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Ökumenisches Heiligenlexikon

Website Petrus Canisius


Teil 2

© 1998 Institut für Kommunikation und Medien · Kaulbachstr. 22a · D-80539 München

Marienwerk des Canisius De Maria virgine

Unter der Leitung des Matthias Flacius (1520-1575), der nach seinem Geburtsland Istrien Illyricus genannt wurde, veröffentlichte seit 1559 eine Gruppe Magdeburger Theologen eine protestantische Kirchengeschichte. Darin versuchten sie, die seit der Geburt Christi stetig wachsende Verderbnis der katholischen Kirche nachzuweisen. Weil jeder Band ein Jahrhundert Kirchengeschichte behandelte, wurde das Werk, das von 1559-1574 in Basel erschien, Magdeburger Zenturien genannt. Trotz ihrer Polemik gegen die katholische Kirche bemühten sich die Verfasser, ihre Aussagen historisch zu begründen und die herangezogenen Quellen kritisch zu bewerten.

Im Auftrag Papst Pius V. begann Canisius 1567, eine Erwiderung auf die Magdeburger Zenturien zu schreiben. Neben einem Buch über Johannes den Täufer (De Joanne Baptista), das 1571 erschien, veröffentlichte er sechs Jahre später sein Werk über die Jungfrau Maria (De Maria virgine). Darin verteidigt Canisius den Glauben an die unbefleckte Empfängnis Mariens, ihre Jungfräulichkeit und Gottesmutterschaft sowie ihre leibliche Aufnahme in den Himmel.

Dieses große Marienwerk, das Canisius als Mariale bezeichnete, hatte eine große Wirkung, weil es gerade in der Zeit erschien, als die Marienverehrung in Bayern ihren Höhepunkt erreichte. In seiner Widmung an Herzog Albrecht V. von Bayern schreibt Canisius, dass die Andacht zu Maria tief im Herzen des bayerischen Volkes und seines Fürstenhauses verwurzelt sei. Für Herzog Wilhelm V. war Maria die Schutzherrin des katholischen Glaubens schlechthin. Deshalb weihte er 1581 die Stadt München der Gottesmutter von Altötting und machte vier Jahre später eine Wallfahrt nach Loreto.

Das persönliche Exemplar des Canisius, das er für die zweite Auflage überarbeitete, befindet sich in der Kantonsbibliothek in Freiburg in der Schweiz. Darin finden sich seitenweise handschriftliche Ergänzungen und Korrekturen, die den übergenauen Arbeitsstil von Canisius veranschaulichen. Dadurch verärgerte er seine Mitarbeiter, die sich deswegen bei Provinzial Hoffaeus und beim General beschwerten. Daraufhin bemühten sich beide, den Papst zur Rücknahme seines Auftrags zu bewegen. Gregor XIII. entpflichtete schließlich 1578 Canisius von dieser mühsamen Arbeit.

Jesuitenkolleg Klementinum in Prag

Das Jesuitenkolleg in Prag war die erste selbständige Gründung des Petrus Canisius. Den Anstoß dazu gab das Prager Domkapitel, das 1552 König Ferdinand I. bat, in der Stadt eine Jesuitenniederlassung zu errichten. Ferdinand begrüßte dies und sagte seine Unterstützung zu. Zwei Jahre später begannen die Verhandlungen über die Finanzierung des Kollegs, das im Coelestinerkloster Oybin bei Zittau untergebracht werden sollte. Dort waren die Mönche 1546 Lutheraner geworden und hatten das Kloster verlassen. Canisius lehnte jedoch Oybin wegen seiner Abgeschiedenheit als ungeeignet ab. Daraufhin wurde ihm das Kloster St. Klemens mitten in Prag angeboten, in dem noch fünf Dominikaner wohnten. Gleichzeitig erhielten die Jesuiten das Kloster Oybin, mit dessen Einnahmen sie das Kolleg unterhalten sollten. Obwohl König Ferdinand bereits im Oktober 1554 Ignatius um Entsendung von zwölf Jesuiten für das neue Kolleg bat und dessen Zusage bekam, fehlte das Geld für notwendige Umbauarbeiten.

