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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hinweise zu Stadlers »Heiligen-Lexikon« Abkürzungen

Bavo (Allowin) von Gent


S. Bavo (Alloynus), Conf. (1. Oct. al. 1. Aug. al. 10. Mai). Der hl. Bavo (eigentlich Alloynus geheißen, denn Bavo war sein Zuname) stammte von einem vornehmen Geschlechte in Hasbain (Brabant) ab, und war (nach dem Proprium von Utrecht etc.) sein Vater der Graf Angelulf von Hasbain und seine Mutter Adeltrude. Wurde er auch in aller Gottesfurcht erzogen, so artete er doch später aus und führte einen sehr lasterhaften Lebenswandel; doch durch den Tod seiner Gemahlin, wie Butler sagt, endlich erschüttert, stellte er über die Eitelkeit der Welt Betrachtungen an und bekehrte sich unter der Leitung des hl. Bischofs Amandus von Mastricht vollkommen zum bessern Leben (Vgl. S. Amandus2). Wenn hier Butler die Bekehrung unsers Heiligen mit dem Tode seiner Gattin ihren Anfang nehmen läßt, so setzt das berührte Proprium von Utrecht dieselbe in eine frühere Zeit und sagt, er habe mit seiner Gattin, die ihm eine Tochter gebar, Agletrudis 1 mit Namen, in Gottseligkeit gelebt. Zu seiner Bekehrung soll nach Einigen seine Tochter Agletrudis außerordentlich viel beigetragen haben. Uebrigens ist es richtig, wenn Butler fortfährt, er habe nach dem Tode seiner Gemahlin alle seine Güter an die Armen vertheilt und sich ganz unter die Leitung des hl. Bischofs Amandus begeben. Mit Erlaubniß des Letztern zog sich unser Heiliger einige Zeit nach seiner Bekehrung in die Einsamkeit zurück, verschloß sich anfänglich in die Höhle eines dicken Baumstammes, erbaute sich dann eine Zelle in dem Malmeduner Walde bei Gent und lebte da einzig von Wasser und wilden Kräutern. Als er aber großen Zulauf von den Menschen hatte, zog er sich nach Gent in das Kloster des hl. Petrus zurück, dessen Abt (der hl. Floribert) ihm erlaubte, eine neue Zelle in dem benachbarten Forste zu errichten. Hier lebte der hl. Bavo, ganz allein mit dem Ueberirdischen beschäftigt, bis zu seinem Tode, der am 1. Oct. um die Mitte des 7. Jahrhunderts erfolgte. Mabillon setzt seinen Tod in das Jahr 653, der Boll. Henschenius (ad S. Amandum, 6. Febr.) in das J. 657, der Boll. Perier dagegen, der sein Leben am 1. Oct. ausführlich und nach allen Seiten besprochen hat, in das Jahr 654, das oft berührte Proprium von Utrecht aber in das Jahr 631. Wer Recht hat, können wir nicht entscheiden; übrigens dürften Mabillon und Perier der Wahrheit am nächsten gekommen seyn. Es geschahen bei seinem Grabe so viele Wunder, daß es zum Sprüchwort wurde:

Eher wird die Welt vergehen,
Als einen zweiten Bavo sehen. 1

In den Diöcesen Utrecht, Harlem, Deventer u.s.w. wird das Fest des hl. Bavo am 1. Oct. feierlichst cum Octava begangen, am 1. Aug. das Fest seiner Elevation (Erhebung) und am 10. Mai seiner Translation. Im Mart. Rom. kommt er gleichfalls am 1. Oct. vor. Was endlich die künstlerische Darstellung betrifft, so wird er als Einsiedler abgebildet mit einem großen Stein im Arm und einen hohlen Baum neben sich, was auf seine strenge Lebensweise Bezug hat, indem ein Stein ihm zum Kopfkissen und ein hohler Baum ihm eine Weile zum Aufenthalt gedient hatte. Was den Stein insbesondere betrifft, so wird er immer noch (zur Zeit der Boll.) heilig bewahrt (religiose servatur) und besucht in der Pfarrei Mendonck, wo eine Kirche zu Ehren des hl. Bavo ist.

1 Siehe diese, welche übrigens öfter für identisch mit der S. Adeltrudis (19. März) genommen wird.

2 Ante perit mundus, redeat quam Bavo secundus. Mab. II. p. 395.




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zuletzt aktualisiert am 29.11.2016
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