
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
SS. Julianus, Basilissa et plur. Soc. MM. (9. Jan.) Schon dem alten Joh.
Bollandus, dem Begründer des nach ihm genannten großen Bollandistischen Werkes,
hat dieser hl. Julianus sammt seinen Gefährten viele Schwierigkeiten verursacht.
Er bemerkt zum 9. Jan. (I. 571. nr. 6 ff.), wie schon im Mart. Rom. 36 Heilige
mit dem Namen Julianus sich finden, wie er selbst diesen noch mehrere beizufügen
habe und wie bei der großen Menge der Heiligen des gleichen Namens leicht eine
Verwirrung entstehen könne etc. So werde unser hl. Julianus von Einigen nach
Antiochia in Syrien oder Aegypten etc., von Andern nach Alexandria in Aegypten,
wieder von Andern nach Antinous (Antinoopolis) in Aegypten oder in der Thebais
versetzt; auch werde Manches diesem hl. Julianus zugeschrieben, was einem Andern
zugehöre, oder umgekehrt das ihm Zugehörige auf Andere übertragen. Ebenso werde
er in verschiedenen Heiligen-Kalendern an verschiedenen Tagen erwähnt, nämlich
am 6. 7. 8. 9. 11. 13. Januar, am 13. Febr., am 20. 21. 22. Juni etc. Im Mart.
Rom. steht er am 9. Jan. in folgender Weise: Zu Antiochia unter den Kaisern
Diocletian und Maximian der (himmlische) Geburtstag des hl. Martyrers Julianus
und der hl. Jungfrau Basilissa, seiner Gemahlin, welche mit ihrem Manne die
Jungfrauschaft bewahrte und im Frieden starb, während Julianus, nachdem eine
große Menge von Priestern und andern Dienern der Kirche, die wegen der
schrecklichen Verfolgung sich zu ihm geflüchtet hatten, in Feuer verbrannt
worden war, von dem Präses Marcianus nach vielen ausgestandenen Martern zum Tode
verurtheilt wurde. Mit ihm litten auch der Priester Antonius, dann Anastasius,
welchen Julianus vom Tode erweckte und der Gnade Christi
theilhaftig machte, so wie der Knabe Celsus sammt seiner Mutter Marcionilla und
sieben Brüdern, und noch viele Andere.
Baronius hatte diese Notizen aus alten
Handschriften genommen, und nach solchen, auch von Surius, dem Metaphrasten und
Andern benützten alten Handschriften werden die angeblich von einem Augenzeugen
verfaßten Acten auch von Bollandus (pag. 575-587) gegeben. Erst der Bollandist
Daniel Papebroch, welcher 55 Jahre seines Lebens auf die Acta Sanctorum
verwendete, hat herausgefunden, daß diese Acten unächt seien, was er auch zum 21.
Juni (IV. 64), wo er diesen hl. Julianus unter den Prätermissen gibt,
ausdrücklich erklärt. * Da diese Acten auch von Andern
benützt wurden, so wollen wir zuerst das Leben dieser Heiligen nach diesen
unächten Acten in Kürze geben und sodann Papebroch's Meinung kurz beifügen. Der
hl. Julianus war von edler Abkunft und der Letzte seines Stammes, weßhalb ihn
seine Eltern zu einer Heirat nöthigten. Er verehelichte sich nun mit einer
gottesfürchtigen Jungfrau, Namens Basilissa, welche ihm an Reichthum, Adel etc.
ebenbürtig und ebenfalls das einzige Kind ihrer Eltern war. Am Tage der Hochzeit
selbst aber machten sie das Gelübde, in beständiger Enthaltsamkeit zu leben. Als
die Eltern dieser frommen Eheleute gestorben waren, sammelte Julianus viele **
treue Diener Christi um sich, und auch Basilissa sah bald eine große Zahl
heilseifriger Jungfrauen unter ihre Oberleitung sich stellen, starb aber mit
denselben während Diocletians Verfolgung im Frieden und wurde vom hl. Julianus
begraben. Bald nachher kam der Landpfleger Marcianus von Rom nach Antiochia in
Aegypten. Dieser ließ an vielen Stellen Götzenbilder aufstellen, und erlaubte
Niemanden zu kaufen oder zu verkaufen, der ihnen nicht geopfert hatte. Auf
Julian's Weigerung hin ließ er ihn gefangen nehmen und vor Allem sein Kloster
mit den vielen Bewohnern desselben verbrennen; unsern hl. Julianus aber forderte
er vor sein Tribunal, und da er ihn weder durch Schmeicheleien noch durch
Drohungen zum Abfalle vom Glauben bewegen konnte, ließ er ihn schrecklich
martern, wobei ein Henker, dem der Landpfleger sehr gewogen war, ein Auge verlor.
