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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hinweise zu Stadlers »Heiligen-Lexikon« Abkürzungen

Maria Kreszentia (Anna) Höß


V. Crescentia Hoess, Virg. Mon. (5. vel 6. Apr.). Die ehrw. Maria Crescentia Höß, Oberin oder »Meisterin« (Magistra) in dem (früher »Mayerhof« genannten) Frauenkloster vom dritten Orden des hl. Franciscus zu Kaufbeuren, Bisthums Augsburg, erregte zu ihrer Zeit im südlichen Deutschland und auch weiterhin durch ihre Tugend und Frömmigkeit etc. ein so großes Aufsehen, daß selbst Fürsten und Fürstinnen an dieselbe sich wendeten, und auch jetzt noch durch mündliche Ueberlieferung viel Wunderbares, aber freilich auch viel Unverbürgtes von ihr erzählt wird. Da es nun gewiß in mehr als Einer Beziehung höchst wünschenswerth erscheint, ganz sicher verbürgte Nachrichten über diese (unserer Diöcese angehörige) ehrwürdige Dienerin Gottes zu erhalten, so fanden wir für nothwendig, etwas ausführlicher über sie zu berichten, wobei wir nur bedauern, daß die in diesem »Heiligen-Lexikon« uns vorgesteckten engen Grenzen nicht eine noch größere Ausführlichkeit uns gestatten. Bei diesem Berichte folgten wir ganz getreu dem zu Rom im J. 1797 gedruckten Acten-Auszuge (Informatio), welcher dem hl. Vater Pius VI. zum Behufe der Beatification der ehrwürdigen Maria Crescentia sammt den Bemerkungen des sogenannten Teufels-Advokaten (Promotor Fidei), Namens Hieronymus Napuleoni, und den Erwiederungen des Vertheidigers (Subpromotor Fidei), Namens Aloysius Gardellini, nebst den Summarien der wichtigsten Zeugen-Aussagen in einem Groß-Quart-Bande von mehr als 70 Bogen vorgelegt worden ist, und welchen uns das Hochw. Bischöfl. Ordinariat Augsburg auf unsere deßfalls gestellte Bitte vom 15. Nov. 1856 mit dankenswerther Bereitwilligkeit zur Benützung gnädigst überlassen hat. An der Spitze dieses Acten-Auszuges, welcher sich in diesem Stadium vorzugsweise mit den Tugenden der ehrw. Dienerin Gottes befaßt und die vorgebrachten, auf ihre Fürbitte gewirkten, vielen Wunder nur nebenher berührt, steht ein von Gardellini verfaßter kurzer Ueberblick ihres Lebens (Synopsis vitae), welchem die nun folgenden Angaben entnommen sind. - Unsere ehrw. Dienerin Gottes erblickte das Licht der Welt am 20. Oct. 1682 in der ehemaligen freien Reichstadt Kaufbeuren, und erhielt in der heil. Taufe den Namen Anna, den sie bei Ablegung ihrer Klostergelübde mit Maria Crescentia vertauschte. Ihre Eltern waren Matthias Höß, ein Leinweber und Bürger dieser Stadt, und Lucia Hörmann, die Tochter eines Chirurgen oder Barbierers aus Füßen, beide fromm und gottesfürchtig, und eben deßhalb trotz ihrer Armuth von ihren Mitbürgern allgemein geliebt und geachtet. Der Vater war ein vorzüglicher Verehrer des bittern Leidens und Sterbens Jesu, und hatte zum Andenken daran häufig bittere Pillen oder Kräuter im Munde, die er auch unter seine kärgliche Mahlzeit mischte, um sich im Hinblick auf das Leiden des Herrn in der Abtödtung zu üben. Die Mutter zeichnete sich durch Werke der Liebe gegen Arme und Kranke aus, indem sie, ihre im elterlichen Hause erlernten medicinischen Kenntnisse benützend, denselben umsonst Arzneien, Verbände und Anderes der Art bereitete. Ein solches Beispiel der Eltern konnte nicht ohne Einfluß auf ihre aufblühende Tochter Anna bleiben, welche unter vier Kindern das zweitälteste war. 1 Um dem Gekreuzigten das Opfer ihrer Nachahmung und Liebe darzubringen und die Sinnlichkeit gänzlich zu ertödten, vermischte auch sie schon im kindlichen Alter nach dem Beispiele ihres Vaters ihre Speisen mit bittern Säften, und entzog sich jede Nahrung, die zur Erhaltung ihres Lebens nicht unumgänglich nöthig war, um sie mit Erlaubniß ihrer Eltern den Armen zukommen zu lassen, in denen sie ihren Heiland liebte; auch legte sie, in heiligem Verlangen, dem himmlischen Bräutigam allein anzugehören, schon in ihrem 6. oder 7. Jahre das Gelübde der Keuschheit ab, welche Liebe der Unschuld dem Herrn so sehr gefiel, daß er sie von nun an mit seinen Gnaden überhäufte, und daß sie nach der Aussage der Beichtväter, denen sie es später unter Dank gegen Gott gestand, ihr ganzes Leben hindurch nicht die mindeste Versuchung wider die Reinigkeit verspürte. Dabei war sie immer heiter und in Gott vergnügt; zugleich hatte sie in diesen kindlichen Jahren schon eine solche Einsicht in die Geheimnisse des Reiches Gottes, daß Alle darüber in Verwunderung geriethen und man allgemein glaubte, sie könne dieselbe nur durch höhere Erleuchtung erhalten haben. Wenn nämlich in der Christenlehre keines von den größern Kindern und Erwachsenen die an sie gestellten Fragen beantworten konnte, so war sie es, die es jedesmal mit solcher Klarheit und Anmuth vermochte, daß die damaligen Katecheten sie einigemal an einen erhöhtern Platz stellten, um durch sie den Uebrigen die Lehrsätze des Glaubens vorsagen und auslegen zu lassen. Der Schule entwachsen, half