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Ökumenisches Heiligenlexikon

Karl Borromäus in Hohenems

Ein Heiliger auf Besuch


Noch heute lebt in Ems die Erinnerung an den Besuch von Carl Borromäus fort, der im Jahre 1570 in den letzten Tagen des August auf Schloß Hohenems bei seiner Schwester Hortensia und dem Schwager Jakob Hannibal weilte.

Seit dem Besuch des Erzbischofs sind schon fast 4½ Jahrhunderte vergangen und die Erinnerung, von der hier berichtet wird, ist inzwischen wohl verblasst.

Wolf Dietrich, ein (Hohen-)Emser Ritter, ist als Hauptmann schon in jungen Jahren mit seinem Vater Märk Sittich nach Oberitalien gekommen. Hier hat er Clara de Medici kennengelernt und bald darauf nimmt er die reiche Mailänderin zur Frau. Auch Margherita, die jüngere Schwester Claras, heiratet, und zwar einen Grafen Borromeo. Einer ihrer Söhne ist der erwähnte spätere Kardinal und Erzbischof von Mailand. Für ihn scheint die kirchliche Laufbahn schon von seiner frühesten Jugend an ins Auge gefasst worden zu sein, denn bereits mit zwölf Jahren wird ihm das Amt eines Abtes übertragen. Mit 21 Jahren besteht er das juristische Doktorexamen mit Auszeichnung und wird vom Papst Pius IV. – es ist sein Onkel Gian Angelo – nach Rom berufen. Hier führt der 22-Jährige als Kardinal – noch ohne Priesterweihe (!) – das Leben eines Renaissancefürsten.

Zu dieser Zeit tagt in der Fürstbischofsstadt Trient bereits seit etlichen Jahren ein Konzil, das es sich anfangs noch zur Aufgabe gestellt hat, die damals drohende Kirchenspaltung zu verhindern. Inzwischen ist von dieser Absicht nichts mehr zu erkennen und als nach einer Tagungsdauer von insgesamt 18 Jahren im Dom von Trient die Schlussdekrete verlesen werden, ist die Glaubensspaltung endgültig besiegelt. Eine straffe Führung der Gläubigen, regelmäßige Visitationen der Pfarreien und vor allem ein verbindliches Glaubensbekenntnis sollen die Kirche wieder mit neuer Kraft erfüllen. Jesuiten und Kapuziner werden das Menschenmögliche tun, um die Beschlüsse in die Tat umzusetzen. Auch Carlo Borromeo trägt einen guten Teil dazu bei, denn er nimmt es ernst mit seiner Aufgabe. Inzwischen ist er kurz nacheinander zum Priester und zum Bischof geweiht worden und als Erzbischof von Mailand liegen ihm die seelsorglichen Angelegenheiten besonders am Herzen.

1570 kommt er nach Hohenems. Dort lebt seit fünf Jahren seine Halbschwester Hortensia, die hierher geheiratet hat. Carlos Vater hat sich nämlich nach dem frühen Tod Margheritas noch einmal verehelicht, und seine damals erst vierzehnjährige Tochter Hortensia ist die Frau des Emser Grafen Jakob Hannibal, des Sohnes von Wolf Dietrich und Clara, geworden.

Gemälde in der Karl Borromäus geweihten Pfarrkirche in Hohenems
Gemälde in der Karl Borromäus geweihten Pfarrkirche in Hohenems

Der Weg, den der Kardinal damals genommen hat, ist bekannt. Die Reise bringt ihn vom Tessin über den Gotthard-Pass nach Luzern und dann nach St. Gallen, wo noch heute das Karlstor an seinen Einzug in den Klosterbezirk erinnert. Anschließend begleitet ihn der Abt nach Rorschach und von dort geht es nach Hohenems, wo er Ende August eintrifft.