Im Juni 1555 wurde Canisius von der Ordensleitung offiziell mit der Kollegsgründung in Prag beauftragt. Im Frühjahr 1556 reiste er nach Prag, um den Umbau voranzutreiben und die Ankunft der Jesuiten vorzubereiten. Wegen der antikatholischen Einstellung der Hussiten wählte Ignatius die Lehrer und Erzieher für das neuerbaute Kolleg sorgfältig aus. Neben einer allgemeinen Instruktion für alle gab er dem ersten Rektor Ursmar Goisson und jedem seiner Mitarbeiter genaue Anweisungen für ihre Tätigkeit in Prag. Daraufhin reisten die Jesuiten von Rom über Loreto, Ancona, Triest und Wien nach Prag, wo sie am 21. April 1556 eintrafen. Bis Ende Juni mussten sie das Klemenskloster mit den Dominikanern teilen.

Bei der Eröffnung des Kollegs am 8. Juli herrschte großer Andrang, weil die Jesuiten kostenlos unterrichteten und Schüler aller Konfessionen aufnahmen. Neben den damals üblichen Unterrichtsfächern lehrten sie auch Philosophie und Theologie. Dennoch ließ der Zulauf bald nach und die antikatholische Einstellung der Bevölkerung machte sich bemerkbar. Die Jesuiten lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen, weil ihre Unterkünfte nur notdürftig hergerichtet worden waren, und die Pächter in Oybin ihre Pacht nicht bezahlten.

Canisius vor dem Kolleg St. Salvator in Augsburg

Um Schülern eine gute Ausbildung zu geben und sie auf das Theologiestudium vorzubereiten, gründete Canisius in bedeutenden Städten Süddeutschlands Kollegien. Auf Wunsch des Augsburger Bischofs, Kardinal Otto Truchseß von Waldburg, übernahmen die Jesuiten 1563 in Dillingen das Hieronymus-Kolleg und die kurz vorher gegründete Universität.

Obwohl Canisius seit 1559 in Augsburg als Domprediger wirkte, dauerte es noch zwanzig Jahre, bis in der Stadt ein Jesuitenkolleg errichtet werden konnte. Nach dem Tod Christoph Fuggers, der 1579 ohne direkte Erben verstarb, wurde dessen Hinterlassenschaft zur Gründung einer Schule und zum Unterhalt von mindestens fünfzehn Jesuiten bestimmt. Weitere Schenkungen der Fugger, die Hilfe beim Grunderwerb durch den Stadtpfleger und Pfändungen von Einnahmen der Städte Landsberg und Friedberg durch Herzog Wilhelm V. von Bayern schufen die Voraussetzungen für die Gründung eines Kollegs in Augsburg. Die Grafen Philipp Eduard und Octavianus Fugger legten 1581 den Grundstein des Jesuitenkollegs St. Salvator, das ein Jahr später bezogen werden konnte. Im Mai 1584 wurde die Kirche geweiht, deren größte Glocke Octavianus Secundus gießen ließ. Die Familie Fugger unterstützte St. Salvator weiterhin mit Spenden, so dass die Jesuiten ihr Kolleg gut ausstatten konnten.

Ignatius überreicht Paul III. die Ordenssatzungen

Paul III. war ein Papst des Um- und Aufbruchs, der sich der Reform der Kirche verpflichtet wußte. Durch seine Bestätigung des Jesuitenordens am 27. September 1540 ermöglichte er dessen Mitgliedern, die katholische Glaubenslehre weltweit zu verkünden. Schon Ende 1538 hatten sich Ignatius von Loyola und seine Gefährten, die Gründer des neuen Ordens, dem Papst mit der Bitte zur Verfügung gestellt, sie dort einzusetzen, wo mehr für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen zu erreichen sei. Deshalb ersuchte der bayerische Herzog Wilhelm IV. den Papst, Jesuiten als Theologieprofessoren nach Ingolstadt zu senden. Paul III. und Ignatius, der General des Jesuitenordens, sahen darin eine Chance, zur Erneuerung und Festigung der katholischen Kirche in Deutschland beizutragen. In seinen Anweisungen empfahl deshalb 1549 Ignatius den nach Ingolstadt entsandten Jesuiten, der Universität und, soweit möglich, Deutschland darin zu helfen, was die Richtigkeit des Glaubens, den Gehorsam gegenüber der Kirche und schließlich die solide und gesunde Lehre und Lebensweise betrifft sowie Wege für die Errichtung von Kollegien der Gesellschaft Jesu zu ebnen.