sie ihrem geliebten Vater in seiner Handarbeit und lernte nebenbei auch noch die Musik, widmete aber jede Zeit, die sie von ihren Geschäften erübrigen konnte, dem Gebete und der Betrachtung des Leidens Christi. Doch mit zunehmenden Jahren entwickelte sich immer mehr ihr specieller Beruf, und sie fühlte sich seit Längerem zur klösterlichen Abgeschiedenheit unwiderstehlich hingezogen. Von menschlicher Seite hatte sie zwar keine Hoffnung, diese ihre Sehnsucht je gestillt zu sehen, da sie von ihren Eltern bei ihrer Armuth die nöthige Aussteuer nicht hoffen konnte; desto mehr aber nahm sie ihre Zuflucht zu Gott und bat ihn täglich, er möchte ihr die Gnade der Aufnahme in einen geistlichen Orden verleihen. Und ihre Hoffnung ward auch nicht getäuscht. Denn als sie in dem Kloster der Schwestern vom dritten Orden des hl. Franciscus in ihrer Vaterstadt bei einem dort sich befindenden Crucifixbilde inbrünstig um diese Gnade betete, hörte sie aus dem Munde desselben die Stimme: »Hier wird deine Wohnung seyn« (Hic habitatio tua erit); und damit sie zu dem ihr bestimmten Ziele gelangen möchte, fügte es die göttliche Vorsehung so wunderbar, daß der Bürgermeister der Stadt, ein großer Gönner des Hauses, der gerade dazumal den Klosterfrauen einen großen Dienst (eximium beneficium) geleistet hatte, obgleich er Protestant war, ihr die Aufnahme bewirkte. Nach dem oben bezeichneten Auszuge aus den weitläufigen (zwanzig Folianten füllenden) Untersuchungs-Acten hieß dieser Bürgermeister Matthias Worle von Wörburg, welcher wohl von ihren vergeblichen Wünschen gehört haben mochte und nun um ihre Aufnahme ohne ihr Wissen sich bemühte, wobei er die Bemerkung machte, »es wäre ewig Schade, wenn solch ein unschuldiges Lamm in der Welt bleiben müßte.« Der Dienst aber, den er gerade zu derselben Zeit den Klosterfrauen geleistet hat, wird von einem Zeugen dahin angegeben, daß er denselben bei Erwerb eines Hauses sehr verhilflich war. Auf seine Fürsprache, der man nichts abschlagen wollte und zu der noch ein Mandat des Provincials kam, ließen sich die Frauen herbei, die arme Weberstochter in ihre Mauern aufzunehmen. Es geschah am 16. Juni 1703 (nicht 1701, wie Braun und Andere haben), daß man sie, in ihrem 21. Lebensjahre, mit dem Ordenshabit bekleidete, und nun war sie selig im Herrn, den Ort ihrer Ruhe und ihres sehnsüchtigen Verlangens gefunden zu haben. Die in ihrem Beatifications-Proceß vernommenen Zeugen aber behaupten einstimmig, daß von da an, wo Crescenz jene Worte vom Crucifixbilde herab hörte, der sonst geschlossene Mund dieses Bildes offen blieb, und wir können aus eigener Anschauung beisetzen, daß dieses Bild bis auf den heutigen Tag mit offenem Munde gesehen wird. In ungestörtem Seelenfrieden waren bis zu diesem Zeitabschnitte Crescentia's Tage dahin geflossen, ohne daß sie durch das Feuer der Trübsale gegangen wäre, das der Herr seinen Dienern fast immer bereitet, ehe er sie den höchsten Gipfel der Vollkommenheit erreichen läßt. Aber nun sollte es anders kommen, und es war gewiß nicht ohne Vorbedeutung für ihr nächstfolgendes Leben, daß der Herr durch sein Kreuzesbild mit ihr geredet hatte; denn sie sollte nun auch den Becher seines Leidens kosten und so seinem Bilde gleichförmig werden. Leider sollten ihre eigene Vorsteherin und die ältern Klosterfrauen, die sie ihrer Armuth wegen verachteten, als Werkzeug dazu dienen. Denn um sie zum Austritt aus dem Kloster, das allerdings gerade damals sehr arm war, zu bewegen, verfuhren sie überaus hart und liebelos mit ihr. Gleich anfangs wies man ihr eine ganz finstere Zelle an, legte ihr die härtesten Arbeiten auf, ließ ihr nur schlechte Speisen vorsetzen und nöthigte sie, nachdem sie ihre ärmliche Zelle einer Neueintretenden hatte überlassen müssen, und nicht wußte, wo sie übernachten sollte, zwei Jahre lang von Thüre zu Thüre zu gehen, um bei einer oder der andern ihrer Mitschwestern, die sich etwa ihrer erbarmte, ein Unterkommen zu finden. Ja, auch sonst trieb man vielfach Spott mit ihr und suchte sie oft lächerlich zu machen, indem man ihr - selbst vor Gästen - allerlei läppische Aufträge ertheilte, die sie denn auch ohne Widerrede erfüllte. Allein die ehrwürdige Jungfrau betrachtete dieß Alles als müßte es eben so seyn, und war der Meinung, einer armen Weberstochter gebühre nichts Anderes. Als ihre jüngern Mitschwestern, die Mitleid mit ihr hatten, ihr vorstellten, in solchen Dingen sei sie der Vorsteherin keinen Gehorsam schuldig, erwiderte sie, man müsse der Oberin in Allem gehorchen, und wenn man die Wahl hätte, einem Engel oder der Oberin zu gehorchen; so müßte man sich der Letztern unterwerfen, weil man dabei im Gehorsame nicht irren könne, was bei einem Engel nicht so sicher der Fall wäre, da hier leichter eine Täuschung stattfinden könnte. Ueberhaupt erreichte ihr klösterlicher Gehorsam den höchsten Grad. Dieß bewies sie nicht nur in dem äußerst schweren Noviciat, das sie zu bestehen