Ökumenisches Heiligenlexikon

Marcel Callo

Gedenktag katholisch: 19. März
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet: 19. April
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Linz: 19. April
Diözesankalender Essen und Eichstätt

Name bedeutet: dem (römischen) Kriegsgott Mars geweiht (latein.)

Märtyrer
* 6. Dezember 1921 in Rennes in Frankreich
19. März 1945 in Mauthausen in Österreich


Marcel Callo
Marcel Callo

Marcel war das zweite von acht Kindern einer frommen Familie. Nach dem Abschluss der höheren Grundschule absolvierte er eine Lehre als Buchdrucker, außerdem war er Ministrant und Mitglied bei den Pfadfindern. im Alter von 13 Jahren trat er der Christlichen Arbeiter-Jugend bei. Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen verhalf er vielen Franzosen, die zur Zwangsarbeit abkommandiert waren, zur Flucht in die freie Zone des Landes. Er selbst aber wurde im Frühjahr im Rahmen des Zwangsarbeitsdienstes STO 1943 nach Deutschland verschleppt: Ich gehe nach Deutschland, um den andern zu helfen durchzuhalten.

1943 kam Marcel Callo ins Arbeitslager Zella-Mehlis, wo er trotz seiner stets labilen Gesundheit täglich zehn bis elf Stunden in einem Rüstungsunternehmen arbeiten musste. Im Lager gründete er eine katholische Aktionsgruppe, sammelte zum Gottesdienst, wirkte als Chorleiter und Krankenpfleger. Im April 1944 wurde er wegen seines religiösen Einsatzes unter den Kameraden verhaftet: Durch seine katholische und religiöse Aktion hat er sich als Schädling für die Regierung der nationalsozialistischen Partei und für das Heil des deutschen Volkes erwiesen. Er kam erst nach Gotha ins Gefängnis, dann ins KZ Flossenbürg und im Oktober ins Konzentrationslager bei Mauthausen. Dort musste er in der Außenstelle Gusen II im unterirdischen Flugzeugwerk bei der Produktion von Düsenjägern des Typs Me 262 mitarbeiten. Er starb, völlig entkräftet, an den Folgen von Entbehrungen und Misshandlungen.

2002 wurde in Rennes eine Pfarrei in der Nähe des Flughafens St. Jacques-de-la-Lande nach Marcel Callo benannt. An seinem Geburtshaus in der Altstadt erinnert eine Tafel an die Familie Callo und ihre neun Kinder; eine Schule in der Rue de Dinan trägt seinen Namen. In Castrop-Rauxel ist ein Jugendzentrum der DPSG nach ihm benannt. Auch in Augsburg und Heiligenstadt tragen katholische Bildungshäuser den Namen von Marcel Callo, in Zella-Mehlis wurde der Platz vor der katholischen Kirche nach ihm benannt, 2010 wurde eine Gedenktafel am Amtsgericht in Gotha angebracht. In Linz-Auwiesen, unweit der früheren unterirdischen Produktionsstätten, erinnern der Pfarreiname Marcel Callo und ein Marcel Callo-Weg an den Glaubenszeugen aus der Bretagne. Marcel Callo wurde im Jahr 2004 mit eigenem Gedenktag in den Regionalkalender der deutschsprachigen Diözesen aufgenommen.

Kanonisation: Am 4. Oktober 1987 wurde Marcel Callo durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Worte des Seligen

Marcel Callo skizziert in einem Vortrag am 31. März 1940 sein Ideal der Christlichen Arbeiter-Jugend:
Wir sind die Christliche Arbeiter-Jugend. Wir haben den Blick auf Christus, unser Vorbild, gerichtet und wollen die Arbeiterklasse zu einem christlichen Leben zurückführen, ohne das kein Glück Bestand hat … Wir verachten die Egoisten, die nur an sich selber denken, an ihre eigenen Interessen und Vorteile und - wenn sie es können - auf die andern die Schwierigkeiten der Arbeit und die Lasten des Lebens abwälzen. Wir sind keine Glücksjäger und Emporkömmlinge, die bereit sind, die anderen zu opfern, wenn sie sich nur selber einen Weg bahnen und irgendeine Goldader finden: Alle Arbeiter sind für uns Brüder, und deshalb wollen wir, dass Vertrauen, Friede und Brüderlichkeit unter uns herrschen. …
Schließlich sind wir Christen. … Vereint mit Christus durch ein echt christliches Leben, bemüht sich der CAJler, in all seinen Handlungen dem göttlichen Vorbild, Christus dem Arbeiter, nachzueifern. Er weiß, dass die Leiden und Mühen der Arbeit in Gottes Augen einen großen Wert haben. Er weiß, dass sein Leben sehr kostbar ist, wenn er leidet, und deshalb lacht und singt er immer, selbst wenn er in Not ist. …
Eine machtvolle und starke Christliche Arbeiter-Jugend tut not, die fähig ist, sich Achtung und Gehör zu verschaffen, um auf den Arbeitsstellen die Rechte und die Freiheit aller zur Geltung zu bringen: machtvoll durch die Zahl ihrer Mitglieder - stark durch die Qualität ihrer Vorkämpfer. Eine solche CAJ wird in der Arbeitswelt. Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe verbreiten - mit dem Ergebnis, dass der Arbeiterstand in jeder Hinsicht aufgewertet wird, dass er den Frieden und das Glück findet, das er erwartet. …
Das ist unser Ideal und unser Programm. Wir sind zu jedem Opfer bereit, um es zu verwirklichen. Davon lassen wir uns durch nichts abbringen. Wir werden, wenn es nötig ist, dafür bis ans Ende unserer Kräfte, bis zum äußersten gehen.

Quelle: Marcel Callo - Zeuge des Glaubens und der Versöhnung - eine Dokumentation. Hrsg. von Rosemarie Pabel, Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 1991, S. 13

Zitate von Marcel Callo:

Wir sind oft schlechte Werkzeuge in den Händen Gottes, weil wir schlechte Gewohnheiten, schlechte Neigungen haben. Wir werden gute Werkzeuge der Gemeinschaft, gute Bauleute der Neuen Stadt, wenn wir CHRISTUS in die Mitte unseres Lebens stellen. Nehmen wir CHRISTUS also in unser ganzes Leben hinein, in alle unsere Handlungen; denn in dem Maß, in dem wir IHN mitten hineinstellen in unser Leben, wirken wir für das Wohl der Gemeinschaft. Deshalb wollen wir IHN möglichst oft in der Eucharistie empfangen.

Der Christ ist diesen Namen nicht wert, wenn er nicht kämpft. … Er muss Apostel sein. Vorkämpfer sein ist nicht nur Sache Christlicher Arbeiter-Jugend; es ist vielmehr Aufgabe jedes echten Christen.

Vor seiner Ankunft als Zwangsarbeiter in Zella-Mehlis: Ich gehe nicht als Arbeiter dorthin - ich fahre als Missionar. Glücklicherweise gibt es einen Freund, der mich nicht einen einzigen Augenblick verlässt und der versteht, mich in notvollen und niederdrückenden Stunden aufrecht zu halten. Mit IHM erträgt man alles. Wie dankbar bin ich Christus, dass er mir den Weg, auf dem ich mich gegenwärtig befinde, durch sein Beispiel vorgezeichnet hat!

Marcel CallosTägliches Gebet: Jesus Christus, ich will in der Christlichen Arbeiter-Jugend immer mehr ein Leiter, ein Vorkämpfer werden, der stolz, rein und fröhlich ist. Mit einem Herzen, das überströmt von Liebe zu meinen Brüdern, will ich die jungen Arbeiter gewinnen.
In DIR, Jesus, will ich leben. Mit DIR will ich arbeiten. Durch DICH will ich beten. Für DICH will ich alle meine Kräfte und meine ganze Zeit einsetzen - in allen Situationen meines Lebens. A m e n.

Quelle: Marcel Callo - Zeuge des Glaubens und der Versöhnung - eine Dokumentation. Hrsg. von Rosemarie Pabel, Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 1991, S. 22 - 28

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Martyrologium Romanum Flori-Legium

  Hans und Ingrid Mittelmeyer stellen auf ihrer Homepage Marcel Callo und sein Vermächtnis dar.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Gedenkstätte ehemaliges Konzentrationslager bei Mauthausen ist zwischen März und Oktober täglich von 9 Uhr bis 17.30 Uhr und zwischen November und Februar von 9 Uhr bis 15.45 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. (2019)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 11.11.2019

Quellen:
• Ferdinand Holböck: Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 2. Christiana, Stein am Rhein, 1992
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6., Herder, Freiburg im Breisgau 1997
• Wolfgang O. Hugo: Häftling 108548 ist viel zu katholisch. In: Die Tagespost, Samstag, 21. März 2015
• http://dialnet.unirioja.es/servlet/articulo?codigo=107536

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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