Gründe, Petrus Canisius zum Leiter der für Deutschland bestimmten Jesuiten zu ernennen, waren wohl seine Sprachkenntnisse, sein gewandtes Auftreten und das Vertrauen, das ihm der Papst und Ignatius entgegenbrachten.

Canisius als Prediger

Predigen war für Canisius das würdigste, kräftigste und seligste Amt in der Kirche. Den Mangel an tüchtigen Predigern, die das Wort Gottes glaubwürdig verkündigen, bedauerte er außerordentlich. Darin sah er einen entscheidenden Grund für den Niedergang der Kirche, der zur Glaubensspaltung geführt hatte. Um den weiteren Verfall aufzuhalten, verfaßte Canisius Predigtbücher für Geistliche und bemühte sich, gute Prediger heranzubilden. Von den Jesuiten forderte er eine gründliche Ausbildung und ständige Schulung im Predigen.

Nach seiner Weihe zum Diakon im Dezember 1544 predigte Canisius oft mehrmals an Sonn- und Feiertagen und häufig während der Woche. Zur Vorbereitung auf Weihnachten und Ostern hielt er zahlreiche Advents- und Fastenpredigten. Seine Ansprachen bereitete er sorgfältig vor und arbeitete sie weitgehend schriftlich aus. Um seine Zuhörer geistlich zu erbauen, ihren Glauben zu festigen und zu vertiefen, predigte Canisius volkstümlich, verständlich und klar. Mit strittigen Glaubensfragen setzte er sich sachlich auseinander. Dabei stützte er sich hauptsächlich auf die Bibel, zitierte häufig Kirchenväter und verteidigte die Lehre der Kirche, ohne gehässig gegen den Protestantismus zu polemisieren.

Canisius predigte allen Schichten der Bevölkerung. Vor seiner Rückkehr nach Deutschland hielt er 1549 eine Ansprache vor Papst Paul III. Als Hofprediger in Wien Innsbruck und Landshut erinnerte er König Ferdinand I., der 1558 zum Kaiser gewählt wurde, sowie die Herzöge von Tirol und Bayern an ihre Pflicht, den katholischen Glauben zu verteidigen. In seinen Predigten auf Reichstagen forderte er Fürsten und Kardinäle auf, die Glaubensspaltung zu überwinden. Als Domprediger von Augsburg gelang es ihm, verunsicherte Katholiken zu stärken und zahlreiche Protestanten zur Rückkehr in die katholische Kirche zu bewegen.

Aus Dankbarkeit für die Predigten, die Canisius von 1580 bis 1596 in ihrer Stadt gehalten hat, ließen Katholiken aus Freiburg in der Schweiz 1635 zu seiner Ehre dieses Gemälde anfertigen. Es zeigt Canisius, wie er von der Kanzel aus den geistlichen und weltlichen Ständen predigt. Die Gottesmutter selbst reicht ihm aus den Wolken ein Buch herab. - Im Hintergrund erscheint die Silhouette von Freiburg.

Katechismus des Canisius 

Das bedeutendste Werk des Petrus Canisius sind seine drei Katechismen, die bis ins 19. Jahrhundert im Religionsunterricht und als Anleitungen zum christlichen Leben benutzt wurden. In einer einfachen, unpolemischen Sprache vermittelten sie die katholische Glaubenslehre, beantworteten sachlich die theologisch umstrittenen Fragen und trugen dadurch zur Erneuerung der Kirche bei.

Im Auftrag König Ferdinands I. erschien 1555 in Wien der Große Katechismus mit 211 Fragen in fünf Kapiteln. Er bot eine solide und präzise Darstellung der katholischen Lehre mit Belegstellen aus der Heiligen Schrift und den Kirchenvätern und war bestimmt als Handbuch für Geistliche, Studenten und gebildete Laien. Ein Jahr später gab Canisius eine im Sinne der Trienter Konzilsbeschlüsse überarbeitete und erweiterte Ausgabe heraus. Dieser Katechismus wurde rasch in viele europäische Sprachen übersetzt.

