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Ökumenisches Heiligenlexikon

Emilie Schneider

französischer Name: Émilie
Taufname: Julie

Gedenktag katholisch: 21. März

Name bedeutet: die Eifrige (latein.)

Nonne, Mystikerin
* 6. September 1820 in >Haaren, heute Ortsteil von Waldfeucht bei Heinsberg in Nordrhein-Westfalen
† 21. März 1859 in Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen


Julie Schneider war das vierte von zehn Kindern des in bescheidenen Verhältnissen lebenden evangelischen Grenzbeamten Friedrich Schneider und seiner katholischen Frau Elisabeth. Sie wurde - entgegen der Anordnung des preußischen Königs, dass Kinder aus konfessionsverschiedenen Ehen in der Konfession des Vaters getauft werden sollen - in der damaligen katholischen Stifskirche St. Jans Klus in Haaren getauft. Nach guter Schulbildung arbeitete sie als Erzieherin bei Baron de Favereau de Fraipont in Lüttich ; nach innerem Ringen und Auseinandersetzungen mit ihren Eltern trat sie dort 1845 mit dem Ordensnamen Émilie in die 1833 von Maria Theresia von Haze gegründete Gemeinschaft der Töchter vom Heiligen Kreuz ein.

Josephskapelle und ehemaliges Theresienhospital in Düsseldorf
Josephskapelle und ehemaliges Theresienhospital in Düsseldorf

1851 wurde Emilie als Novizenmeisterin in das neue Haus in Aspel bei Rees gesandt. 1852 wurde sie als Oberin in das von den Celtinnen übernommene Theresienhospital nach Düsseldorf berufen. Prägend für Emilie war eine Frömmigkeit, die ihre Kraft aus der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. schöpfte - Emilie gilt als moderne Mystikerin. Die schon 1860 veröffentlichten Briefe an ihren Beichtvater zeigen ihre tiefe Verbundenheit mit Gott. In ihrer mystischen Verbundenheit mit Christus erkannte sie in den armen und notleidenden Menschen den leidenden Herrn, deshalb war sie in der Armenfürsorge aktiv. Ab 1857 musste sie mehrere Krankheiten ertragen: erst Typhus, dann starke Kopfschmerzen, woran sie schließlich starb.

Emilie Schneider, Brief vom 8. März 1857:

Als ich eines Tages gleich beim Anfang der heiligen Messe tief durchdrungen war von diesem wunderbaren Geheimnis göttlicher Liebe, sah ich gleich nach der Wandlung meinen geliebten Heiland. Aus seinen heiligen Wunden strömten im reichlichem Maße Strahlen von wunderbarem Glanze. Bei diesem Anblick ward meine Seele von Wonne erfüllt. Ich wollte mich ihm nahen, um von diesen Strahlen überströmt zu werden. Da sah ich, wie dieselben sich über die Anwesenden, doch nicht über alle, verbreiteten und ergossen; dann bemerkte ich, wie der Raum sich ausdehnte, bis er unübersehbar und die Zahl der Anwesenden unzählbar war. Die Strahlen verbreiteten sich in einem Augenblick über alle und teilten sich ihnen in der ungleichem Maße mit. Auch ich hatte Anteil an den Gnadenstrahlen meines geliebten Heilandes, und meine Seele wurde davon in ein Meer von Seligkeit versenkt. Als ich mich wieder im natürlichen Zustand befand, war mein Herz von einer so großen Glut entzündet, dass ich nicht weiß, wie es nicht ganz davon verzehr wurde. Ich hatte ein so großes Verlangen, alle Menschen von recht lebendigem Glauben in Betreff dieses Geheimnisses der Liebe belebt und von glühender Liebe zu meinem geliebten Heiland entzündet zu sehen, dass ich, um dies zu erlangen, für alle und für jeden einzelnen mein Leben hätte hingeben wollen. Wenige Tage später sah ich wieder nach der Wandlung [bei der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.] meinen geliebten Heiland von unbeschreiblichem Glanze umgeben. Aus seinen heiligen Wunden, besonders aus seiner Herzenswunde, sah ich in wunderbaren Gestalten die Gnaden fließen. Bei diesem Anblick versank ich in heiliges Staunen. Da sagte mein geliebter Heiland: Was du hier siehst und nicht verstehst, sind die Früchte meiner Liebe zu den Menschen. Vergiss nimmer, was du gesehen, und suche hier, wessen du bedarfst.

Emilie wurde in der Josephskapelle am Theresienhospital in Düsseldorf bestattet. Gleich nach Émilies Tod setzte ihre Verehrung ein. Der Platz vor dem 2007 geschlossenen Theresienhospital ist heute nach Emilie Schneider benannt.

Kanonisation: 1926 wurde das Verfahren zur Seligsprechung von Emilie Schneider durch den Erzbischof von Köln, Karl Joseph Kardinal Schulte, eingeleitet. Durch den 2. Weltkrieg kam es zum Stillstand. Joseph Kardinal Höffner erneuerte das Verfahren 1984, seit 1992 liegen die Akten zur Prüfung in Rom. Am 6. Juli 2007 erkannte Papst Benedikt XVI. Emilie Schneider den heroischen Tugendgrad zu.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 14.04.2018

Quellen:

• Joseph Weier. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. IX, Herzberg 1995
• http://www.heiligerjosef.de/topic/1923-ehrwurdige-emilie-schneider
• http://www.aachener-zeitung.de/lokales/heinsberg/schwester-emilie-wird-auch-157-jahre-nach-ihrem-tod-noch-verehrt-1.1395114

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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