
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Barnabas, Apost. (11. Juni). Vom Chald. Bar = Sohn, und naba = weissagen,
als Prophet sprechen, ermahnen, trösten, daher (nach Apstg. 4, 36) Sohn des
Trostes etc. - Der hl. Barnabas wird von den ältesten Kirchenvätern und vom hl.
Evangelisten Lucas selbst (Apstg. 14, 13) mit dem Namen
Apostel
belegt, obwohl er nicht zu den Zwölfen gehörte, und er hat diesen
Titel wahrscheinlich deßwegen erhalten, weil ihn der hl. Geist auf ganz
besondere Weise zum Apostolat unter den Heiden berufen (Apstg. 13, 2) und weil
er an Allem, was die Apostel zur Begründung des Christenthums thaten, großen
Antheil hatte. Er hieß eigentlich Jose, Joses (abgekürzt statt Joseph), war aus
dem Stamme Levi, von der Insel Cypern gebürtig, und erhielt von den Aposteln
einen Beinamen, um ihn von einem andern Joses (Joseph) zu unterscheiden, welcher,
nach Apstg. 1, 23 mit dem Matthias zur Apostelwahl
vorgeschlagen, den hebr. Beinamen Barsabas und den lat. Beinamen Justus hatte.
Den Beinamen Barnabas (Sohn des Trostes) scheint er aber nach Apstg. 4, 36 wegen
des großes Trostes erhalten zu haben, von welchem er selbst erfüllt war und auch
Andere durch seine Lehre und sein Beispiel erfüllte, oder nach Chrysostemus,
wegen seiner besonderen Gabe, die Betrübten zu trösten. Die Griechen sind der
Meinung, er sei von seinen Eltern nach Jerusalem geschickt worden, wo er mit dem
hl. Paulus die Schule des Gamaliel
besucht habe, und sei einer der Ersten oder gar der Verzüglichste unter den 72
Jüngern Jesu gewesen. Um desto ungehinderter das Christenthum verbreiten, und
als wahrer Jünger Christi das Seinige zum
gemeinsamen Wohle der Kirche opfern zu können, legte er den Werth seines Ackers
den Aposteln zu Füßen (Apstg. 4, 36. 37), durch welches Beispiel, zum nicht
geringen Troste der jungen Kirche, Viele aufgemuntert wurden, auf ihr Eigenthum
zu verzichten und ähnliche Beiträge zu machen. Der Umstand, daß an dieser Stelle
nur der hl. Barnabas erwähnt wird, läßt schließen, er habe nicht nur ein
beträchtliches Gut besessen, sondern sei auch der Erste gewesen, der das
Beispiel einer so großmüthigen Verachtung des Irdischen gegeben. Als der hl.
Paulus drei Jahre nach seiner Bekehrung nach Jerusalem gekommen war, trugen die
Gläubigen Bedenken, ihn in die Versammlung aufzunehmen; allein der hl. Barnabas,
der ihn besonders kannte, stellte ihn dem Petrus und
Jakobus vor, und seine Empfehlung hatte
ein solches Gewicht, daß Petrus den Paulus in seine Wohnung aufnahm und fünfzehn
Tage mit ihm zubrachte (Apstg. 9, 27; vgl. Gal. 1, 18). Da vier oder fünf Jahre
nachher das Christenthum zu Antiochia große Fortschritte machte, (besonders
durch den Eifer der Glaubenslehrer Lucius von Cyrene, Manahen und Simon Niger),
und die Gemeinde von Jerusalem Jemand mit
höherer Weihe dahin senden wollte, fiel die Wahl auf den hl. Barnabas, der
sofort dahin reiste und mit dem hl. Paulus, den er aus Tarsus in Cicilien
herbeiholte, ein ganzes Jahr dort verweilte, wo die Gläubigen zuerst Christen
genannt wurden (Apstg. 11, 22-26), dann in der von Agabus vorhergesagten
Hungersnoth Almosen nach Jerusalem brachte (V. 29. 30) und endlich wieder nach
Antiochia zurückkehrte (12,25). Von hier unternahm der hl. Barnabas mit dem hl.
Paulus, nachdem sie Beide als Heidenapostel bestellt worden waren, eine größere
Bekehrungsreise nach Cypern und in die Städte Kleinasiens (13,1-7. 13. 14.),
erlitt Verfolgung zu Antiochia in Pisidien (13,43. 50) und zu Ikonium (14, 1-6),
und wurde zu Lystra wegen seines majestätischen oder ehrwürdigen Ansehens von
den Einwohnern für Jupiter gehalten, so daß man ihm und seinem Gefährten, den
man wegen der Redegabe für den Mercur hielt, opfern wollte (V. 11-17), und
reiste endlich nach Antiochia zurück (V. 19-25). Wegen der bekannten
Streitigkeiten über die Verbindlichkeit des mosaischen Ceremonial-Gesetzes wurde
er mit Paulus nach Jerusalem gesendet, und nachdem hierüber im J. 51 oder 52 n.
Chr. das erste Concilium gehalten worden war, brachten sie mit noch einigen
Anderen den apostol. Beschluß nach Antiochia zurück, welcher die Neubekehrten
von der Beobachtung der mosaischen Satzungen frei sprach (15,2-4. 22. 25. 30.
35). Bei einer zweiten Reise, welche sie antreten wollten, wurden sie wegen der
Wahl eines Gefährten verschiedener Meinung und trennten sich (V. 36-39), worauf
der hl. Barnabas mit Johannes Marcus nach Cypern
segelte (V. 39). Hier endigen die biblischen Nachrichten über den hl. Barnabas.
