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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes von Capestrano

italienischer Name: Giovanni da Capistrano
auch: Johannes Kapistran, Johannes Capistranus

Gedenktag katholisch: 23. Oktober
nicht gebotener Gedenktag
Fest bei den Militärkaplänen im spanischen Militärerzbistum
gebotener Gedenktag im Orden der Franziskaner-Observanten und im Kapuzinerorden
Regionalkalender deutsches Sprachgebiet
Diözesankalender Graz-Seckau und Sankt Pölten
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
: 28. März, Todestag: 23. Oktober

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Ordensmann, Priester, Wanderprediger
* 24. Juni 1386 in Capestrano in den Abruzzen in Italien
† 23. Oktober 1456 in Ilok, damals Ungarn, heute in Kroatien


Gemälde von Bartolomeo Vivarini, 1459
Gemälde von Bartolomeo Vivarini, 1459, Musée du Louvre in Paris

Johannes war der Sohn eines - vermutlich deutschen - Adeligen, der mit Ludwig von Anjou ins Königreich Neapel gekommen war und als Lehensmann des Grafen von Celano in Capestrano wirkte. Der Vater starb früh, das hochbegabte Kind studierte in Perugia Jura. Als 26-jähriger wurde er Richter in Perugia und verlobte sich mit einer Grafentochter. 1415 wurde er in den Wirren des italienischen Städtekrieges im Kastell in Brufa - einem Ortsteil von Torgiano bei Perugia - ins Gefängnis geworfen und erlebte dort eine Bekehrung. Er ließ seine Ehe wieder lösen und trat nach seinem Loskauf aus der Haft 1416 in Perugia in den Konvent der Franziskanerobservanten von Monteripido ein. Hier schloss er bald schon Freundschaft mit seinem Novizenmeister Bernhardin von Siena. Nach seiner Priesterweihe um 1418/1420 hielt er sich kurz am Hof von Papst Martin V. in Mantua auf, dann wurde er Vikar der Observanten in den Abruzzen. Bald begann er mit großem Erfolg, als Volksprediger und Inquisitor zu wirken: die Kirchen waren zu klein, Plätze überfüllt, Geleitzüge umringten ihn.

Auch seinen Freund Bernhardin von Siena begleitete Johannes auf Missionsreisen und wirkte wie dieser für die Wiederherstellung des durch Schisma und Konziliarismus geschwächten Papsttums. In Bernhardins Auftrag arbeitete er mit an der inneren Reform des Franziskanerordens, die 1446 in einer - die formale Einheit des Ordens wahrenden - Unabhängigkeit der Observanten ihren vorläufigen Abschluss fand; bei dieser Arbeit kam ihm seine juristische Ausbildung zustatten.

Im Auftrag des Papstes führte die Predigttätigkeit Johannes 1451 bis 54 durch das geistig zerissene und religiös darnieder liegende Europa nach Deutschland, Österreich, Böhmen, Polen und in die Niederlande, was der religiösen Erneuerung des KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. und der Laien wie auch der Bekämpfung der Hussiten diente. In Augsburg predigte er 1452 und wieder 1454 vor großen Menschenmengen, so dass er von Stadtknechten geschützt werden musste, und heilte Kranke. Zeitweise war wieder Bernhardin von Siena sein Begleiter. Bei den Reichstagen in Frankfurt 1454 und in Wiener Neustadt 1455 warb er für den Kampf gegen die andrängenden Türken. 1455/56 wirkte er als Kreuzzugsprediger gegen die Türkengefahr; seiner die fast schon geschlagenen Soldaten aufmunternden Predigt wird auch der Gewinn der Schlacht von Belgrad 1456 und damit die Rettung des Abendlandes zugeschrieben.

Johannes predigte 40 Jahre lang täglich, die Menschen hingen an seinen Lippen. Er gründete Krankenhäuser, organisierte Sozialarbeit, war ein gefragter Beichtvater und immer wieder einflussreicher Ratgeber für verschiedene Herrscher. Er hinterließ neben seinen meist in Ab- oder Mitschriften überlieferten Predigten zahlreiche Briefe, Gutachten und homiletische sowie moraltheoligische Schriften. Intensiv bemühte er sich um die Heiligsprechung Bernhardins, die 1450 tatsächlich erfolgte.