hatte, sondern auch nachmals, als die erste Oberin, Schmid mit Namen, abgesetzt und die Johanna Altweger, eine Frau, die der ehrw. Crescentia sehr zugethan war, Vorsteherin des Hauses wurde. Denn als ihr diese, vielleicht um ihren Geist zu prüfen, einmal den Auftrag gab, in einem ziemlich weiten Siebe Wasser aus dem Brunnen zu holen, gehorchte ihr Crescentia augenblicklich, und Gott belohnte diesen ihren Gehorsam, wie die eidlich vernommenen Zeugen einstimmig behaupten, dadurch, daß sie wirklich in dem Siebe, welches heute noch im Kloster zu Kaufbeuren gezeigt wird, Wasser schöpfen und ihrer Vorsteherin bringen konnte. Noch größere Leiden als ihre Mitschwestern verursachte ihr vier Jahre lang der böse Feind, der, um sie gleichfalls zum Austritt aus dem Kloster zu bewegen, ihr unter allerlei Schreckensgestalten erschien und ihr unter den ärgsten Mißhandlungen zusetzte, wie wir dieses auch von vielen andern Heiligen lesen. Einmal erschien er ihr in Gestalt ihrer Schwester, stellte ihr vor, wie schmerzlich dem Vater ihre Abwesenheit falle, und reichte ihr weltliche Kleider hin, um sie anzuziehen, während er ein anderes Mal, ihr die Klosterschlüssel zum Entfliehen darreichend, zu ihr sagte: »Siehe, Erbarmungswürdige! ganze 22 Jahre wirst du unter so großen Müheseligkeiten, Verläumdungen, Beschimpfungen und Verfolgungen in einer so harten Lebensweise zubringen müssen.« »Ich schätze mich glücklich,« antwortete sie mit Entschiedenheit und Verachtung, »so harte und schwere Dinge um Christi willen zu leiden. Schon jetzt verlange und begehre ich noch weit mehr.« Als sie ein Jahr nach ihrem Eintritte, den 8. Juni 1704, ihre Profeß abgelegt und sich dadurch auf ewig mit dem göttlichen Heilande verbunden hatte, verdoppelte der Satan seine Mißhandlungen gegen sie. Von einem Falle in den Keller, in welchen sie von ihm geworfen wurde, soll sie bis in ihren Tod eine Geschwulst auf der Nase behalten, sowie bei einem andern Sturz, der gleichfalls von ihm herrührte, zwei Zähne verloren und zugleich häufiges Blut vergossen haben. Dabei hatte sie auch nach Ablegung der ewigen Gelübde aus Zulassung Gottes von ihren älteren Mitschwestern noch Vieles zu erdulden; allein gerade diesen erwies Crescentia die größte Liebe, weil sie dieselben als Werkzeuge in der Hand Gottes betrachtete, und nachdem dann diese endlich von der wahren und ungeheuchelten Frömmigkeit ihrer Mitschwester sich überzeugt hatten, gingen sie aufrichtig in sich, thaten Buße und wurden nun um so größere Verehrerinnen und Lobrednerinnen derselben. In allen diesen langjährigen Leiden und bittern Trübsalen hatte Niemand etwas gewonnen, als unsere ehrwürdige Jungfrau, die nicht nur völlig geläutert aus ihnen hervorging, sondern nun in dem Streben nach Vollkommenheit den höchsten Flug nahm. Der Glaube hatte in dem durch Trübsale gereinigten (gleichsam geackerten) Boden ihres Herzens so tiefe Wurzeln geschlagen, daß sie öfters sagte: »Wenn auch Viele oder gar Alle ihren Glauben verlassen würden, so bliebe ich dennoch im Vertrauen auf Gottes Beistand unerschüttert in demselben.« Von der persönlichen Gegenwart Jesu Christi im heiligsten Altarssacramente war sie so durchdrungen und überzeugt, daß sie gleich dem hl. Könige Ludwig von Frankreich oft versicherte, sie würde ihre Augen nicht öffnen und den Blick nicht auf die heil. Hostie richten, wenn auch der gekreuzigte Heiland in der Wandlung sichtbar erscheinen würde. Um dieser und anderer Tugenden willen, die sie im heroischen Grade übte, namentlich aber wegen ihrer sich selbst ganz vergessenden Liebe zu Gott, wurde sie von ihm denn auch mit außerordentlichen Gaben begnadigt. Denn nicht nur erhielt sie die Gabe, die Geister zu unterscheiden, Zukünftiges vorher zu sagen, und hatte öftere Verzückungen und Ekstasen, 2 sondern sie wurde auch, wie dieß in den Acten ausdrücklich hervorgehoben wird, zwei Jahre lang von der Hand ihres Schutzengels mit dem Brode des Lebens gespeist, bis sie von ihrem Beichtvater die Erlaubniß erhielt, täglich zum Tische des Herrn hinzuzutreten. Am Schönsten jedoch glänzte ihre Tugend in den verschiedenen Aemtern, die sie nacheinander im Kloster bekleidete. Nachdem sie nämlich die erste Zeit am Webstuhle und in der Küche verwendet worden war, versah sie längere Zeit das Amt einer Portnerin, dann einer Novizenmeisterin und zuletzt das der Vorsteherin des Klosters, und zwar letzteres, um die übrigen zu verschweigen, auf solche Weise, daß der Geist der Einigkeit und des Gottesfriedens im Kloster waltete und man glauben mochte, die ganze Versammlung dieser Jungfrauen werde von Einem und dem nämlichen Geiste belebt. Aber nicht nur im Kloster war sie die Stifterin und Erhalterin des Friedens und der Eintracht, sondern auch für tausend Andere außer demselben in der Nähe und Ferne. Denn täglich, besonders in den letzten Jahren ihres Lebens, kamen nach Kaufbeuren außerordentlich viele Menschen, die in verschiedenen Anliegen bei ihr