Als Auszug aus dem Großen erschien 1556 in Köln der Kleinste Katechismus, ein ganz kurzer Abriß der Glaubenslehre mit 59 Fragen in sechs Kapiteln und einigen Gebeten im Anhang. Er sollte im Religionsunterricht für Kinder und das einfache Volk benutzt werden. Damit wollte Canisius auch protestantischen Lehrbüchern entgegenwirken, in denen die religiösen Anschauungen der Reformatoren verbreitet wurden.

Im Religionsunterricht an Lateinschulen sollte der Kleine (bzw. Mittlere) Katechismus mit 122 Fragen in fünf Kapiteln benutzt werden, der 1558 in Köln erschien. Als der beste und erfolgreichste der drei Katechismen hält er den Mittelweg zwischen dem Großen und dem Kleinsten und bietet darüber hinaus eine Anleitung zur Beichte und Meditation. Bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts blieb er das maßgebliche katholische Religionsbuch im deutschen Sprachgebiet.

Obwohl sich die drei Katechismen an verschiedene Alters- und Bildungsgruppen richten, sind sie gleich aufgebaut:

  1. Vom Glauben und den zwölf Artikeln des Apostolischen Glaubensbekenntnisses;
  2. Von der Hoffnung und dem Vaterunser (und dem Gegrüßest seist du Maria);
  3. Von der Liebe und den zehn Geboten;
  4. Von der christlichen Gerechtigkeit (Von der Vermeidung der Sünde, von den guten Werken).

Bis zum Tod des Canisius erschienen vom Großen Katechismus 82, vom Kleinsten 121 lateinische und 13 deutsche Ausgaben. Der Canisi wurde zum Synonym für Katechismus und bildete fast bis in unsere Zeit die Grundlage der katholischen Glaubenserziehung. Wegen seiner Katechismen wurde Canisius 1925 bei der Heiligsprechung durch Papst Pius XI. auch zum Kirchenlehrer erhoben.

Canisius als Priester

Was Canisius als Priester gewirkt hat, wird angesichts seiner Leistungen als Berater, Ordensoberer und Schriftsteller leicht übersehen. Dabei feierte er täglich die heilige Messe, predigte an Sonn- und Feiertagen oft mehrmals und hörte regelmäßig Beichte. Canisius wollte ein vorbildlicher Priester sein, um denen ein Beispiel zu geben, die diesen Dienst vernachlässigten.

Darüber hinaus besuchte Canisius Kranke, um sie mit Medikamenten zu versorgen, ihnen die Kommunion zu bringen und mit ihnen zu beten. In Wien kümmerte er sich besonders um verwundete Soldaten, die von der Front gegen die Türken heimkehrten. Da sie keinerlei Unterstützung bekamen, besorgte ihnen Canisius Unterkünfte, Kleidung und Verpflegung und organisierte ihre medizinische Betreuung. Für Krankenseelsorger verfaßte er einen kurzen, mehrsprachigen Leitfaden mit Gebeten und Hinweisen für die Begleitung Sterbender.

Ein ebenso großes Anliegen war für ihn die Betreuung der Häftlinge in den Wiener Gefängnissen. Nach anfänglichen Widerständen der Gefängnisleitung erhielt Canisius die Erlaubnis, Häftlinge zu besuchen, um sie zu einem christlichen Leben zu bewegen. Durch Besuche und kleine Geschenke konnte er das Vertrauen der Inhaftierten gewinnen und ihre Haftbedingungen erleichtern.

Seine guten Beziehungen zu Reichen und Wohlhabenden nutzte Canisius, um Unterstützung für Arme und Hilfsbedürftige zu erbitten. Dazu gehörten auch die schuldlos verarmten Katholiken, die in der Fuggerei in Augsburg lebten, wo Canisius häufig die EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. feierte. Wie wichtig für ihn die religiöse Erziehung der Kinder und Jugendlichen war, zeigen seine Katechismen und das ständige Bemühen, sie im katholischen Glauben zu unterweisen und zu einem religiösen Leben zu ermutigen.

Bei seinem Bemühen, Arme und Reiche zum Glauben zu führen, hielt sich Canisius an das Wort des Apostels Paulus, der den Christen in Korinth schrieb: Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten (1 Kor 9,22).

