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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes von Euböa

auch: Johannes ho Rosos, der Russe

Gedenktag orthodox: 27. Mai

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Sklave, Wundertäter
* um 1690 in der Ukraine
† 27. Mai 1730 in Prokopion, heute Ürgüp bei Kayseri in der Türkei


Johannes war Bauernjunge, als Soldat nahm er 1711 am Feldzug von Zar Peter dem Großen gegen die Türkei teil. Dabei fiel er als Kriegsgefangener in türkische Hand, wurde auf dem Sklavenmarkt verkauft und kam nach Prokopion - dem heutigen Ürgüp bei Kayseri - in der Türkei. Er trat nicht - wie viele seiner Kriegskameraden - zum Islam über; im Pferdestall, seinem Schlafplatz, sang er nachts Psalmen, in einem kleinen Kirchlein für die griechische Bevölkerung empfing er die EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23..

Die Legende erzählt, wie der Aga des Ortes eines Tages zu einer Pilgerfahrt nach Makkah/Mekka aufbrach. Während seiner Abwesenheit lud seine Gattin zu einem Bitt-Mahl ein, damit Allah den Gatten unversehrt zum Ziel seiner Wallfahrt gelangen lasse, Johannes war der Tischdiener. Unter den Speisen war auch Pilaf - ein im Orient beliebtes Mahl aus Reis und Hammelfleisch. Schön wäre es, wenn mein Gatte jetzt auch davon speisen könnte, seufzte die Frau; Johannes griff dies schnell auf: Gib mir einen Teller voll, den ich mit Gottes Hilfe zum Aga gelangen lasse. Unter dem höhnischen Gelächter der Gäste gab man ihm den Pilaf, Johannes ging in seine Gebetsecke im Stall und bat seinen Gott, die köstliche Speise seinem Herrn im fernen Mekka zukommen zu lassen. Gott erhörte den Wunsch; als der Aga nach seiner Rückkehr von dem überraschenden Empfang des Pilaf berichtete, waren alle wie versteinert. Von dieser Stunde an sah man im Dorf, ob Muslim oder Christ, den kriegsgefangenen Russen als einen Gerechten Gottes an.

Drei Jahre nach Johannes' Tod staunten die orthodoxen Gläubigen über eine Lichterscheinung über dem Grab des Russen. Aus dem Grabe gehoben, sahen sie seinen Leichnam unverwest und betteten ihn in einen Holzschrein der St. Georgskirche; 1868 wurde diese Kirche Johannes geweiht. 1832 gab es einen Aufstand des Ägypters Ibrahim Pascha gegen Sultan Mahmud II., der ließ eine Armee von 80.000 Mann in Prokopion aufmarschieren. Die Christen des Orts versteckten sich aus Angst in Höhlen. Bei der Plünderung erbrachen die Soldaten auch den Sarg des Johannes, erschraken aber vor einem Lichtstrahl.

Die orthodoxen Bewohner von Prokopion hatten eine großräumige neue Kirche gebaut und wollten Johannes dort einen Ehrenplatz schaffen, doch die Reliquie sei auf unerklärliche Weise stets wieder in das kleine Kirchlein zurückgekehrt. Neben der Kirche war die Schule. 1862 hatte eine der Frauen aus dem Ort einen Traum, in dem Johannes aus dem Sarg stieg und das Schuldach auf seinen Händen trug. Kaum hatte die Frau den Nachbarn ihren Traum erzählt, als sich ein Krachen vernehmen ließ; das Schuldach war eingestürzt, doch keinem der zwanzig Kinder war ein Leid geschehen.

Als die Griechen 1924 beim Bevölkerungsaustausch umgesiedelt wurden, nahmen sie die Reliquien von Johannes mit. Im neu gegründeten Ort Prokopion auf Euböa wurde sie in einen silbernen Schrein gebettet. Mit dem Bau der neuen Kirche wurde 1930 begonnen, 1951 wurde sie fertig; die Heilungswunder, die in der Flüchtlingssiedlung Prokopion am unverwesten Leichnam des Johannes geschahen, haben den Ort in ganz Griechenland berühmt gemacht. Der Leichnam von Johannes ist heute schwarz. Berichtet wird, die Türken hätten den Heiligen verbrennen wollen, aber die Gebeine verbrannten nicht. Als der Leichnam 1986 mit neuen Kleidern umhüllt wurde, verbreitete sich ein wunderbarer Duft, zwei Wochen lang war die Kirche von Wohlgeruch erfüllt. Am Festtag strömen heute 15.000 Pilger herbei.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.11.2014

Quellen:

• Friedrich Heyer. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. III, Herzberg 1992

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.