Rath, Trost und Hilfe suchten und auch fanden; ja, der Glanz ihrer Tugenden verbreitete sich so sehr, daß selbst Cardinäle und Bischöfe, Könige und Fürsten, auch die Kaiserin Amalia, 3 Gemahlin des Kaisers Karl VII., sie besuchten, öfters beriethen, in ihr Gebet sich empfahlen und sie der größten Ehren würdig hielten, und zwar nicht blos wegen ihrer außerordentlichen von Gott erhaltenen Gaben, sondern auch wegen der Gnaden, welche sie durch ihr Gebet von Gott zu erlangen hofften und nicht selten auch wirklich erlangten. - Im 62. Jahre ihres Alters im Monate Februar beim Beginn der Fasten erkrankte sie an einem Seitenstechen und verkündigte ihre baldige Auflösung vorher; tröstete aber die Schwestern, welche der großen Schmerzen halber ihren nahen Tod befürchteten, mit der Versicherung, es werde eine längere Krankheit seyn, welche Aussage der Erfolg bestätigte, indem sie sechs Wochen lang mit derselben geprüft wurde. Während der ganzen Zeit ihrer Krankheit ertrug sie nicht nur die heftigsten Schmerzen in aller Geduld, sondern versagte sich auch alle leibliche Nahrung und erquickte sich nur mit dem heiligsten Sacramente. Befragte man sie, wie es ihr gehe, so antwortete sie: »Gut und sehr glücklich, weil ich einen Tropfen des bittern Kelches versuche und mich in den göttlichen Willen ergebe, von dem ich nie abweichen werde.« Sie bat auch ihre Mitschwestern, mit ihr im Danke gegen Gott sich zu vereinigen für die Schmerzen, die er ihr geschickt habe, und um neue, noch größere zu erbitten. Dreizehn Tage vor ihrem Ende, als die Schmerzen immer heftiger wurden, verlangte sie die heil. Wegzehrung und die heil. Oelung, und empfing beide heil. Sacramente mit der glühendsten Andacht. Als aber das Ende ihres Lebens heranrückte, erbat sie sich, um nach dem Beispiele des Herrn ganz im Gehorsam aus dem Leben zu scheiden, nicht nur vom Provincial den Befehl zu sterben (mandatum moriendi efflagitavit), sondern sie sprach auch ihre Willensmeinung dahin aus, daß alle Gebete und Opfer, die man nach ihrem Tode für ihre abgeleibte Seele darbringen werde, den armen Seelen zugewendet seyn sollten, und umfing dann das Bild des Gekreuzigten mit solcher Inbrunst, daß mehrere Stunden lang häufiges Blut aus ihrer Nase strömte. Hierauf fiel sie in einen dreistündigen Todeskampf, in welchem sie jedoch bei ihrem vollsten Bewußtsein blieb. Als der Beichtvater ihr sagte, der hl. Erzengel Raphael werde bald kommen, um sie ins himmlische Vaterland abzuholen, erwiederte sie: »Er ist schon da« (jam adest), und hauchte nun im Jahre 1744 zwischen dem 5. und 6. April, 4 auf welch letzteren Tag damals der Ostersonntag fiel, Schlag 12 Uhr Nachts, wie sie vorhergesagt hatte, mehr aus innerm Drang einer überaus feurigen Liebe zu Gott, als durch die Gewalt der Krankheit (intensissimi potius divini amoris impetu, quam morbi vi), wie eine andere Theresia, heitern Antlitzes ihre unschuldvolle Seele aus und ging hin zur Hochzeit des himmlischen Lammes, in dessen Liebe sie gelebt hatte und bis auf den letzten Athemzug verharrt war. Kaum war die ehrwürdige Dienerin Gottes dahin geschieden, so wurden ihre Mitschwestern, die während ihrer ganzen Krankheit ob des schweren Verlustes sehr betrübt und niedergebeugt waren, alle (singulae) plötzlich (momento temporis) von solch' unbeschreiblicher Freude und Wonne erfüllt, wie sie zuvor in ihrem ganzen Leben nie empfunden hatten, in ähnlicher Weise, wie wir dieß auch von dem Hinscheiden der hl. Rosa von Lima lesen. Ihre irdische Hülle, welche eine wunderbare Weichheit behielt und eine liebliche Röthe auf dem Angesichte zeigte, bei der auch, wie von Mehreren bezeugt wird, einige Wunder geschahen, blieb drei Tage in der Zelle der Verstorbenen ausgesetzt und wurde dann unter großem Zulauf des Volkes von Nah und Fern in dem Klosterkirchlein zur Erde bestattet, wo ein einfacher Marmorstein, wenige Schritte von der Kirchenthüre entfernt, den Ort ihrer Ruhe bezeichnet. Auf demselben steht die Inschrift: »Hier liegt begraben die wohlehrwürdige Mutter Maria Crescentia Hössin, welche den 5. April 1744 in Gott selig gestorben, ihres Alters 62 Jahre.« Damit aber war das Andenken an Maria Crescentia noch keineswegs begraben, sondern das Volk erwies ihr fortan hohe Verehrung; ihr Grab wurde zahlreich besucht; sogar von den entferntesten Gegenden, wie z. B. bis aus Moskau, Ungarn etc. kamen Wallfahrer an, nahmen zu ihrer Fürbitte bei Gott ihre Zuflucht und erlangten in ihren schweren Anliegen nicht selten wundervolle Hilfe. Daher finden sich auch in dem oben bezeichneten officiellen Acten-Auszuge mehrere (38) Wunder angegeben, womit Gott seine fromme Dienerin nach ihrem Tode verherrlichte. Diese Wunder sind nun freilich, wenn auch vielfach bezeugt, doch noch nicht förmlich in kanonisch vorgeschriebener Weise untersucht und haben daher zur Zeit keine kirchliche Anerkennung; aber sie waren jedenfalls die Veranlassung, daß der Ruf der frommen Dienerin Gottes