Ökumenisches Heiligenlexikon

Baptista von Varano

italienischer Name: Battista
Taufname: Camilla

Gedenktag katholisch: 31. Mai
nicht gebotener Gedenktag im Orden der Franziskaner-Observanten: 30. Mai

Name bedeutet: B: nach Johannes dem Täufer
C: die Ehrbare (latein.)

Klostergründerin, Äbtissin in Camerino
* 9. April 1458 in Camerino in Italien
31. Mai 1524 daselbst


Andachtsbild
Andachtsbild

Camilla, als Tochter des Herzogs Julius Cäsar von Camerino im dortigen Palazzo aufgewachsen, hörte im Alter von neun Jahren eine Predigt des Franziskaners Dominik von Leonessa, die sie tief beeindruckte und zum Entschluss führte, ihr Leben dem Gedenken der Passion Christi zu widmen. Als ihr eines Tages Christus in einer Vision erschien und ihr sein Herz mit der Inschrift Ich liebe dich, Camilla zeigte, entschloss sie sich nach manchen inneren Kämpfen 1481 in Urbino in den Klarissenorden einzutreten und den Ordensnamen Baptista anzunehmen. In Camerino gründete sie dann 1484 mit Unterstützung ihres Vaters ein neues Kloster ihres Ordens, dessen Äbtissin sie wurde.

Baptista wurden immer wieder mystische Erfahrungen zuteil; oft sprach der gekreuzigte Christus zu ihr. Ab 1483 war sie als Schriftstellerin tätig, verfasste u. a. den Bericht über ihre innere Umkehr mit dem Titel La vita spirituale, das geistliche Leben, die Istruzioni, Unterweisungen, in denen sie vor Trägheit und Gleichgültigkeit bei Ordensleuten warnt und eine von Kreuzes- und Leidensfrömmigkeit der Franziskaner geprägte Betrachtung über die innerlichen Leiden Jesu Christi während seiner Passion.

Baptistas Gebeine sind in der Krypta der Kirche ihres Klosters in Camerino verwahrt.

Kanonisation: Baptista wurde am 7. April 1843 durch Papst Gregor XVI. selig- und am 17. Oktober 2010 durch Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen.

Worte der Heiligen

In einer der inneren Ansprachen Jesu an Camilla Battista geht es um den Wert des Leidens. Jesus spricht zu der Ordensfrau:

Beuge dich dem göttlichen Willen und denke, dass der gekreuzigte Bräutigam eine gekreuzigte Braut will. Und wenn deine schwache Natur erleiden wird, den Kelch der Passion zu trinken, verliere nicht den Mut, denn ich erlitt dasselbe als ich sagte: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber (Matthäusevangelium 26, 39).
Immer jedoch ist es notwendig hier anzufügen: Dein Wille geschehe (Matthäusevangelium 26, 42), und anzuerkennen, dass Gott dir nichts Besseres tun kann, als wenn er zulässt, dass du freiwillig ein großes Übel erduldest. So behandelt dich der himmlische Vater als geliebte Tochter, wenn er dich seinem geliebten Sohn ähnlich macht.
Wisse, dass es dir nicht an Schmähungen und Beleidigungen fehlen wird. Doch wenn du sie in Wohlwollen und Gnade verwandeln willst, so nimm diese fünf Ratschläge:
1. Wenn dich jemand anderer beleidigt, soll es dir eher wegen der Beleidigung Gottes leid tun, als wegen deiner eigenen.
2. Bete inständig zu Gott, dass er die Schuld deiner Beleidiger vergibt, und sage mit mir: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun (Lukasevangelium 23, 34).
3. Überzeuge dich, dass du mehr dem, der dir Übles antut, als dem, der dir Gutes tut, zu Dank verpflichtet bist; denn dieser macht dich in den Augen Gottes reiner und würdevoller.
4. Überlege, mit wie viel Liebe ich dich geliebt habe, als du mich beleidigt hast und die mir geschuldete Liebe deinen Feinden zuwendetest.
5. Erkenne an, dass alles Übel aus meiner gütigen Hand hervorgeht. Dass ich dich betrübe, geschieht, weil ich dich liebe. Und du sollst wirklich glauben, dass ich dir ein größeres Zeichen der Liebe erweise, wenn ich dir Anteil an meinem Kelch und an meinem Kreuz gebe, als wenn ich dich einst umarmte und dich mit meinen Armen an mein Herz drückte als meine geliebte Tochter, wodurch ich dir ein Zeichen meiner Tröstungen gab, bis hin zu dem, dass ich dich ausrufen ließ: Nicht weiter, mein Herr, nicht weiter.
Leiden sind eine größere Gnade als Freuden. Eine große Wohltat erweist Gott einer Seele, wenn er sie nicht sündigen lässt; eine größere, indem er sie veranlasst, Gutes zu tun; die größte, indem er sie freiwillig Übel erdulden lässt.
Überlass dich also gänzlich den Händen deines Gottes, um hochherzig Leiden zu erdulden. Deutlich sollst du erkennen, dass diese Aufforderung nichts anderem als aus innigster Liebe geschieht, da die Vermählung einer gläubigen Seele mit Gott sich nirgend anderswo vollzieht als auf dem Kreuz in leidender Liebe und in liebendem Leiden.

