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Ökumenisches Heiligenlexikon

Gustav Werner

Gedenktag evangelisch: 1. August

Name bedeutet: der Bote mit Stab (altschwedisch)

Theologe, Wohltäter
* 12. März 1809 in Zwiefalten in Baden-Württemberg
† 2. August 1887 in Reutlingen in Baden-Württemberg


Gustav Albert Werner, Sohn des damaligen Forstkassiers in Zwiefalten und nachmaligen Finanzdirektors in Reutlingen und Abgeordneten im Württembergischen Landtag, studierte im Stift in Tübingen Theologie. Dabei lernt er die Schriften des Theosophen Emanuel von Swedenborg kennen. Nach dem Studium wirkte er als Privatlehrer in Straßburg und kam dort mit dem Freundeskreis, der unter Johann Friedrich Oberlin entstanden war, zusammen. Von einem Freund Oberlins erhielt er dessen Ring mit dem Auftrag, das Werk der Liebe fortzuführen; Gustav Werner hatte schon früh erkannt, dass in der beginnenden Industrialisierung die armen Leute wie die Kinder Israels (in Ägypten) um so geringen Lohn arbeiten müssen, dass sie oft nicht die tägliche Nahrung herausschlagen.

Von 1832 bis 1840 war Werner Vikar in Walddorf bei Tübingen, dabei setzte er sich gegen den Widerstand der Gemeinde für die Kinder einer armen Witwe ein. Nur eine Frau unterstützte ihn und richtete auf seinen Rat eine Kinderschule nach Oberlins Vorbild ein. Freunde aus Reutlingen gaben finanzielle Unterstützung, auch für eine Kinderrettungsanstalt für Waisenkinder, die Werner 1837 einrichtete. Als publik wurde, dass Werner auch Erbauungsstunden hielt, wurde ihm dies von der Kirchenleitung - wie damals üblich - untersagt. Er legte daraufhin sein Vikariat nieder und ging mit zwei Mitarbeiterinnen und zehn Kindern zu Fuß nach Reutlingen.

Gemälde von Robert Heck
Gemälde von Robert Heck

Hier lebte Werner zusammen mit einer zunehmenden Zahl von Mitarbeiterinnen, die Zahl der angenommenen Kinder wuchs im ersten Jahr auf 29, Handarbeiten wurden zu einer wichtigen Einnahmequelle. 1842 kaufte er mit Hilfe von Spenden ein größeres Haus am Stadtrand, das Werner Gottes-Hülfe nannte; 1848 lebten dort schon 30 Kinder und weitere 50 hilfsbedürftige Menschen. Die Hausgenossen lebten in freiwilliger Gütergemeinschaft, andere gaben den Zehnten zur Unterstützung des Werkes. Aus dem Kreis der Unterstützerinnen heiratete er die Kaufmannstochter Albertine Zwißler. Die aufkommende Industrie sah er als den Ort, an dem der Glaube sich bewähren müsse; nur die Liebe könne eine gerechte Ordnung auch im Arbeitsleben erreichen. Um seine Ideen in die Tat umzusetzen, kaufte er 1851 die Reutlinger Papierfabrik, die zuvor bankrott gegangen war und die er nun wiederbelebte und als christliche Fabrik führte, um den Nöten der Arbeiter entgegenzutreten sowie um seine Sozialeinrichtungen zu finanzieren,. Diese wurde 1862 ins nahe Dettingen verlegt, in der Reutlinger Fabrik wurden nun Ackergeräten, Eisenbahnwagen, Maschinen aller Art und ab den 1870-er Jahren besonders Papiermaschinen produziert 1863 arbeiteten dort auch die späteren Auto-Pioniere Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach. 1875 wurde zudem eine Möbelfabrik eröffnet.

Gustav Werner'sche Anstalt, heute Kinder- und Jugendwohnheim in Rodt
Gustav Werner'sche Anstalt, heute Kinder- und Jugendwohnheim in Rodt

1854 gründete Werner die ersten Zweiganstalt in Fluorn - heute Ortsteil von Fluorn-Winzeln - im Schwarzwald, weil nach etlichen Missernten die Not sehr groß geworden war. Andere Gemeinden im Schwarzwald wie Rodt - heute ein Ortsteil von Loßburg -, Schernbach und Göttelfingen - beide heute Ortsteile von Seewald - kamen bald hinzu. Im Laufe der Jahre entstanden 30 Betriebe, die auch für schwer vermittelbare Menschen Arbeitsplätze anboten; die Beschäftigten erhielten eine Gewinnbeteiligung, Krankenvorsorge und Alterssicherung. Dazu kamen Waisen- und Rettungshäuser: 1862 gab es neben der Mutteranstalt über ganz Württemberg verstreut 31 Zweiganstalten, in denen 437 Kinder und 216 erwachsene Menschen lebten. In den Werkstätten und Fabriken waren 866 Arbeiter beschäftigt. Die Mutteranstalt in Reutlingen erhielt den Namen Bruderhaus zum Zeichen für den brüderlichen Umgang, der in Werners Werk gepflegt werden sollte.

Auf die Dauer konnten die Wirtschaftsbetriebe aber die soziale Arbeit nicht allein finanzieren, auch viele Helfer waren wieder abgesprungen. 1863 musste der württembergische Staat helfend eingreifen, der forderte die Trennung der Wirtschaftsbetriebe von den Rettungshäusern. Ein Teil des erzielten Überschusses in den Wirtschaftsbetrieben floss aber weiter in die Rettungshäuser, so dass das Werk Werners fortgeführt werden konnte. 1882 wurden erstmals gezielt für körperlich, geistig oder seelisch behinderte Menschen - Werner nannte sie Halbe Kräfte - Arbeitsplätze eingerichtet. 1884 wurde Gustav Werner zum Ehrenbürger der Stadt Reutlingen ernannt. Das Krankenhäusle ist heute das einzige Gebäude, das von den Reutlinger Fabriken bestehen blieb. Hier verbrachte Gustav Werner seine letzten Lebensjahre und starb dort.

Das „Krankenhäusle” auf dem Gelände der ehemaligen Bruderhaus-Fabriken in Reutlingen
Das Krankenhäusle auf dem Gelände der ehemaligen Bruderhaus-Fabriken in Reutlingen

Als Gustav Werner Stiftung zum Bruderhaus besteht das Werk auch heute noch in Reutlingen und 13 weiteren Landkreisen in Baden-Württemberg. Das Angebot für über 9000 Menschen umfasst Ausbildung, Arbeit, Begleitung, Beratung, Förderung, Pflege, Seelsorge, Therapie und Wohnen; 3500 Mitarbeitende in über 120 Diensten und Angeboten arbeiten am gemeinsamen diakonischen Auftrag.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 04.09.2016

Quellen:

• Christina Hölzl: Gott im Maschinensaal. Konsequenzen 6/2007

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.