sich weithin verbreitete, und daß dann ihr Beatifications-Proceß eingeleitet wurde, welcher damit endete, daß, nachdem Papst Pius VI. inzwischen (1799) gestorben war, sein Nachfolger Pius VII. nach den vorausgeschickten gewöhnlichen Förmlichkeiten und nach voller Uebereinstimmung der Cardinäle und übrigen Räthe unterm 2. August 1801 feierlich erklärte, »constare de Virtutibus V. S. D. Sor. Mariae Crescentiae Hoessin cum Theologalibus, cum Cardinalibus earumque annexis in gradu heroico«, d. h. es sei ausgemacht und außer allem Zweifel, daß die ehrw. Dienerin Gottes, Schwester Maria Crescentia Höß, sowohl die theologischen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe), als auch die Cardinal-Tugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmuth und Mäßigkeit) nebst den verwandten Tugenden in heroischem Grade geübt habe, durch welches Decret denn die gottselige Maria Crescentia auf die erste Stufe der kirchlichen Anerkennung und Verehrung erhoben und als ehrwürdig (venerabilis) erklärt wurde. - Hiemit könnten wir unsern Bericht über diese ehrwürdige Jungfrau, die im Munde des Volkes gewöhnlich »die gottselige Crescentia von Kaufbeuren« genannt wird, und deren Grab noch jährlich von zahlreichen Wallfahrern, namentlich aus Altbayern, besucht wird, 5 beschließen; allein wir sehen uns genöthigt, zur Beseitigung mancher Vorurtheile, die bezüglich der ehrwürdigen Jungfrau im Schwange sind, noch Einiges aus den behufs ihrer Beatification gepflogenen Verhandlungen und actenmäßigen Depositionen unsern Lesern mitzutheilen. Vielfach herrscht nämlich die Meinung, daß in Sachen der Beatification der ehrw. Crescentia von Seite des hl. Vaters nichts geschehen sei, ja, daß dieselbe bei der nähern Untersuchung auf Schwierigkeit gestoßen und eben deßhalb der Proceß ganz suspendirt worden sei. Diese Ansicht ging auch in das von uns oft citirte, von Abbé Pétin verfaßte und von Abbé Migne herausgegebene französische Werk »Dictionnaire hagiographique« über, und wurde darin unserer Crescentia nicht einmal der Titel »ehrwürdig« beigelegt. Als Hauptgrund davon wird gewöhnlich angegeben, daß man bei der nähern Prüfung gefunden, sie habe eine Erscheinung des heil. Geistes unter der Gestalt eines schönen Jünglings gehabt und daran geglaubt; ferners habe sie auf diese Erscheinung hin Bilder des heil. Geistes in dieser Gestalt anfertigen lassen und verbreitet, endlich Kreuze, Rosenkränze etc. unter dem Vorgeben ausgetheilt, sie seien von Jesus Christus selbst geweiht und mit besondern Ablässen versehen worden etc. 6 - Diese vielverbreitete Ansicht von der Sache können wir uns hauptsächlich nur damit erklären, daß wir annehmen, das Schreiben des Papstes Benedict XIV. vom 1. Oct. 1745 in Sachen der Crescentia habe weitere Verbreitung gefunden, man habe aber damit schon Alles abgethan geglaubt und von den weitern Verhandlungen keine Notiz mehr genommen; daher müssen wir zur Aufklärung der Sache sowohl über jenes päpstliche Schreiben, als über diese Verhandlungen etwas Näheres mittheilen. Als Crescentia's Ruf der Heiligkeit und das gewaltige Aufsehen, das sie besonders in Deutschland machte, dem gelehrten Papst Benedict XIV. zu Ohren kam, erließ er unter dem 17. Mai 1744 ein Schreiben an den Fürstbischof Joseph von Augsburg, und forderte ihn darin auf, über diese im hohen Rufe stehende Klosterfrau Bericht an ihn zu erstatten. Der Papst war dabei der Meinung, die ehrw. Crescentia sei noch am Leben, und verlangte vom Bischof nur ein allgemeines Gutachten über dieselbe, damit er wisse, was er von der ganzen Sache, die überall großes Aufsehen machte, zu halten habe. Wiewohl nun die fromme Dienerin Gottes damals schon gestorben war, glaubte Bischof Joseph doch dem Papste Bericht über sie erstatten zu sollen, und bestellte in den Personen des Kanonikus Joh. Bapt. Bassi zu St. Moriz in Augsburg und des Chorherrn Eusebius Amort von Polling, seines Hoftheologen, zwei Commissarien, welche sich nach Kaufbeuren begeben und dort eine Untersuchung anstellen sollten. Bei diesem Geschäfte verfuhren sie jedoch, da es sich nicht um einen förmlichen Proceß der Beatification handelte, nur im Allgemeinen, verhörten die Zeugen nicht einzeln, sondern schockweise (turmatim), nahmen ihnen nicht einmal einen Eid ab und schlossen so diese summarische Verhandlung, die am 24. Mai 1745 mit den einschlägigen Acten an Benedict XIV. nach Rom gesendet wurde. 7 Aus dieser Relation, der es an aller Genauigkeit und gerichtlichen Formalität fehlte, konnte Papst Benedict IV. natürlich nicht viel entnehmen, und mußte daher am 1. Oct. 1745 rescribiren, »er habe aus den eingesendeten Acten zwar ersehen, daß Crescentia ein von größeren Sünden reines und außerordentlich tugendhaftes Leben geführt habe; aber er habe darin weder eine heroische Tugend, noch ein auf ihre Fürbitte von Gott gewirktes Wunder entdecken können.