
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Servatius, Ep. Conf. (13. Mai, al. 6. Febr., 7. Juni) Der hl. Bischof
Servatius, auch Servatio, Arvatius, Aravalius, Sarbalius und Sabbatius
geschrieben, der Sohn unbekannter Eltern, welche Emin und Memilia geheißen haben
sollen, durchlebte eine bewegte, aber nicht sündhafte Jugendzeit. Nach
Vollendung seiner Studien reiste er nach Palästina, ließ sich nach der Heimkehr
zum Priester weihen und hielt Missionspredigten an verschiedenen Orten Galliens.
Als Bischof von Tongern - Mastricht war er der zehnte in der Reihenfolge. Er war,
wie der heil. Gregorius von Tours (hist. Fr.
II. 5.) berichtet, ein Mann von hervorragender Heiligkeit, der unaufhörlich
wachte und fastete, und unter häufigen Thränen die Barmherzigkeit des Herrn
über sich und sein Volk anrief. Das Jahr, in welchem er sein Amt antrat, läßt
sich nicht bestimmen. Um d. J. 336 war er bereits Bischof, da der hl. Athanasius
d. Gr. von Alexandria in der Verbannung auch zu ihm kam. Im J. 343 oder 344
(so Hefele, Concil. - Gesch. l. 515) war er Mitglied des Concils von Sardica, im
J. 346 des Concils von Cöln. Die Acten jenes Concils schreiben seinen Namen
Serbatius. Zu Cöln wurde die Absetzung des Arianischen Bischofs Euphrates von
Cöln ausgesprochen, zu Sardica handelte es sich um die Rechtfertigung und
Wiedereinsetzung des heiligen Athanasius. Zwei Jahre später finden wir ihn auf
einer zweiten SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
, welche gleichfalls in Sachen des Euphrates von Cöln in
dieser Stadt abgehalten worden sein soll. Im folgenden Jahre kam er mit einer
Gesandtschaft, welche der Usurpator Magnentius an den Kaiser Constantius
abordnete, nach Alexandria, wo er seinen Freundschaftsbund mit dem hl.
Athanasius erneuerte. Im J. 359 befand er sich unter den auf Befehl des Kaisers
Constantius zu Rimini versammelten Bischöfen und widersetzte sich, obwohl
anfänglich ebenfalls durch das vorgelegte, arianisch versteckte
Glaubensbekenntniß getäuscht und durch die Vorstellungen des Präfecten Taurus
überredet, auf die Mahnung des im Exil befindlichen hl. Hilarius
von Poitiers mit aller Kraft der freundlich schleichenden Schlange der
Irrlehre. Es ist wahrscheinlich, daß er wenigstens zweimal das Centrum der
Christenheit, Rom, besucht hat. Von seiner bischöflichen Wirksamkeit erzählt die
Legende, daß ihn, wenn er predigte oder Beicht hörte, Jedermann verstand,
während er ohne Dollmetsch sich nicht verständlich machen konnte, wenn es sich
um zeitliche Geschäfte handelte. Außerdem erzählt der hl. Gregorius v. Tours, es
sei dem Heiligen der Einfall der Hunnen, womit Gott die Sünden der Gallier
bestrafen werde, geoffenbart worden. Er habe deßhalb eine (dritte) Wallfahrt
nach Rom angetreten, um an den Gräbern der hhl. Apostel Petrus
und Paulus Hilfe für sein Volk zu erflehen. Nachdem er
hier viele Tage gebetet und streng gefastet hatte, erhielt er die Antwort, der
Rathschluß des Herrn, daß die Hunnen Gallien entvölkern sollen, stehe fest, doch
werde er selbst diese Uebel nicht mehr erleben. (Die Sage setzt hinzu, der hl.
