Hermann Judäus
auch: von Cappenberg
deutscher Beiname: der Jude
Gedenktag katholisch: 6. August
Name bedeutet: der Heeresmann (althochdt.)
Hermann war Jude. Unter dem Einfluss von Rupert von Deutz und Bischof Egbert von Münster ließ er sich um 1131 im Dom in Köln taufen, wurde Prämonstratenser im Kloster Cappenberg nahe Selm bei Unna und dann Propst in Scheda.
Hermanns Gebeine wurden 1628 erhoben.
Das Kloster Cappenberg wurde 1802 säkularisiert und an den Freiherrn von Stein verkauft. Die Abteigebäude wurden dann zum Schloss umgebaut, heute ist es Kunstmuseum, Restaurant und Veranstaltungsort, die Kirche ist seit 1832 Pfarrkirche.
Worte des Heiligen
Bei Hermanns Bekehrung zum Christentum spielte eine Vision im frühen Jugendalter eine große Rolle:
Über die Vision, die ich noch als Knabe hatte:
Da sage ich wegen der königlichen Großmut gebührenden
Dank, lege mir jenen edlen Gürtel an, besteige das Pferd und begleite ihn an seiner königlichen Seite bis zu seinem
Palast. Dort liege ich, während er mit seinen Freunden speist als Nächster an seiner Seite, gleichsam als sein bester
Freund, und esse aus derselbe Schüssel zusammen mit ihm ein Gemüse, das aus verschiedenen Kräutern und Wurzeln bereitet ist.
Als ich Sünder und unwürdiger Priester Hermann, einst Judas genannt, meiner Herkunft nach Israelit, aus dem Stamm
der Leviten, wurde in der Stadt Köln aus Vater
David und Mutter Sephora geboren, noch in den Fesseln des jüdischen Unglaubens festgehalten wurde, da zeigte mir Gott die
künftigen Wohltaten seiner Gnade in einer überaus beseligenden Vision:
In meinem 13. Lebensjahr sah ich im Traum, wie einer gleich dem römischen Herrscher
Heinrich II., welcher als Vorgänger von König Lothar zu jener Zeit herrschte, einen geradezu
übermächtigen Fürsten hatte; als dieser plötzlich starb, ergriff er Besitz von all seinen Vollmachten. Derselbe König
kam nun, wie es schien, zu mir und bot mir ein schneeweißes Pferd von erstaunlicher Größe an und einen Gürtel aus Gold,
der mit höchster Sorgfalt verwebt war mit einem an ihm hängenden seidenen Geldbeutel, in dem sich sieben sehr schwere
Geldmünzen befanden. Das alles übergab er mir und sagte: >Wisse, dass meine Führer und Fürsten äußerst empört sind
wegen der dir von mir gewährten Wohltat; doch will ich dir noch viel größere Wohltaten erweisen und das ganze Erbe dieses
verstorbenen Fürsten zum ewigen rechtmäßigen Besitz dazugeben.
Bei dieser seligen Schau erwachte ist, und obwohl ich noch ein Knabe war, urteilte ich dennoch nicht in kindlichem
Leichtsinn, dass das Ungewöhnliche, das ich gesehen hatte, ein nichtssagender Traum sei, sondern ich war der Meinung,
dass mir dadurch etwas Bedeutendes vorhergesagt werde; daher wandte ich mich an einen meiner Verwandten, Isaak mit Namen,
der damals bei den Juden ein sehr angesehener Mann war, erzählte ihm der Reihe nach meinen Traum und bat ihn, ihn mir zu
deuten, wie er könne.
Dieser erkannte – verständlicherweise – die verschlüsselte Symbolik des Traumes nicht und deutete ihn
irdisch-fleischlich
, indem er von künftigem Ansehen und Reichtum des Knaben sprach. Hermann erschloss sich der Sinn
der Vision erst durch den späteren Verlauf seines Lebens:
Dies ist also die Deutung der Schau: Der irdische Herrscher, der mir erschien, bedeutet den himmlischen König,
von dem der Psalmist sagt: Der Herr der Heerscharen ist der König der Herrlichkeit (Psalm 24, 10). Dieser hatte einen
großen Fürsten, jenen Engel [
Luzifer
] nämlich, den er zu Beginn seiner Schöpfung edler geschaffen hatte als die
übrigen Geister unter den Engeln. Dieser freilich ist damals wahrhaft gestorben und, als er sich hochmütig gegen Gott erhob
(Jesaja 14, 12 – 15), seiner herrlichen Würde beraubt und vom Erzengel zum Teufel degradiert worden.