« In diesem seinem Schreiben verbreitete sich der Papst zugleich über manches Andere, worüber ihm der Bischof berichtet hatte, und lobte diesen unter Anderm darüber, daß er ganz nach den Regeln der Religion und Klugheit die Bilder und Gemälde, die den heil. Geist in der Gestalt eines Jünglings, wie er der Seligen erschienen seyn soll, vorstellten, habe wegnehmen und unterdrücken lassen, und ermunterte ihn, in dieser Verfügung fortzufahren und keine solche Abbildung zu dulden, da, wie Benedict IV. in einer einläßigen weiteren Erörterung über die bildliche Darstellung der hl. Dreieinigkeit klar nachwies, eine solche unkirchlich und daher zu verwerfen sei. Am Ende fügte er bei, da viele Bilder von der Seligen, auch Rosenkränze, Kreuze, Scapulire, Oele, Wasser, Pulver etc. ausgetheilt und denselben verschiedene Wirkungen zugeschrieben würden; so möge der Bischof solche Träumereien nicht begünstigen, sondern ihnen allen Glauben und alles Ansehen entziehen. 8 Nach diesem Schreiben könnte man wohl meinen, in Sachen der ehrw. Crescentia habe es einige Schwierigkeit gehabt, und es sei bei ihr etwas Außerordentliches und Höheres nicht zu suchen. In dieser Meinung wird man noch bestärkt, wenn man ausdrücklich liest, der heil. Geist sei ihr in einer kirchlich nicht gutgeheißenen Gestalt erschienen, und sie selbst habe allerlei Sächelchen verbreitet, welche nicht zu billigen sind. Allein die Sache bekommt ein ganz anderes Ansehen, wenn man die vierzig Jahre später eingeleiteten Verhandlungen und ihr Schlußresultat ins Auge faßt. Da nämlich der Ruhm ihrer Heiligkeit nach ihrem Tode sich vermehrte und stets weiter verbreitete, zumal durch den Ruf vieler außerordentlichen Gebets-Erhörungen, durch welche Gott seine Dienerin verherrlichte, immer mehr Wallfahrer von Nah und Fern zu ihrem Grabe kamen, wendeten sich die Ordensschwestern von Kaufbeuren, unterstützt von ihren Ordens-Oberen, wiederholt an den Bischof von Augsburg mit der Bitte, eine neue Untersuchung über ihr Leben und ihre außerordentlichen Gaben, besonders über die nach ihrem Tode auf ihre Fürbitte geschehenen Wunder behufs der Erwirkung ihrer Seligsprechung nach den kirchlich vorgeschriebenen Normen vornehmen lassen zu wollen. Diesen wiederholten Bitten entsprach endlich Fürstbischof Clemens Wenceslaus unterm 3. Juli 1775 und übertrug diese Untersuchung dem Dompropst Joh. Nep. Freiherrn v. Ungelter und dem geistl. Rathe und Siegler Cölestin Nigg, welche noch drei Pfarrer in der Nähe Kaufbeurens und einen päpstlichen Notar (Joh. Ev. Schwicker) sich zugesellten. Dieser Proceß heißt Processus ordinarius, weil er von der gewöhnlichen bischöflichen Gewalt vorgenommen wurde. Die Verhandlungen (Zeugen-Verhöre etc.) wurden von Seite der bischöflichen Commission nach mehrmaliger Unterbrechung mit der 229. Sitzung am 12. Juli 1777 geschlossen und sodann nach Rom zur Prüfung und weiteren Verbescheidung gesendet. Da sie dort also befunden wurden, daß man zur Erwirkung der Seligsprechung weiter schreiten konnte, so ward endlich im Jahre 1785 auf Instanz des P. Philibert Obwexer, Profeßpriester der Recollecten, Agent der deutsch-belgischen Nation an der römischen Curie, welcher als Bittsteller (Postulator) in dieser Sache bestellt worden war, der apostolische Proceß eingeleitet, und wurden dazu als päpstliche Commissarien außer dem Dompropst, Weihbischof und Generalvikar Ungelter und dem geistlichen Rath Nigg noch sechs Benedictineräbte ernannt. 9 Diese Verhandlungen wurden am 30. Juli 1785 in Kaufbeuren begonnen und in 259 Sitzungen vollendet, deren letzte am 20. Juli 1790 in Ottobeuren stattfand. Am 31. Aug. 1793 wurden auf Grund der Relation des Glaubenspromotor von der Sacra Rituum Congregatio die Untersuchungen als gültig erklärt (quod constet de validitate processuum tam apostolica quam ordinaria facultate confectorum), welche Erklärung Papst Pius VI. bestätigte, worauf dann die weiteren Verhandlungen über ihre Tugenden gepflogen wurden, und endlich nach Erfüllung aller nothwendigen Förmlichkeiten und Bereinigung aller Vorfragen von Papst Pius VII. am 2. Aug. 1801 der oben erwähnte Entscheid über den Heroismus ihrer Tugenden erlassen wurde. Dieser Gang des Processes und sein Endresultat, die Entscheidung, allein schon wäre genügend, jene Vorurtheile über die ehrw. Crescentia als ganz irrig zurückzuweisen; allein wir glauben hier, da wir Gelegenheit hatten, die Acten selbst einzusehen, noch insbesondere bemerken zu sollen, wie es sich in der mit der größten Genauigkeit angestellten Untersuchung klar und mit vollster Gewißheit herausgestellt hat, daß der heil. Geist in Gestalt eines Jünglings der ehrw. Crescentia nicht erschienen sei, daß sie ferner solche Bilder des heil. Geistes weder erfunden noch ausgetheilt habe, daß vielmehr solche Bilder schon lange vor Crescentia in Deutschland selbst in Kirchen existirten, wie denn die Oberin Johanna Altweger ein solches auch im Kloster zu Kaufbeuren hatte aufstellen und in Kupferstichen verbreiten lassen, und daß endlich die ehrw. Crescentia überhaupt nie Kreuze, Oele und andere Sachen der Art unter dem Vorgeben verbreitet habe, als seien sie auf ihre Fürbitte von Jesus geweiht und mit reichlichen Ablässen versehen worden. Der Promotor Fidei suchte zwar diese Vorwürfe mit aller ihm eigenen Schärfe geltend zu machen; allein der Subpromotor Gardellini als damaliger Vertheidiger wies aus der ganzen Zeugnißlage siegreich nach, alles das, was man wider diese Heldin der Tugend vorbringe, sei nichts als vages Gerede und rühre nur von gewinnsüchtigen Menschen her, die derlei Dinge ersonnen hätten, um die von ihnen feilgebotenen Sachen an den Mann zu bringen. 