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Ökumenisches Heiligenlexikon

Jansenismus

Der Jansenismus war eine nach dem flämischen Theologen und Bischof Cornelius Jansen benannte innerkatholische Oppositionsbewegung in Frankreich und den Niederlanden im 17. und 18. Jahrhundert, die sich auf sein 1640 posthum veröffentlichtes Buch über Augustinus berief. Vom Jansenismus wurde unter Berufung auf Augustinus die Gnadenlehre besonders des Jesuitenordens kritisiert. In den Fragen der menschlichen Willensfreiheit und der Möglichkeiten des Menschen, aus eigener Kraft die göttliche Gnade zu erlangen, vertrat Jansen eine die Undurchschaubarkeit und Unvorhersehbarkeit des Willens Gottes betonende Position. Kirchenpolitisch unterstützten die Jansenisten die Eigenständigkeit der Bischöfe und Pfarrer, wandte sich gegen Machtansprüche des Papstes und gegen die der Orden, die - wie die Jesuiten - unabhängig von den Bischöfen Seelsorge betreiben sowie die Bettelorden, die zu weit gingen in der Betonung der menschlichen Freiheit zum Guten.

Jansen lehrte mit Berufung auf Augustinus, einige Gebote Gottes seien auch für den Gerechten unerfüllbar; allein die Gnade - nicht Freiheit des Willens - ermögliche sittliches Handeln. Solche Annäherung in der Prädestinations-Lehre brachte dem Jansenismus den Vorwurf ein, der Gandenlehre von Johannes Calvin nahezustehen. Einer der bekanntesten Anhänger war Blaise Pascal, der in seinen schnell weit verbreiteten Lettres écrites à un provencial, Briefen an einen Provinzmenschen, von 1656 die jesuitische Liberalität verspottete.

Der Jansenismus wurde 1642 durch Papst Urban VIII. in der Bulle In eminenti, In hervorragender Weise, als Häresie verurteilt. Mit dieser Bulle setzte die Verfolgung der Jansenisten ein; Urban widersprach der Lehre, dass eine Mitwirkung des Menschen am eigenen Heil gänzlich abzulehnen sei. Die Verurteilung wurde 1653 von Papst Innozenz X. mit der Bulle Cum occasione, Aus gegebenem Anlass, bekräftigt. Papst Clemens XI. verfasste 1713 auf Drängen des französischen Königs Ludwig XIV. die Bulle Unigenitus dei filius, der eingeborene Sohn Gottes und verurteilte damit die Jansenisten erneut als Abtrünnige vom wahren Glauben.

Der Jansenismus wurde zunächst von den französichen Königen gestützt. Als diese aber umfassendere Einkünfte aus unbesetzten Pfründen beanspruchten, wurden die Bischöfe, die dem Jansenismus nahestanden, doch Verbündete des Vatikan gegen die Herrscher. So kam es unter Papst Clemens IX. 1668 zum Kirchenfrieden zwischen den Jansenisten und Rom. Nachdem Papst Clemens XI. sich mit König Ludwig XIV. verständigte, war der Jansenismus aber isoliert und wurde von beiden verfolgt. Das Zentrum der Bewegung, das Kloster Port Royal bei Versailles, wurde 1710 auf Befehl von Ludwig XIV. zerstört, der Jansenismus 1719 vom Papst verboten.

Im Ergebnis bewirkte der Jansenismus, den Boden bereitet zu haben für die Aufhebung des Jesuitenordens 1773 und - gegen seine ursprünglighe Intention - für das Eindringen der Aufklärung in den Katholizismus.





Quellen:
• Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 3. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1959
• Hartmut Stenzel (Gießen): Blaise Pascal, Les Provinciales, http://www.hartmut-stenzel.de/material/pascal.pdf