Quelle: Ermahnungen Jesu. In: Es begann mit einer Träne … Leben und Schriften der heiligen Camilla Battista von Varano OSC, hrsg. von Gottfried Egger, Heiligenkreuz im Wienerwald 2012, S. 202

Zitate von Camilla Battista an einen geistlichen Sohn im Ordensstand:

Ich will, mein lieber Freund, dass du ein Freund des heiligen Gebets bist, denn sie [Camilla Baptista] trat, um Gott und sich selbst zu erkennen, durch diese Tür. Dieses Beten hat sie zur Vertrautheit mit dem großen und allmächtigen Gott geführt, zu seinen inneren Geheimnissen, zur Ruhe und zum inneren Frieden, zum trauten Umgang mit den engelhaften Geistern, zum zweifelsfreien Glauben an die Dreifaltigkeit und an die Dinge des Himmels, zur festen und sicheren Hoffnung auf Heil, zu einer beständigen Gottesliebe und zur Sehnsucht nach dem Heil des Nächsten.
Du sollst Gott nicht aus Furcht vor Schmerz oder Strafe wie ein Sklave dienen, auch nicht wie eine Dirne für Geld oder Bezahlung, sondern wie ein echter Sohn, wie eine rechtmäßige Braut. Erwidere Gott Liebe mit Liebe, Herz mit Herz, Schmerz mit Schmerz, Blut mit Blut, Tod mit Tod.
Halte das Herz weit offen, werde großzügig und stark, damit darin der König des ewigen Lebens wandeln und umhergehen kann, denn in einem engen Herzen wird und kann Gott nicht wohnen, denn er ist groß und über alle Götter erhaben (vgl. Psalm 99, 2). Gehe, laufe, fliege auf dem Weg Gottes! Die Tüchtigen gehen, die Weisen laufen, die Liebenden fliegen. Wenn du im Genuss der Majestät Gottes laufen kannst, so gehe nicht, wenn du fliegen kannst, so laufe nicht, denn die Zeit ist kurz und auf dem Weg Gottes ist ein Nicht-vorwärts-Gehen ein Zurück-Gehen.
Tue alles aus Liebe zu Gott und ertrage aus Liebe zu Gott alles Widerwärtige. Aus Liebe zu Gott lies und singe das Offizium, wasche das Geschirr, fege, verrichte die Liebesdienste sowohl an den Gesunden als auch an den Kranken! Halte deinen Geist, soweit es deine Gebrechlichkeit erlaubt und soweit es die göttliche Gnade zulässt, fest auf Gott gerichtet! Das ist die nützlichste und notwendigste Sache, die ein Mensch als Diener Gottes tun kann. Das oftmalige An-Gott-Denken erwärmt das Gefühl, erleuchtet den Verstand und ist ein Zaum gegen die lässlichen Sünden, sowie ein Besen für die Laster und eine nicht bedachte Vorbereitung für das fromme Gebet.
Du sollst Gott nicht aus Furcht vor Schmerz oder Strafe wie ein Sklave dienen, auch nicht wie eine Dirne für Geld oder Bezahlung, sondern wie ein echter Sohn, wie eine rechtmäßige Braut. Erwidere Gottes Liebe mit Liebe, Herz mit Herz, Schmerz mit Schmerz, Blut mit Blut, Tod mit Tod.

Quelle: Unterweisung an den Schüler. In: Es begann mit einer Träne … Leben und Schriften der heiligen Camilla Battista von Varano OSC, hrsg. von Gottfried Egger, Heiligenkreuz im Wienerwald 2012, S. 240ff

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.10.2019

Quellen:

• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XVI, Herzberg 1999

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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