10 Des Letztern Darstellung erhielt die volle Zustimmung des Cardinalcollegiums, und der hl. Vater setzte ihr die Krone auf, indem er den Heroismus der Tugenden der Crescentia in der Franciscanerkirche zu Rom am 2. August 1801 feierlich erklärte. Wenn aber ihr Proceß bis auf den heutigen Tag noch nicht zur förmlichen Beatification gediehen ist, so sind nicht im Geringsten jene der Ehrwürdigen zur Last gelegten Dinge Schuld, sondern dieß kommt wohl nur allein daher, weil bald darauf die Kloster-Aufhebungen und die traurigen Kriegsereignisse dazwischen traten, und daher indessen in dieser Sache, welche freilich auch wegen der nothwendigen gerichtlichen Verhandlungen etc. nicht ohne viele Kosten zu Ende geführt werden könnte, kein Postulator mehr aufgetreten ist. Nach den Präcedentien möchten wir uns fast der Meinung hingeben, daß die nöthigen Vorbedingungen zur Seligsprechung wohl kaum fehlen würden. Darum schließen wir diese aus den Acten geschöpfte Darstellung mit dem innigen Wunsche, der Herr möge es zu seiner Glorie und zur Ehre der Tugendheldin Maria Crescentia in seiner Weisheit so fügen, daß sie einst auch öffentlich von der Kirche verehrt werden dürfe, wie dieß seit dem Tage ihres Hinscheidens im frommen Sinne von Seite des christlichen Volkes geschah und bis zur Stunde noch geschieht. Wir wollen übrigens hiebei an das Wort erinnern, welches der Cardinal und Bischof Rodt von Constanz, der die ehrw. Crescentia persönlich kannte und den die Klosterfrauen von Kaufbeuren um Intercession bei dem Fürstbischof Clemens Wenceslaus wegen Eröffnung einer neuen Untersuchung bezüglich der Seligsprechung angegangen hatten, zu ihrer Beruhigung ausgesprochen hat, daß nämlich Gott schon den rechten Zeitpunct herbeiführen werde, und daß man diesen vertrauensvoll erwarten müsse. - Wenn hier von einer bildlichen Darstellung der ehrw. Crescentia geredet werden darf, so sei noch bemerkt, daß sie auf Bildern als Klosterfrau des dritten Ordens abgebildet wird, mit einem Crucifixe in der Hand, auf welches sie unverwandt ihre Augen gerichtet hält, eine Darstellung, die sich aus dem ganzen Verlaufe ihres Lebens erklärt.

1 Sie hatte zwei Schwestern und einen Bruder Joseph, der noch sehr jung starb. Die sechs Jahre ältere Schwester trat in das Kloster zu Hagenau im Elsaß und hieß Angelina; die jüngere verheirathete sich in Kaufbeuren und hieß Regina Heinritz.

2 In einer dieser Verzückungen sah sie die Werkzeuge, womit der Heiland geschlagen und gegeißelt wurde. Auf Befehl ihrer Vorsteherin mußte sie das Leidenswerkzeug der Ruthe und der Geißel, wie sie in der höhern Beschauung sie gesehen hatte, bildlich darstellen, welche Darstellung noch jetzt im Kloster zu Kaufbeuren gesehen wird in der von ihr bewohnten Zelle, die bis auf diesen Tag genau so belassen wurde, wie sie beim Verscheiden der Ehrwürdigen war. - Unter den Leidenswerkzeugen hatte sie einmal auf einem alten Bilde auch eine sogenannte Feige (geballte Faust) gesehen, welche die Verspottung Christi durch die Juden andeuten sollte, und da sie eine besondere Verehrerin des Leidens Christi war, so ließ sie solche Feigen in Holz etc. nachbilden, die sie dann hie und da austheilte, und zwar - wie die Zeugen ausdrücklich sagen - nur deßwegen, damit die damit Beschenkten bei diesem Anblicke an die Verspottung Christi sich erinnern sollten. Als sie aber dann später erfuhr, daß abergläubische Menschen diesen Feigen andere Zwecke mißbräuchlich unterlegten, theilte sie keine mehr aus, wie denn überhaupt die Aussagen beeidigter Augen- und Ohren-Zeugen auf das Bestimmteste nachweisen, daß sie allem Aberglauben im höchsten Grade abhold war und denselben in keiner Weise unterstützte.

3 Nach Braun: »Lebensgeschichte der Heiligen und Seligen der Diöcese Augsburg« wäre Crescentia auch von der Kaiserin Maria Theresia besucht worden. Allein von dieser Kaiserin haben wir in den Acten nichts finden können, wohl aber wird in der Zeugenabgabe zweimal einer andern Kaiserin Amalia, nämlich der Gemahlin des Kaisers Joseph I., erwähnt, welche an die Ehrwürdige brieflich sich wendete, sie aber nicht besuchte.

4 Braun a. a. O., und nach ihm Andere haben den 9. April, welcher Tag jedoch unrichtig ist, wie auch die von Anderen gebrachte Notiz, daß sie um 12 Uhr Mittags gestorben sei.

