
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
B. Utto, Abb. Conf. (3. Oct. al. 28. Jan.). Des sel. Abtes Utto (Ukko) von
Metten * haben wir bereits in dem Artikel Gamelbertus
(II. 351) gedacht. Sein Geburtsort und seine Herkunft ist unbekannt. Nach
dem Hinscheiden des heil. Gamelbertus finden wir ihn an seiner Stelle als
Seelsorger zu Buch und in der Umgebung, bis er durch die Schrecken des Krieges
und Volksunruhen, welche durch heidnischen Aberglauben veranlaßt waren, oder aus
Verlangen nach einer einsamen Lebensweise bewogen wurde, den Ort zu verlassen.
Damals hatte sich nämlich der bayerische Herzog Thassilo II. mit den wilden
Avaren gegen Carl den Großen verbunden und
war von diesem bekriegt worden. Die rohen und blutdürstigen Avaren verheerten
Alles, und Utto begab sich an das linke Donauufer in die waldreiche Gegend, wo
jetzt das Kloster Metten steht, in der Absicht, nach Art der Einsiedler ein
verborgenes und beschauliches Leben zu führen und baute ein Kapellchen zu Ehren
des hl. Michael. Nachdem er eine unbestimmbare Zeit
in dieser Einsamkeit zugebracht hatte, wurde er von Carl dem Großen, als er in
dieser Gegend sich auf der Jagd befand, oder nach der Meinung Anderer, als er
gegen die Avaren zog, in des Waldes Tiefe, ungefähr an dem Orte, wo dermalen
Ottobrunn liegt, aufgefunden, und aufgefordert, sich von ihm eine Gnade zu
erbitten. Der fromme Einsiedler bat um ein Stück Land, auf welchem er ein
Kloster errichten könnte, und Carl gewährte die Bitte. In kurzer Zeit stand am
Fuße der Vorberge des bayerischen Waldes das dem hl. Erzengel Michael geweihte
Kloster da. Als Carl im J. 800 zu Rom die Kaiserkrone empfangen hatte, erlangte
er von Papst Leo III. die Bestätigung des ersten
Abtes Utto und des neugegründeten Klosters. Hiemit stimmt der Umstand überein,
daß auf der SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
zu Reisbach im J. 799 noch kein Abt von Metten gegenwärtig
war. Der Papst sendete dem Abte durch den Bischof Aldoloinus von Regensburg,
welcher ihm die Weihe gab, einen Abtstab mit einem Griffe von Elfenbein, worin
die Worte standen: Quod Dominus Petro, Petrus tibi contulit Utho. (Was der Herr
dem Petrus gab, gibt Petrus dir Utho!) Dieser Stab ist
noch vorhanden und wird in einem Glaskasten, in welchem sich einige Reliquien
des Seligen befinden, nämlich das Haupt, die Hände und die Vorderfüße,
aufbewahrt. Utho leitete die neue Klostergemeinde etwa 24 Jahre lang mit großer
Weisheit und Kraft. Endlich legte er seinen Hirtenstab nieder, um vom Herrn den
Lohn eines treuen Dieners zu empfangen. Er starb in einem Alter von 82 Jahren,
den 3 Oct. 829. (Raderus und Stengel nennen den 28. Jan. als Todestag.) An
diesem Tage wird auch in Metten sein Fest gefeiert. Die Gebeine des Stifters
ruhen in einem mit vier Siegeln versehenen Kästchen der Evangelienseite des
Presbyteriums der Stiftskirche. Die geistlichen Söhne des Dahingeschiedenen
verehrten den geistlichen Vater nach seinem Tode, wie sie ihm schon im Leben
Verehrung erwiesen hatten. Von einer feierlichen Erhebung seiner Reliquien oder
von einer Heiligsprechung melden die geschichtlichen Nachrichten bis zum J. 1646
nichts. Darum wird er in dem Mart. Bened. auch nicht heilig
, sondern selig
genannt. Indessen gaben die auf seine Anrufung hin schon in den frühesten
Jahrhunderten und später erfolgten Gnadenerweisungen und wunderbaren Heilungen,
wovon die alten Schriften viel Rühmens machen (so erhielt z.B. im J. 1303 ein
Mönch von St. Emmeram in Regensburg durch Beten an seinem Grabe das seit
längerer Zeit verlorne Gehör und die Sprache wieder), hinreichenden Anlaß, daß
man ihn durch religiösen Cultus verehrte. Sein Grab war vor Jahren mit
zahlreichen Verlobnißtäfelchen und Verlobnißgegenständen behangen und bedeckt.
Auch segnete man in früheren Zeiten unter seiner Anrufung Brod und theilte es
den Leuten aus, welche es unter dem Namen Uttobrod hochschätzten und
verschiedentlich gebrauchten. Das im alten Meßbuch des Klosters enthaltene
Kirchengebet lautet in der Uebersetzung: O Gott, der du deinen Diener, unsern
seligen Abt Utto, durch barmherzige Berufung geheiliget, und durch glückliche
Vollendung zu dir genommen hast, nimm unsere Bitten gnädig an, und verleihe, daß
derselbe, wie er nach seinen Verdiensten bei dir ist, bei uns nach seinen
Beispielen verbleibe.
- Metten ist bekanntlich eines von den wenigen Klöstern,
die nach den Stürmen der Säcularisation sich wieder aus 30jährigem Schlafe
erhoben haben und jetzt auf's Neue wieder blühen. Der Segen seines Stifters
ruhet auf dem gottgeheiligten Hause und wird auf ihm bleiben, wenn auch noch
ärgere Stürme kommen, als die der Säcularisation gewesen. (II. 207 u. Bav.
Sanct.)
* Wir benützten hier außer den
Boll. und Raderus das Buch von Mittermüller: Das Kloster Metten und seine
Aebte
, S. 8-17.
