
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Flavianus, Ep. M. (18., al. 17. Febr.) Dieser hl. Flavian, Priester an der
Kirche von Constantinopel, wurde nach dem Tode des hl. Patroklus
zum Erzbischof gewählt, welche Würde derselbe in der griechischen Kaiserstadt
vom J. 446 bis 449 bekleidete, und zwar in einer sehr schwierigen und bewegten
Zeit, wo die morgenländische Kirche von Häresien zerrissen und von
Streitigkeiten bis ins innerste Mark erschüttert war. In diesen verwirrten
Verhältnissen entwickelte er aber einen solchen Tugendglanz und eine solche
christliche Charakterstärke, daß er uns die vollste Anerkennung und Bewunderung
abnöthigt. Seine hohe Stellung und die ihm dadurch auferlegten heiligen
Pflichten verlor er nie aus dem Auge. Als ihm nach seiner Wahl im Namen des
Kaisers anbefohlen wurde, diesem für seine Erhebung ein Geschenk zu machen,
schickte der heil. Oberhirte nach damaligem Kirchengebrauche die Eulogien oder
gesegneten Brode, zum Zeichen des Friedens und der Gemeinschaft; sie wurden aber
zurückgewiesen mit dem Bedeuten, die Eulogien müssen von Gold seyn. Darauf
erwiderte Flavian mit apostolischem Freimuthe: Gold und Silber hab' ich nicht
und die Kirchenschätze sind nicht mein.
Flavian war ein unerschrockener
Verfechter des katholischen Lehrbegriffes gegenüber der monophysitischen
Irrlehre, was ihm aber viele Drangsale bereitete und ihn zuletzt in den Tod
führte. Eutyches, Priester und Abt von 300 Mönchen nahe bei Constantinopel, der
sich durch ein regelmäßiges Leben einen gewissen Ruf erworben hatte, im Grunde
aber ein unwissender, stolzer und auf seinen Meinungen starrsinnig haftender
Mann war, ging in seinem übertriebenen Eifer gegen Nestorius, der die Einheit
der Person in Christus läugnete, so weit, daß
er in den entgegengesetzten Irrthum fiel, indem er lehrte, es sei nur Eine Natur
in Christo. Bischof Eusebius von Doryläum (in Phrygien) klagte ihn auf einem von
Flavian im J. 448 versammelten Concilium an; dasselbe verwarf nach gepflogener
Untersuchung seine Lehre, sprach über ihn den Bannfluch aus und setzte ihn ab.
Flavian berichtete die ganze Sachlage an den hl. Papst Leo
I. nach Rom; auch Eutyches schrieb einen verfänglichen Brief an den Papst,
um ihn gegen das Concilium von Constantinopel ein zunehmen. Der Papst aber
billigte Flavian's Verfahren, und schickte ihm ein Schreiben, worin er mit
bewundernswerther Gründlichkeit die katholische Lehre von der Zweiheit der
Naturen und der Einheit der Person in Christo auseinandersetzte, welches
Schreiben nachher zu den Acten des Concils von Chalcedon gebracht wurde, das die
eutychianische Lehre feierlich verdammte. Eutyches dagegen hatte sich durch
seinen Verwandten, den Eunuchen Chrysaphius, des Kaisers Theodosius II.
