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Ökumenisches Heiligenlexikon

Gangolf

auch: Gengolf

Gedenktag katholisch: 11. Mai
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Bamberg

Name bedeutet: angreifender Wolf (althochdt.)

Märtyrer
* in Varennes-sur-Amance bei Langres in Frankreich
† um 760 (?) in Burgund in Frankreich


Der historische Gangolf war ein adliger Jäger und wohl Schutzherr des Klosters Bèze bei Langres; er wird als Märtyrer verehrt.

Moriz Schlachter: Statue am Gangolf-Altar, 1891, in der Pfarrkirche St. Gangolf in Wolpertswende bei Ravensburg
Moriz Schlachter: Statue am Gangolf-Altar, 1891, in der Pfarrkirche St. Gangolf in Wolpertswende

Die Legende erzählt, dass Gangolf, der Ritter am Hof von König Pippin dem Jüngeren war, auf dem Rückweg von der Teilnahme am Kreuzzug eine Quelle mitgebracht habe, die er seinem Heimatort in Varennes-sur-Amance zum Sprudeln brachte. Nach anderer Überlieferung entsprang überall dort eine Quelle, wo er seine Lanze in den Boden stach.

Seine Lebensgeschichte hat Hrotsvitha von Gandersheim um 960 modifiziert. Danach war Gangolf ein dem König Pippin nahestehender Heerführer und Jäger. Unterwegs trank er eines Tages von einer Quelle in einem blühenden Garten. Er erwarb den Platz, wurde aber von Freunden verhöhnt ob des zu hohen Preises, zumal die Quelle versiegte; Gangolf aber hatte dem armen Besitzer helfen wollen. Er lud seine Freunde zum Essen ein; während dieses bereitet wurde, stieß er seinen Stock in den Boden seines Gartens. Am nächsten Morgen senkte sich eine Wolke, plötzlich sprudelte die versiegte Quelle wieder und wurde durch sein Gebet heilkräftig.

Einige Zeit nach seiner Vermählung wurde ihm berichtet, dass seine Frau ihn mit einem Priester betrüge. Er befragte sie, sie beteuerte ihre Unschuld, Gangolf verlangte, dass sie zum Beweis ihre Hand in die Quelle tauche - da zog sie ihren Arm bis auf die Knochen verbrannt heraus. Er gewährte ihr Verzeihung, verbannte sie aber aus seinen Gemächern und schickte den Priester außer Landes. Von der Frau zurückgerufen und nachts eingelassen, damit er Gangolf ermorde, verletzte der Priester Gangolf tödlich und floh mit ihr. Am Grab des feierlich bestatteten Gangolf ereigneten sich Wunder; als seine Frau über diese höhnte, ereilte sie eine schändliche körperliche Strafe: hinfort entfleuchten ihrem Darm bei jedem Wort, das sie sprach, lautstarke Winde. Der betrügerische Priester starb an einer bösen Krankheit, die ihn innerlich zerriss.

Gangolf wurde schon im 9. Jahrhundert als Heiliger verehrt, nach Hrotsvithas Leidensgeschichte wurde der Kult weit verbreitet. Reliquien sind in Bamberg. In Harsefeld bei Stade wurde 969 vom neuen Herrschergeschlecht der Udonen eine Gangolf geweihte Kirche gegründet, der ein Chorherrenstift angegliedert wurde, das 1104 zum Benediktinerkloster umgewandelt wurde, welches 1648 nach dem Dreißigjährigen Krieg aufglöst wurde.

Attribute: als Ritter, Handkreuz tragend, an Quelle
Patron der Gerber, Schuhmacher, Kinder und Pferde; gegen Knieleiden, Haut- und Augenkrankheiten; bei Eheproblemen



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 13.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995
• http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ausgegraben-uralte-stiftskirche-in-harsefeld-entdeckt-a-977966.html
• Stefan Pappelau: Kirchenführer Katholische Pfarrkirche St. Gangolf, Wolpertswende 2014