
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Sirenus (Sinerius) M. (23. al. 21. und 22. Febr., 10. Mai). Der Name
dieses hl. Mönchs und Martyrers findet sich sehr verschieden angegeben: Sirenus,
Synerus, Sinerius, Sergius, Senetus, Serenus und Senerus. Sein Todesjahr ist
nicht ganz sicher. Die Verfolgung hatte ihn in die Einöde geführt. Hinsichtlich
des Ortes stimmen die Martyrologien nicht überein; doch nennen die meisten und
ältesten unter ihnen Sirmium in Pannonien (Ruinen bei Mitrowitz). Daß die
Variante Smyrna auf einem Schreibfehler beruht, darf wohl als sehr
wahrscheinlich angenommen werden. Einige unterscheiden ihn von einem Mönch und
Martyrer d. N. in Fermo (Firmium); doch auch hier liegt die Annahme eines
Schreibfehlers nahe, und einem gleichnamigen Abt zu Scete in Aegypten. Aber alle
sagen emstimmig, daß er unter dem Kaiser Maximian gelitten habe. Die
Veranlassung war folgende. Er war ein ausgewanderter Grieche und hatte sich bei
Sirmium einen Garten gekauft, den er bebaute, und in dessen Nähe er Gott diente.
Einst traf er zu ungewöhnlicher Stunde eine Frau mit zwei Mädchen in dem Garten.
Er fragte sie: Was suchest du hier?
Ich sah deinen Garten
, erwiderte sie,
und will darin spazieren.
Eine Frau von deinem Stande
, sagte Sirenus, geht
zu dieser Zeit, um die sechste Stunde, nicht spazieren.
Durch diese abweisende
Antwort des Heiligen aufgebracht, verließ ihn die Frau mit dem Entschlusse, sich
zu rächen. Sie schrieb ihrem Manne, der unter der Leibwache des Kaisers
Maximianus diente, und beklagte sich bei ihm über eine vorgebliche
Gewaltthätigkeit, welche Sirenus ihr angethan habe. Ihr Mann ging zu dem Kaiser
und flehte ihn an um Gerechtigkeit gegen seine verletzte Ehre. Gebieter
,
sprach er, während unser Leben dem Dienste deiner Majestät gewidmet ist, sind
unsere Frauen, von uns getrennt, der übermüthigen Keckheit eines Verführers
preisgegeben.
Der Kaiser gab also dem Statthalter der Provinz den Auftrag, dem
beleidigten Gatten Genugthuung zu verschaffen. Der Ehemann reiste selbst nach
Sirmium, und stellte Klage gegen Sirenus. Der Statthalter ließ den Heiligen zu
sich kommen und sprach zu ihm: Wie heißest du?
Er antwortete: Sirenus
. Dein
Stand?
Ein Gärtner.
Warum hast du der Gattin eines solchen Mannes Gewalt
angethan?
Sirenus antwortete: Noch nie habe ich mich an einem Weibe vergriffen,
aber als die Frau zu unschicklicher Stunde in meinen Garten kam, um einen
Spaziergang zu machen, schalt ich sie aus und sagte, daß es sich für eine Person
ihres Geschlechtes und Standes nicht schicke, zu dieser Zeit auszugehen.
Auf
diese Rede entfernte sich der Ankläger, ohne auf weitere Bestrafung eines Mannes
zu drängen, den er jetzt für unschuldig hielt. Der Statthalter aber kam, ein
gutes Zeugniß für den reinen Wandel der Christen damaliger Zeit, eben hiedurch
auf den Verdacht, Sirenus möchte ein Christ sein. Er fragte ihn also um seine
Religion. Ohne Bedenken antwortete Sirenus: Ich bin ein Christ.
Warum,
sprach der Statthalter, hast du dich verborgen und unterlassen, den Göttern zu
opfern?
Sirenus erwiderte: Es gefiel dem Herrn,
mich bis auf diese Zeit aufzubewahren; bisher war ich nur ein untauglicher, auf
die Seite geworfener Stein; jetzt will mir der Herr ein Plätzchen in seinem Bau
anweisen; deßhalb bin ich bereit, für seinen Namen zu leiden, damit Er mir einen
Theil an seinem Reiche gebe mit seinen andern Heiligen.
Auf diese Rede sprach
der erzürnte Statthalter das Todesurtheil über ihn aus. Er wurde sogleich zur
Richtstätte geführt, und am 23. Febr. des J. 302 (nach den Boll.), kaum schon im
J. 287, nach Ruinart aber im J. 307 enthauptet. Zu Clermont in Auvergne und in
Billam, wo seine Reliquien verehrt wurden (die Uebertragung wird dem Bischofe
Juvenal zugeschrieben), wird er unter dem Namen St. Cerneuf um günstige
Witterung angerufen. Der Tag seiner Verehrung ist dort der 10. Mai. An diesem
Tage steht er jedoch nicht im frz. Martyrologium. Im Mart. Rom. steht er unter
dem Namen Serenus zum 23. Febr. (III. 364-366.)