Daher geruhte der König der Könige in seiner Gnade mich zu besuchen, bot mir ein weißes Pferd an, indem er die Gnade
der heiligen Taufe, durch die ich weißer als Schnee würde, gewährte. Er übergab auch den Gürtel, der mir die Kraft verlieh,
die flüchtigen Begierden des Fleisches zu unterdrücken. Unter den sieben schweren Münzen, sind mit Recht die Gaben des
siebenfältigen Geistes zu verstehen, die den, den sie erfüllen, mit sittlicher Würde ausstatten. Dieser beginnt, wenn er
schon angefangen hat durch die Gaben des heiligen Geistes die Lauterkeit des Lebens wie durch geläutertes Silber zu glänzen,
wegen der Liebe zu Gott und wegen des ewigen Lebens in den Ohren anderer angenehm zu klingen, was auch gut den Klang des
Silbers zum Ausdruck bringt. Was aber diese sieben Denare betrifft, die, um nicht leicht verloren zu gehen, in einem
Geldbeutel eingeschlossen waren, sie bedeuten – so hoffe ich -, dass die mir barmherzig verliehenen Gnadengaben des
Heiligen Geistes mich nicht verlassen werden, sondern bei mir bleiben bis zum Ende, damit ich alle lästigen Versuchungen
bestehen und das himmlische Reich verdienen kann.
Ferner sind wegen dieses so glücklichen Ausgangs die Führer empört, weil die bösen Geister, die der
Apostel (Epheserbrief 6) die Lenker der Welt nennt, oder die Juden, die wegen
des von Gott verliehenen Gesetzes unter den übrigen Nationen für sich die Führung beanspruchten, Neid darüber empfanden,
dass ich Christi Gnade, deren sie selbst unwürdig waren, empfangen habe.
Ich aber mit jenem glänzenden Gürtel, d. h. mit der Kraft der Enthaltsamkeit, angetan saß auf dem königlichen Pferd,
weil die Gnade der Taufe in mir nicht vergebens war, sondern, was die Benutzung des Pferdes andeutet, ich mich mühte,
diese Gnade mit Gottes Hilfe durch geistliche Übung stets zu verbessern und gut zu gebrauchen. Auch bin ich Christus dem
König gefolgt, indem ich die Welt und was in der Welt ist verachte und nicht nur alles Meinige, sondern auch mich selbst
aus Liebe zu ihm verleugne und so verwirkliche, was er über sich selbst bezeugt: Ich bin nicht gekommen, meinen Willen
zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat, des Vaters (Johannesevangelium 6, 38). Und gut auf dem weißen
Pferde sitzend habe ich den König begleitet, da niemand geeignet ist, den Spuren Christi zu folgen, wenn er nicht dieser
Taufgnade, die – wie gesagt - durch das weiße Pferde versinnbildet wird, folgt.
Der Palast aber, in den ich ihm gefolgt bin, bedeutet meiner Meinung nach den Ort meines geistlichen Lebens. Unter
dem Zusammenleben von KlerikernEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat.
Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien.
oder in den Zönobien (Klöstern) beliebiger Ordensleute, die unter einer Regel leben, was kann man nämlich unter ihnen
anderes verstehen als Paläste des höchsten Königs? In diesen nämlich, glaubt man, wohnt gnadenhalber wegen des keuschen
Lebens und des frommen Lebenswandels Christus gleichsam zuhause und vertraut wie ein König in seinem Palast.
Dann aber trat ich als Tischgenosse an den Tisch des Königs, als ich, obwohl unwürdig, den hochheiligen Altardienst
übernahm. Aber am Tisch zu sitzen bedeutet, demütig zum Altar Christi hinzuzutreten. Aber was das Zusammenleben an diesem
himmlischen Tisch bedeutet, welch süße Wonne damit verbunden ist, kann nicht mit Worten würdig ausgedrückt werden, das
kennen allein die, die es durch die Gnade Gottes verdienten zu erfahren. … Ferner das Gemüse, das ich, wie es mir dünkte,
am Tisch des Königs aß, bedeutet, wie ich glaube, Christi Evangelium; denn wie dasselbe Gemüse aus verschiedenen Arten
von Pflanzen bereitet ist, so besteht das Evangelium aus verschiedenen Weisungen zum ewigen Leben. … Auch halte ich es
nicht für bedeutungslos, dass ich mit dem König aus derselben Schüssel aß. Eine Schüssel deutet hin auf die Einheit des
katholischen Glaubens. … In dieser Einheit nun diene ich ihm durch die Gnade Gottes, wie es mir einst durch die äußerste
beseligende Schau prophezeit worden ist, mit Furcht, wie geschrieben steht (Psalm 2) und freue mich in Furcht.
Quelle: Hermanni ex Judaeo Christiani opusculum de sua conversione, c, 1 + 21. In: Patrologia Latina 170, Sp.805 - 807. 833 - 835; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn
Schriften zu Hermanns Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.
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