Johannes als Retter des Abendlandes

Die Ungarn riefen Capistranus, damit er in der Nähe der Gefahr und Not die Gemüter aufrichte. In Ungarn war er beinahe ein Jahr unermüdet tätig, um in Predigten und Briefen zur Verteidigung der Christenheit aufzufordern; er war Ratgeber des päpstlichen Legaten, feuerte das Volk zum Kampfe an, sammelte Soldaten, bewirkte Eintracht unter den Führern, ward zu Rate gezogen bei Entwerfung des Kriegsplanes und der Wahl des Feldherrn, sandte Boten und Briefe nach allen Seiten, war sozusagen die Seele der ganzen Bewegung zum Kampfe. Der Zug wurde 1456 eröffnet; zu Peterwardstein (das heutige Petrovaradin, Ortsteil von Novi Sad in Serbien) traf Capistranus zusammen mit Johannes Corvinus (Hunyades), der schon mehrere glänzende Siege über die Türken erfochten hatte. Diese beiden Johannes sind es, denen die Christenheit den Sieg über die Türken bei Belgrad (22. Juli 1456) und die Rettung aus größter Gefahr zu verdanken hat. Bereits war das christliche Heer zum Weichen gebracht, als Capistranus selbst an der Stelle des heißesten Kampfes in seiner gläubigen Zuversicht, daß die Christen siegen müßten, mit dem Crucifix in der Hand gegen die andringenden Türken hervorrückte und rufend und winkend die bereits weichenden Soldaten zu erneuertem Kampfe und so zum Siege fortriß. Ein Augenzeuge berichtet von ihm in jenem Kriege: omnium cruce signatorum rector, judex, dux, capitaneus et imperator erat (allen war er im Zeichen des Kreuzes Leiter, Richter, Führer, Hauptmann und Feldherr); Juden, Schismatiker, Häretiker, alle wußte er in dieser Zeit der Gefahr gegen die Türken zu vereinigen. Bald nach diesem Siege starb der Feldherr Johannes Corvinus (11. August 1456) in den Armen des Heiligen.

Aus: Wetzer und Welte's Kirchenlexikon, 6. Band Freiburg im Breisgau, 2. Aufl. 1889, Spalte 1609f

Johannes wurde in der Franziskanerkirche in Ilok bestattet, sein Grab wurde 1526 in der Reformation zerstört, die Reliquien sind verschollen.

Kanonisation: 1622 wurde Johannes selig- und am 16. Oktober 1690 von Papst Alexander VIII. heiliggesprochen; die Urkunde über die Kanonisation wurde aber erst 1724 von Papst Benedikt XIII. ausgestellt.
Attribute: Kreuzfahne, Stern
Patron der Militärseelsorger

Kritisch setzt sich Prof. Helmut Bouzek mit dem Wirken von Johannes von Capestrano auseinander: Heiliger Judenhetzer – der Retter des Abendlandes ?

Catholic Encyclopedia

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Web 3.0 - Leserkommentare:

Der Beitrag über meinen Namenspatron Johann von Kapistran ist nicht nur informativ, er ist ausgezeichnet. Eine Pflichtübung hat allerdings im Beitrag gefehlt, nämlich der Antisemitismus. Dieser wurde in einem Beitrag eines Lesers nachgeholt. Ebenso die Enttäuschung der Hussiten, die in Tschechien angeblich bis heute nachwirkt, wurde im Beitrag dieses geschätzten Lesers nachgeholt. Was die Bevölkerung des Mühlviertels – meine alte Heimat- unter den Hussiten zu leiden gehabt hat, wird unterschlagen. Das Morden durch die Hussiten war anscheinend heilige Notwendigkeit der Hussiten. …


Mit freundlichen Grüßen:

Johann Fesl über E-Mail, 1. Januar 2018

Eben las ich die Kommentare zum Hl. Johannes Kapistran. Alle Achtung, dass Sie diese veröffentlichen. Ist doch die Geschichte der Kirche auch mit kritischen Augen zu betrachten. Die Verdienste bleiben ja. Gott ist - G.s.D. - der Richter!

MR. Prim.em.Dr. Friedrich Pesendorfer über E-Mail, 23. Oktober 2017

In Ergänzung des Beitrages von wHR. Prim i.R. Dr. Roland Pavelka möchte ich anmerken:
Man sollte auch nicht so vermeintlich neutral oder teilnahmslos über die Vita dieses (oder anderer) Heiligen berichten, dass er sich in dem geistig zerrissene(n) und religiös darnieder liegende(n) Europa für die religiöse(n) Erneuerung des Klerus und der Laien eingesetzt hätte – zumal dann, wenn er mit großem Erfolg als Volksprediger und Inquisitor gewirkt hat.
Die religiöse Krise jenes Jahrhunderts ist nichts anderes als die Vorreformation, die ihre Ursache in den Missständen in der damaligen katholischen Kirche und angesichts dieser Missstände ihre tiefe Berechtigung hatte. Hinter der beiläufig erwähnten Bekämpfung der Hussiten in Böhmen verbirgt sich dagegen nichts anderes als schreiendes Unrecht, das bis heute in Tschechien nachwirkt, insofern der Kirche dort seit der blutigen Verfolgung der Hussiten ein tiefes Misstrauen entgegenschlägt.
Nichts für ungut!
Mit freundlichen Grüßen, שּׁלּוֹמּ

Volker Johannes Fey, Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche zu Worms

Sehr geehrte Herren!
In dieser Vita fehlt etwas Schwerwiegendes: das Judenprogrom 1453 in Breslau. 381 Juden wurden vertrieben, 41 verbrannt, die Kinder mussten zurückgelassen werden und wurden zwangsgetauft. Auch sonst hatte Capistran erhebliche antisemitische Bestrebungen.
Wer so eine Massenexekution auf grausamste Weise organisiert, gehört verurteilt, auch wenn er persönlich niemanden getötet hat (siehe Nürnberger Prozesse). Es wäre Zeit, dass sich die römisch-katholische Kirche distanziert und nicht Kirchen und Institutionen nach ihm benennt.
Hochachtungsvoll

wHR. Prim i.R. Dr. Roland Pavelka, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Zytodiagnostik), aus Graz und Rannersdorf über E-Mail, 10. Juli 2015





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktual06.01.2018e -->e -->

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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