Die alten Leute wollen noch ganz genau den Saal wissen, in dem Karl damals gewohnt hat. Er habe sich in dem der Reichsstraße am nächsten gelegenen Eckturme aufgehalten. Auch das Bett, in dem der Kirchenfürst geschlafen habe, sei erst vor etlichen Jahrzehnten weggeführt worden. Die es damals noch gesehen haben, sagen, es sei ein sehr schönes Himmelbett gewesen.

Dass ein standesgemäßes Übernachten während der paar Tage des Besuchs möglich war, braucht nicht bezweifelt zu werden. Zu dieser Zeit wurde in Ems gerade fleißig gebaut. Acht Jahre zuvor hatte man am Fuß des Schlossfelsens mit der Errichtung eines Renaissance-Palastes begonnen, der im Jahre 1570 sicher schon teilweise bewohnbar war. Gleichzeitig war auch das Stammschloss Alt-Ems zu einer angemessenen Residenz für das junge gräfliche Paar ausgebaut worden. Wenn man bedenkt, dass Carlo seine Halbschwester seit ihrer Abreise aus Rom vor drei Jahren nicht mehr gesehen hatte, ist zu vermuten, dass er damals auch dort oben untergebracht worden war, zumal er sich stets über das Wohlbefinden seiner Verwandten freute, speziell das Hortensias und deren kleinen Tochter Margareta. Gerade während der Besuchstage herrschte auf Alt-Ems jedoch große Trauer, war doch erst einige Tage zuvor bereits der zweite Stammhalter im zarten Alter von knapp drei Wochen verstorben. Es ging Carlo also wohl auch darum, möglichst in Hortensias Nähe zu sein, um sie zu trösten und aufzuheitern, so gut es ging. Andererseits hatte er als Kardinal im Rahmen seiner Visitation auch Aufgaben wahrzunehmen, die vom Palast aus sicher besser zu erledigen waren. Außerdem benützte er seine Anwesenheit dazu, die kirchlichen Verhältnisse persönlich zu inspizieren. Ernsthaft redete er zum Beispiel den Pfarrherren von Ems und Ebnit ins Gewissen. Der Ebniter Pfarrer scheint sich die Ermahnungen zu Herzen genommen zu haben, er entließ jedenfalls unmittelbar darauf seine Köchin; vom Emser ist diesbezüglich nichts bekannt.

Dass Carlo sich auch um die Verhältnisse in Ebnit kümmerte, hatte damit zu tun, dass die Ämliger damals Leibeigene der Emser Grafen waren. Der Emser Ritter Ulrich I. war es ja gewesen, der dort Mitte des 14. Jahrhunderts drei freie Walser mit Gütern belehnt hatte.

Wenn eine Sage erzählt, im Palast sei auch nach dem Besuch des Kardinals noch des Nachts Licht gesehen worden, deutet dies vielleicht an, dass dieser seine Arbeit sehr ernst genommen haben dürfte; nicht verwunderlich, dass er schließlich noch sein Käpple vergaß. Natürlich wurde dann im Jahre 1806 – der Erzbischof war knapp 200 Jahre zuvor heiliggesprochen worden – die neue Emser Pfarrkirche außer zu jener der Himmelfahrt Mariens auch zu seiner Ehre geweiht.

In jüngster Zeit ist durch eine Initiative des Schifflewirts Ernst Fässler und seiner Familie am Schiffle-Weagle für den Mailänder Kardinal eine Gedächtnis-Säule aufgestellt worden, angefertigt aus einer zweihundertjährigen Mooreiche.

Am Karlstag, dem 4. November, wenn die Gemeinde das Fest ihres Kirchenpatrons mit Glockenklang und Böllerknall feierlich begeht, erteilte in früheren Jahren der Priester dem Volk damit seinen Segen, heißt es bei vom gerade erwähnten Karlskäpple.


Aus: Franz Elsensohn aus Götzis: Emser Sagenreise, Hohenems 2014

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Autor: Franz Elsensohn - zuletzt aktualisiert am 07.11.2018
korrekt zitieren:
Franz Elsensohn: Artikel
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