Canisius-Altar im Dom, Augsburg

Neben Wittenberg, Worms und der Wartburg bei Eisenach gehörte Augsburg zu den Zentren der Reformation. Hier wurden Gedanken formuliert, Dokumente vorgelegt und Reichstagsbeschlüsse gefaßt, die bis heute weit über den religiösen Rahmen hinaus kulturgeschichtliche Bedeutung gewonnen haben. So war der Augsburger Religionsfriede von 1555 der erste Versuch, durch reichsrechtliche Regelung das Verhältnis der Konfessionen friedlich auf der Basis einer begrenzten Gleichberechtigung zu ordnen, wobei die wirkliche Gewissensfreiheit nur in den freien Reichsstädten vorgesehen war.

Um das Jahr 1550 war die katholische Kirche in Augsburg auf einem Tiefpunkt angelangt. Die Zahl der Katholiken war auf 7.000 zusammengeschmolzen und der innere Zustand vieler Ordensgemeinschaften war katastrophal. In dieser kritischen Situation starb der Domprediger Johannes Fabri.

Als Bischof von Augsburg und eifriger Förderer der Jesuiten trug daraufhin Kardinal Otto Truchseß von Waldburg 1559 Canisius, der sich wegen des Reichstages gerade in Augsburg aufhielt, die Nachfolge Fabris auf der Domkanzel an. Damit begann für Canisius eine sechsjährige, von Katholiken und Protestanten heiß umkämpfte und viel diskutierte Tätigkeit als Domprediger.

Dank seiner hervorragenden Predigten und Aktivitäten in der Seelsorge wurde Canisius rasch zu einer dominieren den Persönlichkeit mit überregionaler Ausstrahlungskraft. Durch seine Bemühungen stabilisierte sich die Zahl der Katholiken und viele Gläubige, die unsicher und schwankend geworden waren, blieben der katholischen Kirche treu. Canisius selbst wollte Augsburg zu einem Zentrum der Gegenreformation machen und schrieb deshalb 1559 an Ordensgeneral Jakob Lainez: Wien bildet die Grenze Deutschlands, Prag ist böhmisch, Ingolstadt ist ein unbekannter Ort …, Augsburg aber könnte uns einen herrlichen Sitz bieten und eine hervorragende Burg, von der aus wir ganz Deutschland überblicken und unterstützen können unter Mithilfe Gottes. Diese weitreichenden Pläne wurden jedoch nicht realisiert, weil die Ordensleitung nicht die Absicht hatte, Jesuiten dauerhaft an einen einzigen Ort zu binden.

Die erfolgreichen ersten Jahre seines Wirkens hatten seine Gegner in den Hintergrund treten lassen. Ab 1564 verschärfte sich die Opposition gegen ihn, die vor allem seine häufige Abwesenheit von Augsburg kritisierte. Der Auseinandersetzungen müde geworden, ließ sich Canisius im Juli 1566 vom Amt des Dompredigers entbinden.

Noch heute erinnert im Augsburger Dom der Canisius-Altar an sein erfolgreiches Wirken.

Kelch des Canisius, 1570

Bis Ende 1559 hielt Canisius im Dom und anderen Kirchen Augsburgs nicht weniger als fünfzig Predigten, die von Mal zu Mal besser besucht wurden. Nach eigenen Angaben konvertierten bis Ostern des nächsten Jahres neunhundert Personen zum katholischen Glauben. Weitaus wichtiger war jedoch, daß er diejenigen, die in Gefahr waren, vom Glauben abzufallen, davon abhalten konnte.

In Augsburg sah ich eine Frömmigkeit, wie ich sie in Köln nicht angetroffen habe. Viele Gläubige, und unter ihnen vornehme Leute, knieten während der ganzen Messe auf dem bloßen Boden, so schilderte ein niederländischer Ordensmann, der auf einer Romreise durch Augsburg kam, seine Eindrücke. Die oft an sehr praktischen Lebensfragen orientierten Predigten von Canisius sollten ebenso zu einer christlichen Lebensführung anhalten wie die Exerzitien, mit denen er sich speziell an die Führungsschicht wandte. Schon frühzeitig konnte er zwei spektakuläre Konversionserfolge verbuchen: 1560 traten Sibylla von Eberstein, die Gemahlin Markus Fuggers, und auf ihr Beispiel hin deren Schwägerin, Ursula von Lichtenstein, die Frau Georg Fuggers, zur katholischen Kirche über.