Nach Theodoret schloß er sich in der Folge wieder an den hl. Paulus an, der ihn
mit Titus nach Korinth
schickte. Dorotheus und Andere sagen, er habe eine Reise nach Rom gemacht; nach
alten Ueberlieferungen, die aus dem 4. Jahrh. zu seyn scheinen, soll er das
Evangelium auch in Mailand verkündet und die dortige Kirche gegründet haben,
weßwegen ihn die Stadt Mailand als einen ihrer Patrone verehrt. Es ist dort noch
eine ihm geweihte Kirche, von welcher die Barnabiten * im J.
1545 ihren Namen erhielten. Der hl. Karl Borromäus nennt ihn in einer seiner Predigten
den Apostel von Mailand
. - Allein so ausgedehnt auch der Eifer des hl. Barnabas
war, hielt er sich doch, wie es scheint, hauptsächlich verpflichtet, an der
Heiligung seiner Mitbürger arbeiten zu müssen, unter denen er auch sein Leben
durch den Martyrtod beschloß. Da nämlich (so erzählt Alexander, ein Ordensman
von Cypern, der im 6. Jahrhundert schrieb) auf der Insel Cypern das Christenthum
durch die Bemühungen des heil. Apostels beträchtliche Fortschritte machte,
geschah es, daß die Juden, die ihn in Syrien verfolgt hatten, auch nach Salamis
(einer alten Stadt auf der Insel Cypern) kamen und die Mächtigsten dieser
Stadt gegen ihn aufbrachten. Er wurde verhaftet und nach vielen vom Volke
erduldeten Beschimpfungen und Qualen zuletzt gesteinigt, weßhalb er auch
gewöhnlich dargestellt wird, wie er die Steinigung erleidet. Wann er den
Martyrtod erlitten habe, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben; man hält aber
dafür, es sei dieses unter Kaiser Nero geschehen. Andere nennen das Jahr 53 n.
Chr.; allein da der hl. Paulus in seinem ersten Briefe an die Korinther (9,6),
welcher i. J. 57 oder 58 geschrieben wurde, des hl. Barnabas als noch lebend
erwähnt, so muß sein Tod in eine spätere Zeit fallen; der hl. Chrysostomus meint,
er sei i. J. 63 noch nicht gestorben gewesen. (Butler VIII. 44). Andere setzen
seinen Tod noch um einige Jahre weiter hinaus. Seine Reliquien wurden in der
Folge bei der Stadt Salamis aufgefunden, wo eine Abschrift des Evangeliums des
hl. Matthäus in hebräischer Sprache auf seiner
Brust lag, welche Abschrift von
seiner Hand gefertigt war und nach Suidas i. J. 485 an Kaiser Zeno geschickt
wurde. Später kamen seine Reliquien nach Europa und wurden in verschiedene
Städte, wie Mailand, Pavia, Genua, Cremona, Florenz, Toulouse, Tournai, Köln,
Prag und andere Orte zerstreut. Was die Charakteristik betrifft, welche die hl.
Schrift von ihm macht, so nennt sie ihn einen guten Mann, voll des hl. Geistes
und des Glaubens
(Apstg. 11, 24). Ein so vollkommener Glaube war nicht nur mit
der glänzendsten Wundergabe verbunden, sondern mit solchem hingebenden Eifer für
die Sache Jesu Christi, daß die zu Jerusalem versammelten Apostel über ihn und
Paulus an die zu Antiochia schreiben konnten: Wir haben euch in diesen Männer
gesendet, welche ihr Leben schon preisgegeben haben für den Namen unsers Herrn
Jesu Christi
(Apstg. 15, 26). - Vom hl. Apostel Barnabas ist auch ein Brief
vorhanden, welcher bei Origenes den Titel epistole katolikn (katholischer Brief)
führt. Man hat die Aechtheit dieses Briefes in der neueren und neuesten Zeit mit
Unrecht bezweifelt. Zwar wurde er nicht unter die apostolischen Schriften
aufgenommen, weil Barnabas nur ein Schüler der Apostel und nicht, wie Paulus,
ein unmittelbar von Christus bestellter Apostel war; allein jedenfalls hat er
den zweiten Rang nach den apostolischen Schriften, weßwegen der hl. Barnabas
auch zu den apostolischen Vätern gerechnet wird. ** Dagegen
haben ihn Einige ganz
mit Unrecht für den Verfasser des Briefes an die Hebräer
gehalten, da doch
dieser unbezweifelbar dem hl. Apostel Paulus selbst angehört. Auch gibt es noch
ein Evangelium Barnabæ
, welches jedoch, ursprünglich arabisch und erst im 15.
Jahrh. ins Italienische übersetzt, das deutliche Zeichen eines mohammedanischen
Ursprungs gegen das Christenthum an sich trägt. - Im Mart. Rom. wird der 11. Juni
als der (himmlische) Geburtstag des hl. Barnabas bezeichnet und gesagt, daß er
auf der Insel Cypern sein Apostolat mit einem glorreichen Martyrium geschmückt
habe. Im röm. Brevier wird sein Fest ebenfalls am 11. Juni gefeiert und zwar sub
ritu dupl. maj.
* Vgl. V. Antonius Maria Zacharia (S. 265). In dieser Kirche soll, nach einer in Mailand verbreiteten Meinung, früher der hl. Augustinus getauft worden seyn; allein nach einem uns in zwischen zugekommenen neuen italienischen Schriftchen hätte seine Taufe in einer Kapelle in der Nähe des gegenwärtigen Domes von Mailand stattgefunden.
** Vgl. Mohler's Patrologie etc., herausgegeben von Dr. Fr. X Reithmayr etc., J. 84-96.

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