allvermögenden Günstling und Flavian's grimmigen Feind, der schon seine Wahl zum
Erzbischof sehr mißbilligt hatte, die Gunst beim Hofe erworben und die
Zusammenberufung einer neuen SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
nach Ephesus im J. 449 bewirkt, deren
Beschlüsse, welche bereits vorausgefaßt waren, mit der Gewalt des Schwertes
ausgesprochen wurden. Der Patriarch Dioskorus von Alexandria, ein ebenso
kurzsichtiger als leidenschaftlicher Mann, führte den Vorsitz auf dieser SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
,
welche offen alles Recht verhöhnte und jegliches Herkommen mit Füßen trat,
weßhalb sie durch den Namen Räubersynode
gebrandmarkt wurde. Eutyches, der mit
zwei kaiserlichen Befehlshabern und einer Abtheilung Soldaten erschienen war,
wurde von allem Vorwurfe der Ketzerei freigesprochen, Flavian dagegen eines
ungerechten Verfahrens in der Sache des Irrlehrers angeklagt, ohne gebührende
Untersuchung für schuldig erklärt, seines Amtes entsetzt und mit der
Excommunication belegt. Unbeachtet blieb die Einsprache der päpstlichen Legaten,
fruchtlos die Fürbitte mehrerer Bischöfe, welche in der Versammlung kniefällig
den Dioskorus um die Zurücknahme seines Spruches gegen Flavian baten. Statt sich
erweichen zu lassen, erhob sich der vorsitzende Dioskorus und rief den
Bevollmächtigten des Kaisers. Da thaten die Pforten sich auf, und plötzlich
erschienen Soldaten mit Ketten und Schwertern versehen in der Versammlung, und
erzwangen von den katholischen Bischöfen mit Gewalt die Unterzeichnung von
Flavian's Absetzung. Die Legaten des Papstes blieben unerschütterlich. Einer aus
ihnen wurde ins Gefängniß geworfen; ein anderer, der Diakon und nachmalige Papst
Hilarius, rettete sich nur mit Mühe nach Rom;,
Flavian berief sich auf das Urtheil des hl. Stuhles, und überreichte seine
schriftliche Erklärung den Legaten von Rom. Dioskorus ward darüber so
aufgebracht, daß er mit Barsumas, einem eutychianischen ArchimandritEin Archimandrit (aus griech.„αρχή, Anfang” und „μάνδρα, Unterkunft”) ist in den östlichen und orthodoxen Kirchen der vorgeordnete Vorsteher eines oder mehrer Klöster, entsprechend etwa dem westlichen Erzabt. Er steht hierarchisch über dem Hegumen.en, über ihn
herfiel und ihn so grausam mit Füßen trat, daß er nach 3 Tagen zu Hypäpa bei
Sardes in Lydien, wohin er in die Verbannung geschleppt wurde, in Folge der
ausgestandenen Leiden sein Leben endigte. Endlich gingen dem Kaiser die Augen
auf; Chrysaphius fiel in Ungnade, und wurde zum Tode verurtheilt, die Kaiserin
Eudoxia mußte sich nach Jerusalem zurückziehen, und nach des Kaisers Tod bestieg
seine Schwester, die hl. Pulcheria, mit ihrem
Gemahl Marcian den Thron. Diese ließ den Leib des hl. Flavian in feierlichem
Zuge nach Constantinopel bringen. Papst Leo hatte an Flavian einen väterlichen
Trostbrief geschrieben, der ihn aber nicht mehr am Leben traf. In der Folge
rechtfertigten die auf dem ökumenischen Concil zu Chalcedon im J. 451 sitzenden
Väter das Andenken des mißhandelten Flavian auf das glänzendste, und erklärten
den standhaften Bischof als einen für den reinen Glauben gefallenen Martyrer.
Papst Hilarius, welcher Legat des hl. Leo zu Ephesus war, hatte eine solche
Verehrung für den hl. Erzbischof Flavian, daß er seinen Martyrtod bildlich
darstellen ließ in der Kirche, die er zu Ehren des heil. Kreuzes erbaute. Sein
Andenken wird an verschiedenen Tagen gefeiert. Butler (III. 98) setzt ihn auf
den 17., das Mart. Rom. auf den 18. Febr. Des Heiligen Reliquien kamen später
nach Italien, wo die Stadt Recanati (Recinetum) in der Mark Ancona einen Arm und
die Stadt Giulia (Julia nova) in den Abruzzen die übrigen Gebeine aufbewahrt.
(III. 71.)
