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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes von Kapsa

Bainame: Gerontogiannis - der alte Johannes
Mönchsname: Joseph

Gedenktag orthodox: 7. August

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Mönch, Klostergründer
* 1799 im Kloster Kapsa auf Kreta in Griechenland
6. August 1874 daselbst


Johannes wurde in den Ruinen des Johannes dem Täufer geweihten Klosters Kapsa geboren, das am Berghang an der Südküste liegt und 1640 von türkischen Piraten zerstört worden war. Seine Eltern, Emmanuel und Zambia Vintsentzos, waren wegen einer Attacke der Osmanen auf ihr Dorf dorthin gegangen; als sich die Situation beruhigte, ließ sich die Familie im nahen Dorf Lithines nieder. Ein paar Jahre später wurde der Junge im selben Kloster getauft.

Eingang zum Kloster Kapsa
Eingang zum Kloster Kapsa

Johannes arbeitete in der Landwirtschaft seiner Eltern und heiratete dann - wieder in den Trümmern des Klosters - seine Frau Kallipi, die auch aus Lithines stammte. Deren Eltern hatten die junge Frau lange in den Höhlen an der Küste versteckt, weil immer wieder Türken Begehrlichkeiten auf die Schöne zeigten; ihre Schwester hatte sich das Leben genommen, weil sie einer Heirat mit einem Türken und der Konversion zum Islam entgehen wollte. Johannes und seiner Frau wurden dann drei Töchter und ein Sohn geschenkt. Als frommer Mann bekam Johannes - den seine Frau Gerontogiannis nannte - immer wieder Probleme mit den türkischen Behörden und versteckte sich dann die meiste Zeit des Jahres. Andere Überlieferung erzählt, er sei ein Taugenichts gewesen, habe die Zeit tot- und sich mit Gaunereien durchgeschlagen.

Durch einen Unfall hatte das Ehepaar eine Tochter verloren; wenig später, am Karfreitag 1843, fiel Johannes in einen tiefen Schlaf, aus dem er erst nach 43 Stunden erwachte. Aus dem zänkischen Johannes war plötzlich ein barmherziger und sanfter Mensch geworden, der nun von seiner Traumvision des Himmels erzählte und sofort eine gelähmte alte Dame, die mit anderen Sorgenden an seinem Bett stand, in Gegenwart aller Zuschauer heilte. Viele Kranken und Behinderte kamen dann zu ihm, die türkischen Behörden aber vermuteten hinter den Versammlungen keine religiösen, sondern aufrührerische Motive, deshalb wurde er dreimal vor dem Gouverneur von Kreta, Mustafa Pascha in Kandiye - dem heutigen Iráklio - angeklagt, entging aber einer Strafe - beim dritten Mal deshalb, weil er die nach einem Sturz bewusstlose Tochter des Statthalter und dessen unheilbar kranke Schwiegermutter heilte.

Rekonstruktionsskizze des ehemaligen türkischen Gouverneurspalastes von Kandiye, im Historischen Museum in Iráklio
Rekonstruktionsskizze des ehemaligen türkischen Gouverneurspalastes von Kandiye, im Historischen Museum in Iráklio

Bischof Hilarion von Ierapetra riet Johannes nun, sich aus dem Dorf zu entfernen, um die Türken zu beruhigen. Johannes kaufte die Ruinen des Klosters Kapsa von Nikolaos Zafiris, der sie vom türkischen Derwisch Aga Chatzarifaki erworben hatte. Johannes lebte zunächst - 17 Jahre lang - in einer Höhle nahe des Klosters.

Johannes' Höhle in der Pervolakia-Schlucht oberhalb des Klosters Kapsa
Johannes' Höhle in der Pervolakia-Schlucht oberhalb des Klosters Kapsa

Die alten Zellen des Klosters Kapsa wurden Pilgern zugeteilt, viele spendeten reichlich für den Wiederaufbau; Gefährten kamen, um sich Johannes anzuschließen; so entstand die erste Bruderschaft, die nun das Kloster wieder instand setzte - nur unterbrochen 1858, als sich Johannes nach einem Aufstand in Kreta vor den Türken auf der Insel Kasos versteckte. Spötter sagen, Johannes habe die Spenden auch dazu benutzt, seinen liderlichen Lebenswandel nicht wirklich ändern zu müssen. Aber 1863 wurde das Kloster mit einer erweiterten Kirche fertiggestellt, es umfasste Zellen, ein Gästehaus, ein Esszimmer, eine Küche, eine Bäckerei, Lagerhäuser und eine große Zisterne. Bischof Hilarion weihte das Kloster und Johannes zum Mönch mit dem Namen Joseph und verlieh ihm das Große Schema. Das Kloster zog viele Pilger an, viele Kranke kamen, um sich von Joseph heilen zu lassen.

Joseph blieb bis zum Ausbruch des Aufstandes der Kreter gegen die Osmenenherrschaft 1866 im Kloster Kapsa. Aus Furcht, dass die Türken sein Kloster bei den Kämpfen oder aus Rache wieder zerstören könnten, entschied er sich, mit seiner Bruderschaft in das verlassene Kloster Agia Sofía bei Armeni zu ziehen und nun dieses zu renovierten. 1

Kloster Agia Sofía bei Armeni, heute wieder verlassen
Kloster Agia Sofía bei Armeni, heute wieder verlassen

Nach Verleumdungen befahl ihm der Nachfolger von Bischof Hilarion, Bischof Neophytos von Ierapetra, wieder ins Kloster Kapsa zurückzukehren. Dort lebte er zurückgezogen in seiner Zelle, die er nur sonntags zum Empfang der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. verließ. Sein Ruhm verbreitete sich auf ganz Kreta und darüber hinaus. Als Wundertaten wird berichtet, dass er Meerwasser trinkbar machen konnte, auf seiner Kutte zur Insel Koufonisi übersetzte und dass er sein Sterben vorhersah. In seinen letzten Monaten war er stumm und bettlägrig.

Joseph wurde im Katholikon seines Klosters Kapsa begraben. Am 7. Mai 1982 wurden seine Gebeine erhoben, sein Kopf ruht nun in einem silbernen Reliquiar, das einen unaussprechlichen Duft ausbreitet. Das Kloster ist heute eine Filiale des Klosters Kloster Toploú bei Sitia.

Kanonisation: Joseph wurde 2004 offiziell vom ökumenischen Patriarchat heiliggesprochen.

1 Die Kritiker unterstellen, er habe dies gemacht, um weiter Spenden sammeln zu können.

Das Kloster Kapsa ist täglich von 6.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 15.30 Uhr bis 19 Uhr zur Besichtigung geöffnet. (2019)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 18.04.2019

Quellen:
• https://www.johnsanidopoulos.com/2015/08/saint-joseph-gerontogiannis-of-kapsa.html
• Eberhard Fohrer: Kreta, 21. Aufl. Michel Müller Verlag, Erlangen 2018, S. 463

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.