
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
B. Margarita Maria Alacoque (17. Oct.) wurde von den Boll. (VIII. 6)
übergangen, weil damals der Proceß ihrer Seligsprechung noch nicht entschieden
war. Mittlerweile ist derselbe erfolgt, weßhalb hier ein kurzer Lebens-Abriß
nicht zu umgehen ist *. Sie war am 22. Juli 1647 zu
Lauthecour in Bourgogne, Bisthums Autun, geboren. Ihr Vater, Claude Alacoque,
vermählt mit Philiberte Lamyn, war daselbst Gerichtshalter. Die Selige war ihre
einzige Tochter neben vier Söhnen. Schon im achten Lebensjahre verlor sie ihren
Vater. Nachdem sie ein paar Jahre im Institute der Clarissinnen zu Charoles
zugebracht hatte, fiel sie in eine tödtliche Krankheit, von welcher sie in Folge
eines der seligsten Jungfrau gemachten Gelübdes wieder
genas. Als Jungfrau schwankte sie längere Zeit in ihrer Standeswahl, aber nur
weil Mutter und Brüder in sie drangen, daß sie sich verheirathe. Bald aber
erkannte sie, daß die Ehe nicht ihr Beruf sei, und wählte den göttlichen
Heiland zu ihrem einzigen und
ausschließlichen Bräutigam. Am 25. Mai 1670 trat sie endlich in das Kloster vom
Orden der Heimsuchung zu Paray. Als Novizin schrieb sie mit ihrem Blute auf ein
Blatt Papier folgendes Gelöbniß: Ich armes und elendes Nichts betheure meinem
Gott, mich Allem, was Er von mir begehrt, zu unterwerfen und zu opfern, indem
ich mein Herz der Erfüllung dessen, was Ihm gefällt, ohne jeden andern Vorbehalt,
als den seiner größern Verherrlichung und seiner reinen Liebe darbringe. Ich
widme und überlasse Ihm mein ganzes Seyn und alle Augenblicke meines Lebens. Ich
bin immerdar meines Heißgeliebten Dienerin, Sclavin, Geschöpf - da Er ganz mein
ist, seine unwürdige Braut, die der Welt abgestorbene Schwester Margaretha
Maria. Alles in Gott und Nichts in mir. Alles Gott und Nichts mir. Alles für
Gott und nichts für mich.
In diesem Geiste war sie ins Kloster getreten, und so
blieb sie bis an ihr Ende. Sie ist die Begründerin der Andacht zum heiligsten
Herzen Jesu. Als sie eines Tages ihren göttlich Bräutigam bat, von ihrem Herzen
Besitz zu nehmen, kam es ihr vor, als nehme der Sohn Gottes wirklich ihr Herz
und lege dasselbe in sein Herz, das sie durch die Seitenwunde erblickte, und ihr
leuchtend wie die Sonne, glühend wie ein Feuerofen erschien. Ihr Herz kam ihr
wie ein Atom vor, das in die Tiefe dieses Ofens hinabsank. Dann sprach der Herr
zu ihr: Du hast bisher nur den Namen meiner Magd geführt; fortan werde ich dir
den Namen der geliebten Jüngerin meines Herzens
geben.
Von dieser Zeit hatte sie eine Wunde und mitunter sehr heftige Schmerzen
an der Seite, besonders empfindlich waren dieselben am ersten Freitage jedes
Monats. Die Schwestern, welchen sie nach der Ordensregel die Ekstase mittheilen
mußte, gaben Nichts darauf und betrachteten sie lediglich als ein
Hypochondrische, als eine Visionärin. Sie hatte seit dieser Zeit viele
Unannehmlichkeiten zu ertragen, die erst mit dem Eintreffen des P.
Colombiere aus der Gesellschaft Jesu
in Paray etwas gemildert wurden. Er erkannte die tiefe und aufrichtige
Frömmigkeit der Seligen und weihte selbst am 21. Juni 1675, am Freitage nach der
Frohnleichnams-Octave sein Herz dem Herzen Jesu zu besonderer Verehrung. Auch
gewann diese Andacht durch seine Aufmunterung in der Stadt Paray viele
Theilnehmer. Sie schrieb unter Anderm über diese Andacht: Mein göttlicher
Heiland hat mir zu erkennen gegeben, wie diejenigen, welche am Heile der Seelen
arbeiten, die Kunst besitzen werden, die verhärtetsten Herzen zu rühren und mit
wunderbarem Erfolge zu wirken, wenn sie selbst von einer zärtlichen Andacht zu
seinem göttlichen Herzen durchdrungen sind. Was die weltlichen Personen
anbetrifft, so werden sie durch dieses Mittel alle in ihrem Stande nothwendige
Hilfe finden: Frieden in der Familie, Erleichterung in ihren Arbeiten und den
Segen des Himmels bei allen Unternehmungen. Und ach, wie süß ist es zu sterben,
wenn man eine beständige Andacht zum heiligen Herzen dessen gehabt hat, der uns
richten wird.
Indessen fand die Andacht viele Gegner, sie wurde sogar öfter
verboten. Aber die beharrliche Frömmigkeit der Seligen überwand diese
Hindernisse; die Andacht wurde endlich gut geheißen und verbreitete sich in fast
wunderbarer Weise **. Neben vielen andern Gnaden erhielt sie
auch besondere Offenbarungen über die Leiden der armen Seelen, denen sie durch
außerordentliche Opfer zu Hilfe kam. Ihr seliger Tod erfolgte am 17. October
1690. Ihr Antlitz war nach dem Tode schöner und lieblicher als zuvor. Als man in
der Stadt ihr Hinscheiden vernahm, hieß es allgemein: Die Heilige ist
gestorben
. Jedermann wollte Reliquien von ihr besitzen und ihr Andenken blieb
fortwährend in Ehren. Es geschahen viele Wunder an ihrem Grabe und selbst in
weiter Ferne auf ihre Fürbitte. (VIII. 6).
* Wir entnehmen denselben zumeist
dem Buche: Leben der ersten Mütter und Schwestern des Ordens von der
Heimsuchung Mariens.
Von L. Clarus, II. Bd. S. 206-441.
** Folgendes ist die
erste, von der Hand der Oberin aufgezeichnete und mit dem Blute der Schwester
Margaretha unterschriebene Urkunde über diese Andacht: Es lebe Jesus in dem
Herzen seiner Braut, meiner Schwester Margaretha Maria für welche ich, in Kraft
der Gewalt, die mir Gott über sie gegeben hat, alles Gute, das sie während ihres
Lebens thun mag, sowie alles was man nach ihrem Tode für sie thun wird, dem
heiligsten und anzubetenden Herzen Jesu opfere und weihe, damit dieses göttliche
Herz nach seinem Willen und Wohlgefallen und für wen immer es ihn beliebt, ob
todt oder lebend, frei damit schalte; da meine Schwester, Margaretha feierlich
betheuert, sie begebe sich überhaupt gern aller Dinge, ausgenommen ihren Willen,
dem göttlichen Willen ihres Jesus für immer anzugehören und ihn rein seiner
selbst wegen zu lieben. Urkundlich dessen unterzeichnen wir, sie und ich, diese
Schrift. So geschehen am letzten December 1678.

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