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Ökumenisches Heiligenlexikon

Jeremias Gotthelf

bürgerlicher Name: Albert Bitzius

Gedenktag evangelisch: 22. Oktober

Name bedeutet: Gott richtet auf (hebr.)

Pfarrer, Dichter, Mystiker
* 4. Oktober 1797 in Murten in der Schweiz
† 21. Oktober 1854 in Lützelflüh im Emmental im Kanton Bern


Pfarrhaus in Murten, in dem Albert Bitzius geboren wurde
Pfarrhaus in Murten, in dem Albert Bitzius geboren wurde

Albert Bitzius war Sohn eines Pfarrers, besuchte die Literaturschule in Bern und studierte dann dort Theologie. Daneben war er als Hilfslehrer tätig, das Unterrichten blieb ihm zeitlebens eine Herzensangelegenheit, Pestalozzi hatte er noch selbst gehört. Nach Studienreisen durch Deutschland war er als Pfarrvikar in Herzogenbuchsee im Oberaargau tätig; hier erfuhr er von der Würde und Begabung, aber auch von den Bildungsmängeln der Bauern. 1831 wurde er Pfarrer in Lützelflüh im Emmental, heiratete und kümmerte sich wieder um Fragen der Bildung, was ihn in Konflikt mit der Obrigkeit brachte. Er zog sich zurück und begann schriftstellerisch tätig zu werden.

Pfarrhaus in Lützelflüh, in dem Gotthelf wohnte und wirkte
Pfarrhaus in Lützelflüh, in dem Gotthelf wohnte und wirkte

1837 erschien Albert Bitzius' autobiografisches Werk Der Bauernspiegel oder: Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst geschrieben, zwei Jahre danach Die Leiden und Freuden eines Schulmeisters, 1840 Die Armennot. Er geißelte die bösen Menschen in ihrem durch die Erbsünde verderbten Leben und forderte eine Erneuerung des Familienlebens nach dem Vorbild der Lehren Pestalozzis. Beispielhaft umsetzen konnte er seine Ideen in der von ihm 1835 zunächst gegründeten Erziehungsanstalt für arme Jungen im nahen Weiler Sam, einem Ortsteil von Sumiswald, dann ab 1838 im Schloss in Trachselwald.

Die ehemalige Erziehungsanstalt im Schloss mit Vorsteherhaus (Bildmitte) und der Ort Trachselwald
Die ehemalige Erziehungsanstalt im Schloss mit Vorsteherhaus (Bildmitte) und der Ort Trachselwald

Zunehmend entwickelte sich Jeremias Gotthelf, wie er sich nun selbst nannte, zum Mystiker, der von der Verbindung von Himmel und Erde und von der Offenbarung Gottes in der Natur ergriffen wurde. Die Poesie des Sonntags mit seiner Schönheit als Erfahrung himmlischen Lichts in der dunkeln Welt steht dann im Mittelpunkt von Geld und Geist von 1844. Gotthelf sammelte Schweizer Sagen und Erzählungen aus dem Volksleben und verfasste Romane. Die kritische Gesamtausgabe seiner Werke, erschienen 1911 bis 1951, umfasst 36 Bände.

An Gotthelfs Wirkungsstätte in Lützelflüh gibt es das kleine Museum Gotthelf-Stube; 2012 wird dort das Gotthelf-Zentrum als Zentrum für Schweizer- und Weltliteratur eröffnet.

  Eine kurze Biographie und einige Werke von Jeremias Gotthelf gibt es online bei gutenberg.de.

  Die Universität Bern arbeitet an einer historisch-kritischen Edition der Werke von Jeremias Gotthelf und hält Informationen hierzu bereit.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Denkmal an der Deutschen Kirche in Murten
Denkmal an der Deutschen Kirche in Murten. Inschrift: Gott der Herr hat die Pflichten zuerst gesetzt. Nach den Pflichten erst kommen die Rechte. Nach dem Säen kommt das Ernten.
Kirche in Lützelflüh
Kirche in Lützelflüh

Das Schloss in Trachselwald ist täglich von 8 Uhr bis 18 Uhr, samstags erst ab 9 Uhr, sonntags erst ab 12 Uhr zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt ist frei. (2016)




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 05.07.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
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Quellen: