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Ökumenisches Heiligenlexikon

Ausgrabungen zu den 40 Märtyrern


St.-Laurenz-Basilika in Enns-Lorch
St.-Laurenz-Basilika in Enns-Lorch

Entsprechend der Passio Floriani sollen im Jahr 304 außer Florian noch 40 andere Christen umgekommen sein. Sie waren - so die Erzählung - nach vielen Martern eingekerkert worden und starben schließlich im Gefängnis. Die Überreste der 40 namenlosen Märtyrer ruhen seit dem 3. Mai 1968 in dem an diesem Tag von Diözesanbischof DDr. Franz Zauner geweihten Hochaltar der St. Laurenz-Basilika in Enns-Lorch.

Im Verlauf der Kirchenrestaurierung von St. Laurenz, die ab 1894 unter Leitung des Ennser Musealvereines vorgenommen wurde, hatten Arbeiter 1900 die hölzerne Verkleidung des Hochaltars und Teile der schadhaften steinernen Vorderwand entfernt und waren auf einen Hohlraum gestoßen. Im Altar fanden sie einen schmucklosen - zweifellos antiken - Steintrog im Ausmaß von 76 x 75 x 43 cm. Bedeckt war der Trog mit einer bald berühmt gewordenen 76 cm breiten, 88 cm hohen und 12 cm dicken Platte aus Granit, die dem Genius (Schutzgeist) der Legio II Italica geweiht war und aus dem Jahr 191 stammt. Die Platte hat aber keine Beziehung zum Trog.

Kupferstich: Die Gefährten des hl. Florian im Kerker. Aus: Bertholdus Mellicensis: Sancta et beata Austria, erschienen 1750
Kupferstich: Die Gefährten des hl. Florian im Kerker. Aus: Bertholdus Mellicensis: Sancta et beata Austria, erschienen 1750

In diesem Steintrog fanden sich Knochenreste von mehreren Personen - nach einem privaten und unverbindlichen Urteil der untersuchenden Ärzte handelte es sich um die Reste von zwei oder drei Kindern und 17 bis 18 Erwachsenen. Des Weiteren fand man Tierknochen und Nägel, die zum Teil in einer Art Holzkohle steckten. Offensichtlich handelte es sich um die Reste eines sehr alten, vermoderten, zum Teil verkohlten Holzsarges im Inneren eines Steintrogs. Die Gebeine waren von einem größtenteils zerstörten Gewebe - einem Reliquientuch - umhüllt, es hatte eine Größe von 45 x 26 cm und zeigte einfache blaue Längs- und Querstreifen. Univ. Doz. DDr. Gerhart Egger datierte es nach Rücksprache mit Dr. Wulf Volbach, dem größten Kenner antiker Gewebe, in die Zeit des 4. bis 6. Jahrhunderts. Das Reliquientuch war nach 1900 - dem Jahr der Entnahme durch den Obmann des Musealvereins Enns - und 1963, dem Jahr, in dem es MR Dr. Herbert Kneifel im Ennser Museum wieder auffand, verschwunden. 1964 wurde es bei der Ausstellung Frühchristliche und koptische Kunst in Wien gezeigt.

Da keine Bestätigung für die Echtheit der Reliquien gefunden werden konnte, beantwortete die im Vatikan tätige Ritenkongregation die Anfrage des Linzer Bischofs 1901 folgendermaßen: Die Reliquien sind aus dem Altar zu entfernen! Die Tierknochen sind auszusondern, die anderen - menschlichen - Gebeine sind außerhalb des Altars aufzubewahren. Es darf ihnen keine Verehrung gezollt werden. Der Altar ist in gewohnter Weise mit einer Reliquien-Kapsel, in der sicher echte Reliquien sind, neu zu konsekrieren. Mesner Anton Peham begrub daraufhin die Gebeine im Auftrag und im Beisein des Stadtpfarrers von Enns, Dechant Vinzenz Willnauer, und des Vorsitzenden des Ennser Musealvereins, Oberingenieur Georg Eckl, im Friedhof.

1944 war Prof. Dr. Eberhard Marckhgott KaplanEin Kaplan (von lateinisch capellanus, „der einer Hofkapelle zugeordnete Kleriker”) ist im deutschen Sprachraum ein römisch-katholischer Priester in den ersten Jahren nach seiner Weihe, der in der Regel noch einem erfahrenen Pfarrer unterstellt ist. In manchen Bistümern wird er Vikar genannt - dies ist die Bezeichnung des kanonischen Kirchenrechts von 1983 - in anderen Kooperator. in Lorch. Er war - gestützt auf die von Archivdirektor Ignaz Zibermayr veröffentlichten Ergebnisse - von der Echtheit der im Friedhof von Lorch befindlichen Reliquien überzeugt und konnte den damaligen Kapitelvikar und Bischof von Linz, Dr. Josef Calasanctius Fließer, für seine Ansicht gewinnen. So wurden die Gebeine erhoben und einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Die Untersucher sprachen sich für die frühchristliche Herkunft und damit für die Echtheit der Reliquien aus. Der Steintrog, der 1901 nicht in die Grube versenkt worden war, wurde im April 1944 bei Säuberungsarbeiten an der Südseite des Turms wiederentdeckt, in die Kirche gebracht und seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Die feierliche Beisetzung der Gebeine hinter dem Marienaltar in der Frauenkapelle der St. Laurenzkirche fand am 4. Mai 1944 statt.

Bei den am 1960 unter der Leitung von Oberrat Dr. Lothar Eckhart durchgeführten archäologischen Grabungen konnte festgestellt werden, dass die Maße des in Rede stehenden Steintrogs exakt mit denen des Fundaments des Altars der ersten christlichen Basilika aus dem 4. Jahrhundert übereinstimmten. Der Sarkophag dürfte einen Teil des Altarfußes gebildet haben; davon ist eine frühe kultische Verehrung der Gebeine abzuleiten.

Im Zuge der archäologischen Untersuchungen wurden die Reliquien 1962 erneut erhoben und in die Universität Wien zu Prof. Dr. Emil Breitinger, Inhaber der Lehrkanzel für Anthropologie, gebracht. Prof. Breitinger, der selbst alle Maßnahmen der Konservierung und Untersuchung der Reliquien persönlich vorgenommen hatte, stellte 1968 in einem Bericht an das Bischöfliche Ordinariat Linz fest, dass die Gebeine von mindestens 31 Individuen, möglicherweise von 40 oder mehr Individuen, größtenteils erwachsenen Männern, stammen; mindestens zwei der Knochenfragmente tragen die eindeutigen Kennzeichen jugendlichen Alters.

Für die Neubeisetzung der Lorcher Märtyrer wurde im März 1968 von der Fa. Lahner in Wien ein Plexiglas-Sarg angefertigt, der nach Aussage von Prof. Breitinger die Gebeine am besten konserviert. In diesen Behälter bettete Prof. Breitinger die Reliquien. Dieser Plexiglas-Sarg wurde am 3. Mai 1968 in den alten Steintrog versenkt. Eine Reliquie von Florian überbrachte der damalige Kardinal Karol Wojtyla - der spätere Papst Johannes Paul II. - nach Österreich, damit sie bei der Weihe des Hauptaltars in den Altarblock, der den Steinsarg mit den Gebeinen der Märtyrer von Lorch umschließt, eingemauert werden konnte.

Beitrag von Prof. Helmut Bouzek aus Wien XIII, E-Mail vom 21. Februar


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Autor: Prof. Helmut Bouzek - zuletzt aktualisiert am 14.09.2015
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