Ökumenisches Heiligenlexikon

Antonius Rosmini-Serbati

italienischer Name: Antonio

Gedenktag katholisch: 1. Juli

Name bedeutet: der vorne Stehende (latein.: aus dem Geschlecht der Antonier)

Priester, Ordensgründer
* 25. März 1797 in Rovereto bei Trient in Italien
1. Juli 1855 in Stresa am Lago Maggiore in Italien


Graf Antonius Rosmini-Serbati studierte - ohne Zustimmung seiner Eltern - in Pavia und Padua und wurde 1821 in der Chiesa della SS. Trinità in Chioggia zum Priester geweiht. Ab 1813 wurde er in die Accademia degli Agiati in seiner Heimatstadt aufgenommen; sie war eine geistes- und naturwissenschaftliche Gesellschaft, die in der damals unter Habsburger Herrschaft stehenden Stadt gegründet und 1753 von Kaiserin Maria Theresia privilegiert worden war. Rosmini entwarf deren neues Statut und war mehrfach ihr Präsident. 1828 gründete er das Istituto della Carità, das Institut der Liebe, als Ordensgemeinschaft, die 1839 vom Papst anerkannt wurde und auch als Rosminianer bekannt ist. In den Auseiandersetzungen zwischen dem Papst und dem neuen Königreich Italien fungierte er 1848 - erfolglos - als Vermittler; im selben Jahr begleitete er Papst Pius IX. ins Exil, als dieser nach dem Aufstand der Römer gegen die Herrschaft des Kirchenstaates nach Gaëta ins damalige Königreich Neapel floh. Kardinal Antonelli, der jede Übereinkunft mit dem vereinigten Italien verhindern wollte, verdrängte ihn vom päpstlichen Hof und bewirkte, dass Rosminis Schrift Die fünf Wundmale der heiligen Kirche, die für kirchliche Reformen eintrat, und sein Entwurf einer Verfassung für den Kirchenstaat 1849 auf den Index gelangten, zudem verhinderte er die Ernennung Rosminis zum Kardinal.

Die Jesuiten legten seine philosophischen Schriften der päpstlichen Indexkongregation vor, die sie aber 1854 als keiner Zensur bedürftig erklärte. Im Alter lebte Rosmini im Haus seines Ordens in Stresa am Lago Maggiore. Er leitete die wachsende Gemeinschaft und verfasste philosophische Schriften, in denen er Religion und Vernunft zu vereinen suchte; deshalb nennt man ihn auch den italienischen Kant und gilt er als einer der letzten Universalgelehrten.

Mit dem Dekret Post obitum, nach dem Tod wurden 1887 unter Papst Leo XIII. auf Initiative der Jesuiten posthum 40 Sätze aus Rosminis theologischen und philosophischen Schriften verurteilt. Mit dem 2. Vatikanisches Konzil setzte eine positive Neubewertung Rosminis ein, 2001 wurden diese Verurteilungen aufgehoben.

Kanonisation: Antonius Rosmini wurde am 18. November 2007 in Novara im Auftrag von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