Der Glaubenswechsel von Mitgliedern der Familie Fugger sowie weiterer Adeliger und die Begleitumstände, unter denen er sich vollzog, fanden große Beachtung in der Bevölkerung und führten im Frühjahr 1561 erneut zu einer Welle von Konversionen. In diesem Zusammenhang spielte eine bei Katholiken und Protestanten gleich großes Aufsehen erregende, wenn natürlich auch sehr unterschiedlich beurteilte Krankenheilung durch Canisius eine große Rolle. Ein siebzehn Jahre altes, adeliges Kammermädchen im Hause Fugger litt von Kindheit an unter einer unheilbaren Krankheit. Sie wurde erst davon befreit, als Canisius mit ihr sowie mit Markus Fugger und dessen Gemahlin, der schon erwähnten Sibylla von Eberstein, eine Wallfahrt nach Altötting machte und dort rituelle Gebete der Kirche über sie sprach. Aus Dankbarkeit stifteten Graf Fugger und seine Gemahlin einen prächtigen, mit Inschrift und Wappen der Fugger versehenen, vergoldeten Silberkelch, der auch heute noch in der Schatzkammer von Altötting aufbewahrt wird. Martin Eisengrein, der bekannte und einflußreiche Propst dieser Kirche, verfaßte 1571 einen gedruckten Bericht darüber, der schnell Verbreitung fand und der Altöttinger Wallfahrt zu einem raschen und stetigen Anstieg verhalf.

Einige Jahre später unterstützte Canisius tatkräftig den bayerischen Herzog Wilhelm V. bei seinen Bemühungen, in Altötting eine Liebfrauenbruderschaft zur Verehrung der Gottesmutter zu gründen, und trug so erneut dazu bei, dass die Wallfahrtsstätte bei Katholiken aller Bevölkerungsschichten an Ansehen gewann.

Canisius und Melanchthon, Religionsgespräch zu Worms, 1557

Um theologische Meinungsverschiedenheiten beizulegen und die Glaubensspaltung zu überwinden, wurden in der Reformationszeit häufig Religionsgespräche zwischen katholischen und protestantischen Theologen geführt. Auf Befehl König Ferdinands I. reiste Canisius von Ingolstadt zum Religionsgespräch nach Worms, das vom 11. September bis 8. Oktober 1557 stattfand. Dort beauftragten ihn die katholischen Teilnehmer, in ihrem Namen schriftlich und mündlich den Gegnern Antwort zu stehen. Sprecher der protestantischen Theologen war Philipp Melanchthon (1497-1560). Während er und seine Anhänger ihre Auffassungen ausschließlich aus der Heiligen Schrift begründeten, beriefen sich die katholischen Theologen auch auf die Kirchväter und die kirchliche Tradition. Wegen des Zwiespaltes unter den protestantischen Teilnehmern wurde das Gespräch ergebnislos abgebrochen.

In seiner Flugschrift Abschied der Gesandten Augsburgischer Confession machte Melanchthon die katholischen Teilnehmer für das Scheitern des Einigungsversuches verantwortlich. Canisius antwortete darauf in seiner Schrift Vom Abschiedt des Colloquij zu Wormbs und stellte fest, dass die protestantischen Theologen niemals eine Einigung im Sinn gehabt hätten, sondern nur darauf aus gewesen seien, dem Papstthum einen stattlichen Abbruch zu thun. Durch ihre inneren Zwistigkeiten falle deshalb der Ausgang des Wormser Religionsgespräches anfänglich und allein den Protestanten zur Last.

Trotz seiner harten Kritik bedauerte Canisius den unglücklichen Verlauf des Religionsgespräches, weil er unter der Glaubensspaltung litt und sich deswegen unermüdlich für die Einheit der Kirche einsetzte.

Konzil zu Trient, 1545-1563

Auf dem Konzil von Trient, das mit längeren Unterbrechungen von 1545 bis 1563 dauerte, war Canisius nur etwa drei Monate. Vom 14. April bis 17. Juni 1547 nahm er als Theologe des Augsburger Bischofs, Kardinal Otto Truchseß von Waldburg, erstmals am Konzil teil, das aus politischen Gründen nach Bologna verlegt worden war. Dort lernte er mit Jakob Lainez, Alfons Salmeron und Claudius Jajus Gründungsväter des Jesuitenordens kennen. In der Theologenversammlung, die parallel zu den Sitzungen der Konzilsväter tagte, sprach er über Beichte, Krankensalbung, Ehe und Priesterweihe. Da in Bologna nur ein Teil der Konzilsväter anwesend war und deshalb keine Beschlüsse gefaßt werden konnten, vertagten die päpstlichen Legaten am 11. Juni die nächste Sitzung des Konzils auf unbestimmte Zeit. Canisius brach daraufhin nach Rom auf, um Ignatius von Loyola zu treffen.