Da derselbe durch den hl. Julianus wieder geheilt wurde, bekannte er auch den
christlichen Glauben, wodurch der Landpfleger so erzürnt wurde, daß er ihn mit
seinem eigenen Schwerte tödtete, den hl. Julianus aber, mit schweren Ketten
belastet, durch die Straßen der Stadt führen ließ. Bei dieser Gelegenheit sah
der Knabe Celsus, ein Sohn des Landpflegers, den hl. Julianus von einer Schaar
weiß gekleideter Jünglinge umgeben, welche ihm Muth zusprachen und ihm eine
kostbare Krone auf das Haupt setzten. Durch dieses Gesicht wurde er so sehr für
den christlichen Glauben gewonnen, daß er dem hl. Julianus unzertrennlich anhing
und weder durch die Schmeicheleien noch durch die Drohungen seines Vaters von
seinem Glauben sich abwendig machen ließ. Beide wurden nun in einen finstern
übelriechenden Kerker geworfen; die Finsterniß aber verwandelte sich bald in
helles Licht, und der üble Geruch in süßen Duft, was die Bekehrung von zwanzig
Soldaten veranlaßte. In der Gegend waren sieben Brüder von hoher Abstammung, die
einen priesterlichen Lehrer, Namens Antonius, hatten. Mit diesem kamen sie des
Nachts in's Gefängniß, und der Priester taufte dort den Knaben Celsus und die
20 Soldaten. Als die Gemahlin des Landpflegers, Namens Marcionilla, den Versuch
machte, ihren Sohn vom Christenthume abzubringen, wurde sie selbst dafür
gewonnen. Die sieben Brüder und die 20 Soldaten wurden enthauptet. Der hl.
Julianus aber, der Priester Antonius, der Knabe Celsus und seine Mutter
Marcionilla wurden noch weitern Peinen aufbehalten, die sie mit wunderbarer
Standhaftigkeit und ohne Verletzung ertrugen, wobei ihnen die hl. Basilissa mit
ihren Jungfrauen erschien. Endlich wurden sie mit Anastasius, den der hl.
Julianus vom Tode erweckt hatte, enthauptet, während der Präses Marsianus mit
seinen Anhängern elend zu Grunde ging. Die Leiber der heil. Martyrer wurden von
den Christen ehrenvoll bestattet, und es geschahen viele Wunder auf ihre
Fürbitten. - So weit gehen die von Bollandus aufgenommenen Acten, welche sich
übrigens über die Zeit dieses Martyriums nicht genau aussprechen, während einige
Hagiologen das J. 303 unter Diocletian, Andere aber das J. 313 unter Maximian
annehmen. Was nun Papebroch's Meinung in dieser Sache betrifft, so ist sie kurz
diese: Die hhl. Julianus und Basilissa seien wahre Martyrer gewesen und zwar
höchst wahrscheinlich zu Antiochia in Syrien; aber es sei nicht gewiß, unter
welchem Kaiser sie gelitten, ob sie wirklich verehelicht gewesen etc. Dagegen
gehöre der hl. Celsus und ein anderer hl. Julianus nach Indien, und von Beiden
verschieden sei der hl. Julianus, welcher am 21.
Juni zu Antiochia in Syrien gelitten hat mit dem hl. Galgalus
(Gamgalus) und andern 879 Gefährten. Alles dieses habe nun der Verfasser in
Eine Leidensgeschichte zusammengetragen, den Celsus zu einem Sohne des Präses
Marcian gemacht, diesem seine Mutter Marcionilla beigegeben und noch 10 bis 12
Tausend Mönche etc. beigefügt. - Was die Reliquien betrifft, so soll nach Butler
(I. 192) die Hirnschale des hl. Julianus zur Zeit Gregors
des Großen aus dem Morgenlande nach Paris gebracht worden seyn. Die Königin
Brunehild habe sie den Frauen geschenkt, denen sie bei Etampes ein Kloster baute.
Ein Theil der Hirnschale sei in das Kloster Morigny bei Etampes, ein anderer
nach Paris in die Kirche der regulirten Stiftsdamen von Sainte Basilisse
gekommen. Bei Butler, wo im ganzen Werke nur 11 Julianus vorkommen, wird unser
hl. Julianus als Gastfreund
bezeichnet, was aber wahrscheinlich nur eine
Verwechslung ist mit S. Julianus. Auch
heißt es dort, daß man allenthalben Kirchen und Spitäler unter Anrufung des hl.
Julianus und der hl. Basilissa erbaut habe. Nach Ruinart waren in Constantinopel
drei Basiliken unter dem Namen des hl. Julianus, von welchen eine unsern hl.
Julianus sammt der hl. Basilissa zu Patronen hatte. Daß dieselben auch im Mart.
Rom. am 9. Jan. vorkommen, ist schon oben bemerkt worden. (I. 570-588).
* Die weitere Ausführung findet sich in seiner Responsio ad exhibitionem errorum, Art. XV. §. 28 pag. 523-526 des Werkes: Acta Sanctorum Bollandiana ... vindicata etc., welches im J. 1755 zu Antwerpen erschienen und dem Papste Benedict XIV. gewidmet ist. Uebrigens verweist Papebroch auch noch auf das Supplement zum 9. Januar, dessen Erscheinen aber wohl noch lange auf sich warten lassen wird. Auch in der neuesten Brüsseler Ausgabe der Bollandisten, von welcher jetzt 3 Bände erschienen sind, findet sich nichts hievon.
*2 Die Acten sprechen von 10,000 Mönchen, denen er vorgestanden seyn soll, während Papebroch nachweist, daß vor Pachomius, welcher im J. 349 starb, keine Klöster und jedenfalls keine bevölkerten in jenen Gegenden bestanden haben etc.
