Name bedeutet: C: der Tüchtige (althochdt.) M: der dem (Gott des Kampfes) Mars Geweihte (latein.) A: der Deutsche (französ.)
Erzbischof von Algier, Kardinal, Primas von Afrika * 31. Oktober 1825 in Bayonne
in Frankreich
† 26. November 1892 in Algier
in Algerien
Charles-Martial-Allemand Lavigerie
Lavigeries Geburtshaus in Bayonne, Allée d'Huire
Charles-Martial-Allemand Lavigerie studierte am Seminar Saint Nicolas-du-Chardonnet, dann im Priesterseminar an der
Kirche Saint-Sulpice in Paris, und schloss an der
Universität Sorbonne mit einer Promotion in
Geisteswissenschaften und Theologie ab. 1849 empfing er die Priesterweihe, 1854 wurde er Professor für Kirchengeschichte an
der Sorbonne. 1863 wurde er Bischof von Nancy,
1867 Erzbischof von Algier. Lavigerie widmete sich
besonders der Mission, in Algerien setzte er sich für das friedliche Zusammenleben von Arabern und Europäern und den Dialog
mit den Muslimen ein und gründete Schulen und Waisenhäuser. Seinen Respekt vor den Anvertrauten zeigt seine Aussage über die
Waisenkinder: Ich will, dass sie in jeder Hinsicht die volle Freiheit behalten. Wenn sie im Alter die Entscheidung
vorziehen, Mohammedaner zu werden, so werde ich ihnen deshalb nicht minder meine väterliche Liebe schenken.
Charles-Martial-Allemand Lavigerie
1876 in einem Brief an Papst Leo XIII.: Was sie (die europäischen Kolonialmächte) wollen, ist Macht und Gewalt, Wissen
und wissenschaftliche Forschung, Handel und Gewinnsucht. Wir aber wollen das Christentum
und die wahre Freiheit bringen. Afrika muss das Land der Afrikaner bleiben und die
Afrikaner sollen nicht in schwarze Europäer umgewandelt werden.
1868 gründete Lavigerie die Missionsgesellschaft der Missionnaires d'Afrique, der Missionare von Afrika,
genannt Pères blancsWeiße Väter, 1869 die der Sœurs Missionnaires de Notre-Dame d’AfriqueMissionsschwestern Unserer Lieben Frau von Afrika, genannt Sœurs Blanches, Weiße Schwestern, beide mit
der Aufgabe der Mission unter Muslimen bis nach Tunesien. Seinen Missionaren gab er auf, Afrikaner mit den Afrikanern
zu werden. Einfacher Lebensstil und Anpassung an lokale Bräuche und Traditionen zeichnete die Missionare aus, so trugen
die Gandourah, das Gewand der Algerier. Getauft wurde nur, wer eine vierjährige Vorbereitungszeit absolviert hatte,
da Lavigerie wünschte, dass die Menschen das Taufsakrament wirklich aus Überzeugung empfangen. In Zentralafrika wurden
dann verschiedene Missionsstationen errichtet, auf Malta ein Institut zur Ausbildung afrikanischer Katecheten
1.
Kloster St-Joseph der Weißen Väter in Thibar
bei Béja in Tunesien, wo sie eine Musterlandwirtschaft mit Weinbau betrieben, heute staatliche höhere Landwirtschaftsschule
1882 wurde Lavigerie zum Kardinal erhoben mit der Titelkirche
Sant'Agnese fuori le mura, 1884 zusätzlich zum
Erzbischof von Karthago - dem heutigen Vorort von
Tunis in Tunesien - und Primas von Afrika. Konfrontiert mit dem Leid und den Gräueltaten der Sklaverei, verfasste er Traktate
gegen diese und setzte sich für ihre Abschaffung ein. 1888 rief er eigens eine Gesellschaft gegen die Sklaverei ins Leben.
Im Toast von Algier rief Lavigerie 1890 zur Aussöhnung der Franzosen mit der Republik Algerien auf.
Abgang zum Grab von Lavigerie unterhalb des Sarkophags mit Reliquien von
Ludwig IX., in der ehemaligen
Kathedrale in Karthago
ehemalige Kathedrale in Karthago
Lavigeries Grab ist in der von ihm erbauten und 1890 Ludwig IX. geweihten
ehemaligen Kathedrale in Karthago, an die sich ein
Kloster der Weißen Väter anschloss. Nach der 1965 erfolgten Verstaatlichung allen französischen Besitzes aus der
Kolonialzeit übernahm der Staat das Gebäude, seit 1992 ist es Museum, Acropolium genannt. Das der Kathedrale
angeschlossene Gebäude des Klosters der Weißen Väter ist heute das Archäologische Nationalmuseum von Karthago.
Bis heute folgen die Weißen Väter dem Vorbild und der Spiritualität ihres Gründungsvaters.
Kanonisation:
Das Verfahren zur Seligsprechung soll eingeleitet werden.
1▲Dieses Institut wurde
schon 1896 wieder geschlossen.
Das
Museum Acropolium, die ehemalige Kathedrale
St-Louis in Karthago ist täglich von 8 Uhr bis 19 Uhr - im Winter nur bis 17 Uhr - zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt
beträgt 1,60 €. (2020)
Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualis17.02.2026->->->->
Quellen: •
• Svenja Bach: Das Islambild Karl Mays. In: Heiko Ehrhardt ( Friedemann Eißler (Hg.): Winnetou ist ein Christ.
EZW-Texte 220, Berlin 2012
• http://www.zenit.org/de/articles/afrikaner-mit-den-afrikanern-werden
• Christopher H. Grundmann: Ärztliche Mission und Ausbildung in Asien und Afrika. In: Ulrich van der Heyden, Heike Liebau
(Hg.:) Missionsgeschichte, Kirchengeschichte, Weltgeschichte. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, S. 268
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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