Fünfzehn Jahre später berief ihn Kardinal Stanislaus Hosius zum Konzil. Diesmal war Canisius vom 14. Mai bis zum 20. Juni 1562 in Trient. Er beteiligte sich an den Beratungen der Theologen und gehörte zur Indexkommission, die eine Milderung der strengen Bücherverbote erreichte. Vor den Konzilstheologen sprach er über die Kelchkommunion. Canisius wollte sie katholischen Laien gestatten, die unter Andersgläubigen lebten, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe, sie in der Kirche zu halten. Aus theologischen und pastoralen Gründen verteidigte er den Zölibat und lehnte verheiratete Priester ab.

Bedeutender als seine Anwesenheit auf dem Konzil von Trient war die Berufung von Canisius in die Theologenkommission nach Innsbruck, die 1563 Kaiser Ferdinand I. in Konzilsfragen beriet. Canisius konnte den Kaiser, der die päpstliche KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan. nreform und die Kelchkommunion unbedingt durchsetzen wollte, zu einer versöhnlichen Haltung bewegen. Dies war eine wesentliche Voraussetzung für den positiven Ausgang des Konzils, das am 4. Dezember 1563 zu Ende ging. Im Auftrag des Papstes überbrachte Canisius zwei Jahre später den deutschen Bischöfen und Fürsten die Konzilsdekrete, die auf dem Reichstag in Augsburg von den katholischen Ständen angenommen wurden.

Canisius als Missionar Europas mit Ignatius

Als Apostel Deutschlands leistete Petrus Canisius seinen Beitrag zur Mission der Jesuiten in Europa, die Christoph Thomas Scheffler 1751 auf diesem Deckenfresko im Langhaus der Dillinger Studienkirche dargestellt hat. Da es sich um eine Marienkirche handelte, hob der Künstler die Bedeutung der Gottesmutter für die apostolische Tätigkeit der Gesellschaft Jesu besonders hervor. Wie die Heiligen Ignatius von Loyola, Franz Borgia und Franz Regis (nicht im Bild), gehörte für Scheffler auch Canisius zu den großen Marienverehrern.

Der Maler zeigt uns Canisius links oben am Schreibtisch, an dem ein Großteil seines Lebenswerkes entstand. In mehreren Schriften verteidigte Canisius gegen Luther (mit Halskrause) und Calvin (mit Schlange) die Heiligen- und Marienverehrung. Dabei bemühte er sich um eine sachliche Auseinandersetzung mit den Reformatoren und behandelte sie nicht so abstoßend, wie es der Künstler hier dargestellt hat. Darüber hinaus verfaßte Canisius Gebetbücher, Heiligenbiographien und Katechismen, um die katholische Glaubenslehre zu verbreiten, das religiöse Leben zu vertiefen und die Kirche zu erneuern. Er schrieb Berichte und Gutachten für Papst, Kaiser und Bischöfe, um sie über die Situation in Deutschland zu informieren und Wege zur Überwindung der Glaubensspaltung aufzuzeigen.

Da ihm die Erziehung der Jugend am Herzen lag, wandte sich Canisius in zahlreichen Briefen an Könige und Fürsten, um sie zur Gründung von Kollegien zu bewegen. Seine Ordensoberen in Rom bedrängte er, tüchtige Lehrer und Erzieher nach Deutschland zu senden. Als Rektor der Universität Ingolstadt entwarf er Reformvorschläge, um die Studienbedingungen zu verbessern. Sein Briefwechsel mit Kardinal Otto Truchseß von Waldburg dokumentiert, wie sehr sich Canisius für die Universität Dillingen einsetzte, deren Szepter ihm der Bischof von Augsburg 1564 überreicht hatte. Seine zahlreichen Veröffentlichungen sowie die umfangreiche Sammlung von Briefen und Dokumenten, die Otto Braunsberger SJ in mehreren Bänden herausgegeben hat, lassen erkennen, wie missionarisch über Grenzen hinweg, Canisius am Schreibtisch tätig war.

