Ökumenisches Heiligenlexikon

Prudentius von Narbonne

französischer Name: Prudent

1 Gedenktag katholisch: 6. Oktober

Name bedeutet: der Erfahrene (latein.)

Archidiakon, Märtyrer
* in Narbonne in Frankreich
† um 257 daselbst


Prudentius war ein brillanter Schüler und wurde Erzdiakon in Narbonne. Er führte ein heiligmäßiges Leben und vollbrachte Wunder, was den Hass der Ungläubigen gegen ihn erregte, deshalb wurde er eingesperrt, gefoltert und ihm schließlich der Schädel eingeschlagen.

Reliquiar in der Kathedrale in Narbonne
Reliquiar in der Kathedrale in Narbonne

Prudentius wurde damit einer der ersten Märtyrer der Kirche von Narbonne. Er wurde von Christen bestattet, doch seine Verfolger gruben der Überlieferung zufolge seinen Leichnam aus und warfen ihn Greifvögeln und anderen wilden Tieren vor, aber die Tiere rührten ihn nicht an, so dass er noch einmal begraben vor weiterer Entweihung geschützt werden konnte. Über seinem Grab wurde dann ein Oratorium errichtet, das zum Wallfahrtsort wurde. 882 machte Bischof Geilon von Langres auf der Rückreise von Santiago de Compostela Station in Narbonne, nahm die Reliquien an sich und brachte sie ins damalige Kloster Fontaine de Bèze - später Saint-Pierre - nach Bèze bei Dijon, wo sie 883 niedergelegt wurden. Um sie vor den eindringenden Normannen zu schützen, kamen die Gebeine 887 in die damalige Kirche Saint-Etienne - heute das Museum François Rude - nach Dijon, am 23. September 921 wurden sie zurückgegeben.

Das Kloster in Bèze wurde aufgrund dieser Reliquien des Prudentius ein bedeutendes Ziel von Wallfahrten, die bis ins 12. Jahrhundert blühten, weil sich dort viele Wunder ereigneten: nach den Aufzeichnungen des dortigen Mönches Theobald wurden Gelähmte, Blinde und Stumme geheilt, Besessene von Dämonen befreit und drei ertrunkene Kinder wieder zum Leben erweckt. 935/936 drangen die Ungarn in Burgund ein und legten Feuer an das Kloster, dasselbe geschah bei deren Rückzug 937. Erst 988 konnte das Kloster erneut aufgebaut werden, es wurde in der Reformation eine Zeit lang aufgegeben, in der Französischen Revolution geschlossen, die Gebäude wurden verkauft, die verbliebenen Gebäude sind heute Privatbesitz.

Das Kloster in Bèze kann im Juli und August von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 15 Uhr bis 18.30 Uhr besichtigt werden, der Eintritt beträgt 6 €. (2026)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.10.2026

Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 4. Band: M-P. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, Fortgesetzt von J. N. Ginal, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1875
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_Saint-Pierre_de_B%C3%A8ze - abgerufen am 18.07.2023
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Prudent_de_Narbonne - abgerufen am 18.07.2023

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.