Buchendorf über E-Mail, 10. Januar 2010




Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Erhard Gorys: Lexikon der Heiligen. dtv, München 1997
• http://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_Kolbe
• Gabriele Lesser: Geschichtslügen. Tageszeitung 15. August 1998



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