
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
Kolumba Weigl, eine im Rufe der Heiligkeit gestorbene Dominicaner-Nonne zu
Altenhohenau (Hohenavia vetus) in der Gemeinde Griesstätt bei Wasserburg am Inn, in der
Erzdiöcese München-Freising, wurde nach Prof. Dr. Jocham's Bavaria sancta
(II.
505-532), woher wir einige Notizen entnehmen, geboren in München am 8. März 1713 und
erhielt noch an demselben Tage in der St. Peterskirche die hl. Taufe, in der sie die
Namen Elisabetha Francisca empfing. Ihr Vater Franz de Paula Weigl war Bürger und
Branntweiner in der Stadt; ihre Mutter hieß Ursula und war eine geborne Ybehorin. Ein
Bruder ihres Vaters war Conventual im Kloster Attl, eine Schwester desselben Klosterfrau
in dem benachbarten Altenhohenau. Als das Mädchen, kaum einige Wochen alt, in der Wiege
lag, drang ein feindlicher Husar in's Zimmer und schwang in größter Wuth seinen Säbel
über dem Kinde. Die Mutter fiel ihm in den Arm und hielt den Streich auf, erschrack
aber darüber so sehr, daß sie bald darauf erkrankte und nach wenigen Tagen starb. Für
ihre und ihres älteren Bruders Erziehung sorgte nun der Vater dadurch, daß er eine fromme
Magd in's Haus nahm, unter deren Pflege Elisabetha, die schon von Kindheit an zum Beten
und zu allem Guten eine ausgezeichnete Neigung hatte, in ihrer Unschuld bewahrt und an
die Uebungen der Frömmigkeit gewöhnt wurde. In einem Alter von 7 Jahren übergab sie der
Vater einer sehr frommen und gottseligen Jungfrau bei den damals noch in München lebenden
Englischen Fräulein
, damit sie das Kind auf die erste heil. Beicht und Communion
vorbereite, welche dann Elisabetha mit glühender Andacht empfing. Als sie 14 Jahre alt war,
starb ihr braver Vater, und hatte sie schon früher große Neigung zum Klosterleben gehabt,
so wurde setzt ihr Verlangen darnach nur um so größer. Zwar hatte sie deßwegen von Seite
ihrer Verwandten viele Kämpfe durchzumachen; aber sie bestand dieselben und trat am 16.
April 1730 in einem Alter von 17 Jahren in das Kloster Altenhohenau, wo sie bei ihrer
am 27. August erfolgten Einkleidung den Namen Maria Columba erhielt. Schon in ihrer Jugend
hatte sie mehrere höhere Erscheinungen gehabt; im Kloster wurde nun ihr geistiges Auge
noch mehr geöffnet. Sie verfiel häufig in ekstatische Zustände, und am 14. Sept. 1730
empfing sie die Wundmale des Herrn an ihren Händen und
Füßen und an der Seite. Von dieser Zeit an hatte sie an jedem Freitage während ihres
ganzen Lebens die entsetzlichsten Martern und Schmerzen auszustehen. Deßungeachtet
konnte sie aber alle Verpflichtungen des Ordens erfüllen und lebte im Aeußern ganz wie
jede andere Klosterfrau. Anfangs hatte von diesen außerordentlichen Zuständen nur ihr
Beichtvater und die Novizenmeisterin sichere Kenntniß; später aber wurden sie auch im
Kloster mehr und mehr bekannt, besonders da sie einmal 5 Wochen lang bettliegerig war.
Sogleich erhoben sich die größten Verfolgungen gegen sie. Weil man ihre Zustände nicht
kannte, redete man allerlei Arges über sie und erklärte sie als eine Heuchlerin etc. Auch
die Priorin schenkte ihr keinen Glauben, sondern gab ihr nicht selten harte Worte und
demüthigende Strafen. Ja selbst von den Ordens-Provinzialen, welche im Laufe der Zeit
das Kloster nach und nach besuchten, glaubten ihr nur wenige, während die Andern ebenfalls
gegen sie eingenommen waren und sie mehr oder weniger hart behandelten. Allein alle diese
unsäglichen inneren und äußeren Leiden und Trübsale ertrug sie aus Liebe zu Gott, der sie
stets wieder tröstete, mit unaussprechlicher Geduld, so daß nie ein Wort der Klage über
ihre Lippen kam, sie vielmehr gegen diejenigen, welche nach Zulassung Gottes ihr diese
Trübsale bereiteten, die größte Liebe im Herzen trug und stets für sie betete. Auch von
einem oder andern ihrer Beichtväter, von denen ihre Erlebnisse aufgezeichnet wurden,
hatte sie manche Prüfungen zu bestehen; nachdem sie aber diese bestanden, schützten
dieselben sie auch nach Kräften. Im J. 1746 änderten sich die Verhältnisse in so ferne,
daß die Vorgesetzten und die meisten ihrer Mitschwestern ihr Glauben schenkten; aber die
übrigen Leiden dauerten fort, bis endlich Gott in Seinem unerforschlichen Rathschlusse
sie als reif erkannte für den Himmel. Nachdem sie 52 Jahre als Braut des Herrn im
Orden gelebt, starb sie am 31. August 1784 selig im Herrn. Die Nachrichten von ihrem
Leben, von denen sie auf Befehl ihrer Vorgesetzten selbst mehrere aufgeschrieben hatte,
wurden bald nach ihrem Tode von gelehrten Männern geprüft. Alle bezeugten einmüthig,
es finde sich darin nichts, das nicht von ausgezeichneter Tugend und von ein em hohen
Grade christlicher Vollkommenheit Zeugniß gebe. Ihre Verwandten bewahren noch Reliquien
von ihr, aber von einer öffentlichen Verehrung ihrer Person ist nie etwas bekannt
geworden.
