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Ökumenisches Heiligenlexikon

Paulus von Theben

Gedenktag katholisch: 10. Januar
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
15. Januar, Todestag: 10. Januar
in Chartres: 28. Januar

Gedenktag orthodox: 15. Januar

Gedenktag armenisch: 6. Dezember
liturgische Feier am Donnerstag nach dem 2. Adventssonntag
bedacht in der armenischen Anaphora

Gedenktag koptisch: 27. Januar

Gedenktag syrisch-orthodox: 15. Januar, 27. Januar
bedacht in der Basilius-Anaphora<

Name bedeutet: der Kleine (griech. - latein.)

Einsiedler
* um 228 in der Thebais, der Wüste bei Theben, heute Ruinen bei Al Uqsur in Oberägypten
† um 341 in der Ägyptischen Wüste


Paulus stammte aus einer sehr begüterten oberägyptischen Familie. In der Verfolgung unter Kaiser Decius wurde er von seinem Schwager, der sich sein Vermögen aneignen wollte, denunziert und zog sich in die Einsamkeit der Wüste bei Theben - heute Ruinen bei Al Uqsur - zurück. Er lebte dann angeblich 90 Jahre lang als Einsiedler in einer Felsenhöhle.

Antonius, der erfahren hatte, dass es einen noch konsequenteren Einsiedler gibt als er selbst zu sein glaubte, besuchte Paulus kurz vor dessen Tod. Dabei begegnete er einem Hippokentauren - einem Mischwesen aus Pferd und Mensch-, einem früchtetragenden Satyr - einem Dämon aus dem Gefolge des Dionysos, des Gottes der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase - und zuletzt einem Wolf, die ihm den Weg wiesen. Paulus aber hatte seine Zelle verschlossen und ließ sich erst nach langen, beschwörenden Bitten bewegen, sie zu öffnen. Nun fielen sich die Greise freundschaftlich in die Arme, verharrten im Gespräch, und der Rabe, der Paulus täglich ein Brot gebracht hatte, erschien mit zwei Broten. Noch auf der Heimkehr schaute Antonius den Tod des Paulus, kehrte zurück und fand den 113-jährigen entschlafen. Während er überlegte, wie er ihn bestatten sollte, kamen zwei Löwen, scharrten die Grube, und Antonius legte den Toten hinein. Den ihm als Vermächtnis zugedachten aus Palmstroh geflochtenen Rock des Paulus nahm er als Reliquie mit.

Russische Ikone, um 1800: Paulus von Theben, daneben Katharina (links) und Barbara (rechts)
Russische Ikone, um 1800: Paulus von Theben, daneben Katharina (links) und Barbara (rechts)

Paulus gilt als Urheber des Einsiedlerlebens. Die Nachrichten über ihn stammen ausschließlich von Hieronymus, der um 376 seine Lebensgeschichte verfasste. Ob dem tatsächlich eine hiostorische Person zugrunde lag, gilt heute als höchst zweifelhaft, auch weil viele Einzelheiten nicht mit den bekannten Umständen des ägyptischen Einsiedlerlebens übereinstimmen. Gleichwohl wurde die Gestalt des Paulus zum Urbild des Mönchtums.

1381 kamen Paulus' Reliquien nach Buda - dem heutigen Stadtteil von Budapest - in Ungarn. Auf dem Berg Sinai wurde ein Kloster gegründet, das bis heute existiert und Paulus als Vorbild ansieht. In Europa erlangte die Einsiedlerbewegung im 13. Jahrhundert Bedeutung, heute lebt sie als Orden des Heiligen Paulus des Ersten Einsiedlers, Ordo Sancti Pauli Primi Eremitæ.

Attribute: Krücke, Palme, Rabe, zwei Löwen
Patron der Korb- und Mattenflechter
Bauernregeln: St. Paulus klar,/gutes Jahr, / bringt er Wind, regnet's geschwind.
Ist der Paulustag gelinde, / folgen im Frühjahr rauhe Winde.

Worte des Heiligen

In Paulus' Lebensgeschichte Vita Pauli primi eremitae, verfasst um 376 von Hieronymus, heißt es:

