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Ökumenisches Heiligenlexikon

Nikolaus Velimirović

italienischer Name: Nikolaj

Gedenktag orthodox: 6. März, 18. März, 3. Mai

Name bedeutet: der Sieger über das / aus dem Volk (griech.)

Bischof von Žiča und Ohrid
* 5. Januar 1881 in Lelić bei Valjevo in Serbien
† 18. März 1956 in South Canaan in Pennsylvania in den USA

Nikolaus Velimirović wuchs in einer frommen Familie auf. Er besuchte die Priesterschule in Belgrad und studierte an der altkatholischen Fakultät der Universität in Bern in der Schweiz, wo er zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. In Oxford in England studierte er weiter, entwickelte tiefe Freundschaft zur Anglikanischen Kirche und wurde der erste Nichtanglikaner, der in der St Paul’s Cathedral in London predigte. In Genf erwarb er sich einen weiteren Doktortitel mit einer philosophischen Arbeit über George Berkley. 1909 kehrte er nach Belgrad zurück, wurde Mönch im Kloster Rakovica in Belgrad und empfing die Priesterweihe. Um den starken nichtorthodoxen Einfluss auf Velimirović einzudämmen, schickte ihn der Belgrader Erzbischof zum Studium an die orthodoxe Fakultät nach St. Petersburg in Russland. 1911 wurde er Hilfslehrer am Priesterseminar in Belgrad berufen. Während der Balkankriege 1912 - 1913 wirkte er als Seelsorger und half Kranken, Armen und Leidenden.

1915 wurde Velimirović, der sieben Sprachen beherrschte, nach England und Amerika entsandt, um dort ausgewanderte Serben um Hilfe für ihr Heimatland zu bitten. 1919 zum Bischof von Žiča ernannt, 1921 nach Ohrid versetzt. Er war in seinem Bistum pastoral tätig, erneuerte zerstörte und verlassene Klöster und gründete mehrere Waisenheime. Es entstanden zahlreiche Schriften, so in den Jahren 1920 bis 1938 der Prolog von Ochrid im Sinne eines Vorworts zur Heiligen Schrift, der für jeden Tag die Tagesheiligen nennt *, ergänzt durch Hymnen, Betrachtungen, Homilien und einen Abschnitt Zum Nachdenken; bekannt und weit verbreitet wurden auch die Gebete am See.

1919 rief Velimirović die Bewegung der Bogomoljci, der Gottes Anbetenden, ins Leben als geistliche Bewegung von Laien aus dem einfachen Volk. In den 1930-er Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Prediger, trat Velimirović als die Hauptfigur und Stimme der Orthodoxie im Königreich Jugoslawien auf. Er vertrat die Vorstellung von einer Gesellschaft, die auf christlich-orthodoxen Traditionen und einer Monarchie gründen sollte. Als Antwort auf die zunehmende Verbreitung von faschistischen und rechtsnationalen Ideen begründete er den so genannten christlichen Nationalismus, der sich durch Rückbesinnung auf christliche Werte auszeichnen sollte, die er als nationales und kulturelles Fundament insbesondere der Serben betrachtete.