Petrus habe ihm bei dieser Gelegenheit einen silbernen Schlüssel gegeben; auf
der Heimreise sei er in die Gefangenschaft der Gothen gerathen, aus welcher ihn
ein Engel befreite; als er auf dem Wege bei heißem Mittag ausruhte, habe ein
Adler über ihm die Flügel ausgebreitet und Schatten gespendet; ein anderes Mal
habe er dürstend durch sein Gebet aus dem dürren Boden eine frische Quelle
sprudeln lassen, worauf ihm ein Engel das Trinkgeschirr dazu brachte.) Nun
kehrte er eilig nach Tongern zurück, verabschiedete sich von der Geistlichkeit
und den Bürgern der Stadt, und gab ihnen unter Thränen zu verstehen, daß sie
sein Angesicht nicht lange mehr sehen würden. Sie aber antworteten mit großem
Wehklagen: Verlaß uns nicht, heiliger Vater! vergiß uns nicht, guter Hirte!
Als aber kein Weinen ihn zum Widerrufe bringen konnte, empfingen sie den hl.
Segen, küßten ihn und entfernten sich. Der Heilige begab sich darauf nach
Mastricht *, wo ihn ein leichtes Fieber befiel, an welchem er
starb. Seine Grabstätte erhielt er unferne von der Brücke auf dem allgemeinen
Gottesacker. Sein Tod wird in das Jahr 383 oder 384 gesetzt. Damals lagen die
Hunnen noch im Kampfe mit den Ostgothen, die von der Ostsee bis zum schwarzen
Meere herrschten. Siebenzig Jahre nach dem Hinscheiden des Heiligen traf seine
Weissagung ein. Das Mart. Rom. erwähnt (nach Greg. Turon. de gl. conf. c 72 und
hist. Fr. l. c.) des Wunders, daß bis zur Zeit des Bischofes Monulfus
sein Grab niemals mit Schnee bedeckt wurde, wenn auch die ganze Gegend ringsum
davon bedeckt war. Am 6. Febr. wird er mit allen hl. Bischöfen von Mastricht
commemorirt. Seine Reliquien kamen eine Zeit lang nach Sachsen; ihre
Wiederverbringung nach Mastricht ist in den Kalendarien zum 7. Juni angemerkt.
Wer aus dem Trinkgeschirr des Heiligen vertrauensvoll trinkt, wird vom Fieber
befreit. Bei der Kirche seines Namens zu Mastricht wurde später ein Kanonikat
errichtet. Der Heilige steht auch zu Duisburg, Worms, Quedlinburg, wo die
Stiftkirche seinen Namen führt, Pöhlde u. a. O. in Verehrung. Nur der
Vollständigkeit halber gedenken wir noch der von einem griechischen Mönche in
angeblicher Verzückung erdachten, oft nacherzählten Fabel, der Heilige sei ein
Bruder der hl. Elisabeth und Onkel des hl. Johannes
des Täufers gewesen, habe ein Alter von weit über 300 Jahren erreicht etc.
Dagegen ist wohl glaublich, daß der hl. Severinus
von Cöln eines Tags eine feurige Kugel über ihm schweben und in den Himmel
emporsteigen sah. Das zu seiner Verehrung vorgeschriebene Kirchengebet enthält
die Bitte, daß Gott durch die Fürbitte des Heiligen alle Widerwärtigkeiten von
uns abwende, damit wir desto getreuer dem Dienste Gottes obliegen mögen. Auf
Abbildungen finden sich hauptsächlich die von ihm oder an ihm geschehenen Wunder
dargestellt. So z. B. sieht man einen Engel neben ihm, einen Adler über ihm, in
der Hand trägt er nebst dem Stabe einen silbernen Schlüssel (Nagel), ein Drache
(die arianische Ketzerei) verendet zu seinen Füßen, er eröffnet mit seinem Stabe
eine Quelle, er belet an den Gräbern der hhl. Apostel.
* Diese Aeußerung des Gregorius von Tours gab Veranlassung zu der Annahme, daß dieser hl. Bischof seinen Sitz von Tongern nach Mastricht verlegt habe.

|
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|