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Ökumenisches Heiligenlexikon

Josef Mayr-Nusser

Gedenktag katholisch: 3. Oktober
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum Bamberg: 5. Oktober

Name bedeutet: Gott hat hinzugefügt (hebr.)

Märtyrer
* 27. Dezember 1910 in Bozen in Italien
† 24. Februar 1945 bei Erlangen in Bayern


Josef Mayr-Nusser
Josef Mayr-Nusser

Josef Mayr-Nusser war Sohn des frommen Weinbauern im Nusserhof in Bozen. Er wurde Mitglied des Jungmännerbundes der katholischen Aktion und bald schon Vorsitzender der Vereinigung im Erzbistum Trient und 1936 Präsident der in Bozen neu gegründeten Vinzenzkonferenz, der ehrenamtliche,n caritativ tätigen Laienvereinigung für Männer. Nach dem Optionsabkommen zwischen den faschistischen Regierungen von Italien und Deutschland, in dem die Bevölkerung vor die Wahl zwischen Auswanderung nach Deutschland oder Bleiben und weitergehender Italienisierung gestellt wurde, entschied sich Mayr-Nusser 1939 an seinem 29. Geburtstag für das Bleiben und schloss sich dem Andreas-Hofer-Bund, einem Südtiroler Widerstandskreis, an. Er heiratete 1942, 1943 wurde Sohn Albert geboren. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1943 wurde er 1944 zum deutschen Militär eingezogen und der Waffen-SS zugeteilt, aber am 4. Oktober 1944 verweigerte er in Konitz - dem heutigen Chojnice - den Führereid. Deshalb wurde er zum Tod verurteilt und sollte ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht werden; auf dem Weg dorthin starb er - geschwächst durch die elenden Haftbedingungen - in einem Viehwaggon.

Josef Mayr-Nussers Grab ist am Haus der Familie in Lichtenstern, einem Ortsteil von Ritten bei Bozen. Er ist Ehrenbürger von Bozen.

Kanonisation: Josef Mayr-Nusser wurde am 18. März 2017 im Dom in Bozen von Kardinal Angelo Amati im Auftrag von Papst Franziskus seliggesprochen.

Worte des Seligen

Eine Woche vor seiner Eidesverweigerung, am 27. September 1944, schrieb er an seine Frau:
Liebste, beste Hildegard! Eine Sorge wird wohl auch Dich bedrücken, seit Du weißt, dass ich bei der SS Dienst tue und der Fall Ernst Haller in Erinnerung aufgetaucht ist. Wie ich mich im gleichen Umstand verhalten würde, darüber war ich keinen Augenblick im Zweifel, und Du wärst nicht meine Frau, wenn Du etwas anderes von mir erwartetest. Dieses Bewusstsein, geliebtes Weib, dieses selbstverständliche Zusammenstimmen in dem, was uns am heiligsten ist, bedeutet für mich einen unsagbaren Trost. Dass ich Dich, treueste Gefährtin, durch mein Bekenntnis im entscheidenden Moment vielleicht auch noch in zeitliches Unglück stürze, das nagt am schwersten an meinem Herzen. Dieses Bekennen-Müssen wird sicher kommen, es ist unausbleiblich, denn zwei Welten stoßen aufeinander. Zu deutlich haben sich Vorgesetzte als entschiedene Verneiner und Hasser dessen gezeigt, was uns Katholiken heilig und unantastbar ist. Bete für mich, Hildegard, damit ich in der Stunde der Bewährung ohne Furcht und Zögern so handle, wie ich es vor Gott und meinem Gewissen schuldig bin. Dass ich italienischer Staatsbürger bin, ist vielleicht, wenn es einmal so weit ist, in den Augen der Richter ein Milderungsgrund. Jedenfalls wird es gut sein, auf schlimme und schlimmste Möglichkeiten gefasst zu sein. Aber Du bist eine tapfere Frau, eine Christin, und auch persönliche Opfer, die vielleicht von Dir gefordert werden, wären sicher nicht imstande, Dich zur Verurteilung Deines Mannes zu bestimmen. weil er es vorzog, lieber sein Leben zu verlieren, als den Weg der Pflicht zu verlassen. Was auch kommen mag: nun ist mir leichter, denn ich weiß Dich vorbereitet. und Dein Gebet wird mir Kraft geben, in der Stunde der Bewährung nicht zu versagen. Sei mit dem kleinen Albert in aller Liebe gegrüßt und geküsst von Deinem Mann.
Am 12. November schrieb er:
Hildegard, liebste, beste Frau, sei stark! Gott wird Dich und mich nicht verlassen! Wenn der Herr ein Opfer fordert, dann gibt er auch die Kraft, es zu tragen. … Wer sollte uns trennen von der Liebe Christi? Nicht Feuer noch Schwert. Niemals vorher habe ich dies so tief empfunden wie jetzt.

Quelle: Josef Innerhofer: Wir sollen Zeugen sein. Josef Mayr-Nusser (1910-1945). In: ders., Südtiroler Blutzeugen des Natonalsozialismus. Bozen 1985, S. 146f, 122

Zitat von Josef Mayr-Nusser:

Etwas ganz Bescheidenes und doch viel Wichtigeres hat uns der Herr geboten: Zeugen zu sein: … Das Zeugnis ohne Worte, das der lebendige Christ täglich lebt, zu Hause, bei der Arbeit, auf dem Felde, in der Werkstatt, vor den Menschen. Welche Kraft geht von einem jungen Menschen aus, der einfachhin christlich lebt. Wir sollen Zeugen sein: Wir wollen vorerst versuchen, ehe wir Künder des Wortes und der Tat werden, junge Christen und es ganz zu sein. Wir werden es am heiligen Quell der Altäre. Auf ihnen liegt Christi Wort und Leib. In ihnen liegen die Gebeine jener, die Zeugen Christi waren bis ans Sterben.

Quelle: Josef Innerhofer: Er blieb sich selber treu. Josef Mayr-Nusser (1910-1945), Bozen 2005





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 15.10.2019

Quellen:
• http://www.bz-bx.net/pls/bolzano/v3_s2ew_consultazione.traduzione?id_pagina=35739&id_lingua=6
• Priesterseminar Innsbruck-Feldkirch: Der Auftrag, Heft 119, Innsbruck 2017

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.