Als Antonius nach längerer Suche die Höhle des Paulus fand und dieser ihm den Einlass verwehrte, drohte er, vor seiner Höhle zu sterben, wenn er nicht öffne. Daraufhin erwiderte Paulus: Niemand bittet unter Drohungen, niemand mischt seine Tränen mit Beleidigungen. Und du wunderst dich noch, wenn ich dich nicht empfangen will, da du doch nur gekommen bist, um zu sterben.
Paulus ließ ihn nun eintreten, und beide begannen ein Gespräch, in dessen Verlauf Paulus seinen Gast nach dem Zustand der Welt befragte, die er selbst so lange verlassen hatte: Siehe, derjenige, welchen du mit solcher Mühe gesucht hast, hat altersschwache Glieder, und ungepfegt ist sein graues Haar. Er ist ein Mensch, der bald zu Staub werden wird. Aber weil die Liebe alles erträgt, so erzähle mir doch, ich bitte dich, wie es mit den Menschen steht. Sind in den alten Städten neue Gebäude aufgeführt worden? Wer regiert die Welt? Gibt es noch Menschen, die in teuflischem Irrtum befangen sind?
Während die beiden so zusammen redeten, bemerkten sie, dass ein Rabe sich auf einem Ast eines Baumes niedergelassen hatte. Von dort flog er sanft herab und legte zu ihrem Erstaunen ein ganzes Brot vor sie hin. Als der Rabe fort war, rief Paulus aus: Wahrhaftig, der Herr hat uns in seiner Güte und Barmherzigkeit Speise gesandt. Sechzig Jahre sind es schon, dass ich immer nur ein halbes Brot erhalte, aber bei deiner Ankunft hat der Herr seinen Streitern die Ration verdoppelt.
Es entstand nun Streit … darüber, wer das Brot brechen sollte. Paulus berief sich auf das Recht der Gastfreundschaft, Antonius weigerte sich unter Hinweis auf den Altersunterschied. Endlich kamen sie überein, jeder solle das Brot an einer Seite anfassen, an sich ziehen und den in der Hand zurückbleibenden Teil behalten. … Die ganze Nacht über blieben sie wach und brachten Gott ein Lobopfer dar. Und als der Morgen dämmerte, da sprach der hl. Paulus zu Antonius: Mein Bruder, schon längst habe ich gewusst, dass du in dieser Gegend wohnst; schon längst hatte Gott mir versprochen, dass du einmal mein Mitgenosse sein werdest. Doch die Zeit meines Heimganges ist gekommen, und da ich immer wünschte, aufgelöst und mit Christus zu sein, erwartet mich nach Vollendung meiner Laufbahn nur noch die Krone der Gerechtigkeit. Du aber bist von Gott gesandt worden, um meinen armseligen Leib mit Erde zu bedecken, um dem Staub den Staub zurück-zugeben. Auf diese Worte hin bat Antonius unter Tränen und Seufzen, er möge ihn doch nicht verlassen, sondern ihn als Begleiter auf diese Reise mitnehmen. Er erhielt zur Ant-wort: Nicht was dir, sondern was anderen zum Nutzen gereicht, musst du suchen. Für dich wäre es freilich besser, die Bürde des Fleisches abzulegen und dem Lamme zu folgen. Aber für die übrigen Brüder ist es gut, dass sie sich an deinem Beispiel erbauen. Wohlan denn, wenn dir meine Bitte nicht lästig fällt, bringe den Mantel herbei, welchen dir der Bischof Athanasius gegeben hat, um meinen Leichnam einzuhüllen.

Hieronymus: Leben des Heiligen Paulus, des ersten Einsiedlers. In: Des Heiligen Kirchenvaters Eusebius Hieronymus ausgewählte Schriften, aus dem Lateinischen übersetzt von Ludwig Schade. Bibliothek der Kirchenväter, Kempten / München 1914, 1. Band, S. 21 - 33

Zitat von Hieronymus , der im Anschluss an diesen Bericht die Lebensweise des Paulus kontrastiert mit der seiner begüterten Leser:

Woran hat es diesem von allem entblößten Greise je gefehlt? Ihr habt Trinkgeschirre aus edlen Gesteinen, er bediente sich der hohlen Hand. Ihr wirkt Gold in eure Kleider, er konnte sich noch nicht einmal anziehen wie eure ärmsten Sklaven. Andererseits steht ihm, dem Armen, das Paradies offen, euch dagegen, die ihr von Gold strotzt, verschlingt die Hölle. Wenn auch nackt, so hat er doch Christi Kleid treu bewahrt, ihr dagegen, die ihr in Seide einhergeht, habt das Gewand Christi verloren. Paulus liegt begraben unter wertlosem Staub, um aufzustehen zur Herrlichkeit; euch aber, die ihr samt euren Schätzen brennen werdet, beschweren mühevoll aus Stein gearbeitete Grabstätten. Ich bitte, schont euch, schont wenigstens euren geliebten Reichtum! Warum hüllt ihr denn sogar eure Toten in goldgestickte Kleider ein? Warum hört der Ehrgeiz nicht auf in den Tagen der Trauer und der Tränen? Können denn die Leiber der Reichen nur in Seide verwesen?

Hieronymus: Leben des Heiligen Paulus, des ersten Einsiedlers. In: Des Heiligen Kirchenvaters Eusebius Hieronymus ausgewählte Schriften, aus dem Lateinischen übersetzt von Ludwig Schade. Bibliothek der Kirchenväter, Kempten / München 1914, 1. Band, S. 33

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Hieronymus: Leben des Hl. Paulus, des ersten Einsiedlers

Catholic Encyclopedia

Acta Sanctorum

  Der deutsche Zweig des Ordens des Heiligen Paulus des Ersten Einsiedlers stellt sich auf einer eigenen Homepage vor.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 18.09.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bauernregeln.net/januar.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.