Worte des Seligen

Über das vollkommene Leben im Allgemeinen
1. Alle Christen, das heißt alle Jünger Jesu Christi, in jedem Stand und jeder Stellung, sind zur Vollkommenheit berufen, da sie alle zum Evangelium, das das Gesetz der Vollkommenheit ist, berufen sind: An alle ist das Wort des göttlichen Meisters in gleicher Weise gerichtet: Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist (Matthäusevangelium 5, 48).
2. Die evangelische Vollkommenheit besteht in der ganzheitlichen Erfüllung der beiden Gebote der Gottes- und Nächstenliebe; sie ist der Grund dafür, dass der christliche Mensch danach verlangt und sich anstrengt, in all seinen Neigungen und allen Werken seines Lebens, soweit es auf dieser Welt möglich ist, ganz auf Gott hin zu leben, wie ihm ja geboten wird: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst (Matthäusevangelium 22, 37.39).
3. Um diese Vollkommenheit der Liebe zu erlangen, auf die der Jünger Christi immerfort bedacht sein muss, gibt es drei sehr hilfreiche Mittel, nämlich das Bekenntnis zu einem Leben der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Doch sind das nicht Gebote, die jeden Christen binden, sondern reine Ratschläge, die das Evangelium erteilt; sie eignen sich, aus dem Geist, dem Herzen und Leben des Christen alles zu entfernen, was ihn hindert, ganz in der Liebe zu Gott und zum Nächsten aufzugehen.
4. Das Bekenntnis zu den drei evangelischen Räten bildet die Vollkommenheit des gottgeweihten Lebens (perfectio religiosa). Diese ist nicht von vornherein allen Christen gemeinsam, sondern eignet jenen großmütigeren Jüngern Christi, die sich tatkräftig des Besitzes, der Vergnügungen und des eigenen Willens entäußern, um freier ihre ganze Liebe Gott und dem Nächsten schenken zu können.
5. Der Gottgeweihte, das heißt der Christ, der nach den drei evangelischen Räten tathaft Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt, hat diese drei Mittel auf die Liebe hinzuordnen, die immer vollendeter werden muss und zu der alle seine Brüder, die Mitchristen, nicht weniger als er selber berufen sind.
6. Der Christ, der nicht nach den evangelischen Räten lebt und doch nach der vollkommenen Gottesliebe strebt, die er bei der heiligen Taufe gelobt und der er sich hingeweiht hat, soll sich infolgedessen nach dem Wort des hl. Thomas (II IIae 186, 2) nicht nur davor hüten, was zum evangelischen Räteleben gehört, geringzuschätzen, sondern dieses vielmehr als das Beste anerkennen und lieben, und daher auch für sich nach jener großmütigen Gesinnung und jenem geistlichen Verständnis der Wahrheit verlangen, die einen Menschen zum Ergreifen so geeigneter Mittel veranlassen, sein Herz von all den Sorgen und Hemmnissen freizumachen, wodurch es verhindert wird, Sinnen und Leben in ungeteilter Liebe auf Gott zu richten.
Wer im gewöhnlichen Leben steht, wird bisweilen - unter einem geheimen Einfluss der Selbstsucht, die ihn nur widerwillig zugeben. lässt, dass andere großmütiger sind als er - versucht sein, diese göttlichen Räte nicht sonderlich hoch anzuschlagen. Er wird aber nur in der Demut … Gott ganz wohlgefällig sein und ergänzen können, was ihm an Großmut und geistlicher Einsicht rnangelt.
7. Die vollkommene Liebe (in der für alle Christen die Vollendung besteht) trägt den ganzen Menschen seinem Schöpfer entgegen und kann als eine ungeteilte Hinwendung oder Opfergabe des Menschen an Gott bezeichnet werden, zu der er sich in der Nachfolge des eingeborenen Sohnes, unseres Erlösers Jesus Christus macht: in solcher Konsekration beschließt er, sich bei all seinem Tun kein anderes Endziel zu setzen als Gottes Verherrlichung, sich nichts anderem anzugeloben und kein anderes Gut noch Vergnügen auf Erden zu suchen, außer was zu Gottes Wohlgefallen und Dienst gereicht.
8. Daher muss sich ein wahrer Christ, der sich dieser Vollkommenheit, zu der er berufen ist, zuzuwenden verlangt, vornehmen, in allen Verrichtungen seines Lebens das zu verfolgen, was er als lieber seinem Gott und als entsprechender Seiner Ehre und Absicht erachtet.
9. Um jedoch zu erkennen, was seine Lebensführung mit dem göttlichen Willen in Einklang bringt, muss er sich die Gesinnung seines göttlichen Meisters und seine himmlischen Lehren stetsfort vor Augen halten und sie unablässig in seinem Herzen erwägen.
10. Diese Lehren aber lassen sich in zwei Hauptstücke teilen, worauf sich das ganze Evangelium zurückführen lässt :
a) Das Endziel seines Handelns, das der Christ zu jeder Stunde gegenwärtig haben muss, um es mit der Einfalt der Taube anzustreben, und wovon er sich die allerklarste und deutlichste Vorstellung zu bilden hat, und
b) die Mittel, deren er sich zur Erreichung dieses Endziels mit der Klugheit der Schlange bedienen kann.
Was das Endziel betrifft, soll sich der Christ drei Leitsätze vor Augen führen und zum dauernden Gegenstand seiner Erwägung machen, und ebenso drei weitere über die Mittel, somit insgesamt sechs Leitsätze, die da lauten:
• Einzig und grenzenlos ersehnen, Gott zu gefallen, worin das Rechtsein besteht.
• All sein Denken und Tun auf das Wachstum und die Verherrlichung der Kirche Jesu Christi ausrichten.
• Hinsichtlich der göttlichen Fügungen ganz in ruhiger Gelassenheit verharren, nicht nur soweit sie ihn selbst betreffen, sondern auch wo sie die Kirche angehen, für die er nur im Rahmen seiner Berufung zu wirken hat.
• Sich selber der göttlichen Vorsehung überlassen.
• Innig durchdrungen sein vom eigenen Nichts.
• Alle Tätigkeiten seines Lebens gemäß geistlicher Einsicht ordnen.

Quelle: Antonio Rosmini: Leitsätze für Christen, eingeführt von Hans Urs von Balthasar. Johannes Verlag Einsiedeln 1964, S. 19 - 23

Zitat von Antonius Rosmini-Serbati:

Das wahre menschliche Wohl:
Der gemeinsame und wesenhafte Zweck jedweder Vergesellschaftung ist immer die Zufriedenheit des Gemüts: dies ist der wahre Zweck. Somit ist der nächstliegende Zweck der Gesellschaft sowie die Gesellschaft selbst nur ein Mittel zur Erreichung des fernliegenden Zweckes: man darf daher niemals den fernliegenden Zweck der Gesellschaft ihrem nächstliegenden opfern, sondern muss umgekehrt den nächstliegenden Zweck unterordnen und dienstbar machen zugunsten des fernliegenden als des letzten und absoluten Zweckes der Gesellschaft.
Daraus ergibt sich ein einfaches, aber höchst bedeutungsvolles Kriterium der Politik. Dieses Kriterium lautet: Man muss den nächstliegenden Zweck der Gesellschaft, der im Erwerb von Gütern und Annehmlichkeiten besteht, dem fernliegenden, der in der Zufriedenstellung des Geistes der Gesellschaftsmitglieder besteht, unterordnen und darf ihm nie einen unbedingten Wert zuerkennen, sondern nur einen im Verhältnis zu diesem relativen Wert.

Quelle: Maria Hohenadel: Antonio Rosmini 1797 - 1855, hrsg. von Hans Gunther Klemm. = Wissenschaftliche und künstlerische Beiträge. Ehrenbürg-Gymnasium H. 9, Forchheim 1991, S. 23

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 22.11.2019

Quellen:
• https://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Rosmini

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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