Tschetnik-Kommandant Momčilo R. Đujić mit Nikolaj Velimirovic, 1945 in Slowenien

Tschetnik-Kommandant Momčilo R. Đujić mit Nikolaj Velimirovic, 1945 in Slowenien

Velimirović wurde ebenso wie der Patriarch der Serbisch-Orthodoxen Kirche - die beiden galten als die einflussreichsten Vertreter der serbischen Orthodoxie - 1941 aufgrund ihrer Beziehungen zu Widerstandskämpfern von den nationalsozialistischen Besatzern festgenommen, erst in verschiedenen Klöstern interniert und 1944 ins Konzentrationslager Dachau überführt, weil sich beide weigerten, die Kommunistische Partei im Namen der Serbisch-Orthodoxen Kirche zu verurteilen. Im April 1945 wurde Velimirović aus dem KZ entlassen, um der antikommunistischen und monarchistischen Jugoslawischen Nationalarmee als religiöse Leitfigur zu dienen; bald schon wurde er nach Dachau zurückgebracht, schließlich nach Slowenien zurückgeführt, von dort zusammen mit dem serbischen Patriarchen nach Kitzbühel evakuiert und dort von der 36. US-Division befreit. Er emigrierte 1946 in die USA und lehrte dort an den Seminaren von Libertyville in Illinois, in Jordanville in New York und St. Tichon in South Canaan in Pennsylvania. Velimirović wurde zum Sprachrohr der serbischen Emigranten, die an der Monarchie festhielten und das kommunistische Jugoslawien ablehnten.

Velimirović wurde in einem serbisch-orthodoxen Kloster bei Libertyville in Illinois bestattet. 1991 wurden seine Gebeine in seinen Geburtsort Lelić überführt. Einige Reliquien kamen 2009 in die Serbische Orthodoxe Kirche Zur Auferstehung Christi in Wien.

Kanonisation: Die serbische Kirche sprach Nikolaus Velimirović 2003 heilig.

* Im Ökumenischen Heiligenlexikon verzeichnen wir in den Tagesübersichten alle Gedenktage nach diesem Prolog von Ochrid.

Web 3.0 - Kommentar:

Junge Heilige jeder Konfession bieten selbstverständlich auch Kritikansätze, wenn ihr Leben bekannt und ausführlich dokumentiert ist.
Nikolais in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts gegen andere orthodoxe Stimmen vertretener konservativer Anti-Ökumenismus findet heute noch Anhänger und Befürworter. Sein prominenter Schüler Justin (Popović) von Ćelje, gestorben 1979, heilig gesprochen am 29. April 2010, hat seine Gedanken bis in die Gegenwart fortgeführt. Allerdings widerspricht er einer nationalen Kirchenauffassung und bezeichnet sogar eine nationale orthodoxe Kirche als Sünde.
Schon im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts und noch verstärkt heute gibt es nur die Alternative Gläubige und Heiden. Bereits damals war das Konfessions-, teilweise sogar das Religionsdenken - zumindest bzgl. der monotheistischen Religionen - völlig überholt. Die Furcht vor einem römischen Missionsgebiet Jugoslawien war nationalistisch, nicht religiös begründet – die Serben waren orthodox, die Kroaten römisch-katholisch, die Bosnier islamisch. Es scheint bei Bischof Nikolai jedoch der Gedanke eines Groß-Serbien durch – dieses natürlich orthodox (R. Chrysostomus Grill, I. Sch.: Serbischer Messianismus und Europa bei Bischof Velimirović, St. Ottilien 1998). Selbst in der Gegenwart werden unter Berufung auf Traditionen immer noch Denkstrukturen des 19. Jahrhunderts vertreten – von allen Konfessionen. Die o. g. Alternative gläubig oder heidnisch stammt von einem Rabbi der Gegenwart, im Gespräch geäußert, nicht publiziert! Die Kirchen – orthodoxe, römisch-katholische, protestantische – sind vorhanden, und alle lokalen und zeitlichen Ausprägungen sind gerechtfertigt. Wir können nicht alle nur lateinisch, griechisch, kirchenslawisch (d. h. altbulgarisch!) oder arabisch zelebrieren! Die Überbetonung der konfessionellen Unterschiede schwächt jedoch das Christentum gegenüber anderen Religionen, in West- und Mitteleuropa besonders gegenüber dem Islam.

Dr. Guntram Michael Schwitalla M. A., E-Mail vom 22. April 2012





Quellen:
• Dr. Guntram Michael Schwitalla M. A., E-Mail vom 22. April 2012
• http://www.serbische-diozese.org/03/index.php?option=com_content&view=article&id=287%3Afestlicher-empfang-der-heiligen-reliquien-des-heiligen-bischof-nikolaj-velimirovi&catid=48%3Anews-&Itemid=75&lang=de