5 Schreiber dieser Zeilen erinnert sich noch mit hoher Rührung der großen Wallfahrtszüge, welche in seiner Jugend aus Altbayern durch seinen Vaterort, als den nächsten Weg von Landsberg nach Kaufbeuren, zogen, und kann nicht genug die Andacht rühmen, welche auf diesen beschwerlichen aus weiter Ferne her unternommenen heiligen Reisen zu herrschen pflegte.

6 Letzteres war bei der Johanna della Croce († 1673) wirklich der Fall und auch der Grund, warum der bereits eingeleitete Proceß ihrer Beatification abgebrochen und dann gänzlich aufgehoben wurde. Daß aber alles dieses bei unserer ehrw. Maria Crescentia nicht der Fall war, werden wir gleich sehen. Große Schuld an diesen Gerüchten mögen übrigens auch manche Lebensbeschreibungen gehabt haben, die gleich nach ihrem Tode erschienen sind, namentlich die, welche von ihrer Secretärin M. Anna Nettin herausgegeben wurde, welche Lebensbeschreibungen aber später vom Provincial des Ordens als unächt und voller Irthümer desavouirt werden mußten. Dieselbe Anna Nettin war es auch, die zum Leidwesen und zum höchsten Schmerze der Crescentia Vieles in die Briefe, die sie für sie schrieb, einfließen ließ, was aller Begründung entbehrte. Ueberhaupt ist gar Vieles, was von der Crescentia jetzt noch mündlich erzählt wird, sehr behutsam aufzunehmen. Es rührt größtentheils von diesen apokryphen Lebensbeschreibungen her; deßhalb glaubten wir das Leben der ehrw. Crescentia etwas weitläufiger geben zu müssen, und warnen vor Allem, was nicht mit dieser unserer aus authentischen Quellen geschöpften Derstellung, welche freilich nur die Hauptmomente ihres Lebens umfaßt, übereinstimmt, wohin z. B. die Sage gehört, als wenn ihr Christus öfter auf einem vor ihrem Fenster stehenden Birnbaume erschienen wäre, worüber wir unter den Zeugen-Aussagen nirgends etwas haben finden können.

7 Bei den spätern Verhandlungen vermißte man diesen Bericht gar sehr, konnte ihn aber nirgends mehr finden. Er kam wahrscheinlich von Rom zurück und ging, weil er vielleicht nicht im Ordinariats-Archiv niedergelegt wurde, sondern in der bischöflichen Residenz blieb, nach dem Tode des Bischofs Joseph verloren. Nur ein ganz kleiner aber entstellter Theil wurde am Ende noch, wie es scheint, in einer Abschrift, gefunden.

8 Cf. Bullarium Benedicti XIV. Tom. I. pag. 560 sqq. Nr. 141. Ein sehr gelehrtes und interessantes Schreiben des Papstes, besonders deßwegen, weil es sich in einläßiger Weise über die bildliche Darstellung der heiligsten Dreifaltigkeit überhaupt und insbesondere über die des heil. Geistes verbreitet. In demselben stellt Benedict XIV. als Grundsatz auf, die heil. Dreifaltigkeit überhaupt und jede der göttlichen Personen im Einzelnen dürfe nur in der Gestalt dargestellt werden, in welcher sie nach dem Worte Gottes den Menschen erschienen sei. Da es wohl einige Väter gebe, welche in den drei dem Abraham erscheinenden Engeln die heil. Dreifaltigkeit erblicken, so könnte wohl der heil. Geist in Gesellschaft der übrigen zwei göttlichen Personen in ganz gleicher menschlicher Gestalt dargestellt werden, aber unter dieser Gestalt niemals allein. Namentlich wurden von ihm jene Bilder verpönt, welche die heiligste Dreieinigkeit in Einem Kopfe mit drei gleichen Gesichtern darstellen.

9 Nämlich 1) Abt Joseph Maria von St. Ulrich und Afra in Augsburg, 2) Abt Honorat von Ottobeuren, 3) Abt Michael von Thierhaupten, 4) Abt Aemilian von Füssen, 5) Abt Joseph von Wessobrunn und 6) Abt Honorat von Irsee (nicht Ursberg). Hierauf hat es Bezug, wenn es im päpstlichen Decret vom 2. Aug. 1801 heißt: Id hodie jucund um est adnotasse, quod inter delegatos Jud ices assiderunt, non obvio quidem exemplo, quatuor Abbates ex Ordine S. Benedicti, acsi portenderetur inchoatum eorum opus a Summo Ecclesiae Hierarcha inclyti ejusdem Ordinis Alumno absolvendum fore. Warum hier nur von vier Aebten die Rede ist, dürfte darin seine Erklärung finden, daß der judex delegatus, Weihbischof Ungelter, die Aufgabe hatte, sechs judices condelegatos aus den Benedictineräbten zu wählen, deren nebst ihm wenigstens zwei, und bei seiner etwaigen Verhinderung vier bei jeder Verhandlung gegenwärtig seyn mußten. Wahrscheinlich war der Weihbischof Ungelter bei seinen Geschäften als Generalvikar sehr oft gehindert, an den Sitzungen Theil zu nehmen, weßhalb vier der genannten Aebte die Verhandlungen geführt und zu Ende gebracht haben mochten.

10 Des höhern Interesses wegen sei hier noch angemerkt, daß der Subpromotor Gardellini ohne Anstand geltend machte, auch im Fall der heil. Geist der Crescentia in Gestalt eines Jünglings erschienen wäre, so würde dieß in vorliegender Sache nichts verschlagen, weil, wenn im Schreiben Benedict XIV. an den Bischof Joseph die bildliche Darstellung des heil. Geistes in Gestalt eines Jünglings separat von den übrigen zwei göttlichen Personen als unkirchlich erklärt werde, dabei noch nicht ausgesprochen sei, daß es mit dem Erscheinen des heil. Geistes in dieser Gestalt die gleiche Bewandtniß habe.




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zuletzt aktualisiert am 04.12.2016
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