Sterbezimmer des Canisius

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Petrus Canisius in Freiburg in der Schweiz. Dorthin hatte ihn 1580 sein Provinzial Paul Hoffaeus versetzt, um ein Jesuitenkolleg zu errichten. Nachdem Canisius alle Vorbereitungen für die Eröffnung getroffen hatte, übernahm jedoch Peter Michel SJ 1582 die Leitung der Schule.

Canisius konnte sich jetzt ganz der Seelsorge und Schriftstellerei widmen. Er überarbeitete seine Katechismen, die in mehreren Auflagen und Übersetzungen vorlagen, und verbesserte seine Werke über Johannes den Täufer und Maria. Daneben verfaßte er Gebetbücher und Heiligenbiographien. Seine Erläuterungen zu den Sonntagsevangelien schrieb er als Predigthilfen für KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. .

Ein schwerer Schlaganfall zwang ihn 1591, seine Tätigkeiten einzuschränken. Dennoch hielt Canisius bei der Eröffnung des Kollegs am 5. August 1596 mit schwacher Stimme die Festansprache. Sie war seit mehreren Jahren wieder die erste - und seine letzte. Nach längerer Krankheit starb er am 21. Dezember 1597. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde Canisius in der Sankt Nikolauskirche in Freiburg vor dem Hochaltar beigesetzt. Die feierliche Totenrede hielt Stiftspropst Sebastian Werro.

Das Sterbezimmer des Petrus Canisius wurde 1636 in eine Kapelle umgebaut. Dies zeigt, wie die Verehrung des Canisius schon bald nach seinem Tode einsetzte.

Büste des Petrus Canisius

Ein bedeutendes Beispiel für die Canisius-Verehrung des 20. Jahrhunderts ist die Pfarrkirche St. Canisius in München-Großhadern. Die Bronzebüste des Canisius steht in einem eigenen Zentralbau unter der Empore im Westen der Kirche. Die Büste des zu dieser Zeit in München tätigen Bildhauers Oskar Schweigardt-Sevart von 1928 geht noch immer von dem 1599 gestochenen Altersbild des Canisius aus (Dia Nr. 34); durch den wachen, auf den Betrachter konzentrierten Gesichtsausdruck des Dargestellten vermittelt es jedoch einen lebendigen Eindruck von dem großen Prediger, Schriftsteller und einflußreichen Kirchenpolitiker Petrus Canisius.

Das Wirken und Arbeiten des Petrus Canisius für die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz war zu seinen Lebzeiten gewaltig und blieb es noch Jahrhunderte darüber hinaus. Er trug mit seinen Predigten und Schriften viel zur religiösen und sozialen Reform bei. Sein verdienstvollstes und wirksamstes Werk, der Katechismus, blieb bis in unser Jahrhundert hinein das meistaufgelegte Schulbuch für den katholischen Religionsunterricht.

Auf seine Verdienste als Schriftsteller gründet sich der Canisius am 21. Mai 1925 gleichzeitig mit der Heiligsprechung durch Papst Pius XI. verliehene Ehrentitel als Kirchenlehrer. Zweiter Apostel Deutschlands nach Bonifatius hatte 1897 Papst Leo XIII. den großen Prediger, Schriftsteller und Erneuerer der katholischen Kirche in Deutschland genannt, da er - wie einst der heilige Bonifatius die deutsche Kirche gründete - großen Anteil an ihrem neuen Aufbau im 16. Jahrhundert, d. h. der religiösen Erneuerung und Festigung des alten Glaubens in den deutschsprachigen Gebieten, hatte. Auch preist er die Katechismen als weltberühmt und ausgezeichnet durch Feinheit des Stils, würdig des Griffels der Kirchenväter.

Die Heiligsprechung des Canisius (sein Gedenktag ist der 27. April) löste eine neue Welle von Darstellungen aus und es entstanden eine große Zahl von Denkmälern und Kirchenbauten an allen Wirkungsorten des Heiligen. Heute tragen viele Pfarreien, Gymnasien, Krankenhäuser u. a. Einrichtungen, aber auch Vereine und Zeitschriften seinen Namen.


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