Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Kepler

Gedenktag evangelisch: 15. November
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Astronom
* 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt in Baden-Württemberg
† 15. November 1630 in Regensburg in Bayern
Kartenskizze
Kartenskizze
Kartenskizze
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Kepler, als Frühgeburt von sieben Monaten zur Welt gekommen, studierte mit einem Stipendium am Stift in Tübingen Evangelische Theologie, Mathematik und Astronomie. Weil er in seiner Jugend an Pocken erkrankt war und einen Augenschaden davon behielt, konnte er selbst keine Beobachtungen am Himmel machen - er sah wohl nie selbst einen Stern. Aber er hörte bei Professor Michael Mästlin zum ersten Mal von Kopernikus und seiner umwälzenden These, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Mittelpunkt des Planetensystems stehe. Weil sein kritischer Geist nicht mit den Dogmen der lutherischen Orthodoxie übereinstimmte - so hatte er neben der Frage des geozentrischen Weltbildes auch Differenzen in der Lehre über das Abendmahl - bekam er keine Anstellung in Württemberg. In Graz fand der 1594 eine berufliche Aufgabe als Landschaftsmathematiker und Lehrer am protestantischen Gymnasium.

1596 erschien seine Schrift Mysterium cosmographicum, Geheimnis des Weltbaus. 1600 wurde er Gehilfe von Tycho Brahe in Prag, nach dessen Tod 1601 wirkte er als sein Nachfolger im Amt als kaiserlicher Mathematiker und Hofastronom, wobei er nur unregelmäßig besoldet wurde. Tycho Brahe hatte durch präzise Beobachtung Zweifel an der kreisförmigen Bahn der Planeten gewonnen; Kepler versuchte zunächst, an der Kreistheorie festzuhalten, weil sie der göttlichen Harmonie entspreche. Aber 1605 erkannte er, dass die Bahn des Planeten Mars eine Ellipse ist - Grundlage für sein 1609 veröffentlichtes Hauptwerk Astronomia nova mit den ersten beiden von ihm entdeckten Gesetzen der Planetenbewegung: Alle Planeten bewegen sich auf elliptisachen Bahnen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht, und die Linie zwischen Planet und Sonne überstreicht in gleichen Zeiträumen gleiche Flächenstücke ws dazu führt, dass ein Planet in der Zeit, da er der Sonne näher ist, sich schneller bewegt. Kepler hat damit als erster eine Erklärung der Bewegung der Planeten gegeben, die deren Ursache in der Kraft der Sonne erkennt und ist damit neben Galieo Galilei der Begründer der modernen wissenschaftlichen Astronomie.

uhrwerkgetriebenes Planetarium

uhrwerkgetriebenes Planetarium

1612 wurde Kepler Professor in Linz, 1619 veröffentlichte er mit Harmonia muni das dritte Gesetz der Planetenbewegung: die zweite Potenz der Umlaufzeit von Planeten verhält sich wie die dritte Potenz ihrer mittleren Entfernung von der Sonne. Hinter dieser mathematischen Erkenntnis scheint Keplers mystisch-religiöses Denken auf: für ihn war der Himmel ein Abbild der Trinität Gottes als Dreiheit aus Sonne, Fixsternen und Weltraum. Bahnbrechendes leistete Kepler auch für die Optik mit den Grundlagen der geometrischen Optik und dem 1611 erschienen Dioptrice, worin er die Theorie der Linsen und des Fernrohrs entwickelte. Unterdessen war seine Mutter in Leonberg wegen Hexerei angeklagt worden; mit Hilfe von Freunden aus Tübingen kümmerte Kepler sich um die Verteidigung seiner Mutter, erreichte zunächst einen Freispruch und holte sie 1616 zu sich nach Linz; sie kehrte aber bald in ihre Heimat zurück, wurde wieder verhaftet, angeklagt, gefoltert; zum Prozess 1921 erschien Kepler selbst als ihr Verteidiger und erreichte schließlich ihre Freilassung, aber sie starb schon bald an den Folgen der Folter.

1626 musste Kepler den Wirren des Dreißigjährigen Krieges weichen und kam nach Ulm, 1628 nach Sagan - dem heutigen Żagań in Polen - in Diensten von Wallenstein. Der verlangte von ihm vor allem genaue Horoskope - Astronomie war damals stark mit der Astrologie verbunden; Kepler soll Wallensteins Sterbedatum vorausgesagt haben. Während einer Reise nach Linz machte er Station in Regensburg, um vom Kaiser ausstehenden Lohn in beträchtlicher Höhe einzufordern. Die Strapazen dieser Reise überlebte er nicht.

Keplers Grab in Regensburg ging in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verloren.

Gut aufbereitet sind die Seiten des Johannes-Kepler-Gymnasium in Leipzig mit Informationen über den Namenspatron der Schule.

Ausführliche Informationen zu Leben und Werk von Kepler hat auch das Institut für Datenverarbeitung in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz in Österreich.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:

• Chronik-Kalender 2005, Harenberg, Dortmund 2004
• Rainer Klüting: Johannes Keplers Kampf gegen sein eigenes Weltbild. Stuttgarter Zeitung, 16. Januar 2009


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